{"id":14351,"date":"2020-11-11T18:39:37","date_gmt":"2020-11-11T17:39:37","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=14351"},"modified":"2020-11-11T19:30:41","modified_gmt":"2020-11-11T18:30:41","slug":"savoir-vivre-halt-eben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/11\/11\/savoir-vivre-halt-eben\/","title":{"rendered":"Savoir vivre halt eben &#8230;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Miesmuscheln (Quelle: Pexels)\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/hh3b5Hs.png\" alt=\"Miesmuscheln (Quelle: Pexels)\" width=\"181\" height=\"241\" align=\"left\" \/>Es ist fast Mitte November, drau\u00dfen ist es neblig tr\u00fcb, nass und kalt. Ich sitze im B\u00fcro vor dem Computer, der Kopf raucht, die Fu\u00dfboden-Heizung bullert &#8211; eigentlich ist es warm, aber ich habe die F\u00fc\u00dfe kalt. Echt ein schei*** Tag, Zeit f\u00fcr einen Stimmungsaufheller in diesen tr\u00fcben November-Tagen? Einfach einen kleine Nonsense-Geschichte der Art 'Essen und trinken h\u00e4lt Leib und Seele zusammen'. Und ich hab mich da halt mal ein wenig in Richtung 'Savoir vivre' und S\u00fcdfrankreich gebeamt. Denn heute ist Mittwoch, da ist bei uns im St\u00e4dtchen Markt, samt Fischh\u00e4ndler &#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>und schon sind wir mitten in der Geschichte. Als wir Anfang der 80er Jahre von Bremen ins Umland Frankfurts zogen, herrschte da in Bezug auf Wochenm\u00e4rkte und Frischfisch 'Disaspora'. Selbst losen K\u00e4se gab es in den M\u00e4rkten keinen &#8211; nur in Feinkostl\u00e4den zu horrenden Preisen. F\u00fcr Frischfisch und losen guten K\u00e4se h\u00e4tte man nach Frankfurt gemusst.<\/p>\n<p>Das hat sich aber arg gebessert &#8211; irgendwann fing es an, dass Superm\u00e4rkte K\u00e4setheken bekamen &#8211; und pl\u00f6tzlich gab es auch einen Wochenmarkt mit guten Fischh\u00e4ndlern und K\u00e4sest\u00e4nden. Und so hei\u00dft es Mittwochs f\u00fcr meine Frau 'Einkaufen auf dem Wochenmarkt sowie im Hofladen eines lokalen Bauern'. Gelegentlich darf ich (bei guter F\u00fchrung) sogar mit &#8211; O-Ton: 'Aber gibt nix au\u00dfer der Reihe, ich kenn dich ja, Weinstand, K\u00e4sestand, Feinkost beim Griechen und dann zum Fischh\u00e4ndler &#8230;'. Heute hatte meine Frau beim Fischh\u00e4ndler frische Miesmuscheln und beim Griechen Tarama (gesalzener Fischroggen) bekommen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Miesmuscheln (Quelle: Pexels)\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/hh3b5Hs.png\" alt=\"Miesmuscheln (Quelle: Pexels)\" \/><br \/>\nMiesmuscheln (Quelle: Pexels Nick Bondarev)<\/p>\n<p>Ergo gab es zu Mittag Tarama als Aufstrich zu Br\u00f6tchen, Miesmuscheln in Gem\u00fcsesud mit Spaghetti und einem Glas Pf\u00e4lzer Riesling &#8230; man g\u00f6nnt sich ja sonst nichts. So ein St\u00fcckchen Savoir vivre an einem kalten, tr\u00fcben November-Tag. Und schon begannen die Gedanken zu fliegen, zur\u00fcck in die Vergangenheit.<\/p>\n<p>So von 1979 bis 1981 habe ich als junger Ingenieur in Bremen gearbeitet, da war ich nat\u00fcrlich bez\u00fcglich Frischfisch, Muscheln, Krabben etc. sozusagen an der Quelle. In unserer Zeit in Bremen gab es h\u00e4ufiger die Sessions mit Freunden, wo dann entweder Schnecken in der Pfanne, oder Granat (ungepulte Krabben) oder eben Miesmuscheln in einer Pfanne oder einem Topf auf den K\u00fcchentisch kamen. Dazu Baguette und Wei\u00dfwein &#8230; lecker. Als ich dann von Bremen weg gezogen und im Frankfurter Umland diesbez\u00fcglich 'in der Diaspora gelandet' bin, habe ich festgestellt, dass ich in Bremen eigentlich viel zu selten Fisch gegessen hatte.