{"id":14323,"date":"2020-11-06T00:17:00","date_gmt":"2020-11-05T23:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=14323"},"modified":"2020-11-04T01:30:45","modified_gmt":"2020-11-04T00:30:45","slug":"regierungsberater-fordern-mehr-klima-und-artenschutz-und-planetary-health-diet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/11\/06\/regierungsberater-fordern-mehr-klima-und-artenschutz-und-planetary-health-diet\/","title":{"rendered":"Regierungsberater fordern mehr Klima- und Artenschutz"},"content":{"rendered":"<p>Ein Expertenrat der Bundesregierung, die WBGU, fordert ein grunds\u00e4tzliches Umdenken, um die Klimaziele zu erreichen und den Artenschutz zu verbessern. Eine \u00f6kologische Landwirtschaft sowie eine \"Planetary Health Diet\" soll eingef\u00fchrt werden. Nur wenn sich unser Umgang mit Land grundlegend \u00e4ndert, kann Klimaschutz gelingen, der dramatische Verlust der biologischen Vielfalt abgewendet und das globale Ern\u00e4hrungssystem nachhaltig gestaltet werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der WBGU hat k\u00fcrzlich sein neues Gutachten \"Landwende im Anthropoz\u00e4n: Von der Konkurrenz zur Integration\" an die Bundesministerinnen Anja Karliczek (Bildung und Forschung) und Svenja Schulze (Umwelt) \u00fcbergeben. <\/p>\n<h2>Land ist Lebensgrundlage des Menschen<\/h2>\n<p>Mit fortschreitendem Klimawandel, dem durch den Menschen verursachten Massenaussterben biologischer Vielfalt und einem vielfach dysfunktionalen Ern\u00e4hrungssystem erleben wir drei aufeinandertreffende globale Krisen, die unmittelbar mit unserem Umgang mit Land verkn\u00fcpft sind. In den letzten Jahren hat Landnutzung deshalb in der internationalen Umwelt-, Entwicklungs- und Nachhaltigkeitspolitik an Bedeutung gewonnen. Das Land und seine biologisch produktiven \u00d6kosysteme stehen unter Druck wie nie zuvor. Umgang mit Land bedeutet nicht nur Landnutzung, sondern auch \u00d6kosystemschutz und -renaturierung. <\/p>\n<p>Hier setzt das vorliegende Gutachten an: Welche Strategien f\u00fcr den Umgang mit terrestrischen \u00d6kosystemen bieten sich an, um bestehende Nutzungskonkurrenzen zu entsch\u00e4rfen und gleichzeitig Klimaschutz, Biodiversit\u00e4tserhaltung und Ern\u00e4hrungssicherung zu gew\u00e4hrleisten? Wie kann ein transformativer Wandel hin zu einer nachhaltigen Landnutzung bef\u00f6rdert werden, und welche Akteure m\u00fcssen aktiviert und beteiligt werden? Welche Herausforderungen ergeben sich daraus f\u00fcr die Forschung und f\u00fcr die Rolle Deutschlands in der globalen Umwelt- und Entwicklungspolitik?<\/p>\n<h2>F\u00fcnf Mehrgewinnstrategien zur \u00dcberwindung von Landnutzungskonkurrenzen<\/h2>\n<p>Nur wenn sich unser Umgang mit Land grundlegend \u00e4ndert, k\u00f6nnen die Klimaschutzziele erreicht, der dramatische Verlust der biologischen Vielfalt abgewendet und das globale Ern\u00e4hrungssystem nachhaltig gestaltet werden. Die \u00dcberwindung von Landnutzungskonkurrenzen erfordert die Ausrichtung der Politik auf Synergien. Der WBGU schl\u00e4gt f\u00fcnf exemplarische Mehrgewinnstrategien vor, um Konkurrenzen zwischen Nutzungsanspr\u00fcchen zu \u00fcberwinden. Diese sollten durch f\u00fcnf Governance-Strategien vorangetrieben werden, darunter insbesondere die Setzung geeigneter Rahmenbedingungen, eine Neuorientierung der EU-Politik und die Errichtung von Gemeinschaften gleichgesinnter Staaten.