{"id":12534,"date":"2020-06-25T00:02:00","date_gmt":"2020-06-24T22:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=12534"},"modified":"2023-04-13T10:29:52","modified_gmt":"2023-04-13T08:29:52","slug":"fiel-die-rmische-republik-wegen-eines-vulkanausbruchs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/06\/25\/fiel-die-rmische-republik-wegen-eines-vulkanausbruchs\/","title":{"rendered":"Fiel die r&ouml;mische Republik wegen eines Vulkanausbruchs"},"content":{"rendered":"<p>Der Untergang der R\u00f6mischen Republik besch\u00e4ftigt seit Jahrzehnten die Wissenschaft. Eine Theorie besagt, dass ein Vulkanausbruch und die damit einhergehenden Klima\u00e4nderungen den Ausschlag gab. Jetzt haben Wissenschaftler den betreffenden Vulkan ausfindig gemacht. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gaius_Iulius_Caesar\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ermordung Caesars<\/a>, am 15. M\u00e4rz 44 v. Chr. markiert einen Wendepunkt in der Geschichte Roms \u2013 wo die R\u00f6mische Republik unterging und in ein Kaiserreich umgewandelt wurde. Ein Jahr sp\u00e4ter, 43 v. Chr., fand 8.000 Kilometer entfernt, vor Alaska ein Vulkanausbruch statt. Das k\u00f6nnte den Untergang der R\u00f6mischen Republik mit beschleunigt haben.<\/p>\n<h2>Historische Quelle schreiben von schlechtem Wetter<\/h2>\n<p>Historische Quellen beschreiben um die Zeit von Julius C\u00e4sars Tod im Jahr 44 v.u.Z. eine Periode ungew\u00f6hnlich kalten Klimas, die zu Ernteausf\u00e4llen, Hungersn\u00f6ten, Krankheiten und Unruhen im Mittelmeerraum gef\u00fchrt hat. Die Auswirkungen des extremen Klimas trugen letztlich zum Untergang der R\u00f6mischen Republik und des ptolem\u00e4ischen K\u00f6nigreichs in \u00c4gypten bei.<\/p>\n<h2>Forscherteam liefert Beweise f\u00fcr Vulkanausbruch<\/h2>\n<p>Nun liefert ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Dr. Joe McConnell vom Institut f\u00fcr W\u00fcstenforschung (DRI) in Reno, Nevada, <a href=\"https:\/\/www.awi.de\/ueber-uns\/service\/presse-detailansicht\/presse\/ein-vulkanausbruch-vor-alaska-war-eine-ursache-fuer-den-niedergang-roms.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Antworten auf diese Fragen<\/a>. Das Team untersuchte Vulkanasche aus arktischen Eiskernen und konnte so den Zusammenhang zwischen dem Ausbruch des Vulkan Okmok auf den Aleuten-Inseln vor Alaska und einem bisher ungekl\u00e4rten K\u00e4lteeinbruch im Mittelmeerraum herstellen. <\/p>\n<p>\"Es ist faszinierend Belege daf\u00fcr zu finden, dass ein Vulkanausbruch auf der anderen Seite der Erde effektiv genug war, um zum Untergang der r\u00f6mischen Republik und des ptolem\u00e4ischen K\u00f6nigreichs in \u00c4gypten und letztlich zum Aufstieg des R\u00f6mischen Kaiserreiches beizutragen\" sagte McConnell: \"Es zeigt auf jeden Fall, wie vernetzt die Welt schon vor 2000 Jahren war.\" <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Der Gipfel des Okmok\" alt=\"Der Gipfel des Okmok\" src=\"https:\/\/www.awi.de\/fileadmin\/user_upload\/AWI\/Ueber_uns\/Service\/Presse\/2020\/2_Quartal\/KM_Historiker_R%C3%A4tsel\/1297472875_ak206.jpg\" width=\"638\" height=\"424\">Der Gipfel des Okmok (Foto: Larsen, J. F. Alaska Volcano Observatory \/ University of Alaska Fairbanks, Geophysical Institute) <\/p>\n<p>Diese Erkenntnis begann im Eiskernlabor des DRI, als McConnell und der Schweizer Forscher Prof. Dr. Michael Sigl vom Oeschger Zentrum f\u00fcr