{"id":12086,"date":"2020-04-17T00:18:00","date_gmt":"2020-04-16T22:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=12086"},"modified":"2023-04-13T10:28:15","modified_gmt":"2023-04-13T08:28:15","slug":"unvergesslicher-flug-franzsischer-pensionr-bettigt-schleudersitz-in-militrjet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/04\/17\/unvergesslicher-flug-franzsischer-pensionr-bettigt-schleudersitz-in-militrjet\/","title":{"rendered":"Unvergesslicher Flug: Franz&ouml;sischer Pension&auml;r bet&auml;tigt ungewollt den Schleudersitz in Milit&auml;rjet beim Mitflug"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" src=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Stop.jpg\" align=\"left\">Das war ein Flug, den ein 64 j\u00e4hriger Franzose sein Leben nicht mehr vergessen wird. Von Kollegen wurde ihm als Abschiedsgeschenk ein Flug in einem Jagdflieger aufgezwungen. Der Flug endete damit, dass der Passagier unbeabsichtigt den Schleudersitz bet\u00e4tigte und aus dem Flugzeug geschossen wurde. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/fd089c589de941bd94e230231e7856ee\" width=\"1\" height=\"1\">Das Ganze ist bereits am 20. M\u00e4rz 2019 passiert, und es gibt einen <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220312235659\/https:\/\/www.defense.gouv.fr\/content\/download\/580401\/9905742\/A-2019-03-I.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Unfallbericht<\/a> in franz\u00f6sisch der Aufsicht f\u00fcr Flugunf\u00e4lle beim Milit\u00e4r (BEA). Einem 64-j\u00e4hrigen Angestellten eines franz\u00f6sischen R\u00fcstungsunternehmens wurde von vier seiner Kollegen, darunter ein ehemaliger Pilot der franz\u00f6sischen Luftwaffe, eine Art Abschiedsgeschenk vor seinem Ruhestand gemacht. Als \u00dcberraschung bekam er einen Flug als Passagier in einem Dassault Rafale B-Kampfflugzeug angeboten.<\/p>\n<p>Journalisten oder gew\u00e4hlte Amtstr\u00e4ger werden h\u00e4ufig zu Informations- und Kommunikationszwecken zur Teilnahme an \"Beobachtungsfl\u00fcgen\" eingeladen, die vom Ministerium der Streitkr\u00e4fte genehmigt wurden. Dabei ist ein strenges Verfahren einzuhalten, das einen medizinischen Besuch des Zentrums f\u00fcr medizinische Expertise des Flugpersonals (CEMPN) und die Genehmigung des Ministeriums einschlie\u00dft.<\/p>\n<h2>Die Ausnahme von der Regel<\/h2>\n<p>Diesmal wurde jedoch aufgrund des \"informellen\" Rahmens des Fluges das \u00fcbliche Protokoll nicht eingehalten. Stattdessen wurde der Passagier vier Stunden vor dem Flug von einem Arzt untersucht. Er wurde f\u00fcr geeignet erkl\u00e4rt, an dem Flug teilzunehmen, unter der Bedingung, dass er keinem negativen Belastungsfaktor ausgesetzt w\u00fcrde. Diese Information wurde dem Piloten aber nicht mitgeteilt.<\/p>\n<p>Auch sonst ist da einiges ziemlich schief gelaufen. Der zivile Passagier war bereits nerv\u00f6s, als er im Cockpit Platz nahm. Seine Herzfrequenz betrug zwischen 136 und 142 Schl\u00e4gen pro Minute. Die Flugunfalluntersuchung ergab, dass die Sicherheitskontrollen des Passagiers bestenfalls oberfl\u00e4chlich durchgef\u00fchrt worden waren. Der Mann f\u00fchrte den gr\u00f6\u00dften Teil seiner Installation (Sicherheitsgurt, Helm und Atemmaske anlegen) im Cockpit selbst durch. Dies hatte zur Folge, dass sein Visier hochgeklappt war, seine Anti-G-Hose nicht richtig getragen wurde, sein Helm und seine Sauerstoffmaske nicht befestigt waren und seine Sitzgurte nicht fest genug angezogen waren.