{"id":267,"date":"2015-11-29T22:13:00","date_gmt":"2015-11-29T22:13:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/japan\/?p=267"},"modified":"2024-07-26T12:11:18","modified_gmt":"2024-07-26T10:11:18","slug":"meine-erste-solo-bahnfahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2015\/11\/29\/meine-erste-solo-bahnfahrt\/","title":{"rendered":"Meine erste Solo-Bahnfahrt"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/flagge11.jpg\" alt=\"\" align=\"left\" \/>An einem Samstag Nachmittag wollte ich per Bahn nach Tokyo fahren, um von einer japanischen Kollegin die Stadt gezeigt zu bekommen. Eigentlich ist mit der Bahn zu fahren ja eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit \u2013 Millionen Japaner nutzen \u00f6ffentliche Verkehrsmittel, um zur Arbeit zu kommen und dann wieder nach Hause zur\u00fcck zu kehren. Das ist aber leichter gesagt als getan, wenn man kein japanisch lesen und sprechen kann.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/aab2a9baf771466b8f97e6f30a252f2c\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Zur Zeit meiner Aufenthalte war die Stadt Kawagoe noch Provinz, so dass Haltestellen in Bahnh\u00f6fen, Fahrkartenautomaten etc. ausschlie\u00dflich in japanischer Schrift bezeichnet waren. Nur in Tokyo waren S-Bahnh\u00f6fe auch in Romani, also westlicher Schreibweise, ausgeschildert. Die beispielsweise <a href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20150929035343\/http:\/\/www.seibu-group.co.jp\/railways\/tourist\/english\/train_information\/howto\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> gegebenen Informationen in englisch waren damals nicht verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Nachfolgend ist ein Video zu sehen, welches den Bahnhof Hon Kawagoe in der heutigen Fassung, samt Zugang zum Bahnsteig, zeigt. Damals war das alles noch sehr viel einfacher gehalten. Hier noch <a href=\"https:\/\/youtu.be\/UIU9CVkI6lw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Video<\/a> der Bahnstation.<\/p>\n<p>Aber nachdem mir ein japanischer Kollege ein paar Tage vorher erkl\u00e4rt hatte, wo ich ein Ticket ziehen und in den Zug steigen sollte, war ich gut vorbereitet. Der Fahrkartenverkauf klappte, und ich war mir sicher, den richtigen Bahnsteig f\u00fcr die Bahn nach Shinjuku der Seibu Shinjuku Line gew\u00e4hlt zu haben. Es gab nur ein kleines Problem: Meine japanische Kollegin Frau Hashimoto hatte erw\u00e4hnt , dass ich entweder in <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Takadanobaba_Station\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Takadanobaba<\/a> (\u9ad8\u7530\u99ac\u5834) oder am Bahnhof <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Seibu-Shinjuku_Station\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Seibu-Shinjuku<\/a> (\u897f\u6b66\u65b0\u5bbf) aussteigen k\u00f6nne \u2013 ich m\u00fcsse das nur mit der Dame, die mich durch Tokyo begleiten wolle, absprechen. Ich entschied mich f\u00fcr das Treffen am Seibu-Shinjuku-Bahnhof.<\/p>\n<p>Aber wie bekommt man mit, durch welchen Bahnhof der Zug gerade f\u00e4hrt? Ich konnte ja kein japanisch, war aber mit einer handgeschriebenen Liste der Ankunftszeiten f\u00fcr Takodanobaba und Seibu-Shinjuku ausgestattet. Also sa\u00df ich im Zug und habe erst einmal eine geraume Zeit abgewartet \u2013 fing dann aber an, die Zeiten auf dem Zettel zu studieren. Zuerst war mir ja etwas mulmig, weil die Bahnhofsnamen in japanisch angesagt bzw. auf den Bahnsteigen beschriftet waren. Aber als es nach meinem Zettel Zeit wurde, dass wir im Bahnhof Taokodanobaba einfahren sollten, kam auf die Minute genau der Bahnhof in Sicht. Und da dieser bereits in Tokyo lag, war sogar der Name in westlicher Schrift am Bahnhof auf einem Schild zu lesen. Beruhigt sah ich dann der n\u00e4chsten Station entgegen. Und wirklich, auf die Minute genau kamen wir am Bahnhof Shinjuku an.