{"id":101,"date":"2015-01-08T17:51:41","date_gmt":"2015-01-08T17:51:41","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/japan\/?p=101"},"modified":"2017-04-21T11:47:01","modified_gmt":"2017-04-21T09:47:01","slug":"yoghurt-mit-stbchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2015\/01\/08\/yoghurt-mit-stbchen\/","title":{"rendered":"Wie isst man Yoghurt mit St&auml;bchen?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Flagge1\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/flagge11.jpg\" alt=\"\" width=\"69\" height=\"58\" \/>Bei meinen Arbeitsaufenthalten in Japan war ich nach einer Einarbeitungsphase weitgehend auf mich alleine gestellt bzw. wickelte die Fahrten zwischen Hotel (Ryokan) und dem Werk des Arbeitgebers per Bahn selbstst\u00e4ndig ab. Die Verk\u00f6stigung war eigentlich halbwegs gesichert: Morgens gab es ein\u00a0 <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2014\/11\/28\/japanisch-frhstcken-mit-anleitung\/\">japanisches Fr\u00fchst\u00fcck<\/a> im Hotel und Mittags gab es japanisches Essen in der Kantine meines Arbeitgebers. Oft war es aber so, dass ich bis sp\u00e4t in der Nacht arbeitete, und dann auf der R\u00fcckfahrt mit dem Zug pl\u00f6tzlich Hunger versp\u00fcrte. Was machst Du da?<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/785f7086e0314c2c8fa57d3ace88c8a2\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Im Gegensatz zum Deutschland der 90er Jahre gab es in Japan (selbst in der Provinzstadt Kawagoe) rund um die Uhr ge\u00f6ffnete L\u00e4den. Auf dem Weg vom Bahnhof zu meinem Hotel kam ich an solchen L\u00e4den vorbei. Die waren durchweg nur mit einem Angestellten an der Kasse besetzt \u2013 meist ein extrem junger Kerl, der kein Englisch sprach.<\/p>\n<p>Also bin ich dann in einen solchen Laden und habe das Angebot durchstreift. Wenn man aber kein Japanisch lesen kann, wird es etwas schwierig mit den dort angebotenen T\u00fcten. Manchmal gab es labberige Sandwiches mit Ei in Klarsichtfolie. War aber nicht immer vorhanden. Aber es gab K\u00fchlregale, in denen neben dem allgegenw\u00e4rtigen Bier meist auch Joghurt zu finden war. Recht teuer, aber ein Becher Yoghurt sollte f\u00fcr den kleinen Hunger reichen \u2013 und man ich konnte nicht viel verkehrt machen \u2013 oder doch?<\/p>\n<p>Unvermittelt stand ich vor einem Problem: Bei den Joghurt-Bechern waren keine L\u00f6ffel dabei \u2013 und im Laden konnte ich kein Plastikbesteck finden. Ich bin am betreffenden Abend mit knurrendem Magen unverrichteter Dinge aus dem Laden raus. Am n\u00e4chsten Morgen nahm ich mir vor, einen Teel\u00f6ffel zu besorgen.<\/p>\n<p>Leicht gesagt, aber wie kriegst Du im Land der St\u00e4bchen so was wie einen Teel\u00f6ffel? Irgendwo kam ich jeden Morgen an einem Eisenwaren-\/Haushaltwarenladen vorbei. Der Eingang war ein dunkles Loch, welches mich an die Schmiede im Dorf meiner Kindheit erinnerte. Am Eingang standen Weidenk\u00f6rbe, in denen Ketten und andere Metallwaren enthalten waren. Ich habe also einen Abstecher in den Laden gemacht, die K\u00f6rbe inspiziert und auch einen Blick in den Verkaufsraum geworfen, konnte aber keinen L\u00f6ffel ersp\u00e4hen. Der junge Verk\u00e4ufer sprach leider nur japanisch und konnte mit dem englischen Wort \u201cSpoon\u201d nichts anfangen.<\/p>\n<p>Also zog ich unverrichteter Dinge ab. Mit guten Japanisch-Kenntnissen h\u00e4tte ich wohl die Auskunft bekommen, wo es L\u00f6ffel g\u00e4be. Ob man im B\u00fcro oder in der Kantine des Arbeitgebers irgendwo einen Teel\u00f6ffel h\u00e4tte auftreiben k\u00f6nnen, wei\u00df ich nicht. Tags\u00fcber war ich immer so in Arbeit versunken, dass mir die Frage L\u00f6ffel oder nicht\u00a0 gar nicht einfiel. Ich hatte mir lediglich f\u00fcr \u00e4u\u00dferste Notf\u00e4lle einen Satz Holzst\u00e4bchen vom Mittagessen aus der Kantine mitgenommen.