Klimawandelforschung an der Universit\u00e4t Bern im vergangenen Jahr in einer Eiskernprobe auf eine au\u00dfergew\u00f6hnlich gut erhaltene Schicht von feinster Vulkanasche stie\u00dfen. Sie beschlossen diese Eiskernprobe mit weiteren Kernen aus Gr\u00f6nland und Russland zu vergleichen. <\/p>\n<h2>AWI-Wissenschaftler liefern Eiskern Daten<\/h2>\n<p>Es ist kein Zufall, dass Joe McConnell beim AWI-Geowissenschaftler, Prof. Dr. Frank Wilhelms nachfragte, ob man einen Vulkanausbruch kurz vor Beginn unserer Zeitrechnung nachweisen k\u00f6nne.Ein wissenschaftlicher Fokus des AWI ist die Rekonstruktion atmosph\u00e4rischer Zirkulationsmuster in der Arktis, um die Klimaentwicklung in der Vergangenheit besser zu verstehen. \"Gro\u00dfr\u00e4umige Klimarekonstruktionen aus so verschiedenen Archiven wie Eiskernen, Sedimentkernen und sogar Eiskeilen und vor allem auch die zusammenfassende Synthese der Daten zum Verst\u00e4ndnis von Klimazust\u00e4nden sind unsere Spezialit\u00e4t am AWI und weltweit einmalig,\" erkl\u00e4rt der Leiter des Potsdamer Isotopenlabors Dr. Hanno Meyer <\/p>\n<p>\"Diese Forschungen betreibt das AWI gemeinsam mit einem wechselnden Konsortium mehrerer Nationen an tiefen Eiskernen in Gr\u00f6nland. \u201eDie enge bilaterale Kooperation mit dem russischen Institut f\u00fcr Arktis- und Antarktisforschung bot zwischen 1999\u20132001 die einmalige Gelegenheit einen Eiskern von der Akademii Nauk Eiskappe auf der sibirischen Inselgruppe Sewernaja Semlja zu erhalten, die weit entfernt von Gr\u00f6nland im arktischen Ozean liegt\", erg\u00e4nzt Frank Wilhelms.&nbsp; Mit den Datens\u00e4tzen aus der Analyse genau dieses Eiskerns, des Akademii Nauk-Eiskern, wurde der von McConnell gesuchte Vulkanausbruch im Jahr 43 v.u.Z best\u00e4tigt. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"See am Kraterboden\" alt=\"See am Kraterboden\" src=\"https:\/\/www.awi.de\/fileadmin\/user_upload\/AWI\/Ueber_uns\/Service\/Presse\/2020\/2_Quartal\/KM_Historiker_R%C3%A4tsel\/1377032689.jpg\" width=\"643\" height=\"482\"><br \/>Ein See am Boden des Kraters des Okmok (Foto: Schaefer, J. R. G., Alaska Division of Geological &amp; Geophysical Surveys) <\/p>\n<p>Zusammen mit den Daten der \u00fcbrigen f\u00fcnf Kerne lie\u00df sich nun belegen, dass ein heftiger Ausbruch des Okmok im Jahr 43 v.u.Z.&nbsp; Vulkanasche in die Atmosph\u00e4re geschleudert hatte, deren Bestandteile \u00fcber zwei Jahre dort verblieben. Auf der Basis dieser Informationen wurden am Oeschger-Zentrum f\u00fcr Klimaforschung der Universit\u00e4t Bern die Folgen des Okmok-Ausbruchs mit einem Erdsystemmodell simuliert.&nbsp; <\/p>\n<h2>Historiker R\u00e4tsel gel\u00f6st<\/h2>\n<p>Die Ergebnisse waren beeindruckend: Die zwei Jahre nach dem Ausbruch des Okmok geh\u00f6ren zu die k\u00e4ltesten der vergangenen 2500 Jahre. Die Nordhemisph\u00e4re war im Sommer und Herbst der Jahre 43 und 42 vor Christus durchschnittlich 3 Grad Celsius und m\u00f6glicherweise bis zu 7 Grad k\u00e4lter als normal&nbsp; <\/p>\n<p> \"Im Mittelmeerraum haben diese feuchten und extrem kalten Bedingungen w\u00e4hrend der landwirtschaftlich wichtigen Periode von Fr\u00fchling bis Herbst wahrscheinlich die Ernteertr\u00e4ge verringert und die Versorgungsprobleme w\u00e4hrend der anhaltenden politischen Umbr\u00fcche dieser Zeit versch\u00e4rft,\" erkl\u00e4rt der klassische Arch\u00e4ologe Prof. Dr. Andrew Wilson von der Universit\u00e4t Oxford. \"Diese Ergebnisse untermauern in alten Quellen berichtete K\u00e4lteperioden, Hungersn\u00f6te, Lebensmittelknappheit und Krankheiten.