{"id":14247,"date":"2020-10-28T13:36:41","date_gmt":"2020-10-28T12:36:41","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=14247"},"modified":"2022-04-22T07:58:15","modified_gmt":"2022-04-22T05:58:15","slug":"kardiologe-15-der-covid-19-toten-gehen-auf-luftverschmutzung-zurck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/10\/28\/kardiologe-15-der-covid-19-toten-gehen-auf-luftverschmutzung-zurck\/","title":{"rendered":"Studie: 15% der Covid-19-Toten durch Luftverschmutzung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Gesundheit\" src=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Gesundheit-2.jpg\" alt=\"Gesundheit\" width=\"60\" height=\"56\" align=\"left\" border=\"0\" \/>Es ist ein erstaunlicher Zusammenhang, den Forscher in einer Studie nachgewiesen haben. Ist das Risiko, an COVID-19 zu sterben, erh\u00f6ht, wenn man langfristig verschmutzte Luft einatmet? Ein solcher Zusammenhang ist berechen, jedoch nicht direkt messbar. Absch\u00e4tzungen ergeben, dass ca. 15% der Covid-19-Todesf\u00e4lle auf eine hohe Luftverschmutzung zur\u00fcck gehen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich bin \u00fcber Presseartikel und diese <a href=\"https:\/\/www.mpic.de\/4768307\/air-pollution-as-co-factor-of-covid-19-mortality?c=3477744\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Presseinformation<\/a> auf die gerade ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210906113200\/https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/abs\/pii\/S0048969720321215\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Studie<\/a> aufmerksam geworden. Das \u00c4rzteblatt hat deren Ergebnisse in <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/112127\/COVID-19-Forscher-vermuten-Zusammenhang-zwischen-Luftverschmutzung-und-Todeszahlen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesem deutschsprachigen Artikel<\/a> aufgegriffen, auch\u00a0 der MDR zitiert <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/wissen\/feinstaub-luftverschmutzung-corona-sterberisiko-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier Ergebnisse<\/a>. Was bekannt war: Luftverschmutzung sch\u00e4digt Lunge und andere Organe. Der Schluss: Wenn Organe gesch\u00e4digt sind, verlaufen Covid-19-Erkrankungen schwerer.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Medizin\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/69SlbLU.jpg\" alt=\"Medizin\" \/><br \/>\n(Quelle: Pexels\/Pixabay CC0 Lizenz)<\/p>\n<p>Forscher um Jos Lelieveld vom <a href=\"https:\/\/www.mpic.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Max-Planck-Institut f\u00fcr Chemie in Mainz<\/a> und Thomas M\u00fcnzel vom <a href=\"https:\/\/www.mpic.de\/4768307\/air-pollution-as-co-factor-of-covid-19-mortality?c=3477744\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mainzer Universit\u00e4tsklinikum<\/a> wollten es genau wissen und haben <a href=\"https:\/\/www.mpic.de\/4768307\/air-pollution-as-co-factor-of-covid-19-mortality?c=3477744\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">nachgerechnet<\/a>. Die Frage war, wie viele Coronatote im Zusammenhang mit schlechter Luft stehen. Nun wurde in einer Studie erstmals der Anteil der COVID-19-Todesf\u00e4lle, der auf Luftverschmutzung durch Feinstaub zur\u00fcckzuf\u00fchren sein k\u00f6nnte, l\u00e4nderspezifisch ermittelt.<\/p>\n<h2>15% Sterbef\u00e4lle auf Luftverschmutzung zur\u00fcckzuf\u00fchren<\/h2>\n<p>Die im wissenschaftlichen Fachmagazin Cardiovascular Research ver\u00f6ffentlichte Studie sch\u00e4tzt, dass etwa 15% der weltweiten Todesf\u00e4lle durch COVID-19 auf eine langfristige Exposition gegen\u00fcber Luftverschmutzung zur\u00fcckzuf\u00fchren sein k\u00f6nnten. Den Autoren des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Chemie, der Harvard T.H. Chan School of Public Health, des London Centre for Climate Change and Planetary Health, der Berliner Charit\u00e9 und der Universit\u00e4tsmedizin Mainz zufolge liegt der Anteil der luftverschmutzungsbedingten COVID-19 Todesf\u00e4lle in Europa bei 19%, in Nordamerika bei 17% und in Ostasien bei 27%.