{"id":384,"date":"2016-04-24T09:40:59","date_gmt":"2016-04-24T09:40:59","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/japan\/?p=384"},"modified":"2024-07-26T12:10:02","modified_gmt":"2024-07-26T10:10:02","slug":"der-flug-nach-osaka","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2016\/04\/24\/der-flug-nach-osaka\/","title":{"rendered":"Der Flug nach Osaka"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Flagge1\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/flagge11.jpg\" alt=\"\" width=\"69\" height=\"58\" \/>Im Rahmen meines ersten Arbeitsaufenthalts in Japan hatte ich (an einem freien Wochenende)\u00a0 einen Besuch der alten Kaiserst\u00e4dte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ky%C5%8Dto\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kyoto<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nara\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nara<\/a> geplant. Also stand eine Reise nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Osaka\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Osaka<\/a>, der gr\u00f6\u00dften Stadt in der N\u00e4he von Kyoto und Nara an.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Als Reisemittel w\u00e4re ggf. der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shinkansen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Shinkansen<\/a>-Schnellzug in Frage gekommen. Aber ein Kollege hatte mir den Tipp gegeben, dass die Fluggesellschaften bei einem Ticket von Deutschland nach Japan und retoure meist einen gratis Anschlussflug, zum Beispiel von Tokyo nach Osaka gew\u00e4hren. Ich hatte also im Reiseb\u00fcro meines damaligen Arbeitgebers nachgefragt, ob so ein Bonus m\u00f6glich w\u00e4re. Und in der Tat war es den Mitarbeitern wohl problemlos gelungen, mir ein Flugticket Frankfurt-Paris-Tokyo-Tokyo-Osaka und zur\u00fcck zum gleichen Preis zu buchen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/bea14a8dfbc3404cb8b5e9a7d7f88d28\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Also war es klar, dass ich an einem freien Wochenende einen Flug von Tokyo nach Osaka nehmen und von dort nach Kyoto sowie Nara weiterreisen w\u00fcrde. Ohne <a href=\"http:\/\/wikitravel.org\/de\/Sprachf%C3%BChrer_Japanisch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">japanische Sprach- und Schreibkenntnisse<\/a> ein Abenteuer. Aber die japanischen Kollegen hatten es \u00fcbernommen, mir jeweils ein Hotel in Kyoto und Nara f\u00fcr dieses Wochenende zu buchen. Au\u00dferdem hatte ich ein mit einem japanischem Text beschriftetes \u201cNotfall-K\u00e4rtchen\u201d dabei, falls ich auf der Reise \u201cverloren gehen sollte\u201d \u2013 einfach das K\u00e4rtchen einem Japaner zum Lesen in die Hand dr\u00fccken, der k\u00f6nnte die japanischen Kollegen informieren und mir dann hoffentlich weiter helfen \u2013 dazu aber in einem sp\u00e4teren Beitrag mehr. Da ich mein Zimmer im japanischen Ryokan in Kawagoe f\u00fcr das betreffende Wochenende aufgeben konnte, fielen (bis auf die Kosten f\u00fcr lokale Bahnfahrten) keine zus\u00e4tzlichen Aufwendungen an. Ich musste lediglich (auf eigene Kosten) von Kawagoe zum Flughafen Handeda und von Osaka nach Kyoto kommen. Die Reise konnte also beginnen \u2026<\/p>\n<h3>Haneda, ich komme \u2026<\/h3>\n<p>Und so sa\u00df ich an einem sp\u00e4ten Freitag-Nachmittag, bewaffnet mit einem Flugticket und einem kleinen Rucksack mit den n\u00f6tigsten Reiseutensilien, in der Regionalbahn der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Seibu_Tetsud%C5%8D\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Seibu-Shinjuku-Line<\/a>, die mich von Kawagoe nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnhof_Shinjuku\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Shinjuku<\/a> bringen sollte.