{"id":13575,"date":"2020-10-02T00:12:00","date_gmt":"2020-10-01T22:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=13575"},"modified":"2020-10-03T08:41:07","modified_gmt":"2020-10-03T06:41:07","slug":"studienergebnis-haarausfall-kann-mglicherweise-verhindert-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/10\/02\/studienergebnis-haarausfall-kann-mglicherweise-verhindert-werden\/","title":{"rendered":"Studienergebnis: Haarausfall kann m&ouml;glicherweise verhindert werden"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Gesundheit\" src=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Gesundheit-2.jpg\" alt=\"Gesundheit\" width=\"60\" height=\"56\" align=\"left\" border=\"0\" \/>Es ist das Leid vieler M\u00e4nner: Haarausfall. Erst die Geheimratsecken, dann lichtet sich das Kopfhaar mehr und mehr, bis nur ein Rand \u00fcbrig bleibt. Die Industrie liefert allerlei weniger n\u00fctzliche Mittelchen. Kommt jetzt der Durchbruch in der Bek\u00e4mpfung des Haarausfalls? Ein internationales Forschungsteam hat im Mausmodell gezeigt, dass das Protein Rictor eine Schl\u00fcsselrolle f\u00fcr den Zellstoffwechsel und die Langlebigkeit von Stammzellen im Haarfollikel spielt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Neueste Forschungsergebnisse<\/h2>\n<p>Ein Forschungsteam aus K\u00f6ln und Helsinki hat einen Mechanismus entdeckt, der Haarausfall verhindert: Haarfollikelstammzellen, die f\u00fcr das Nachwachsen der Haare unerl\u00e4sslich sind, k\u00f6nnen ihrer Zellalterung entgegenwirken. Dazu passen sie ihren Stoffwechselzustand dem umliegenden Gewebe, das durch eine niedrige Sauerstoffkonzentration gekennzeichnet ist, an.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Mann mit Glatze\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/hHR5XwX.jpg\" alt=\"Mann mit Glatze\" \/><br \/>\n(Andrea Piacquadio, Quelle: Pexels, kostenlose Nutzung)<\/p>\n<p>Das Team wurde von Professorin Sara Wickstr\u00f6m (Universit\u00e4t Helsinki und Max-Planck-Institut f\u00fcr Biologie des Alterns) und der Dermatologin Professorin Sabine Eming (Universit\u00e4t K\u00f6ln) geleitet und umfasst Forscher des Exzellenzclusters der Universit\u00e4t K\u00f6ln f\u00fcr Altersforschung CECAD, des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Biologie des Alterns, des Sonderforschungsbereichs SFB 829 \u201eMolekulare Mechanismen zur Regulierung der Hauthom\u00f6ostase\", des Zentrums f\u00fcr Molekulare Medizin (ZMMK) (alle in K\u00f6ln) und der Universit\u00e4t Helsinki. Der Artikel \u201eGlutamine Metabolism Controls Stem Cell Fate Reversibility and Long-Term Maintenance in the Hair Follicle\" wurde in Cell Metabolism ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<h2>Alterung der Haut und Haarfollikel<\/h2>\n<p>Die Haut und ihre Bestandteile wie z.B. die Haarfollikel sind t\u00e4glich Umwelteinfl\u00fcssen ausgesetzt. Besch\u00e4digtes Zellmaterial wird kontinuierlich entfernt und erneuert. Im Durchschnitt werden t\u00e4glich 500 Millionen Zellen und 100 Haare abgesto\u00dfen; dies entspricht etwa 1,5 Gramm Gewebe. Das abgesto\u00dfene Gewebe wird durch Stammzellen ersetzt, die stark proliferativ und langlebig sind. Die Gewebefunktion h\u00e4ngt von der Aktivit\u00e4t und Gesundheit dieser Stammzellen ab.<\/p>\n<p>Eine beeintr\u00e4chtigte Funktion oder eine verringerte Anzahl f\u00fchrt zu Alterung. \u201eObwohl die entscheidende Rolle von Stammzellen bei der Alterung bekannt ist, ist wenig \u00fcber die Mechanismen bekannt, die eine langfristige Aufrechterhaltung der Funktion dieser wichtigen Zellen regulieren. Der Haarfollikel mit seinen gut charakterisierten Funktionen und klar identifizierbaren Stammzellen war ein perfektes Modellsystem, um diese wichtige Frage zu untersuchen\", sagt Sara Wickstr\u00f6m.