{"id":14563,"date":"2020-11-26T00:24:00","date_gmt":"2020-11-25T23:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=14563"},"modified":"2020-11-25T18:29:00","modified_gmt":"2020-11-25T17:29:00","slug":"rume-stolften-viel-wirksamer-als-luftfiltergerte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/11\/26\/rume-stolften-viel-wirksamer-als-luftfiltergerte\/","title":{"rendered":"R&auml;ume: Sto&szlig;l&uuml;ften viel wirksamer als Luftfilterger&auml;te"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Gesundheit\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" border=\"0\" alt=\"Gesundheit\" src=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Gesundheit-2.jpg\" width=\"60\" align=\"left\" height=\"56\">In geschlossenen R\u00e4umen, wie zum Beispiel in Schulen, gilt es, die potentielle Virusbelastung zu senken. Das kann mit Klimaanlagen, mobilen Luftfilterger\u00e4ten und durch L\u00fcften erfolgen. Jetzt hat man herausgefunden, dass die einfachste, billigste und effizienteste Methode Sto\u00dfl\u00fcften ist. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Geht es um die Risiken, sich im Unterrichtsbetrieb mit dem Corona-Virus zu infizieren, richtet sich das aktuelle Interesse vor allem auf die Qualit\u00e4t der Atemluft in Klassenr\u00e4umen. Im Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/10\/19\/raumluft-und-corona-falsche-frderung-und-was-hilft\/\">Raumluft und Corona: Falsche F\u00f6rderung und was hilft \u2026<\/a> hatte ich berichtet, dass die Bundesregierung die Umr\u00fcstung von L\u00fcftungsanlagen in \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden mit 500 Millionen Euro f\u00f6rdert. Das ist aber f\u00fcr die Katz, da die Genehmigung und der Umbau mindestens zwei Jahre dauert. Mobile Luftreiniger w\u00fcrden helfen, werden aber wohl nicht gef\u00f6rdert. Eltern wollten teilweise solche mobilen Luftreiniger auf eigene Kosten kaufen, scheitern aber an den Schulbeh\u00f6rden.<\/p>\n<h2>Einfach mal Sto\u00dfl\u00fcften hilft<\/h2>\n<p>Jetzt deutet sich eine \u00fcberraschende und kosteng\u00fcnstige L\u00f6sung an, die unsere Altvorderen bereits kannten: Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt ein regelm\u00e4\u00dfiges kurzzeitiges Fenster-Sto\u00dfl\u00fcften als wirksame Ma\u00dfnahme gegen die Virusbelastung, was gleichzeitig auch den notwendigen Austausch von Kohlendioxid sicherstellt. Die Dauer der L\u00fcftung soll sich an der Au\u00dfentemperatur orientieren. Den Einsatz mobiler Luftfilterger\u00e4te, den k\u00fcrzlich vorgelegte Studien empfehlen, erachtet das UBA nur im begr\u00fcndeten Ausnahmefall f\u00fcr sinnvoll.<\/p>\n<h2>Man hat nachgemessen<\/h2>\n<p>Zu dieser Problematik haben jetzt die Professoren Dr. Hans-Martin Seipp und Dr. Thomas Steffens von der Technischen Hochschule Mittelhessen eine eigene Untersuchung in einem Klassenraum der Leibnizschule in Wiesbaden durchgef\u00fchrt. Sie ermittelte, wie sich dort die Fenster-Sto\u00dfl\u00fcftung auf lungeng\u00e4ngige Aerosole auswirkt. Als wesentliches Resultat zeigte sich, dass die Sto\u00df\u00f6ffnung aller Fenster \u00fcber drei Minuten bei Au\u00dfentemperaturen von 7-11 Grad Celsius die eingebrachte Konzentration an Aerosolen bis zu 99,8 Prozent senkte. Damit erwies sich die Fenstersto\u00dfl\u00fcftung um das 10 \u2013 80-Fache wirksamer als ein unl\u00e4ngst dokumentierter Einsatz der maschinellen Luftfilterung. Dabei war in demselben Klassenraum mit vier mobilen Luftfilterger\u00e4ten nach zirka 30 Minuten bei gleichzeitigem Dauerbetrieb eine Reduzierung der Konzentration um 90 Prozent festgestellt worden.