<\/p>\n<p>Beim Aussteigen stellte ich dann fest, dass es die Endstation der Seibu-Shinjuku Linie war. Ich h\u00e4tte mir also keine so gro\u00dfen Sorgen zu machen brauchen. Aber der Umstand, dass der Zug auf die Minute p\u00fcnktlich an den Bahnh\u00f6fen einlief, empfand ich als extrem hilfreich. Hatte man den richten Zug erwischt, konnte man auch ohne Japanisch-Kenntnisse quasi \u201cnach der Uhr fahren\u201d und an der gew\u00fcnschten Station aussteigen.<\/p>\n<p>Nach der Ankunft geht man vom Bahnsteig durch eine Schranke, in der das Ticket mittlerweile von Automaten gelesen und entwertet wird. Hat man zu wenig bezahlt, kann man unkompliziert nachl\u00f6sen \u2013 so verlieren die Japaner kein Gesicht, falls sie einen Fehler gemacht und ein falsches Ticket bezahlt haben. M\u00fc\u00dfig zu erw\u00e4hnen, dass alles glatt lief und ich die japanische Kollegin am Ausgang des Bahnhofs traf. Wir fuhren dann per S-Bahn diverse Stellen wie <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Akihabara\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Akihabara<\/a> (\u79cb\u8449\u539f) \u2013 die Elektronic-Einkaufsmeile, oder die <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ginza\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ginza<\/a> (\u9280\u5ea7), die Shopping-Meile, in Tokyo an.<\/p>\n<p>Nach einem langen Tag lieferte mich die Dame am Bahnhof <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Seibu-Shinjuku_Station\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Seibu-Shinjuku<\/a> (\u897f\u6b66\u65b0\u5bbf) ab und zeigte mir das Gleis der Seibu-Shinjuku-Linie, auf dem der Zug nach Hon Kawagoe (\u672c\u5ddd\u8d8a\u99c5) abfuhr. Den Namen der Endstation konnte man auf dem Zug lesen \u2013 ich fand es zwar schwierig, den Namen in Kanji-Zeichen zu lesen. Aber zumindest Hon Kawa (\u672c\u5ddd) konnte ich mir merken (Kawa ist die Silbe f\u00fcr Fluss, was in dem betreffenden japanische Zeichen (\u5ddd) zu finden ist. Hier noch ein Video, welches den Bahnhof in Shinjuku mit dem nach Hon Kawagoe abfahrenden Zug zeigt.<\/p>\n<p>(Video: <a href=\"https:\/\/youtu.be\/3kUKHsFk8vM?t=43\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Youtube<\/a>)<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckfahrt wurde mir aber wieder ein Problem deutlich: Wie wei\u00df ich, welcher Bahnhof gerade angefahren wird. Irgendwo hatte ich mitbekommen, dass die Linie nicht immer nach Hon Kawagoe durchfuhr. Und wenn ich mal einen falschen Zug erwischt h\u00e4tte, wollte ich das so schnell als m\u00f6glich merken. Also begann ich mir den Streckenplan, der in jedem Wagon angeschlagen war, genau anzusehen. Dort waren die Stationen in Kanji-Schrift vermerkt. Als wir im ersten Bahnhof Takodanobaba einliefen, versuchte ich den Stationsnamen in Kanji-Schrift auf dem Bahnsteig zu finden \u2013 was mir aber nicht gelang. Es gab einfach zu viele Werbetafeln, Hinweisschilder und so weiter. Auch bei der zweiten und dritten Station ging diesbez\u00fcglich nichts.