{"id":55,"date":"2010-03-04T18:21:00","date_gmt":"2010-03-04T18:21:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/japan\/?p=55"},"modified":"2025-08-24T12:08:35","modified_gmt":"2025-08-24T10:08:35","slug":"meet-the-staff-die-japanischen-kollegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/2010\/03\/04\/meet-the-staff-die-japanischen-kollegen\/","title":{"rendered":"Meet the staff &ndash; die japanischen Kollegen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Flagge1\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/flagge11.jpg\" alt=\"\" width=\"69\" height=\"58\" \/>In der ersten Arbeitswoche lernte ich die Mitarbeiter f\u00fcr die geplante Biotechnik-Mannschaft sowie das Ingenieurteam kennen. Neben dem mir bereits bekannten Herrn Mamamoto war dies ein illustres &#8222;V\u00f6lkchen&#8220; an japanischen Kollegen.<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/2fd6d71e646541adaf6f0d2dfd2707cc\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Da gab des den Chefingenieur, Herrn Thoma, mit dem ich sehr gerne zusammenarbeitete. Immer ein breites Grinsen im Gesicht und den Schalk im Nacken, war er zu manchen Sp\u00e4\u00dfchen aufgelegt. Aufgewachsen als Bauernsohn, tat er sich mit den &#8222;Feinheiten&#8220; der japanischen Gesellschaft (sprachliche Ausdrucksweise, Verhalten) schwer und hatte daher bei einer Gaijin-Firma angeheuert. Ein unheimlich netter Kollege, der aber im Machosystem japanischer M\u00e4nner gefangen war. Mit ihm habe ich so manche nette Episode erlebt.<\/p>\n<p>Die zweite Kollegin war Frau Hashimoto, die in Heidelberg studiert hatte und dadurch ein perfektes Deutsch sprach. F\u00fcr japanische Verh\u00e4ltnisse war Frau Hashimoto \u00e4u\u00dferst progressiv. Bereits w\u00e4hrend ihres Studiums in Heidelberg zog sie ihre 1 1\/2 Jahre alte Tochter alleine gro\u00df. Zur\u00fcck in Japan heuerte sie bei einem deutschen Pharmaunternehmen an. Kurz vor meiner Ankunft hatte sie ihren Ehemann in die &#8222;W\u00fcste&#8220; geschickt und lebte mit ihrer, im Teenie-Alter befindlichen, Tochter alleine. Sie wollte nun Karriere bei der deutschen Firma machen \u2026<\/p>\n<p>\u2026 haderte aber mit der machohaften m\u00e4nnlichen Gesellschaft Japans \u2013 die die Frau als &#8222;liebendes Weibchen f\u00fcr K\u00fcche und Kinder&#8220; sahen. Gro\u00dfe Hoffnungen setzte sie damals auf Madam Doi, eine Politikerin einer kleineren Partei, die sich anschickte, als Koalitionspartner in die japanische Regierung zu kommen. Dort erhoffte man sich, dass Frau Doi die Rechte der Frauen in der japanischen Gesellschaft st\u00e4rken k\u00f6nne. Leider musste ich feststellen, dass die Anfangserfolge nicht anhielten und die Partei von Frau Doi bei der n\u00e4chsten Parlamentswahl, trotz vieler Vorschusslorbeeren mehr oder weniger \u201cmarginalisiert\u201d wurde.<\/p>\n<p>Frau Hashimoto \u00fcbernahm es dann auch, mir ein paar Hintergrundinformationen \u00fcber \u201cjapanische Gesellschaftangelegenheiten\u201d zu vermitteln. So erz\u00e4hlte sie mir, dass sie lieber ein Marmeladenbrot zum Fr\u00fchst\u00fcck \u00e4\u00dfe als das traditionelle japanische Fr\u00fchst\u00fcck mit Reis, gr\u00fcnem Tee und rohem Fisch zuzubereiten. Sie hatte n\u00e4mlich keine Lust, entsprechend fr\u00fch aufzustehen, um das Fr\u00fchst\u00fcck traditionell zuzubereiten. Dazu muss man wissen, dass in Japan die Anfahrtswege zur Arbeit oft sehr lang sind und die Menschen oft 1 bis 1 1\/2 Stunden mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren (speziell im Gro\u00dfraum Tokyo). Frau Hashimoto vermisste insbesondere das \u201cgute deutsche Brot\u201d.<\/p>\n<p>Beim Mittagstisch in der Werkskantine war sie es auch, die mir den Tipp gab, die Einweg-Holzst\u00e4bchen (o-Hashi) statt der lackierten Holzst\u00e4bchen zu nehmen, da sich diese besser handhaben lie\u00dfen. War ein guter Tipp, denn ich brauchte so ca. eine Woche, bis ich auch \u201ckollateralsch\u00e4denfrei\u201d ein Mittagessen mit den lackierten Essst\u00e4bchen bewerkstelligen konnte.<\/p>\n<p>Und irgendwann erfuhr ich von Frau Hashimoto auch so ganz nebenbei, dass es wie ein Lauffeuer durch das Werk gegangen war, dass ein neuer Gaijin da sei, der kein Problem mit einem japanischen Fr\u00fchst\u00fcck habe. Die meisten deutschen Besucher versuchten mit westlichem Essen sowie Messer und Gabel zu \u00fcberleben (die deutschen Manager der Anlage wohnten sowieso in Tokyo und nahmen die einst\u00fcndige Anfahrt per PKW in Kauf).