<\/p>\n<p>Als ich wieder mit knurrendem Magen aus der Bahn stieg, wollte ich es wissen. Also einen Joghurt-Becher geschnappt \u2013 und dann sah ich einen kleinen Eisbecher, wo ein kleiner Plastikspatel zum \u201cL\u00f6ffeln\u201d des Eises in Zellophan beigepackt war. Die Not war gro\u00df, der Hunger auch &#8211; also habe ich auch diesen Becher gekauft. So bewaffnet stiefelte ich das Eis aus dem Becher l\u00f6ffelnd aus dem Laden und machte mich auf den Weg zum Hotel. Das Joghurt wollte ich auf meinem Zimmer in Ruhe essen.<\/p>\n<p>Guter Plan, funktionierte nur nicht so wirklich. Auf dem Zimmer angekommen, \u00f6ffnete ich erwartungsvoll den Joghurt-Becher, griff zum Plastik-Spatel aus dem Eisbecher und musste schnell feststellen, dass das nicht funktionierte. Erstens war die Fl\u00e4che des Spatels so kurz, dass man maximal kleine Joghurt-Pf\u00fctzen aus dem Becher herausl\u00f6ffeln konnte, die nicht mal einer Katze gereicht h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Also mussten die St\u00e4bchen ran. Vom Mittagessen wusste ich, das die Japaner damit alles handhaben. Notfalls wurde die Sch\u00fcssel mit der Speise an den Mund angesetzt und man scharrte das Essen mit den St\u00e4bchen in den Mund. Habe ich auch versucht \u2013 das erste Drittel des Joghurt-Bechers lie\u00df sich auch mit etwas M\u00fche per St\u00e4bchen in den Mund schaufeln. Ein Joghurt-Becher ist aber enger als eine Reisschale \u2013 und Joghurt hat auch eine andere Konsistenz als Reis.<\/p>\n<p>Das Ende vom Lied? Ich habe in einer Kombination bestimmter Esstechniken, das Joghurt per Plastikspatel, per St\u00e4bchen und mit Sch\u00fctteln (Yoghurt-Becher \u00fcber Kopf und den Inhalt irgendwie in den Mund flie\u00dfen lassen) den gr\u00f6\u00dften Teil konsumiert. Der Rest wurde dann nach Altv\u00e4ter-Sitte per Finger aus dem Plastikbecher in den Mund bugsiert. Nicht wirklich erbauend \u2013 aber es hat ja keiner gesehen und verhungert bin ich auch nicht.<\/p>\n<p>Postscriptum: Angesichts dieser Esstechnik beim ersten Arbeitsaufenthalt reifte bei mir der Entschluss \u201csolltest Du jemals wieder in dieses Land zur\u00fcck m\u00fcssen, nimmst Du dir ein kleines Messer und einen Teel\u00f6ffel von zu Hause mit\u201d. Und es kam, wie es kommen musste: Alle Vereinbarungen, die ich beim ersten Arbeitsaufenthalt mit den japanischen Projektmitarbeitern getroffen hatte, wurden von diesen nach Belieben umgesto\u00dfen. Also fand ich mich urpl\u00f6tzlich wieder in 10.000 Meter H\u00f6he in einem Flieger \u00fcber Sibirien \u2013 und als mir \u00fcber Wladiwostok ein japanisches Fr\u00fchst\u00fcck serviert wurde, fiel es mir siedend hei\u00df ein \u201cScheibenkleister, jetzt hast Du beim Packen den L\u00f6ffel vergessen\u201d. Also habe ich mir bei JAL einen metallenen Teel\u00f6ffel ausgeborgt und in die Hosentasche gesteckt. Half mir beim n\u00e4chsten Arbeitsaufenhalt in Kawagoe beim Joghurt-L\u00f6ffeln. Beim R\u00fcckflug habe ich den L\u00f6ffel wieder mit dem Bordgeschirr zur\u00fcckgegeben. Das \u201cL\u00f6ffelborgen\u201d hat \u00fcbrigens bei mehreren Arbeitsaufenthalten prima geklappt. Und damit wissen Sie nun, wie man Joghurt mit St\u00e4bchen isst \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei meinen Arbeitsaufenthalten in Japan war ich nach einer Einarbeitungsphase weitgehend auf mich alleine gestellt bzw. wickelte die Fahrten zwischen Hotel (Ryokan) und dem Werk des Arbeitgebers per Bahn selbstst\u00e4ndig ab. Die Verk\u00f6stigung war eigentlich halbwegs gesichert: Morgens gab es &hellip; <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2015\/01\/08\/yoghurt-mit-stbchen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[6],"class_list":["post-101","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-essen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=101"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}