\u00a0 Diese Strecke kannte ich von <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2015\/11\/29\/meine-erste-solo-bahnfahrt\/\">fr\u00fcheren Fahrten<\/a> zwischenzeitlich ganz gut. In Shinjuku hatte ich dann vom Bahnhof Seibu-Shinjuku zur Shinjuku-Station zu laufen, um dort per Yamanote-Line (S-Bahn) bis Shibuya (<a href=\"https:\/\/www.google.de\/webhp?sourceid=chrome-instant&amp;ion=1&amp;espv=2&amp;ie=UTF-8#q=shinjuku+to+haneda+airport+by+train\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">siehe<\/a>) oder bis Shinagawa zu fahren. Ab Shinagawa gibt es die <a href=\"http:\/\/www.haneda-airport.jp\/inter\/en\/access\/train.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Monorail<\/a>-Verbindung zum (damaligen) Inlands-Flughafen Haneda, die ich dann nehmen musste.<\/p>\n<p>(Videos: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kufFDkwqKJo\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">YouTube<\/a> \u2013 <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=lUpIl25q1nk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier noch ein Video<\/a>)<\/p>\n<p>Das klappte alles ganz gut, zumal die japanischen Kollegen mir sowohl die zu nehmenden Zugverbindungen als auch die Uhrzeiten, zu denen die Z\u00fcge abgingen, aufgeschrieben hatten. In Tokyo sind die S-Bahnz\u00fcge und Bahnh\u00f6fe zudem in Romanji (also westlichen Namen) beschriftet \u2013 so dass Reisen kein Problem darstellen. In meiner Erinnerung an die Fahrt ist eigentlich nur das St\u00fcck mit der <a href=\"http:\/\/www.jreast.co.jp\/e\/haneda\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Monorail-Bahn<\/a> in Erinnerung geblieben. Beim Blick durch das Fenster des Zugabteils fiel mein Blick immer wieder auf Meeresarme, die von der Bahnlinie \u00fcberbr\u00fcckt wurden. Ich bewunderte die japanischen Ingenieurskollegen f\u00fcr ihre Baukunst, die solche Querungen von Meeresarmen erm\u00f6glichten \u2013 obwohl das, angesichts der Bauwerke wie die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Golden_Gate_Bridge\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Golden Gate-Bridge<\/a> in Kalifornien oder die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/%C3%96resundbr%C3%BCcke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00d6resund-Br\u00fccke<\/a>, wohl keine gigantische Leistung war.<\/p>\n<h3>Beobachtungen \u2026<\/h3>\n<p>Der Flughafen Haneda nahe der gleichnamigen Stadt (\u7fbd\u7530) war damals f\u00fcr Inlandsfl\u00fcge zust\u00e4ndig (der internationale Flughafen Narita liegt\u00a0 weit drau\u00dfen vor den Toren Tokyos) \u2013 heute finden dort auch wieder internationale Fl\u00fcge nach Asien statt. Die Orientierung auf Flugh\u00e4fen stellte ebenfalls kein Problem dar, da alles auf japanisch und romanji (westlich) beschriftet war und die Angestellten gut Englisch sprachen.<\/p>\n<p>Ich bekam z\u00fcgig meine Bordkarte und fand mich zeitig am Abfluggate ein. Dann hatte ich bis zum Boarding (also dem Besteigen des Inlandsflugs) Zeit, die Leute und Mitreisenden zu beobachten. Etwas, was ich eh gerne mache und in Japan in meiner freien Zeit sowie w\u00e4hrend Bahnfahrten gerne und ausgiebig tat. Es war quasi vor dem Wochenende \u2013 und mir fiel auf, dass ungew\u00f6hnlich viele junge, und ausgesucht h\u00fcbsche Japanerinnen, im Abfluggate warteten. Auf westliche Mode getrimmt, die obligatorische Gucci-Handtasche am Ellenbogen h\u00e4ngend und einen \u00e4lteren Japaner im Schlepptau. Der \u201c\u00e4ltere Japaner\u201d war unschwer als Ehemann zu erkennen und (aus meiner damaligen Sicht mit 35 Jahren) im Alter von vielleicht 45 Jahren, w\u00e4hrend ich die Damen so zwischen 25 und 35 Jahre taxierte. Offenbar hatten sich die \u201cP\u00e4rchen\u201d zu einem Wochenende-Trip nach Osaka und Umgebung aufgemacht.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter begriff ist die Symbiose, die diese Paare eingegangen waren. Japan und speziell Tokyo und Umgebung ist ein sehr teures Pflaster \u2013 und junge M\u00e4nner verdienen oft nicht sehr viel. Junge Frauen waren oft, trotz eines Universit\u00e4tsabschlusses, als Sekret\u00e4rin oder B\u00fcro-Hilfskraft t\u00e4tig, verdienten also auch wenig. Gelang es einer j\u00fcngeren Frau, einen \u00e4lteren Ehemann zu \u201cangeln\u201d, war sie zumindest finanziell besser gestellt. Und ein Wochenendtrip von Tokyo nach Osaka per Flugzeug war kein finanzielles Problem.