<\/p>\n<p>Neben Frau Hashimoto gab es noch Herrn Nishibayashi, der eine Ausbildung als Pharmazeut besa\u00df und offenbar aus gehobenen Verh\u00e4ltnissen stammte. Er war als \u201cManager\u201d f\u00fcr die Biotechnikanlage vorgesehen und sprach ebenfalls gut deutsch. Seine Frau arbeitete als Apothekerin und verdiente wohl \u201cdas Geld\u201d in der Familie. Ich habe nie herausgefunden, warum er sich in einem Gaijin-Unternehmen verdingt hatte. Zumal im Laufe des Projekts seine Tochter lebensgef\u00e4hrlich an Leuk\u00e4mie erkrankte und er trotzdem f\u00fcr 6 Monate zur Einarbeitung nach Deutschland geschickt wurde. Aber Japaner sind da knallhart, wenn es um das Zur\u00fcckstellen pers\u00f6nlicher Angelegenheiten ging. Dies konnte ich auch bei Herrn Thoma bemerken, dessen Vater w\u00e4hrend meines zweiten Aufenthalts starb. Bis auf eine kurze Auszeit zur Bestattung war er in der Firma anwesend und lie\u00df auch keine Anzeichen von Trauer erkennen.<\/p>\n<p>Ganz pfiffig waren auch zwei junge Mess- und Regeltechniker, her Kobajashi und Herr Wanabe. Sie wohnten als Junggesellen in einer Hochhaussiedlung in einer kleinen Wohnung, die f\u00fcr die dortigen Verh\u00e4ltnisse g\u00fcnstig und nicht allzu weit von der Arbeitsstelle weg war. Beide sprachen nur englisch, sollten aber einen Deutschkurs belegen und waren f\u00fcr allerlei Sp\u00e4\u00dfe zu haben. Bei einem Trainingsaufenthalt in Deutschland fielen beide auch dadurch auf, dass sie gerne mit ihren deutschen Kollegen \u201cum die H\u00e4user zogen\u201d.<\/p>\n<p>Im R\u00fcckblick betrachtet, war keiner dieser Kollegen, ein \u201cwaschechter\u201d Japaner \u2013 wie ich sp\u00e4ter noch feststellen konnte. Denn dann h\u00e4tte ich noch mehr Brass gehabt und w\u00e4re wie die \u201csprichw\u00f6rtliche Axt im Walde\u201d unterwegs gewesen. Aber so erhielt ich immer wieder n\u00fctzliche Tipps von Frau Hashimoto, die den Spagat zwischen japanischer und westlicher Gesellschaft sowie die kulturelle Ignoranz der Japaner gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern nur zu gut nachvollziehen konnte.<\/p>\n<p>Beim ersten Aufenthalt lernte ich diese Kollegen bei Arbeitsbesprechungen, Firmenbesuchen und auch bei den allabendlichten Ausfl\u00fcgen in die Gastst\u00e4tten von Kawagoe kennen \u2013 und auch sch\u00e4tzen. Eines der \u201cdringendsten Probleme\u201d der Kollegen war, dass sie kein \u201cgreen grass\u201d hatten. Wer von diesen Personen in Deutschland war, bewunderte die satt gr\u00fcnen Wiesen und vor allem den gr\u00fcnen Rasen in deutschen Vorg\u00e4rten. In Japan verwandelten sich die Rasenfl\u00e4chen dagegen im Hochsommer in eine br\u00e4unliche W\u00fcste mit verdorrtem Gras. Erst der Herbst lie\u00df die Graswurzeln wieder ausschlagen und das Gr\u00fcn sprie\u00dfen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich aus Deutschland Gro\u00dfsendungen mit Grassamen f\u00fcr echt englischen Rasen an die Kollegen verschickte. Bin mir aber ziemlich sicher, dass auch der so ausges\u00e4hte Rasen im Sommer braun wurde \u2013 denn dann brannte einfach die Sonne erbarmungslos auf\u2019s Land und brachte die Vegetation zum verdorren.<\/p>\n<p>Mehr zu den Erlebnissen mit dieser illusteren Runde in den n\u00e4chsten Beitr\u00e4gen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der ersten Arbeitswoche lernte ich die Mitarbeiter f\u00fcr die geplante Biotechnik-Mannschaft sowie das Ingenieurteam kennen. Neben dem mir bereits bekannten Herrn Mamamoto war dies ein illustres &#8222;V\u00f6lkchen&#8220; an japanischen Kollegen.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[3],"class_list":["post-55","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-kawagoe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=55"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":925,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/55\/revisions\/925"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=55"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=55"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/japan\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=55"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}