{"id":52,"date":"2010-03-02T18:15:00","date_gmt":"2010-03-02T18:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/japan\/?p=52"},"modified":"2023-05-12T19:05:02","modified_gmt":"2023-05-12T17:05:02","slug":"abgebrannt-in-japan-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2010\/03\/02\/abgebrannt-in-japan-land\/","title":{"rendered":"Abgebrannt in Japan-Land &hellip;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Flagge1\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/flagge11.jpg\" alt=\"\" width=\"69\" height=\"58\" \/>Tja, das stand ich nun \u2013 total abgebrannt \u2013 und konnte mein Hotel nicht bezahlen. Eigentlich fing es ganz harmlos an. Der Chefingenieur des Werks hatte mir erkl\u00e4rt, dass das gebuchte Hotel nur ein Notbehelf gewesen \u2013 und das Zimmer eigentlich wegen der \u201cGer\u00fcche\u201d unzumutbar &#8211; sei. Ich hatte zwar nichts dergleichen bemerkt und das Hotel war auch durchaus annehmbar. Halt Business-Hotel \u2013 aber da war ich schon andere \u201cAbsteigen\u201d (speziell in deutschen und franz\u00f6sischen Gro\u00dfst\u00e4dten) gewohnt. Also sollte ich auf Wunsch des Kunden in ein anderes Hotel umziehen. Wie ich sp\u00e4ter erfuhr, hatte man ein traditionelles japanisches Hotel, ein Ryokan, f\u00fcr mich gebucht \u2013 nachdem sich herumgesprochen hatte, dass ich wohl auch problemlos mit einem <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2010\/02\/28\/wenn-gaijin-japanisch-frhstckt\/\">japanischen Fr\u00fchst\u00fcck<\/a> umzugehen wusste.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/8411b801677a42cdace871ec926dc817\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Und nun sollte ich aus dem Hotel auschecken und wollte bezahlen, hatte aber keine Penunse \u2013 nichts, niente, rien. Quasi bis auf ein paar Yen abgebrannt. \u201cAbgebrannt\u201d ist vielleicht der falsche Begriff f\u00fcr meine Situation, die den Skurrilit\u00e4ten Japans geschuldet sind. Von der Reiseabteilung meines Arbeitgebers war ich zwar mit Reisedevisen ausgestattet worden. Da aber das Einwechseln in Fremdw\u00e4hrungen mit Kosten verbunden war, hatte ich nur Yen im Gegenwert von vielleicht 200 DM erhalten. Der Restbetrag zur Deckung der \u00dcbernachtungs- und Reisekosten war in Reiseschecks, ausgestellt in Yen auf die <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Fuji_Bank\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fuji-Bank<\/a> (wenn ich mich richtig erinnere), ausgegeben worden.<\/p>\n<p>Meine Barschaft reichte nicht zur Begleichung der Hotelrechnung aus \u2013 und an der Rezeption weigerte man sich, die Yen-Reiseschecks der Fuji-Bank von einem Gaijin anzunehmen. Eigentlich reichlich bizarr! Mit American Express Traveller Schecks hatte ich bisher nie Probleme gehabt, im Ausland an Bargeld zu gelangen oder Hotelrechnungen zu begleichen. In der Reisestelle des entsendenden Arbeitgebers hatte man mir noch erkl\u00e4rt, dass man zur Sicherheit keine American Express Traveller-Schecks, sondern Yen-Reiseschecks der Fuji-Bank mitgeben w\u00fcrde. Damit sei sichergestellt, dass ich diese \u201cproblemlos\u201d in Japan umtauschen und auch Hotelrechnungen bezahlen k\u00f6nne. Reiseschecks haben die Eigenschaft, dass diese immer gedeckt sind und sich die ausgebende Bank zur Einl\u00f6sung verpflichtet. Eigentlich ein risikoloses Gesch\u00e4ft f\u00fcr den Empf\u00e4nger. Offenbar hatte die Reisestelle aber nicht mit der Provinzialit\u00e4t meines Rezeptionisten gerechnet. Da war also nichts zu machen.<\/p>\n<p>Guter Rat war teuer \u2013 oder eine L\u00f6sung musste her. Eigentlich war geplant, dass ein japanischer Kollege mich abholt, wir das Gep\u00e4ck schnell im n\u00e4chsten Hotel deponieren sollten und uns dann auf Gesch\u00e4ftsbesprechungen in den Tokyoter-Stadtteilen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnhof_Takadanobaba\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Takadanobaba<\/a> und <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ikebukuro\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ikebukoro<\/a> einfinden sollten. Also lie\u00df ich mein Gep\u00e4ck, quasi als Pfand, an der Rezeption zur\u00fcck und mein japanische Kollege b\u00fcrgte durch die Hinterlegung seiner Personalien f\u00fcr die Bezahlung der Rechnung. In Tokyo wollen wir dann schnell in einer Bank vorbeispringen und ein paar Reiseschecks einl\u00f6sen \u2013 so dass ich \u00fcber Bargeld verf\u00fcgte.