{"id":12945,"date":"2020-08-06T00:13:00","date_gmt":"2020-08-05T22:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=12945"},"modified":"2020-08-05T18:36:35","modified_gmt":"2020-08-05T16:36:35","slug":"exoplant-per-radiotelekop-nachgewiesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/08\/06\/exoplant-per-radiotelekop-nachgewiesen\/","title":{"rendered":"Exoplant per Radiotelekop nachgewiesen"},"content":{"rendered":"<p>Spannende Geschichte &#8211; Forscher haben mehrere Radioteleskope weltweit zu einem Verbund zusammen geschaltet, um den Himmel zu durchmustern. Dabei ist es Astronomen gelungen, erstmals einen Exoplaneten TVLM 513b nachzuweisen.<\/p>\n<p><!--more-->Bisher mehr als 4300 Planeten bei fremden Sonnen kennen die Astronomen. Fast alle wurden sie im sichtbaren Licht entdeckt. Jetzt haben Forschende einen Exoplaneten mit einem gigantischen Radioteleskop aufgesp\u00fcrt. Der 35 Lichtjahre von der Erde entfernte Himmelsk\u00f6rper kreist auf einer engen Bahn um einen massearmen k\u00fchlen Zwergstern. Dabei r\u00fcttelt der saturngro\u00dfe Planet an seiner Muttersonne, was sich in systematischen Positions\u00e4nderungen zeigt. Um dieses minimale Wackeln aufzusp\u00fcren, setzten die Wissenschaftler \u2013 unter ihnen Gisela Ortiz-Le\u00f3n vom Bonner Max-Planck-Institut f\u00fcr Radioastronomie \u2013 ein Netzwerk von Radioantennen ein, die sich \u00fcber den gesamten amerikanischen Kontinent erstreckten. Dabei entstand ein gigantisches virtuelles Teleskop, Very Long Baseline Array (VLBA) genannt. <\/p>\n<h2>Exoplanet TVLM 513b <\/h2>\n<p>Der neu entdeckte Exoplanet mit der Bezeichnung TVLM 513b umkreist einen Roten Zwerg in etwa 35 Lichtjahre Entfernung. Der Plant besitzt zwar eine vergleichbare Masse wie Saturn, l\u00e4uft jedoch auf einer recht engen Bahn um seinen Stern, \u00e4hnlich wie Merkur im Sonnensystem. Die Astronomen haben bisher nur eine Handvoll extrasolarer Planeten mit \u00e4hnlichen Eigenschaften wie TVLM 513b bei derart massearmen Zwergsternen nachgewiesen. Denn die Beobachtungen werden nicht zuletzt wegen der geringen Helligkeit eines solchen Systems erschwert. <\/p>\n<h2>Bekannte Technik, schwierig einzusetzen<\/h2>\n<p>Die f\u00fcr die aktuelle Entdeckung benutzte astrometrische Technik ist zwar schon l\u00e4nger bekannt, aber in der Praxis sehr schwierig anzuwenden: Mit ihr wird im Prinzip die Ortsver\u00e4nderung eines Objekts am Himmel gemessen. Doch dies erfordert die extrem pr\u00e4zise Verfolgung der tats\u00e4chlichen Bewegung des Sterns im Raum \u2013 und den Nachweis winzig kleiner Schwankungen, welche die Gravitation des umlaufenden Planeten auf den Stern aus\u00fcbt. <\/p>\n<p>Das Paar aus Stern und Planet umkreist das gemeinsame Massezentrum. Der Planet l\u00e4sst sich aber nur dann indirekt nachweisen, wenn dieses Zentrum weit genug vom Stern entfernt liegt. So entsteht schlie\u00dflich eine mit Teleskopen beobachtbare charakteristische Wackelbewegung (\u201eWobbling\"). <\/p>\n<h2>Beobachtung seit 2018<\/h2>\n<p>Von Juni 2018 an hat das Forscherteam f\u00fcr insgesamt anderthalb Jahre die Positionen des Sterns TVLM 513-46546 systematisch vermessen. TVLM 513-46546 ist ein k\u00fchler Zwergstern mit weniger als zehn Prozent der Masse unserer Sonne. Zus\u00e4tzlich nutzten die Astronomen noch neun fr\u00fchere VLBA-Messungen dieses Sterns aus der Zeit zwischen M\u00e4rz 2010 und August 2011. <\/p>\n<p>Die Analyse aller Beobachtungsdaten zeigte eine systematische Schwankung in den gemessenen Positionen des Sterns und erm\u00f6glichte den indirekten Nachweis eines Planeten von Saturnmasse, der sein Zentralgestirn mit einer Periode von 221 Tagen umkreist. Der Planet hat einen geringeren Abstand von seinem Stern als Merkur von der Sonne, der durchschnittlich 58 Millionen Kilometer von ihr entfernt ist. <\/p>\n<h2>Viele solche Sterne wie TVLM 513-46546 <\/h2>\n<p>Massearme k\u00fchle Sterne wie <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/TVLM_513-46546\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">TVLM 513-46546<\/a> kommen in unserer Milchstra\u00dfe am h\u00e4ufigsten vor. Bei vielen von ihnen hat man kleinere Planeten gefunden, von der Masse her vergleichbar mit Erde oder Mars. \u201eGro\u00dfe Planeten wie Jupiter oder Saturn sollten bei massearmen Sternen eigentlich eher selten vorkommen\", sagt Salvador Curiel von der National Autonomous University in Mexiko. Zudem sei die astrometrische Technik am erfolgreichsten beim Nachweis jupiter\u00e4hnlicher Planeten in ausgedehnten Umlaufbahnen. \u201eWir waren daher \u00fcberrascht, einen masse\u00e4rmeren Planeten von Saturngr\u00f6\u00dfe in einer relativ nahen Umlaufbahn um TVLM 513-46546 zu finden.