{"id":300,"date":"2015-01-08T17:55:00","date_gmt":"2015-01-08T17:55:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/japan\/?p=300"},"modified":"2022-08-31T15:21:48","modified_gmt":"2022-08-31T13:21:48","slug":"monteurs-snack-eifelschinken-mit-raki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2015\/01\/08\/monteurs-snack-eifelschinken-mit-raki\/","title":{"rendered":"Monteurs-Snack: Eifelschinken mit Raki"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Flagge1\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/flagge11.jpg\" alt=\"\" width=\"69\" height=\"58\" \/> An dieser Stelle noch eine kleine Geschichte, die von \u201cheimwehkranken\u201d Westlern, meiner Liebe zu Anisschnaps und einigem mehr handelt. Trug sich bei meinem dritten Arbeitsaufenthalt in Japan zu, als ich eine Anlage in Betrieb nehmen musste. Tja, wie bekommt man dies zusammen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/63e0eacbd45c4ae4ae65c87387bcdf09\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Wie man Joghurt mit St\u00e4bchen isst, oder was Soba-Suppe bedeutet und was St\u00e4bchen damit zu tun haben, wurde ja in anderen Blog-Beitr\u00e4gen thematisiert. Aber es gibt eine andere Story, in der Japaner eigentlich kaum vorkommen. Bei der Inbetriebnahme ging es oft bis in den sp\u00e4ten Abend durch, so dass mein Mitarbeiter und ich erst um 23:00 Uhr im Ryokan ankamen. Wir waren oft zu m\u00fcde, um noch was essen zu gehen (z.B. die im folgenden Beitrag beschriebene Soba-Suppe). Andererseits gab es noch den \u201ckleinen Hunger\u201d und eine Art \u201cAbsacker\u201d war auch angebracht. Im Ryokan gab es au\u00dferhalb der regul\u00e4ren Fr\u00fchst\u00fccksgeschichte nichts zu essen \u2013 und nur Joghurt war auch nicht immer erw\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Beim ersten Abstecher nach Japan hatte mir ein Manager der mich entsendenden Firma den Tipp gegeben, den lokalen Managern ein \u201cGastgeschenk\u201d in Form einer guten Flasche Cognac mitzubringen. W\u00e4re f\u00fcr das Projekt und dessen gelingen ganz vorteilhaft. Der Kauf ging nat\u00fcrlich auf meine Kosten \u2013 weshalb ich im Duty Free Shop des Flughaftens Charles de Gaulle in Paris eine Flasche Cognac erstand. Der Preis lag erinnerungsm\u00e4\u00dfig zwischen 50 und 80 DM \u2013 f\u00fcr mich viel Geld. Ich staunte aber nicht schlecht, dass dort sehr junge Japaner im Duty Free Shop standen und Cognac f\u00fcr 190 DM die Flasche oder s\u00fcndhaft teure Parf\u00fcms kauften. Im Reisef\u00fchrer las ich, dass es in Japan \u00fcblich war, dass man von einer Reise (m\u00f6glichst teure) Gastgeschenke mitbrachte, die den Daheimgebliebenen \u00fcberreicht wurden. Teuer, um die Wertsch\u00e4tzung auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>Randnotiz f\u00fcrs Protokoll: Als ich am japanischen Standort die erste Besprechung mit dem deutschen Manager hatte, stellte ich fest, dass auch eine ganze Reihe Japaner anwesend waren. Ich hielt es nicht f\u00fcr angebracht, dem deutschen Manager das \u201cGastgeschenk\u201d vor der Mannschaft zu \u00fcberreichen und die japanischen Mitarbeiter in die R\u00f6hre schauen zu lassen \u2026<\/p>\n<p>\u2026 mein Plan B war nun, eine gute Gelegenheit abzuwarten, an dem ich alleine mit dem deutschen Manager w\u00e4re, um die Flasche Cognac aus meinem Aktenkoffer zu \u00fcberreichen. Wie es aber so ist, nachdem ich von Plan A (Gastgeschenk direkt beim Treffen \u00fcberreichen) auf Plan B (Gastgeschenk bei g\u00fcnstiger Gelegenheit \u00fcbergeben) umgeschwenkt war, wurde auch dieser verworfen und auf Plan C umgestellt. In der ersten Besprechung krachte ein n\u00e4mlich gewaltig und ich klassifizierte den deutschen Manager als Ar\u2026loch. Von unserem Management in Deutschland hatte ich noch den Tipp (warum wohl), wenn es \u00c4rger gebe, solle ich die President of xxx Japan in Tokyo anrufen. Erst als ich in der Besprechung darum bat, eine Telefonverbindung mit dem obersten Japan-Chef des Unternehmens zu f\u00fchren, weil ich keine Projektarbeit auf dieser Basis durchzuf\u00fchren gedenke, riss sich der gute Mann am Riemen. Aber die Besprechung ging frostig zu Ende. Und ich beschloss: Der Arsch s\u00e4uft deinen Cognac nicht! Also habe ich die Flasche wieder mit nach Hause genommen und selbst geleert. War gut, das Ges\u00f6ff. Den Manager habe ich \u00fcbrigens nie mehr zu Gesicht bekommen, wenn es Kontakt zum lokalen Management gab, war ein Pharma-Manager Ansprechpartner \u2013 ein Deutscher, seit 1964 im Lande lebte und mit einer Japanerin verheiratet \u2013 ein ganz angenehmer Mensch.