<\/p>\n<p>Um die Eigenschaften besser zu verstehen, die Stammzellen funktionell von ihren differenzierten Tochterzellen unterscheiden, untersuchte das Team die Transkriptions- und Stoffwechselprofile der beiden Zellpopulationen. \u201eInteressanterweise zeigten diese Studien, dass Stammzellen und Tochterzellen unterschiedliche Stoffwechselmerkmale aufweisen\", sagt Dr. Christine Kim, eine leitende Wissenschaftlerin der Untersuchungen. \u201eUnsere ersten Ergebnisse in der Zellkultur gaben einen starken Hinweis darauf, dass Rictor beteiligt sein wird.\" Rictor ist eine wichtige molekulare Komponente des mTOR-Signalwegs, der grundlegende Prozesse des Zellstoffwechsels einschlie\u00dflich Wachstum, Energie- und Sauerstoffverbrauch von Zellen reguliert.<\/p>\n<h2>Mechanismus des Haarausfalls gekl\u00e4rt<\/h2>\n<p>In umfassenden Untersuchungen zeigte das Team, dass der Verlust der Stammzellfunktion im Haarfollikel mit einem Verlust der metabolischen Flexibilit\u00e4t einhergeht. Am Ende jedes Regenerationszyklus, in dem ein neues Haar generiert wird, kehrt ein Teil der Stammzellen in seine Stammzellnische und damit in einen gewissen metabolischen Ruhestand zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Dr. Xiaolei Ding, ein weiterer leitender Wissenschaftler der Arbeit, erkl\u00e4rt: \u201eEine wesentliche Erkenntnis der Studie ist, dass diese sogenannte \u201aSchicksalsumkehrbarkeit' der Stammzelle, eine Verschiebung vom Glutaminstoffwechsel und der Zellatmung hin zur Glykolyse erfordert.\"<\/p>\n<p>Im Ruhezustand befinden sich die Stammzellen in einer Umgebung mit geringer Sauerstoffkonzentration und nutzen daher eher Glukose als Kohlenstoffquelle f\u00fcr die Energie- und Proteinsynthese. Die Verschiebung von Zellatmung hin zur Glykolyse wird durch die niedrige Sauerstoffkonzentration in der Stammzellnische und der Aktivierung der mTOR-Signalkaskade ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Die Inaktivierung von Rictor beeintr\u00e4chtigt die F\u00e4higkeit der Stammzellen ihren Metabolismus im Ruhezustand anzupassen. Somit l\u00f6st eine mangelnde Aktivierung der mTOR-Signalkaskade letztlich eine Ersch\u00f6pfung der Stammzellen aus und bedingt einen altersbedingten Haarausfall.<\/p>\n<h2>Mausmodell erkl\u00e4rt die Zusammenh\u00e4nge<\/h2>\n<p>Die Wissenschaftler Ding und Eming entwickelten vor Kurzem ein genetisches Mausmodell zur Untersuchung der Rictor-Funktion in der Epidermis. \u201eInteressanterweise zeigten diese M\u00e4use, denen Rictor fehlt, mit zunehmendem Alter Haarausfall und eine Abnahme der Zahl der Haarfollikelstammzellen\", sagt Ding.<\/p>\n<p>\u201eIn Zukunft wird es ein wichtiges Ziel sein zu verstehen, wie sich diese vorklinischen Befunde auf die Stammzellbiologie im Menschen \u00fcbertragen lassen und m\u00f6glicherweise pharmazeutisch genutzt werden k\u00f6nnten, um Alterungsprozessen im Haarfollikel entgegenzuwirken und Haarausfall zu vermeiden\", sagt Eming. \u201eIn diesem Zusammenhang erscheint uns die Beobachtung, dass durch die \u00e4u\u00dferliche Anwendung eines Glutaminase-Inhibitors die Stammzellfunktion in M\u00e4usen mit gest\u00f6rter Rictor-Funktion wiederhergestellt werden kann, besonders interessant. Diese Ergebnisse belegen somit das Prinzip, dass die Modifizierung von Stoffwechselwegen ein wirksamer Ansatz zur Steigerung der Regenerationskapazit\u00e4t unseres Gewebes sein k\u00f6nnte.\"<\/p>\n<p>\u00dcbersetzt hei\u00dft das: Die Wissenschaftler verstehen jetzt, warum der Haarausfall passiert. Aber bis ein Mittelchen, das hilft, verf\u00fcgbar ist, k\u00f6nnte noch etwas Wasser den Rhein herunter flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Publikation: \u201eGlutamine Metabolism Controls Stem Cell Fate Reversibility and Long-Term Maintenance in the Hair Follicle\" in Cell Metabolism<br \/>\nDigital object identifier (DOI):<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist das Leid vieler M\u00e4nner: Haarausfall. Erst die Geheimratsecken, dann lichtet sich das Kopfhaar mehr und mehr, bis nur ein Rand \u00fcbrig bleibt. Die Industrie liefert allerlei weniger n\u00fctzliche Mittelchen. 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