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht mehr genau, ob wir per Taxi oder per Bahn nach Takadanobaba fuhren. Aber woran ich mich noch ziemlich deutlich erinnere, war der Ablauf unserer \u201cBargeldbeschaffung\u201d. Es lief immer in der gleichen Weise ab: Wir betraten die jeweilige Dependance einer Bank in einem der Hochh\u00e4user, um an einem Empfangstresen aufzulaufen. Dort stand eine blutjunge japanische Angestellte des Bankhauses, die uns mit tiefer Verbeugung empfing. Mein japanischer Kollege (der den gr\u00f6\u00dften Teil seines Lebens in den USA verbracht hatte) spulte dann die Story ab, dass wir gerne Yen-Reiseschecks in Bargeld umgetauscht h\u00e4tten. Nach einem l\u00e4ngeren Palaver drehte sich mein Kollege zu mir um und meinte \u201cnot today\u201d \u2013 heute gibt\u2019s bei denen kein Bargeld.<\/p>\n<p>Was mir in einer Bank noch auffiel, bzw. mir die Kinnlade auf die Schuhe fallen lie\u00df: W\u00e4hrend mein Kollege am Eingangstresen palaverte, konnte ich einen Blick in einen angrenzendes Gro\u00dfraumb\u00fcro werfen. Dort sa\u00dfen in mehreren Reihen junge weibliche Angestellte, die mit Abakus und mechanischen Rechenmaschinen damit befasst waren, Buchungen vorzunehmen. Zu dieser Zeit wurden in Deutschland bereits Bankgesch\u00e4fte ausschlie\u00dflich \u00fcber Terminals abgewickelt. Eine \u00e4hnliche Situation hatte ich erinnerungsm\u00e4\u00dfig nur in der T\u00fcrkei erlebt, wo Buchhaltung auch in einer sauber, aber handschriftliche gef\u00fchrten Kladde stattfand.<\/p>\n<p>In der dritten oder vierten Bankfiliale gelang dann aber unser Vorhaben. Irgendwie konnte mein Kollege die Angestellte am Empfang \u00fcberreden, wenigstens einen Teil meiner Reiseschecks in Bargeld zu wechseln. Und so kam es, dass ich mit Yen-Banknoten im Gegenwert von mehreren tausend DM in der Jackett-Taschen durch Tokyo lief und diesen Bargeldbestand auch noch eine ganze Zeit mit mir f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Nachdem die Gesch\u00e4ftstermine im Anschluss absolviert waren, ging es zur\u00fcck nach Kawagoe zum Hotel, wo ich meine Rechnung bezahlte und das Gep\u00e4ck in Empfang nahm. Ironie der Geschichte, die zeigt, wie schr\u00e4g manche Japaner ticken: Als ich im traditionellen japanischen Hotel eincheckte, fragte ich die Besitzerin zur Sicherheit (um gen\u00fcgend zeitlichen Vorlauf zu haben), ob ich eventuell in Yen-Reiseschecks zahlen k\u00f6nne. \u201cKlar\u201d, meinte die Dame, \u201ckein Problem, wir sind hier schlie\u00dflich in Japan und nicht in einem Kuhdorf in Afrika\u201d.<\/p>\n<p>Nachtrag: War schon skurril und ich schob diese Erfahrungen auf die w\u00e4hrend meiner Aufenthalte gerade stattfindenden gesellschaftlichen Umw\u00e4lzungen zur\u00fcck. W\u00e4hrend die Japaner ganz verr\u00fcckt mit \u201cPlastikgeld\u201d hantierten \u2013 \u00fcberall lie\u00df sich eine Kredit- oder Bankkarte des Arbeitgebers oder der lokalen Bank zum Bezahlen verwenden, galt f\u00fcr \u201cNichtbesitzer\u201d solcher Karten (also quasi f\u00fcr alle Ausl\u00e4nder) die Devise \u201cNur Bargeld lacht\u201d. Beim Schreiben dieses Beitrags stie\u00df ich aber auf den Artikel <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20150928055828\/http:\/\/www.japan-infos.de\/reisehinweise-japan\/geldwechsel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Geldwechsel in Japan<\/a>. Der Wahnsinn hat also (auch noch heute) Methode.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tja, das stand ich nun \u2013 total abgebrannt \u2013 und konnte mein Hotel nicht bezahlen. Eigentlich fing es ganz harmlos an. 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