<\/p>\n<h2>Renaturierung von Land\u00f6kosystemen<\/h2>\n<p>Der WBGU empfiehlt erstens einen massiven Ausbau der <em>Renaturierung von Land\u00f6kosystemen.<\/em> Das im Rahmen der Bonn Challenge gesteckte Ziel der Renaturierung von 350 Mio. Hektar degradierter Landfl\u00e4che bis 2030 sollte nicht nur erreicht, sondern deutlich erweitert werden. Die Bonn Challenge ist eine Initiative Deutschlands und der Weltnaturschutzunion zur Wiederherstellung von W\u00e4ldern und waldreichen Landschaften weltweit. Hierbei sollte die Wiederherstellung biodiverser und standortgerechter W\u00e4lder, Feuchtgebiete und Graslandschaften im Vordergrund stehen, um gleichzeitig einen Mehrgewinn durch die Entfernung von CO2 aus der Atmosph\u00e4re zu erzielen. 350 Mio. Hektar entsprechen 2% der Landfl\u00e4che der Erde. CO2-Entfernung aus der Atmosph\u00e4re ist allerdings kein Ersatz f\u00fcr die notwendige massive Reduktion von CO2-Emissionen und sollte daher in Klimaschutzstrategien nicht in einem pauschalen Klimaneutralit\u00e4tsziel gegen CO2-Minderung aufgerechnet werden, sondern unabh\u00e4ngig von dieser verfolgt werden. <\/p>\n<p>Effektive, vernetzte <em>Schutzgebietssysteme<\/em> bilden zweitens das R\u00fcckgrat des \u00d6kosystemschutzes. Ausweitung und Aufwertung der Schutzgebiete sind entscheidende Voraussetzungen daf\u00fcr, die globale Biodiversit\u00e4tskrise zu entsch\u00e4rfen. Die terrestrischen Schutzgebietssysteme sollten auf 30% der Erdoberfl\u00e4che ausgeweitet werden, unter konsequenter Anwendung international vereinbarter Qualit\u00e4tskriterien. Auch dies tr\u00e4gt im Sinne eines Mehrgewinns zum Klimaschutz bei und erh\u00e4lt langfristige Potenziale f\u00fcr die Ern\u00e4hrungssicherung. <\/p>\n<p>Drittens ist die F\u00f6rderung einer auf Vielfalt beruhenden <em>Landwirtschaft <\/em>eine weitere Mehrgewinnstrategie, mit der die globale Landwende gelingen kann. F\u00fcr die EU-Agrarpolitik empfiehlt der WBGU eine Abkehr von der industriellen Landwirtschaft durch ihre umfassende \u00d6kologisierung. Damit werden gleichzeitig Ern\u00e4hrungssicherung, Klimaschutz und Erhaltung der Biodiversit\u00e4t gef\u00f6rdert. <\/p>\n<p>Viertens liegt ein vielversprechendes Potenzial, um den Druck auf die Land\u00f6kosysteme zu entsch\u00e4rfen, in der <em>Transformation der Ern\u00e4hrungsstile<\/em> in den Industriel\u00e4ndern, insbesondere durch die Verringerung des Anteils an Tierprodukten. Eine Orientierung an der \u201ePlanetary Health Diet\" sollte als Grundsatz in Ern\u00e4hrungsleitlinien verankert und auch seitens der Bundesregierung empfohlen werden. <\/p>\n<p>Fu\u0308nftens bietet das <em>Bauen mit Holz<\/em> effektive M\u00f6glichkeiten, langfristig Kohlenstoff zu speichern. Das Holz daf\u00fcr muss aber aus standortgerechter, nachhaltiger Waldwirtschaft stammen, die weder Biodiversit\u00e4t noch Ern\u00e4hrungssicherung gef\u00e4hrdet. Dazu sollte mit internationalen Partnern eine weltweite \u201eMission nachhaltiges Bauen\" initiiert und mit der EU-Initiative f\u00fcr ein \u201eneues europ\u00e4isches Bauhaus\" verkn\u00fcpft werden. <\/p>\n<h2>F\u00fcnf Governance-Strategien f\u00fcr die globale Landwende<\/h2>\n<p>Zur Umsetzung der globalen Landwende schl\u00e4gt der WBGU f\u00fcnf Governance-Strategien vor: <\/p>\n<ul>\n<li>Erstens wird die Anwendung neuer Formen der multilateralen Zusammenarbeit durch die Errichtung von <em>Kooperationsgemeinschaften<\/em> durch gleichgesinnte Staaten und\/oder subnationale Regionen empfohlen.