{"id":485,"date":"2017-04-17T20:07:27","date_gmt":"2017-04-17T18:07:27","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/japan\/?p=485"},"modified":"2025-09-13T17:33:53","modified_gmt":"2025-09-13T15:33:53","slug":"lost-in-pampa-ich-helfe-ihnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2017\/04\/17\/lost-in-pampa-ich-helfe-ihnen\/","title":{"rendered":"Lost in Pampa &ndash; &sbquo;Ich helfe Ihnen&lsquo;"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/flagge11.jpg\" align=\"left\" \/>Da stand ich nun, mit durchn\u00e4ssten Schuhen vor dem Bahnhof, an dem die Z\u00fcge nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nara\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nara<\/a>, der ersten Kaiserstadt Japans, abfuhren. Den Namen der Stadt hatte ich in Kanji-Zeichen auf einem Fahrplan und dem Ticket stehen. Was sollte also schief gehen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/1e6177d8f1cf4722a10dcf634d009bbc\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Ich betrat den Bahnsteig und sah mehrere Z\u00fcge, die bald abfahren sollten. Auf einem Zug waren die japanischen Schriftzeichen f\u00fcr Nara zu sehen, aber es stand noch mehr drauf. Einen zweiten Zug, der nur die Schriftzeichen f\u00fcr Nara trug, konnte ich nicht entdecken. Da die Abfahrt nahte, fragte ich einen den Bahnsteig verlassenden jungen Japaner mit rot gef\u00e4rbten Haaren, ob das der Zug nach Nara sei. Eine klare Antwort bekam ich nicht, meinte aber ein best\u00e4tigendes Nicken zu erkennen. Also schnell in den Zug eingestiegen, und schon schlossen sich die T\u00fcren und die Fahrt ging los \u2026<\/p>\n<p>Ich wartete eine Weile und betrachtete die Mitreisenden. Direkt neben mir stand ein junger Japaner, der ein Comic las. Die Sprechblasen waren in Englisch verfasst. Ich schloss daraus, dass dieser Englisch konnte. Da der Zug schon eine Weile fuhr, und ich keine der Bahnstationen, die auf der Strecke nach Nara (laut meinem Fahrplan) auftauchen sollten, im Vorbeifahren erkennen konnte, kamen erste Zweifel auf. War ich in den richtigen Zug eingestiegen?<\/p>\n<p>Also sprach ich den jungen Japaner auf Englisch an, \u2018Tschuldigung, ist dies der Zug nach Nara?\u2019 Keine Reaktion, aber der Halsansatz nahm pl\u00f6tzlich eine starke R\u00f6tung an, und das Comic wurde noch intensiver studiert. Ich wartete eine Minute und fragte nochmals \u2018Sorry, is this the train to Nara?\u2019 Der Schock stand dem jungen Mann ins Gesicht geschrieben, und er presste \u2018immediately out\u2019 hervor. Also, sofort raus.<\/p>\n<p>Der Zug hielt, ich sprang raus und der Zug fuhr aus dem Bahnhof. Zwischenzeitlich war es dunkel geworden und ich stand auf dem Bahnhof. Ein Rundblick ergab, dass der Bahnhof mitten in der Pampa stand, ich konnte keine H\u00e4user erkennen. Der Bahnhof war auch leer. Ich stellte mich schon darauf ein, die Nacht auf einer Bank auf diesem Bahnhof zu verbringen und am Morgen nach Kyoto zur\u00fcck zu fahren, um meinen Flieger nach Tokyo zu kriegen.<\/p>\n<p>Da ersp\u00e4hte ich ca. 100 Meter entfernt eine einzelne Person auf dem Bahnsteig. Ich ging auf diese Person, einen ca. 35 bis 40 j\u00e4hrigen Mann, zu und fragte auf English \u2018I need to go to Nora by train\u2019. Zu meiner Verbl\u00fcffung vernahm ich ein \u2018Ich helfe Ihnen\u2019 und eine Geste, mit zu kommen.<\/p>\n<p>Der Mann stellte sich an die Bahnsteigkante und schon fuhr ein Zug ein. Er bedeutete mir einzusteigen und der Zug ratterte los. Er sprach die ganze Zeit nichts. Dann lief der Zug in den Bahnhof in Nara ein. Wir stiegen aus und der Mann fragte \u2018Hotel\u2019. Ich zeigte ihm den Namen des Hotels auf dem Prospekt und er brachte mich die 100 Meter vom Bahnhof zum Hotel, um dann ziemlich gru\u00dflos zu verschwinden. Ich bedankte mich, war mir aber nicht sicher, ob er mein Deutsch oder Englisch verstand.<\/p>\n<p>Im R\u00fcckblick hatte ich wohl unheimlichen Dussel. Die einzige Station, wo ein Zug nach Nara abging, an der war ich wohl ausgestiegen. Und ich traf dort auf den einzigen Passagier, der am sp\u00e4ten Samstag-Abend nach Nara wollte. Ob er wirklich Deutsch sprach, konnte ich nicht herausfinden. Aber ich war im Hotel angekommen, konnte die nassen Schuhe ausziehen und zum Trocknen auf die Heizung stellen. Ich verkroch mich im Bett, um endlich warme F\u00fc\u00dfe zu bekommen und schlief bald ein. Am n\u00e4chsten Tag wartete Nara auf mich. Ach ja, das folgende Foto zeigt den Blick aus meinem Hotelfenster \u2013 auf einen Friedhof, wie ich annehme.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Friedhof\" src=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20200410230804if_\/https:\/\/e60.imgup.net\/Friedhof519d.jpg\" alt=\"Friedhof\" \/><\/p>\n<p>PostScriptum: Im Nachgang zum Verfassen dieser Episode fiel mir <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/reise\/fernweh\/busreise-erlebnis-in-japan-lost-in-transportation-a-1051967.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diese Geschichte<\/a> aus Spiegel Online ein, in der es um eine Busreise geht. Ein \u00e4ngstlicher Reisender fragt Tausend Mal nach, wo er aussteigen m\u00fcsse. Ein Mitreisender Ausl\u00e4nder schaut dem belustigt zu \u2013 was f\u00fcr ein Idiot \u2013 bei zwei Buslinien kann doch nichts schief gehen. Nur, um am Ende der Fahrt festzustellen, dass er im falschen Bus sa\u00df.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da stand ich nun, mit durchn\u00e4ssten Schuhen vor dem Bahnhof, an dem die Z\u00fcge nach Nara, der ersten Kaiserstadt Japans, abfuhren. Den Namen der Stadt hatte ich in Kanji-Zeichen auf einem Fahrplan und dem Ticket stehen. 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