{"id":39,"date":"2010-02-23T17:54:00","date_gmt":"2010-02-23T17:54:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/japan\/?p=39"},"modified":"2017-04-18T10:51:12","modified_gmt":"2017-04-18T08:51:12","slug":"sie-werden-abgeholt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2010\/02\/23\/sie-werden-abgeholt\/","title":{"rendered":"Sie werden abgeholt &hellip;."},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Flagge1\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/flagge11.jpg\" alt=\"\" width=\"69\" height=\"58\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/f903232b2d2e49a4abc4565afdffa77f\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Vor dem Abflug war die Abholung im Ankunftsbereich des Flughafens Narita durch Angestellte der Firma vereinbart worden. Als ich aus der Zollkontrolle den Ankunftsbereich betrat, standen dort viele uniformierte Chauffeure (so muss man die Fahrer wohl bezeichnen), mit Dienstm\u00fctze und Anzug, die in wei\u00dfen Handschuhen Schilder mit den Namen der Abzuholenden in die H\u00f6he hielten. Manche riefen auch \u201cmistel Jonnnssooon\u201d, \u201cmiste brooowwwwn\u201d oder so \u00e4hnlich. Es wurden Mister Johnson aus Arkansas, Mr. Brown aus Florida und viele weitere Personen erwartet und abgeholt. So langsam lichtete sich der Pulk der Abholer und auch die Reihe der Abzuholenden.<\/p>\n<p>Aber ich konnte kein Schild \u201cMr. Born\u201d entdecken. Auch wurde kein \u201cMistel Boon\u201d ausgerufen. Nachdem nach ca. 15 Minuten des Wartens klar war, dass ich nicht abgeholt w\u00fcrde, begann ich den Ankunftsbereich zu \u00fcberpr\u00fcfen. Es h\u00e4tte ja die M\u00f6glichkeit bestanden, dass ich einfach den Treffpunkt verpasst h\u00e4tte (die heute allgegenw\u00e4rtigen Handys waren damals noch unbekannt). Als auch da kein Ergebnis ersichtlich wurde, pr\u00fcfte ich die Shuttle-M\u00f6glichkeiten nach Tokio (ein Kollege hatte erw\u00e4hnt, dass man leicht von Narita zum Tokyo City Air Terminal kommen k\u00f6nne). Dort bestand die M\u00f6glichkeit, sowohl f\u00fcr Abfl\u00fcge einzuchecken als auch U-Bahnen in Tokio zu benutzen, um zu einem Hotel oder zum Zielort zu gelangen. Ich hatte vor, mich auf eigene Faust bis zum Zielort Kawagoe durch zu schlagen.<\/p>\n<p>Ich war gerade dabei, den Transfer klar zu machen, als ich meinen Namen in der Durchsage vernahm. An einem Meeting-Point wartete ein junger Japaner, der als Abholer auserkoren war. In perfektem Englisch entschuldigte er sich und teilte mit, dass er im obligatorischen Stau h\u00e4ngen geblieben sei. \u00dcber einen Shuttle-Bus ging es dann ins Zentrum von Tokio und dann per U-Bahn und Bahnverbindungen in die Stadt Omiya. Von dort hie\u00df es dann, ca. eine Stunde per Taxi nach Kawagoe zu fahren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieses Transfers konnte ich nicht nur dass allgegenw\u00e4rtige Verkehrschaos in Tokio und Umgebung kennen lernen, sondern auch die stoische Ruhe, mit der Japaner, dicht gedr\u00e4ngt wie in einer Sardinenb\u00fcchse, \u00f6ffentliche Verkehrsmittel benutzten. Es war zwar nicht mehr Rush-Hour, also Hauptverkehrszeit. Aber an einigen Knotenpunkten stiegen viele Fahrg\u00e4ste in die wartenden U-Bahn-Wagen. Um die \u201cPackungsdichte\u201d zu erh\u00f6hen, standen auf den Bahnsteigen junge Kerle, ich m\u00f6chte sie mal als \u201cPersonenpacker\u201d bezeichnen. Vorschriftsm\u00e4\u00dfig in blaue Uniformen und M\u00fctze gekleidet, hatten Sie die Aufgabe, bei vollen Waggons die noch im Einstieg befindlichen Passagiere in den Innenraum des Wagens zu dr\u00fccken \u2013 und zwar so lange, bis sich die T\u00fcren schlossen. Um den \u201cAbstand zu wahren\u201d, hatten alle dieser \u201cPersonenpacker\u201d bl\u00fctenwei\u00dfe Handschuhe \u00fcbergestreift. Ich empfand es schon als reichlich skurril, den schwitzenden Burschen dabei zuzusehen, wie sie, Contenance bewahrend, versuchten, die Passagiere in die Wagen zu verfrachten.<\/p>\n<p>Auf der Fahrt lernte ich dann meinen \u201cAbholer\u201d etwas n\u00e4her kennen. Es stellte sich heraus, dass er als 15j\u00e4hriger Sch\u00fcler in die USA gegangen war und sich dort als Cowboy verdingte, um College und Studium zu finanzieren. Nach Abschluss eines Studiums in Biotechnologie war er nun mit seiner japanischen Frau nach Japan zur\u00fcck gekommen und hatte bei der japanischen Dependance der deutschen Pharmafirma als Forscher angeheuert. Ich lernte damals auch schnell, dass ein Japaner nach dem Studium m\u00f6glichst bei der Regierung oder Beh\u00f6rden unterkommen sollte. Japanische Firmen waren schon zweite Wahl \u2013 lediglich die Hondas, Toyotas usw. waren noch denkbar. Wer nichts geworden war, heuerte bei kleinen japanischen Firmen an \u2013 oder biss in den sauren Apfel und bewarb sich bei ausl\u00e4ndischen Firmen (Gaijin-Companies). Da Herr Mamamote (nennen wir ihn mal so) praktisch den gr\u00f6\u00dften Teil seines Lebens in den USA verbracht hatte, sah er dies nicht mehr so eng, sondern freute sich auf eine spannende Aufgabe im Biotechnikbereich der Firma.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter wurde mir klar, dass er eigentlich mehr Amerikaner als Japaner und ein sehr angenehmer Kollege war, mit dem ich gerne zusammen arbeitete. Interessant war vor allem, dass er beim Anfertigen von Notizen w\u00e4hrend Besprechungen zwar brav mit japanischen Schriftzeichen begann, dann aber immer wieder unbewusst in die lateinische Schrift verfiel und das Ganze einfach schnell in Englisch aufzeichnete.<\/p>\n<p>Herr Mamamote brachte mich in eines der vielen Business-Hotels in Kawagoe und half mir beim Einchecken. Dabei dr\u00fcckte er mir noch einen DIN A4-Blatt mit einem Stadtplan in die Hand und meinte, er w\u00fcrde mich um 20.00 Uhr zum Abendessen abholen. Ich k\u00f6nne mich etwas ausruhen und frisch machen \u2013 und auf dem Blatt mit dem Stadtplan h\u00e4tte er die Adresse des Hotels vermerkt.<\/p>\n<p>Da sa\u00df ich nun, in einem anonymen Business-Hotel in einem kleinen Zimmer und hatte keine Ahnung, welche Abenteuer mich schon bald erwarten w\u00fcrden. Aber dazu mehr in den n\u00e4chsten Beitr\u00e4gen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor dem Abflug war die Abholung im Ankunftsbereich des Flughafens Narita durch Angestellte der Firma vereinbart worden. 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