{"id":451,"date":"2015-06-27T20:00:00","date_gmt":"2015-06-27T18:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/japan\/?p=451"},"modified":"2017-04-21T11:50:41","modified_gmt":"2017-04-21T09:50:41","slug":"arbeitsleben-die-zustimmung-zum-projekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2015\/06\/27\/arbeitsleben-die-zustimmung-zum-projekt\/","title":{"rendered":"Arbeitsleben &ndash; Die Zustimmung zum Projekt"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/flagge11.jpg\" align=\"left\" \/>Es war schon eine denkw\u00fcrdige Angelegenheit, bei der ich einiges \u00fcber Arbeitsabl\u00e4ufe in japanischen Unternehmen gelernt habe. Mein damaliger Arbeitgeber plante ein Biotechnik-Pilotananlage in Japan zu errichten. Diese sollte von der Technik so ausgelegt werden, dass sie mit den in Deutschland laufenden Anlagen kompatibel war und die Daten vergleichbar sein w\u00fcrden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/ce902d801fba4c2cbd0799b2f82da2fd\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Also wurde ich auf eine Dienstreise nach Japan beordert, um die technische Planung in Richtung Mess- und Regeltechnik sowie Datenerfassung ins Auge zu fassen und daf\u00fcr zu sorgen, dass in Deutschland eingesetzte Computersysteme zur Datenerfassung und \u2013auswertung verwendet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Bei den ersten Besprechungen kristallisierte sich schnell heraus, dass man in der Vorplanung die Vorschl\u00e4ge kleinerer japanischer Biotechnik-Unternehmen zu bestellen gedachte. Dies h\u00e4tte nat\u00fcrlich erhebliche technische Probleme bedeutet. Auch die Verfahrenstechnik war auf Japan only angedacht. Schnell war klar, dass das nicht funktionieren w\u00fcrde. Die Vorgabe des deutschen Managements war, dass ein Teil der Verfahrenstechnik von Schweizer Biotechnik-Firmen zu beziehen war. Diese waren seinerzeit f\u00fchrend und so konnte die Vergleichbarkeit verfahrenstechnischer Versuchsreihen sichergestellt werden.<\/p>\n<p>Nach einigen Besprechungen stimmten die japanischen Kollegen zu, die betreffenden verfahrenstechnischen Komponenten aus der Schweiz, sowie die von mir vorgeschlagenen Computersysteme einzusetzen. Ich hatte darauf geachtet, dass die ben\u00f6tigten Schnittstellen zu den Verfahrenstechnischen Anlagen kompatibel waren. Als Zugest\u00e4ndnis war zudem die Beschaffung einer Pilot-Einheit von einem japanischen Hersteller vorgesehen. Also flog ich mit dem vermeintlichen Agreement wieder nach Hause.<\/p>\n<p>Einige Monate sp\u00e4ter kam ein Anruf aus dem deutschen Management. Inhalt: Es hatte Mitarbeiterwechsel gegeben und offenbar war man in Japan dabei, alles \u00fcber eine Haufen zu werfen und eigene Planungen zu verfolgen. Also hie\u00df es wieder \u2018Koffer packen und nach Japan reisen\u2019. Vor Ort lernte ich schnell, dass die neuen Mitarbeiter teilweise eigene Vorstellungen hatten, wie das Ganze abzulaufen habe. Problem war, dass die deutsche Mutter sowohl die Finanzierung \u00fcbernahm, als auch sicherstellen wollte, dass die Ergebnisse der Pilotanlage weltweit in anderen Anlagen des Unternehmens \u00fcbernommen werden konnten. Die neu ausgerichtete Planung nach \u2018dem Gusto der neuen Mitarbeiter\u2019 h\u00e4tte geradezu ins Desaster gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Also galt es, mit Fingerspitzengef\u00fchl vorzugehen. \u2018Hallo, deine L\u00f6sung finde ich genial, aber wie l\u00f6sen wir dieses oder jenes Problem?