<\/p>\n<p>Prof. Seipp, Facharzt f\u00fcr Hygiene und Umweltmedizin sowie Diplomingenieur f\u00fcr Umwelttechnik, betrieb an zwei Tagen Messungen in dem 190 Quadratmeter gro\u00dfen unbelebten Klassenzimmer. Bei geschlossenen Fenstern wurden zun\u00e4chst standardisiert Aerosole im Klassenraum freigesetzt und durch zwei leistungsf\u00e4hige Ventilatoren verteilt. Der Zerfallsprozess der Aerosole wurde durch einen Laserpartikelmonitor registriert. Anschlie\u00dfend wurden alle Fenster f\u00fcr begrenzte Zeitintervalle von 1 \u2013 5 Minuten ge\u00f6ffnet und dabei die Messungen fortgesetzt, so dass die Aerosolkonzentrationen vor und nach der Sto\u00dfl\u00fcftung vorlagen. Bei einer Au\u00dfenlufttemperatur von 17 Grad Celsius sank die Aerosolkonzentration nach Sto\u00dfl\u00fcften um 31 Prozent (3 Minuten), bzw. um 83 Prozent (5 Minuten). Am zweiten Versuchstag bei 7 \u2013 11 Grad Celsius Au\u00dfenlufttemperatur wurden in aufeinanderfolgenden Aerosoluntersuchungen folgende Absenkungen erzielt: nach einer Minute Sto\u00dfl\u00fcftung 92 Prozent, nach zwei Minuten \u00fcber 98 Prozent und w\u00e4hrend drei Sto\u00dfl\u00fcftungen \u00fcber drei Minuten zwischen 99,4 und 99,8 Prozent.<\/p>\n<h2>Aber beim L\u00fcften wird es kalt?<\/h2>\n<p>Die Ingenieurwissenschaftler der THM untersuchten auch den Aspekt der thermischen Behaglichkeit, der oft als Einwand gegen die Fenster-Sto\u00dfl\u00fcftung in der Herbst- und Winterzeit vorgebracht wird. Dabei wurde die Temperaturentwicklung an insgesamt zehn Messstellen im Raum jeweils im Intervall von 10 Sekunden registriert. Nach einem kurzfristigen Temperaturverlust von bis zu 6 Grad Celsius stabilisierten sich die Raumlufttemperaturen bereits nach vier bis sieben Minuten wieder auf einem Niveau, das nur noch 1 Grad unter dem Ausgangswert lag. Seipp und Steffens gehen davon aus, dass in einem belebten Raum eine noch schnellere Wiederaufw\u00e4rmung zu erwarten ist.<\/p>\n<h2>Mobiler Luftfilterger\u00e4te sind laut<\/h2>\n<p>Und es gibt noch einen Vorteil beim Sto\u00dfl\u00fcften: Das ist nicht nur kostenlos, sondern auch ger\u00e4uchfrei. Denn als kritisch bewertet Prof. Steffens, zu dessen Lehrgebiet der Arbeits- und Immissionsschutz z\u00e4hlt, dass von vier in einem Klassenraum betriebenen mobilen Luftfilterger\u00e4ten eine L\u00e4rmbelastung von 54-57 dB(A) ausgeht. Darunter leidet die Sprachverst\u00e4ndlichkeit im Unterricht; und es stellt eine erhebliche \u00dcberschreitung g\u00fcltiger Grenzen dar, die durch das Baurecht f\u00fcr Schulen (maximal 35 dB(A) bei L\u00fcftungsanlagen) sowie den Arbeitsschutz (55 dB (A)) definiert sind.<\/p>\n<h2>Und die Filterung ist teuer<\/h2>\n<p>Abschlie\u00dfend verweisen die Forscher darauf, dass kostenintensive Hochleistungs-Partikelfilter entsprechend allen internationalen Normen stets mit effizienten Vorfiltern betrieben werden. Damit seien aber mobile Luftfilterger\u00e4te der Preisklasse unter 4.500 Euro in der Regel nicht ausgestattet, ebenso wenig mit einem Melder der Notwendigkeit des Filterwechsels. Beides k\u00f6nne dazu f\u00fchren, dass die Filterleistung sinkt und immer mehr Aerosole in der Raumluft verbleiben.<\/p>\n<p>Als Res\u00fcmee ihrer ersten Untersuchungsergebnisse zur Wirksamkeit der Fenster-Sto\u00dfl\u00fcftung im Vergleich zum Einsatz mobiler Luftfilterger\u00e4te best\u00e4tigen Seipp und Steffens die UBA-Empfehlung zur Infektionsvorbeugung uneingeschr\u00e4nkt. Schon in naher Zukunft planen sie weitere Messungen in einer nordrhein-westf\u00e4lischen Schule.<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/10\/19\/raumluft-und-corona-falsche-frderung-und-was-hilft\/\">Raumluft und Corona: Falsche F\u00f6rderung und was hilft \u2026<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/09\/28\/richtig-lften-empfehlungen-in-zeiten-der-coronavirus-pandemie\/\">Richtig l\u00fcften: Empfehlungen in Zeiten der Coronavirus-Pandemie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In geschlossenen R\u00e4umen, wie zum Beispiel in Schulen, gilt es, die potentielle Virusbelastung zu senken. Das kann mit Klimaanlagen, mobilen Luftfilterger\u00e4ten und durch L\u00fcften erfolgen. 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