<\/li>\n<li>Zweitens sollte die <em>internationale Zusammenarbeit<\/em> beim Umgang mit Land verbessert und ein \u201eGlobal Land Summit\" als gemeinsame Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konventionen zu Klima, Biodiversit\u00e4t und Desertifikation einberufen werden.<\/li>\n<li>Drittens sollte die <em>Europ\u00e4ische Union<\/em> im Rahmen des European Green Deal neben der Klimaneutralit\u00e4t bis 2050 auch eine Landwende zur Nachhaltigkeit vorantreiben.<\/li>\n<li>Viertens sollten Staaten <em>Rahmenbedingungen<\/em> schaffen, negative Auswirkungen der Landnutzung auf \u00d6kosysteme konsequent einzupreisen oder etwa durch Standards einzuhegen. Schutz oder Renaturierung von \u00d6kosystemen sollten gesellschaftlich honoriert werden.<\/li>\n<li>F\u00fcnftens sollten <em>Pionier*innen des Wandels<\/em> unterst\u00fctzt werden, die neue landbasierte Schutz- und Nutzungspraktiken erproben.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Hintergrund: Land\u00f6kosysteme in der Krise<\/h2>\n<p>Die Bilanz der internationalen Nachhaltigkeitspolitik Anfang der 2020er Jahre f\u00e4llt ern\u00fcchternd aus. Die Klimaschutzziele des Pariser \u00dcbereinkommens scheinen nur noch erreichbar, wenn Landfl\u00e4chen verst\u00e4rkt genutzt werden, um der Atmosph\u00e4re Kohlendioxid zu entziehen, was au\u00dfer mit Chancen auch mit erheblichen Risiken verbunden ist. Das globale Ern\u00e4hrungssystem ist in einer Krise: F\u00fcr ein Viertel der Menschheit ist die Ern\u00e4hrungssicherung gef\u00e4hrdet, ein weiteres Viertel leidet an gesundheitssch\u00e4dlichem \u00dcberkonsum. Zudem bedrohen die externen Effekte der industriellen Landwirtschaft die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen. Nicht zuletzt erlebt die Biodiversit\u00e4t derzeit weltweit ein dramatisches Massenaussterben. <\/p>\n<p>All dies geschieht in einer Situation, wo sich der Multilateralismus in einer tiefgreifenden Krise befindet und die Covid-19-Pandemie die Lage zus\u00e4tzlich erschwert. Die Knappheit des Gemeinguts Land und die Gemengelage der nicht l\u00e4nger tragbaren Konflikte um terrestrische \u00d6kosysteme zeigen einen dringenden Handlungsbedarf. Insofern stellen der kommenden Vertragsstaatenkonferenzen der Biodiversit\u00e4tskonvention und der Klimarahmenkonvention sowie die UN-Dekade zur Wiederherstellung von \u00d6kosystemen wichtige Foren dar, um einem nachhaltigen Umgang mit Land wertvollen politischen R\u00fcckenwind zu geben. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Mk5ctcYtZjc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">YouTube-Video zum Thema<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/klima-und-artenschutz-regierungsberater-fordern-anderen-umgang-mit-boeden-a-13427183-1db4-45ba-ae77-e81a6e4df2d1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">SPON-Artikel zum Thema<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Expertenrat der Bundesregierung, die WBGU, fordert ein grunds\u00e4tzliches Umdenken, um die Klimaziele zu erreichen und den Artenschutz zu verbessern. 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