<\/p>\n<h2>Ritt auf dem Jagdflieger<\/h2>\n<p>Der Pilot ging davon aus, dass er eine regul\u00e4re Trainingsmission fliegen sollte. Mit zwei weiteren Rafales-Jagdflugzeugen hob der Pilot mit der dritten Maschine ab und stieg mit einem Winkel von 47 Grad in den Himmel. Das erzeugte eine Belastung von etwa +4 G. Als das Flugzeug eine H\u00f6he von 2.500 Fu\u00df (ca. 750 Meter) erreichte, ging der Jagdflieger in den Horizontalflug \u00fcber. Der Passagier wurde quasi abrupt schwerelos (etwa -0,6 G).<\/p>\n<p>Als der unzureichend angeschnallte und v\u00f6llig \u00fcberraschte Passagier nahezu schwerelos war, und sich vom Sitz hob, versuchte er sich an irgend etwas festzuhalten. Das war dummerweise der Auswerfergriff f\u00fcr den Schleudersitz, der bei den Piloten und Passagieren zwischen den Beinen am Sitz zu finden ist. Dabei l\u00f6st er den Auswurfmechanismus aus, so dass er aus dem Flieger katapultiert wurde. Dabei verlor der Zivilist seinen Helm und seine Sauerstoffmaske. Aufgrund eines technischen Mangels am Sitz konnte sich das Rettungsboot nicht aufblasen. Aber gl\u00fccklicherweise ereignete sich der Vorfall \u00fcber Land. Der Passagier erlitt bei der Landung am Fallschirm leichte Verletzungen.<\/p>\n<h2>Viel Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck<\/h2>\n<p>Nicht nur der Passagier hatte sehr viel Gl\u00fcck, auch der Pilot hatte gro\u00dfes Schwein, weil eine weitere Fehlfunktion den Absturz des Jets verhinderte. Der Kampfjet ist so eingestellt, dass er unter normalen Bedingungen sowohl den Piloten als auch seinen Passagier herausschleudert, wenn einer von beiden den Schleudersitz ausl\u00f6st. Die BEA-E erkl\u00e4rt den Ablauf eines Rafale-Doppelschleudersitzes in vier Phasen: Zuerst wird die hintere Kabinenhaube durch eine in das Glas eingebettete Sprengschnur zertr\u00fcmmert, bevor der Passagiersitz herausgeschleudert wird. Dann wird auch die vordere Kabinenhaube zerst\u00f6rt, und der Pilotensitz verl\u00e4sst als letzter den Kampfjet.<\/p>\n<p>Doch in diesem Fall versagte die letzte Phase, und der Pilotenschleudersitz l\u00f6st nicht aus, der Pilot blieb trotz des Absprengens der Haube der Pilotenkanzel auf seinem Sitz. Lokale Medien berichteten damals, dass das Glas der Kabinenhaube seine H\u00e4nde leicht verletzt hatte. Der Pilot blieb, trotz der zahlreichen Fehlermeldungen, die der Bordcomputer anzeigte, und trotz eines ungew\u00f6hnlichen Zentrierens des Flugzeugs nach dem Verlust des hinteren Sitzes und der Kabinenhaube ruhig, und es gelang ihm, dass Flugzeug weiter zu steuern. So besagt die Untersuchung, bei der auch der Sprechverkehr analysiert wurde.<\/p>\n<p>Streng nach der Sicherheitsprozedur stellte er seinen Transponder auf die Frequenz 7700 ein, vermied es, bewohnte Gebiete zu \u00fcberfliegen, lie\u00df Treibstoff ab und landete erfolgreich wieder auf dem Luftwaffenst\u00fctzpunkt. Dann evakuierte er sich aus dem das Cockpit, da er bef\u00fcrchtete, dass der Schleudersitz jederzeit aktiviert werden k\u00f6nnte. F\u00fcr 24 Stunden wurde eine Sicherheitszone um den Rafale errichtet, danach wurde der Schleudersitz entsch\u00e4rft. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Rafale-Jagdflugzeug nach Landung\" alt=\"Rafale-Jagdflugzeug nach Landung\" src=\"https:\/\/regmedia.co.uk\/2020\/04\/09\/rafale_ejection.jpg?x=442&amp;y=293&amp;crop=1\" width=\"546\" height=\"362\"><br \/>(Rafale-Milit\u00e4rjet nach Landung, Quelle: BEA-A-Unfallbericht)<\/p>\n<h2>Ergebnis der Untersuchung<\/h2>\n<p>Die technische Untersuchung ergab, dass die Explosion das Geh\u00e4use des Sequenzwahlschalters, der den Pilotenschleudersitz ausl\u00f6sen sollte, zerriss. Was das nicht aufgeblasene Beiboot des Passagiers betrifft, so wurde es durch die falsche Faltung seines Beh\u00e4lters behindert.