<\/p>\n<p>Die Zahlen sind eine Sch\u00e4tzung des Anteils der COVID-19-Todesf\u00e4lle, der h\u00e4tte vermieden werden k\u00f6nnen, wenn die Bev\u00f6lkerung einer geringeren Luftverschmutzung ausgesetzt w\u00e4re, bei der es keine Emissionen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe und anderen anthropogenen d.h., vom Menschen verursachten Quellen g\u00e4be.<\/p>\n<h2>Nur indirekte Effekte und l\u00e4nderspezifisch<\/h2>\n<p>Dr. Andrea Pozzer vom Mainzer Max-Planck-Institut f\u00fcr Chemie betont, dass der zurechenbare Anteil keinen direkten Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und COVID-19-Mortalit\u00e4t beweist, sondern einen indirekten Effekt, weswegen er und seine Kollegen auch relative Zahlen angeben: \u201eUnsere Sch\u00e4tzungen zeigen die Bedeutung der Luftverschmutzung auf Komorbidit\u00e4ten, also Gesundheitsfaktoren, die sich gegenseitig verschlimmern und so t\u00f6dliche gesundheitliche Folgen der Virusinfektion ausl\u00f6sen k\u00f6nnen,\" erg\u00e4nzt der Atmosph\u00e4renforscher und Erstautor der Studie.<\/p>\n<p>F\u00fcr die einzelnen L\u00e4ndern ergeben die Sch\u00e4tzungen der mit Luftverschmutzung in Zusammenhang stehenden COVID-19-Todef\u00e4lle ein sehr unterschiedliches Bild: Vergleichsweise hoch ist der Anteil in der Tschechischen Republik mit 29%, in China mit 27% und in Deutschland mit 26%. Niedriger ist der Anteil beispielsweise in Italien (15%) oder Brasilien (12%). Einstellig sind die Werte f\u00fcr Israel (6%), Australien (3%) und Neuseeland (1%). In ihrer Publikation geben die Forscher auch die statistische Konfidenzintervalle ihrer Berechnungen an, die weltweit bei 5 bis 33% liegen.<\/p>\n<p>Pozzer, der ebenfalls am Internationalen Zentrum f\u00fcr Theoretische Physik in Triest, Italien, forscht, bewertet die Daten wie folgt: \u201eObwohl unsere Ergebnisse Unsicherheiten aufweisen, wird der Beitrag der Luftverschmutzung an der COVID-19-Mortalit\u00e4t klar ersichtlich. Allerdings wird die tats\u00e4chliche Sterblichkeit durch viele Faktoren beeinflusst, wie beispielsweise das Gesundheitssystem des Landes.\"<\/p>\n<p>Jos Lelieveld, Direktor am Max-Planck-Institut f\u00fcr Chemie und Professor am Cyprus Institute in Nikosia, Zypern, kommentiert die Zahlen: \u201eDa die Anzahl der Todesf\u00e4lle durch COVID-19 st\u00e4ndig zunimmt, ist es zwar nicht m\u00f6glich, endg\u00fcltige Zahlen der Todesf\u00e4lle pro Land anzugeben, die auf Luftverschmutzung zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Allerdings starben beispielsweise in Gro\u00dfbritannien seit Beginn der Pandemie bis Mitte Juni etwa 44.000 Menschen an COVID-19. Wir sch\u00e4tzen, dass der luftverschmutzungsbedingte Anteil bei 14% lag, was knapp 6.000 Todesf\u00e4llen entspricht. In den USA f\u00fchrten 220.000 COVID-Todesf\u00e4lle mit einem Anteil von 18% zu fast 40.000 Todesf\u00e4llen, die auf Luftverschmutzung zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.\"<\/p>\n<p>\u201eWenn Menschen verschmutzte Luft einatmen, wandern die sehr kleinen gesundheitssch\u00e4dlichen Feinstaubpartikel von der Lunge ins Blut und in die Blutgef\u00e4\u00dfe,\" erl\u00e4utert Univ.-Prof. Dr. Thomas M\u00fcnzel vom Universit\u00e4tsklinikum Mainz die Wirkung von Luftverschmutzung auf unseren K\u00f6rper. \u201eDort verursachen sie Entz\u00fcndungen und starken oxidativen Stress, der das Gleichgewicht zwischen freien Radikalen und den Oxidationsmitteln st\u00f6rt, die normalerweise Zellsch\u00e4den reparieren\", so der Direktor am Zentrum f\u00fcr Kardiologie der Universit\u00e4tsmedizin Mainz und Mitautor der Studie. Dies wiederum sch\u00e4digt die innere Arterienschicht, das Endothel, und f\u00fchrt zu einer Verengung und Versteifung der Arterien. Auch das Corona-Virus gelangt \u00fcber die Lunge in den K\u00f6rper und verursacht \u00e4hnliche Sch\u00e4den an den Blutgef\u00e4\u00dfen. Es wird daher auch als Endothelerkrankung angesehen.