<\/p>\n<h3>\u2026 und viele Gedanken<\/h3>\n<p>F\u00fcr den Flug war erinnerungsm\u00e4\u00dfig ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Airbus_A300\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Airbus A300<\/a> vorgesehen, der \u00fcber 300 Passagiere aufnehmen konnte und gut besetzt war. Zu diesem Flugzeugtyp hatte ich eine besondere Beziehung, geh\u00f6rte doch zwischen 1979 und 1981 zu meinen Aufgaben in meinem ersten Job als junger Ingenieur, die \u00dcberpr\u00fcfung der Au\u00dfenhaut dieses Flugzeugtyps (per <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ultraschallpr%C3%BCfung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ultraschall<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.ndt.net\/article\/wcndt2008\/papers\/612.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bond-Test<\/a>) auf Risse und Defekte in den Niet-Klebeverbindungen. Daher galt mein Blick vor dem Betreten eines Flugzeugs dem Typ und der Frage, ob dort, zur Reparatur von Strukturrissen, zus\u00e4tzlich angebrachte Bleche zu sehen waren. Mir fiel damals nichts auf \u2013 aber ich wusste, dass man von den Wartungstechnikern der Fluggesellschaften diese Reparaturen im Bereich der Einstiegsluken zu vermeiden suchte (weil man die Passagiere nicht durch ein geflicktes Flugzeug beunruhigen wollte). Ein wenig spukte mir auch noch der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Japan-Airlines-Flug_123\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">JAL Flug 123<\/a> im Hinterkopf, bei dem ein Jumbo Jet (Boeing 747) im Jahr 1985 bei einem Inlandsflug von Tokyo-Haneda nach Osaka abst\u00fctzte. Grund war ein Strukturversagen des Druckschotts im Flugzeugheck mit Verlust des Seitenleitwerks \u2013 welches auf einen unzul\u00e4nglichen Reparaturversuch und Materialerm\u00fcdung durch zahlreiche Starts im innerjapanische Reiseverkehr zur\u00fcckzuf\u00fchren war. Also genau ein Bauteilversagen, welches ich durch die Pr\u00fcfungen der Flugzeugau\u00dfenh\u00fclle in meinem vorherigen Job zu verhindern hatte. Das ist wohl der Fluch, wenn man mal in der Luftfahrtindustrie im Bereich der zerst\u00f6rungsfreien Werkstoffpr\u00fcfung gearbeitet hat und sozusagen \u00fcber Sachverstand verf\u00fcgt. Selbst heute, mehr als 35 Jahre nach diesem Job im Flugzeugbau beschleichen mich noch immer die gleichen Gedanken beim Besteigen eines Flugzeugs.<\/p>\n<h3>Keine besonderen Vorkommnisse \u2013 so far \u2026<\/h3>\n<p>Aber wie gesagt: Der Flug selbst verlief ergebnislos. In Osaka bestieg ich am Flughafen einen <a href=\"http:\/\/www.kyotostation.com\/taking-a-bus-in-kyoto\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bus<\/a>, der mich direkt nach Kyoto, zum zentralen Busbahnhof brachte. War auch alles kein Problem, da die Busse dort die Reiseziele in Romanji (westliche Schrift) anzeigten und ich genaue Instruktionen dabei hatte. Mein Hotel in Koyoto war auch direkt neben dem zentralen Busbahnhof gelegen, so dass ich z\u00fcgig mein Zimmer beziehen und mich f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag ausruhen konnte. Welche Abenteuer mich in Koyoto und Nara erwarteten, konnte ich da noch nicht ahnen. Und \u00fcberhaupt, selbst ein eigentlich banaler Flug von Tokyo nach Osaka m\u00fcndete zu dem hier beschriebenen, l\u00e4nglichen Artikel. Man muss nur die \u00dcberlegungen, Gedanken und Beobachtungen in eine Story kleiden \u2013 Eindr\u00fccke, die mir selbst mehr als ein viertel Jahrhundert noch im Ged\u00e4chtnis h\u00e4ngen geblieben sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen meines ersten Arbeitsaufenthalts in Japan hatte ich (an einem freien Wochenende)\u00a0 einen Besuch der alten Kaiserst\u00e4dte Kyoto und Nara geplant. 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