\u2019 Und am Ende der Diskussion wurde dann herausgearbeitet, dass es leider keine L\u00f6sung gab, um die Frage anzuschlie\u00dfen \u2018Wie k\u00f6nnen wir nun unser gemeinsames Projekt retten, was k\u00f6nnen wir tun`? Dann wurde angemerkt, wenn wir diese oder jene Komponente nehmen w\u00fcrden, k\u00f6nnten wir dieses und jenes Problem elegant umschiffen. Nach einigen Tagen kristallisierte sich, welch Zufall, dann die L\u00f6sung heraus, die Monate zuvor bereits mit den Ingenieurskollegen verabschiedet worden war.<\/p>\n<p>War m\u00fchselig, aber nicht zu umgehen. In Erinnerung blieb bei mir eine gro\u00dfe Runde, wo der Chefingenieur und ein neu eingestellter Ingenieur zur Abschlussbesprechung dabei waren. Der neue Ingenieur sollte f\u00fcr die Messdatenauswertung verantwortlich sein, seine Kollegen f\u00fcr die Mess- und Regeltechnik. Den neuen Ingenieur hatte ich in die Pl\u00e4ne zur Beschaffung des Computersystems eingebunden, das war quasi ein Bonbon f\u00fcr ihn, da er die Federf\u00fchrung \u00fcbernehmen und auch Anpassungen an der Software vornehmen sollte.<\/p>\n<p>Nach einer l\u00e4ngeren Diskussion wollte der japanische Chefingenieur den Konsens der Gruppe. Er fragte also bei jedem seiner Mitarbeiter nach, ob er einverstanden w\u00e4re. Bei den meisten kam sofort das Hai, das Ok. Der neu eingestellte Ingenieur zierte sich etwas. Die in japanisch gef\u00fchrte Diskussion habe ich nicht verstanden. Am Ende kam die Frage, ob der Ingenieur eine Schulung bei uns in Deutschland bek\u00e4me \u2013 was ich bejahte (ich hatte mehrere Wochen eingeplant, in denen der Mann bei uns in Deutschland in die Software eingef\u00fchrt werden sollte und bereits Anpassungen f\u00fcr die japanische Bedienoberfl\u00e4che durchf\u00fchren sollte). Dann fragte der Chefingenieur noch zwei Mal explizit nach. Da schien der japanische Mitarbeiter eindeutig zugestimmt und sich zum Projekt bekannt zu haben. Auch der neu eingestellte Biochemiker, auf dessen die Ideen f\u00fcr die \u2018Neuplanungen\u2019 wohl zur\u00fcckgingen, schien scheinbar zu nicken. Da dieser Mann aber nicht zum Ingenieursteam geh\u00f6rte, sondern zur sp\u00e4teren Betriebsmannschaft, interessierte das den Chefingenieur nicht mehr<\/p>\n<p>PostScriptum: Sp\u00e4ter erfuhr ich, dass der eingestellte Biochemiker nach meiner Abreise wieder alles zur\u00fcckdrehen wollte \u2013 also das alte Spiel. Aber das Projekt hatte nun in dem jungen japanischen Ingenieur einen F\u00fcrsprecher, der darauf achtete, dass die Planungen, wie abgesprochen, weiter liefen. Der Biochemiker verlie\u00df dann nach kurzer Zeit das Unternehmen.<\/p>\n<p>Der junge Ingenieur erhielt nat\u00fcrlich seine Schulung in Deutschland und passte die von mir in Englisch konzipierte Bedienoberfl\u00e4che der Software an die japanische Sprache an. Man konnte also eine deutsche und eine japanische Bedienung w\u00e4hlen, so dass die japanische Bedienmannschaft genau so gut wie die deutschen Betriebsleiter und Techniker mit der englischsprachigen Oberfl\u00e4che arbeiten konnten.\u00a0 Insgesamt wurde das Projekt von unserer Seite erfolgreich in Betrieb genommen und das Ingenieursteam hatte die Technik im Griff.<\/p>\n<p>Diese Episode zeigte mir, wie wichtig es ist, die kulturellen Gegebenheiten zu kennen und zu ber\u00fccksichtigen. Ein Ja hei\u00dft in Japan nicht unbedingt ja \u2013 aber wenn sich jemand f\u00fcr etwas entschied und dies kund tat, wurde das auch durchgezogen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war schon eine denkw\u00fcrdige Angelegenheit, bei der ich einiges \u00fcber Arbeitsabl\u00e4ufe in japanischen Unternehmen gelernt habe. Mein damaliger Arbeitgeber plante ein Biotechnik-Pilotananlage in Japan zu errichten. 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