<\/p>\n<p>\u201eKommen eine langfristige Exposition gegen\u00fcber Luftverschmutzung und die Infektion mit dem COVID-19-Virus zusammen, dann addieren sich die negativen Gesundheitseffekte, insbesondere in Bezug auf das Herz und die Blutgef\u00e4\u00dfe. Das wiederum f\u00fchrt zu einer gr\u00f6\u00dferen Anf\u00e4lligkeit und einer geringeren Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber COVID-19. Wenn Sie bereits an einer Herzerkrankung leiden, verursachen Luftverschmutzung und Coronavirus-Infektionen Probleme, die zu Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall f\u00fchren k\u00f6nnen\", so der Mediziner M\u00fcnzel.<\/p>\n<h2>ACE-2 Rezeptors auf Zelloberfl\u00e4chen<\/h2>\n<p>\u201eFeinstaub scheint die Aktivit\u00e4t des ACE-2 Rezeptors auf Zelloberfl\u00e4chen zu erh\u00f6hen. Von diesem Rezeptor ist bekannt, dass er an der Art und Weise beteiligt ist, wie COVID-19 Zellen infiziert. Wir haben also einen \u201eDoppeltreffer\": Luftverschmutzung sch\u00e4digt die Lunge und erh\u00f6ht die Aktivit\u00e4t von ACE-2, was wiederum zu einer verst\u00e4rkten Aufnahme des Virus durch die Lunge f\u00fchrt\", f\u00fcgt Prof. M\u00fcnzel hinzu.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Auswertung verwendeten die Forscher Ergebnisse einer US-amerikanischen Epidemiologie-Studie, die einen Zusammenhang zwischen der COVID-19-Mortalit\u00e4t und der Belastung mit Feinstaub der Gr\u00f6\u00dfe PM2,5 abgesch\u00e4tzt hat. So bezeichnet man Partikel mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometern oder kleiner. Dieser Zusammenhang wurde wiederum mit chinesischen Studien verglichen, die die Feinstaubbelastung und den Folgen der SARS-CoV-1-Epidemie in 2003 analysiert hatten und best\u00e4tigten, dass in Gebieten mit m\u00e4\u00dfiger Luftverschmutzung das Risiko, an der Krankheit zu sterben, im Vergleich zu Gebieten mit relativ sauberer Luft um mehr als 80% h\u00f6her war, w\u00e4hrend in stark verschmutzten Regionen das Risiko doppelt so hoch war. Die Wissenschaftler schlussfolgern daraus, dass ein Zusammenhang zwischen COVID-19-Todesf\u00e4llen und der langfristigen Exposition gegen\u00fcber PM2.5 sehr wahrscheinlich ist. Den regionalen Anteil der zuzuordnenden COVID-19-Todesf\u00e4lle ermittelten die Wissenschaftler mit Hilfe von Daten der globalen Feinstaubverteilung, die sie aus Satellitendaten, bodengest\u00fctzten Luftverschmutzung-Netzwerken und numerischen Modellen gewannen.<\/p>\n<p>Da die Ergebnisse auf epidemiologischen Daten der dritten Juniwoche 2020 basieren, planen die Wissenschaftler eine abschlie\u00dfende Bewertung der gesamten Daten nach dem Abklingen der COVID-19 Pandemie.<\/p>\n<h2>Forderung: Luftverschmutzung reduzieren!<\/h2>\n<p>Die Autoren richten in ihrer Publikation ein deutliches Pl\u00e4doyer an die Politik: \u201eUnsere Ergebnisse legen nahe, dass die Reduzierung der Luftverschmutzung selbst bei relativ niedrigen PM2,5-Werten erhebliche Vorteile bringen kann. Der hier gezeigte Umweltaspekt der COVID-19-Pandemie ist, dass wir verst\u00e4rkt nach wirksamen Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung anthropogener Emissionen, die sowohl Luftverschmutzung als auch den Klimawandel verursachen, streben m\u00fcssen. Die COVID-19-Pandemie wird mit der Impfung der Bev\u00f6lkerung oder mit der Herdenimmunit\u00e4t durch weitreichende Infektion der Bev\u00f6lkerung enden. Es gibt jedoch keinen Impfstoff gegen schlechte Luftqualit\u00e4t und den Klimawandel. Der Weg ist die Minderung von Emissionen. Der \u00dcbergang zu einer gr\u00fcnen Wirtschaft mit sauberen, erneuerbaren Energiequellen wird sowohl der Umwelt dienen als auch die \u00f6ffentliche Gesundheit bef\u00f6rdern &#8211; lokal durch eine besser Luftqualit\u00e4t und global durch die Begrenzung des Klimawandels.\"<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein erstaunlicher Zusammenhang, den Forscher in einer Studie nachgewiesen haben. 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