<\/p>\n<p>Aber als wir nach Bremen zogen, war das Thema Frischfisch noch nicht so auf der Agenda. Als Kind der Eifel hie\u00df es bei 'gibt heut Fisch' Rei\u00dfaus-nehmen, denn die K\u00fcche stank nach dem Zeugs (Fischst\u00e4bchen gab es damals erinnerungsm\u00e4\u00dfig noch nicht). Nur Bratheringe, die Mutter kaufte, mochte ich als Kind. Ich erinnere mich noch genau an den Laster, der \u00fcber die D\u00f6rfer und H\u00f6fe fuhr, und Nudeln, Reis, Gurken, Mehl sowie andere Grundnahrungsmittel aus S\u00e4cken, Eimern und F\u00e4ssern lose verkaufte. Und dieser H\u00e4ndler hatte halt auch Bratheringe, und wenn Mutter fragte 'was soll ich dir denn kaufen', war klar, was ich antwortete.<\/p>\n<p>Als Studenten konnten wir uns Muscheln, Frischfisch oder Tarama vom Markt nicht leisten. Da war es ein Highlight, wenn wir mal alle 3-6 Monate nach Aachen zum Griechen fuhren und Kokkinisto auf Kalbsbasis mit Fritten und Salat gegessen haben. Und gelegentlich waren wir in J\u00fclich beim Jugoslawen (war aber zu fleischlastig). Ach ja, mit einigen Nebenjobs als Elektriker mit K\u00fchlt\u00fcrme am Wochenende schwei\u00dfen oder Elektroninstallationen in Reinigungen verlegen habe ich es dann hin bekommen, dass meine Frau und meine Wenigkeit im letzten Studienjahr per Bus f\u00fcr eine Woche nach Paris reisen konnten. Die Stadt war schon cool, nur haben wir vergeblich das 'gute Essen der Franzosen' gesucht.<\/p>\n<p>Das habe ich dann sp\u00e4ter kennen gelernt. Witziger weise beim ersten Mal in England auf einer Schulung so Anfang 1989, als wir in ein franz\u00f6sisches Restaurant eingeladen wurden. Bestes franz\u00f6sisches Essen, was ich bisher (erinnerungsm\u00e4\u00dfig) bekommen habe. Und dann gab es da noch den 'Encounter mit dem savoir vivre' in Aix-en-Provence &#8211; es muss so 1987\/1988 gewesen sein. Ich hatte f\u00fcr meinen damaligen Arbeitgeber eine Bewerbung f\u00fcr ein EU-Projekt im Bereich Computer Integrated Manuafacturing (CIM) eingereicht. Im Konsortium dabei war auch eine franz\u00f6sische Firma, und ich bin zu Projektabstimmungen gelegentlich nach Frankreich gereist. Einmal ging es dann nach Aix en Provence, wo ein Kollege, Moniseur Arnaoud, uns einige Tage franz\u00f6sisch bewirtete &#8211; das war schon Spitze.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck ging es dann \u00fcbrigens \u00fcber den Flugplatz von Nizza. Erinnere mich, dass Franz Beckenbauer im kleinen Lear Jet vor mir sa\u00df &#8211; der Kaiser war auch nur ein normaler Mensch &#8230;<\/p>\n<p>mit dem EU-Projekt ist es dann \u00fcbrigens nichts geworden &#8230; ein anderes Team bekam wohl den Zuschlag (c'est la vie). Und hier ist immer noch ein Mist-Wetter mit Nebel. Hilft ja alles nichts mit 'die Seele auf Wanderschaft schicken und sich warme Gedanken machen', die F\u00fc\u00dfe bleiben kalt. Na gut, ich werde jetzt mal aufstehen und mir dicke, gestrickte Socken \u00fcberziehen &#8230; soviel zum 'Ausflug in die Welt' <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/static.xx.fbcdn.net\/images\/emoji.php\/v9\/t57\/1\/16\/1f609.png\" alt=\"\" \/>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist fast Mitte November, drau\u00dfen ist es neblig tr\u00fcb, nass und kalt. Ich sitze im B\u00fcro vor dem Computer, der Kopf raucht, die Fu\u00dfboden-Heizung bullert &#8211; eigentlich ist es warm, aber ich habe die F\u00fc\u00dfe kalt. 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