<\/p>\n<p>Die BEA-E stellt fest, dass die fehlende Erfahrung und die mangelnde Vorbereitung aufgrund der \u00dcberraschung f\u00fcr den Passagier, der \"nie den Wunsch ge\u00e4u\u00dfert hatte, diese Art von Flug durchzuf\u00fchren, insbesondere nicht bei Rafale\", eine gro\u00dfe Belastung darstellte. Das Opfer sagte, dass ihm von dem Moment an, als ihm der Flug angek\u00fcndigt wurde, so gut wie keine M\u00f6glichkeit gegeben wurde, den Flug abzulehnen. Auch der soziale Druck seiner Kollegen trug zu dem Stress bei.<\/p>\n<p>Die BEA-E erarbeitete mehrere Empfehlungen, um sowohl die mangelnde Bereitschaft des Passagiers als auch die beiden durch den Vorfall aufgedeckten technischen M\u00e4ngel zu beheben. Unter anderem erinnerte sie die Milit\u00e4rbeh\u00f6rden und Dassault Aviation daran, dass zwischen der \u00e4rztlichen Untersuchung und dem Flug eine Spanne von 10 Tagen eingehalten werden sollte, was dem Passagier gen\u00fcgend Zeit l\u00e4sst, sich sowohl auf die physische als auch auf die psychische Untersuchung vorzubereiten. Alles in Allem ging die Geschichte glimpflich aus \u2013 der Mann d\u00fcrfte diesen Flug aber sein Leben lang nicht vergessen. Der franz\u00f6sische Bericht enth\u00e4lt noch einige Fotos \u2013 eine englischsprachige Aufarbeitung findet sich <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20201207113929\/https:\/\/www.aerotime.aero\/clement.charpentreau\/24788-fighter-jet-crash-averted-by-defect-in-civil-ejection-incident\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>. (<a href=\"https:\/\/www.theregister.co.uk\/2020\/04\/09\/frenchman_ejected_fighter_jet_retirement_jolly\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">via<\/a>)<\/p>\n<blockquote>\n<p>Postskriptum: Ich kann das Ganze gut nachvollziehen. Als junger Soldat in der deutschen Luftwaffe hatte ich die Gelegenheit, mit einem Segelflugzeug mitzufliegen. Ist nicht mit einem Flug in einem Tornado oder Rafaele zu vergleichen. Aber ich erinnere mich, dass ich an dem Sonntag Dienst hatte und jemandem aus dem Offizierskorps auf die Fl\u00e4che mit den Segelfliegern gefahren hatte. Pl\u00f6tzlich kam die Frage 'magst Du mitfliegen?', worauf ich einwilligte. Ich habe noch die Worte einer Person aus der Hilfsmannschaft im Ohr, der mich gefragt hatte, ob ich schon in einem Segelflieger mitgeflogen sei (ich verneinte), an den Piloten 'flieg sachte, dein Passagier macht seinen Erstflug'. In der Schleppphase gab es eine reine Achterbahnfahrt. Ich erinnere mich noch \u2013 so ca. 40 Meter vor der Flugzeugnase war ein einmotoriges Schleppflugzeug mit dem Schleppseil zu sehen. Immer wenn dieser Flieger pl\u00f6tzlich 20 bis 30 Meter absackte, wusste ich, dass wir Sekunden sp\u00e4ter in das Luftloch fallen w\u00fcrden. Erst als die Schleppleine ausgekoppelt wurde, und der Segelflug begann, konnte ich diesen Flug mit Blick auf die Mosel und die Eifellandschaft genie\u00dfen. In meiner Zeit als junger Ingenieur in der Luft- und Raumfahrtindustrie wurde mir dann gl\u00fccklicherweise nie ein Flug in einem Milit\u00e4rjet in der Art 'das Angebot kannst Du nicht ablehnen' angedient. Aber ich kann die Situation des 64-j\u00e4hrigen aus eigenen Erfahrungen sehr gut nachempfinden.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das war ein Flug, den ein 64 j\u00e4hriger Franzose sein Leben nicht mehr vergessen wird. Von Kollegen wurde ihm als Abschiedsgeschenk ein Flug in einem Jagdflieger aufgezwungen. 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