\" <\/p>\n<p> \"Besonders auff\u00e4llig war die geringe St\u00e4rke der Nilflut zum Zeitpunkt des Ausbruchs von Okmok, und die Hungersnot und Krankheit, die in \u00e4gyptischen Quellen berichtet wurde\" f\u00fcgte Prof. Dr. Joe Manning, Historiker an der Universit\u00e4t Yale , hinzu. \u201eDie Klimaeffekte waren ein schwerer Schlag f\u00fcr eine bereits unter Druck stehende Gesellschaft in einem entscheidenden Moment in der Geschichte.\" <\/p>\n<p>Das Forscherteam ist sich bewusst, dass viele verschiedene Faktoren zum Sturz der R\u00f6mischen Republik und des Ptolem\u00e4ischen K\u00f6nigreiches beigetragen haben. Sie sind jedoch davon \u00fcberzeugt, dass die Auswirkungen des Ausbruchs von Okmok dabei eine gro\u00dfe Rolle gespielt haben \u2013 und dass ihre Entdeckung dazu beitr\u00e4gt, eine Wissensl\u00fccke \u00fcber diese historische Epoche zu f\u00fcllen, die Arch\u00e4ologen und Althistoriker seit langem vor R\u00e4tsel gestellt hat. <\/p>\n<p>\"Es ist aufregend Antworten zu geben auf Fragen, \u00fcber die Historiker schon seit vielen Jahren nachdenken.\" sagte McConnell. <\/p>\n<h2>Auch die Wissenschaftler am AWI sind begeistert<\/h2>\n<p>Dr. Thomas Opel, den die wissenschaftliche Analyse des Akademii Nauk-Eiskerns seine ganze Karriere begleitet hat, freute sich: \"Wenn nach so vielen Jahren immer noch spannende Ergebnisse aus einer solchen, Disziplinen \u00fcberspannenden, Fragestellung herauskommen, dann begeistert mich das sehr.\" Und auch Frank Wilhelms erinnerte sich: \u201eAls ich vor mehr als 20 Jahren begann mit Eisbohrkernen zu arbeiten, wollte ich etwas zum besseren Verst\u00e4ndnis des Klimasystems beitragen. Aber schon damals, beim Einlesen in das Arbeitsgebiet, hat mich die genaue Datierung der Santorini Explosion am GRIP Eiskern, die auch eine gro\u00dfe Debatte unter den Historiker gel\u00f6st hat, fasziniert und es hat mich einfach gefreut hier bei einem geschichtswissenschaftlich bedeutenden Projekt mitmachen zu k\u00f6nnen!\" <\/p>\n<h3>Originalpublikation<\/h3>\n<p>Joseph R. McConnell, Michael Sigl, Gill Plunkett, Andrea Burke, Woon Mi Kim, Christoph C. Raible, Andrew I. Wilson, Joseph G. Manning, Francis Ludlow, Nathan J. Chellman, Helen M. Innes, Zhen Yang, Jessica F. Larsen, Janet R. Schaefer, Sepp Kipfstuhl, Seyedhamidreza Mojtabavi, Frank Wilhelm, Thomas Opel, Hanno Meyer, J\u00f8rgen Peder Steffensen: Extreme climate after massive eruption of Alaska's Okmok volcano in 43 BCE and effects on the late Roman Republic and Ptolemaic Kingdom. <\/p>\n<p>Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 22. Juni 2020, <a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/doi\/full\/10.1073\/pnas.2002722117\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">doi\/10.1073<\/a> <\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.awi.de\/ueber-uns\/service\/presse-detailansicht\/presse\/ein-vulkanausbruch-vor-alaska-war-eine-ursache-fuer-den-niedergang-roms.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Presseinformation des Alfred-Wegener-Instituts<\/a>    <\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/02\/06\/herculaneum-vesuv-ausbruch-79-n-chr-neue-erkenntnisse\/\">Herculaneum, Vesuv-Ausbruch 79 n. 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