<\/p>\n<p>Ist jetzt etwas lange ausgeholt. Aber bei meinen nun doch folgenden Arbeitsaufenthalten in Japan hatte ich es mir angew\u00f6hnt, im Duty Free Shop ein oder zwei Flaschen Raki zu kaufen \u2013 eine sollte nach Deutschland zur\u00fcck kommen (als langj\u00e4hriger T\u00fcrkei-Reisender hatte ich den Anisschnaps, den man mit Wasser verd\u00fcnnt, lieben gelernt). Als Gastgeschenke gab es f\u00fcr die japanische Kollegen immer Grassamen \u2013 denn diese waren ganz wild auf \u201cgreen gras\u201d \u2013 also auch im Sommer noch gr\u00fcner Rasen, wie in Deutschland so \u00fcblich. Was ich nicht wusste: Die Sommersonne brannte in Japan jedes Gras gnadenlos in Gelb- und Braunt\u00f6ne.<\/p>\n<p>Egal: im Ryokan gab es Abends, statt gr\u00fcnem Tee, der einen nicht mehr schlafen lie\u00df, vor dem \u2018zu Bett gehen\u2019 immer ein Glas Wasser mit einem Schuss Raki. War an manchen Tagen eine Art Abschlussritual mit dem Mitarbeiter, um den Tag Revue passieren zu lassen.<\/p>\n<p>Und es gab noch etwas: Als Sohn eines Bauern aus der Eifel gab es von den Eltern bei den Besuchen einen selbst gep\u00f6kelten und ger\u00e4ucherten Schinken mit auf die Heimfahrt. Ich habe das Teil dann nochmals Monate in der Luft trocknen lassen, bis das Teil knochenhart war. Und ein kleines Restst\u00fcck von vielleicht 400 Gramm hatte ich mir in einem Anfall von \u201cwer wei\u00df, wozu Du das brauchen kannst\u201d zusammen mit einem Taschenmesser in mein Gep\u00e4ck gesteckt. Ich bin auch anstandslos durch den Zoll gekommen \u2013 und zum abendlichen Ritual geh\u00f6rte auch, dass ich mit dem Taschenmesser hauchd\u00fcnne Scheiben von dem arg harten, trocken und salzigen, aber extrem aromatischen Schinken abs\u00e4belte. Diese Scheiben haben wir dann gegessen und mit einem Glas Raki runtergesp\u00fclt. Und in der Ferne schmeckt so was nat\u00fcrlich doppelt gut.<\/p>\n<p>PostScript: Im Nachgang habe ich dann festgestellt, dass die Einfuhr von Nahrungsmitteln in Japan (wegen des Einschleppens von Krankheitserregern) untersagt ist. Wird in Deutschland nicht anders gehandhabt. Es sei denn, es gibt eine amtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung f\u00fcr den Zoll. So was hatte ich nicht \u2013 aber: In dem gep\u00f6kelten Schinken lebte nichts mehr \u2013 h\u00e4tte man zum Einwerfen von Fensterscheiben verwenden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei meinem R\u00fcckflug war noch ein gewichtiger Teil des Schinkens \u00fcbrig. Der nun aus Deutschland f\u00fcr einige Jahre nach Japan beorderte Anlagenleiter hatte mir am Rande einer Besprechung, als ich das japanische Essen lobte, sein Leid geklagt, dass er Wurstwaren vermisse. Wenn es was g\u00e4be, w\u00e4re das extrem teuer \u2013 und Schinken sei so gut wie nicht zu bekommen. Ich habe ihm das Restst\u00fcck meines Eifel-Schinkens geschenkt \u2013 und einen gestandenen Mann mit feuchten Augen erlebt.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich stand dann so 2 Wochen Umstellung von japanischer Kost auf deutsches Essen an. Ich habe in Japan (bis auf Raki und kleine Scheiben Schinken) nur japanisches Essen zu mir genommen \u2013 und gut vertragen. Allerdings stellte ich fest, dass mein Magen dann Probleme bekam, wenn er abrupt auf die deftige deutsche K\u00fcche umgestellt wurde. Also war 14 Tage Zwieback und Toastbrot sowie Suppe angesagt, bis deutsches Essen wieder ging. Beim ersten Aufenthalt wusste ich das nicht \u2013 also g\u00f6nnte ich mir beim R\u00fcckflug mit Japan Airlines eine kleine Flasche Rotwein (0,25 l) und ein St\u00fcck Buttercreme-Torte. War mir schlecht \u2013 ich bin fast gestorben \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An dieser Stelle noch eine kleine Geschichte, die von \u201cheimwehkranken\u201d Westlern, meiner Liebe zu Anisschnaps und einigem mehr handelt. Trug sich bei meinem dritten Arbeitsaufenthalt in Japan zu, als ich eine Anlage in Betrieb nehmen musste. 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