\" <\/p>\n<p>Von den mehr als 4300 bekannten Exoplaneten ist TVLM 513b erst der zweite, der mithilfe der astrometrischen Beobachtungstechnik entdeckt wurde. Eine andere sehr erfolgreiche Methode beruht ebenfalls auf dem gravitativen Einfluss eines Planeten auf seinen Mutterstern. Diese Technik weist spektroskopisch die winzige Beschleunigung des Sterns in Richtung oder entgegengesetzt zur Richtung der Erde nach, die durch die Bewegung des Sterns um das gemeinsame Massezentrum verursacht wird. <\/p>\n<p>\u201eUnser Verfahren erg\u00e4nzt diese Radialgeschwindigkeitsmethode, die eher geeignet ist f\u00fcr Planeten in nahen Umlaufbahnen um den jeweiligen Stern\", sagt Gisela Ortiz-Le\u00f3n vom Bonner Max-Planck-Institut f\u00fcr Radioastronomie. \u201eTats\u00e4chlich sp\u00fcrten diese und andere Methoden bisher nur wenige Planeten auf, die in ihren Eigenschaften wie Masse, Gr\u00f6\u00dfe der Umlaufbahn und Masse des Muttersterns unserem neugefundenen Planeten gleichen.\" <\/p>\n<p>Die Forscherin glaubt, dass das von ihrem Team verwendete Very Long Baseline Array mit seinen Einzelteleskopen in bis zu 8000 Kilometer Abstand ein wirksames Werkzeug bei der Suche nach Exoplaneten ist und noch eine gro\u00dfe Zahl weiterer Planeten mit \u00e4hnlichen Eigenschaften ans Licht bringen wird. Die Kollegen von heise haben <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Astronomie-Erstmals-Exoplanet-von-Radioteleskopen-mittels-Astrometrie-gefunden-4863485.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier noch einen Artikel<\/a> zum Thema ver\u00f6ffentlicht.  <\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2016\/10\/09\/ozean-auf-proxima-centauri-b\/\">Ozean auf Proxima Centauri b?<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/11\/08\/proxima-centauri-staubgrtel-und-ggf-mehrere-planeten\/\">Proxima Centauri: Staubg\u00fcrtel und ggf. mehrere Planeten<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/03\/01\/proxima-centauri-strahlungsausbrche-grillen-planeten\/\">Proxima Centauri: Strahlungsausbr\u00fcche grillen Planeten<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2016\/12\/05\/alpha-und-proxima-centauri-sind-ein-sternensystem\/\">Alpha und Proxima Centauri sind ein Sternensystem<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/11\/19\/zweite-erde-beim-nachbarstern-ross-128-entdeckt\/\">Zweite Erde beim Nachbarstern Ross 128 entdeckt<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2016\/08\/26\/die-zweite-erde-in-unserer-nachbarschaft\/\">Die zweite Erde in unserer Nachbarschaft?<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/11\/20\/exoplanet-beta-pictoris-b-erste-filmaufnahmen\/\">Exoplanet 'Beta Pictoris b' \u2013 erste 'Filmaufnahmen'<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/01\/04\/das-rtsel-der-100-verschwundenen-sterne\/\">Das R\u00e4tsel der 100 verschwundenen Sterne<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2016\/07\/09\/cool-exo-planet-mit-drei-sonnen-erstmals-direkt-fotografiert\/\">Cool: Exo-Planet mit drei Sonnen erstmals direkt fotografiert<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2016\/04\/15\/nachweis-von-von-exoplaneten-auf-fotoplatte-von-1917\/\">Nachweis von Exoplaneten auf Fotoplatte von 1917<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/03\/12\/neues-von-exoplanet-proxima-b-und-wasp-76b\/\">Neues von Exoplanet: Proxima b und WASP-76b<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spannende Geschichte &#8211; Forscher haben mehrere Radioteleskope weltweit zu einem Verbund zusammen geschaltet, um den Himmel zu durchmustern. 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