<\/p>\n<p>Aber irgendwann gelang es mir die Namen der Stationen doch zu finden. Ich kannte die Kanji-Zeichen deguchi (\u51fa\u53e3) f\u00fcr Ausgang und iguchi (\u5165\u53e3 ) f\u00fcr Eingang. Als ich zum ersten Mal diese Zeichen durch das Fenster meines Abteils auf dem Bahnsteig sah, schloss ich messerscharf, dass dazwischen auch irgendwo der Stationsname zu finden sein m\u00fcsste. Am n\u00e4chsten Bahnhof gelang es mir fast auf Anhieb die Zeichen \u51fa\u53e3 und \u5165\u53e3 zu finden. Und dann meinte ich pl\u00f6tzlich eine \u00dcbereinstimmung mit dem Stationsnamen auf der Streckenkarte im Wagon mit einem Zeichen auf dem Bahnsteig erkannt zu haben. Leider fuhr der Zug bereits wieder an. Aber ich hatte ja noch <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Seibu_Shinjuku_Line\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einige Stationen<\/a> und probierte meine neuen Erkenntnisse aus. Nach weiteren Stationen konnte ich sicher Namen wie <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Tanashi_Station\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tanashi<\/a> (\u7530\u7121), <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Kodaira_Station\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kodaira<\/a> (\u5c0f\u5e73),\u00a0 <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Kumegawa_Station\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kumegawa<\/a> (\u4e45\u7c73\u5ddd) oder <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Higashi-Murayama_Station\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Higashi-Murayama<\/a> (\u6771\u6751\u5c71) am Bahnsteig ausmachen. Dabei kam mir zu Hilfe, dass ich mit die Zeichen \u7530 (Ta) f\u00fcr Reisfeld, \u5c0f f\u00fcr klein (chiisai), \u5ddd f\u00fcr Fluss (Kawa) oder \u5c71 f\u00fcr Berg (Moto) gut merken konnte (siehe <a href=\"http:\/\/wikitravel.org\/de\/Sprachf%C3%BChrer_Japanisch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">auch<\/a>).<\/p>\n<p>Lange Rede kurzer Sinn, die im Fahrplan angegebenen <a href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20150830023054\/http:\/\/www.seibu-group.co.jp:80\/railways\/tourist\/english\/timetables_fares\/timetables_seibu_shinjuku.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ankunftszeiten<\/a> stimmten und ich kam an diesem Tag und auch an weiteren Tagen immer zuverl\u00e4ssig in Shinjuku (Tokyo) oder Hon Kawagoe an. Irgendwann war Bahnfahren auf dieser Strecke dann Gewohnheit und ich nutzte freie Wochenenden, um nach Shinjuku zu fahren. Dort streifte ich durch die Stra\u00dfen mit ihren Pachinko-Spielhallen, L\u00e4den, Am\u00fcsierbetrieben und setzte mich oft auf einen Mauervorsprung oder einen Blumenk\u00fcbel, um die Leute zu betrachten. In Shinjuku trieben sich viele junge Japaner herum, die wir irgendwie als Punks bezeichnen w\u00fcrden. Grell gef\u00e4rbte Haare und abgefackte Kleider waren das Markenzeichen. Viele verdienten sich ein paar Yen, indem sie mit Schildern auf Brust und R\u00fccken Werbung f\u00fcr irgendwelche Lokale oder Gesch\u00e4fte liefen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An einem Samstag Nachmittag wollte ich per Bahn nach Tokyo fahren, um von einer japanischen Kollegin die Stadt gezeigt zu bekommen. Eigentlich ist mit der Bahn zu fahren ja eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit \u2013 Millionen Japaner nutzen \u00f6ffentliche Verkehrsmittel, um zur Arbeit &hellip; <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2015\/11\/29\/meine-erste-solo-bahnfahrt\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[19,17],"class_list":["post-267","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-allgemein","tag-bahn"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=267"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":893,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267\/revisions\/893"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=267"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=267"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=267"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}