{"id":14689,"date":"2020-12-03T23:22:34","date_gmt":"2020-12-03T22:22:34","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=14689"},"modified":"2020-12-03T23:30:23","modified_gmt":"2020-12-03T22:30:23","slug":"studie-untersucht-hilft-digitalis-bei-herzschwche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/12\/03\/studie-untersucht-hilft-digitalis-bei-herzschwche\/","title":{"rendered":"Studie untersucht: Hilft Digitalis bei Herzschw&auml;che?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Gesundheit\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" border=\"0\" alt=\"Gesundheit\" src=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Gesundheit-2.jpg\" width=\"60\" align=\"left\" height=\"56\">Kann eine Therapie mit Digitalis-Pr\u00e4paraten bei einer fortgeschrittenen Herzschw\u00e4che (Herzinsuffizienz) die Kraft des Herzens st\u00e4rken? Eine DIGIT-HF Studie pr\u00fcft Nutzen des Herzglykosids Digitoxin f\u00fcr besseres Leben von Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In Deutschland leiden bis zu vier Millionen Menschen an einer chronischen Herzinsuffizienz. Trotz beachtlicher Fortschritte in Pr\u00e4vention und Therapie ist die Herzschw\u00e4che immer noch einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr Krankenhausaufenthalte und eine der h\u00e4ufigsten Todesursachen. Ob Patienten mit Herzinsuffizienz, die zus\u00e4tzlich zur Standardtherapie das Medikament Digitoxin bekommen, l\u00e4nger und besser leben, wird zurzeit in einer gro\u00dfen klinischen Studie untersucht. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Medizin\" alt=\"Medizin\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/69SlbLU.jpg\"><br \/>(Quelle: Pexels\/Pixabay CC0 Lizenz) <\/p>\n<h2>Die DIGIT-HF Studie<\/h2>\n<p>Die DIGIT-HF Studie (DIGitoxin to Improve ouTcomes in patients with advanced chronic Heart Failure) l\u00e4uft seit 2015 und wird noch bis 2024 weitergef\u00fchrt, um die notwendige Gesamtzahl von etwa 1700 Studienpatienten zu erreichen. Die Deutsche Herzstiftung unterst\u00fctzt innerhalb dieser vom Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) gef\u00f6rderten Studie das Projekt \u201eHochqualifiziertes Biobanking und Biomarker-Analysen in der DIGIT-HF-Studie\" finanziell mit einer F\u00f6rdersumme von rund 80.000 Euro. <\/p>\n<p>\u201eIn der DIGIT-HF-Studie untersuchen wir insbesondere, ob Digitoxin in der Lage ist, die Herzschw\u00e4che-Symptome und das \u00dcberleben der Patienten merklich zu verbessern und als Option f\u00fcr diejenigen Patienten in Frage kommt, bei denen die Standardtherapie ausgereizt ist\", betont Studienleiter Prof. Dr. med. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik f\u00fcr Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).<\/p>\n<h2>Hochleistungsorgan Herz<\/h2>\n<p>Unser Herz schl\u00e4gt etwa 60 bis 100 Mal pro Minute, 80.000 bis 150.000 Mal am Tag. Dabei pumpt es unaufh\u00f6rlich Blut durch den K\u00f6rper, um ihn mit Sauerstoff und N\u00e4hrstoffen zu versorgen. Ist die Pumpleistung vermindert, sprechen Mediziner von chronischer Herzschw\u00e4che oder Herzinsuffizienz. H\u00e4ufig entsteht sie als Folge eines Herzinfarkts oder durch eine Verengung der Herzkranzgef\u00e4\u00dfe. Die Betroffenen haben eine relativ schlechte Prognose. Atemnot, schlechte Belastbarkeit, Wassereinlagerungen bis hin zur Unbeweglichkeit, schwere Rhythmusst\u00f6rungen oder Tod sind die Folgen. Informationen rund um die Volkskrankheit Herzschw\u00e4che bieten die bundesweiten Herzwochen unter dem Motto \u201eDas schwache Herz\" mit Aufkl\u00e4rungsaktionen und Ratgeberinfos.<\/p>\n<h2>Die Therapien<\/h2>\n<p>Es gibt verschiedene Therapien, die bei Herzschw\u00e4che zur Anwendung kommen. <\/p>\n<h3>Alternative zur Standardtherapie bei eingeschr\u00e4nkter Nierenfunktion<\/h3>\n<p>Herzwirksame Glykoside, eine Gruppe von Wirkstoffen, die im Fingerhut (Digitalis) vorkommen, steigern die Schlagkraft des Herzens. Diese Wirkung ist schon seit \u00fcber 200 Jahren bekannt. Seitdem finden Digitalis-Pr\u00e4parate Anwendung in der Behandlung der Herzschw\u00e4che. Allerdings hat die Therapie mit Digitalis an Bedeutung verloren, weil inzwischen wirkungsvolle Medikamente entwickelt wurden wie Betablocker, ACE-Hemmer\/Sartane, MRAs (Mineralkortikoid-Rezeptor-Antagonisten), die heute als Standardtherapie bei Herzschw\u00e4che gelten. <\/p>\n<p>Erst wenn diese Therapien ausgereizt sind, kommen Herzglykoside wie Digoxin oder Digitoxin zum Einsatz. \u201eManche Patienten vertragen die heutige Standardtherapie nicht. Viele Menschen mit schwachem Herzen haben eine deutlich eingeschr\u00e4nkte Nierenfunktion. Bei ihnen ist die Standardtherapie mit ACE-Hemmer\/Sartan und MRA h\u00e4ufig nur begrenzt m\u00f6glich, da sie die Nierenfunktion weiter verschlechtern und es zu hohen Kaliumspiegeln im Blut kommen kann. In diesen F\u00e4llen k\u00f6nnen Herzglykoside eine sinnvolle Alternative sein.\" erl\u00e4utert Prof. Dr. med. Udo Bavendiek, Oberarzt in der Klinik f\u00fcr Kardiologie und Angiologie der MHH, der gemeinsam mit Klinikdirektor Prof. Bauersachs die DIGIT-HF Studie ins Leben gerufen hat und leitet.<\/p>\n<h3>Digitoxin: In der Therapie bew\u00e4hrt, aber Nutzenbeweis steht noch aus<\/h3>\n<p>Obwohl Digitalis-Pr\u00e4parate schon seit Jahrhunderten erfolgreich in der Herzschw\u00e4chetherapie eingesetzt werden, steht der wissenschaftliche Beweis f\u00fcr ihren Nutzen noch aus. Die DIGIT-HF Studie soll nun kl\u00e4ren, ob die Einnahme von Digitoxin zus\u00e4tzlich zur heute \u00fcblichen Behandlung tats\u00e4chlich dazu f\u00fchrt, dass die Patienten l\u00e4nger leben und weniger Zeit im Krankenhaus verbringen m\u00fcssen. Warum wurde Digitoxin als Wirkstoff gew\u00e4hlt?&nbsp; <\/p>\n<p>\u201eBisherige Studien wurden mit Digoxin durchgef\u00fchrt. Der Einsatz von Digoxin ist aber bei einer gest\u00f6rten Nierenfunktion nur eingeschr\u00e4nkt m\u00f6glich, da es nahezu ausschlie\u00dflich \u00fcber die Niere ausgeschieden wird\", erkl\u00e4rt Bauersachs und f\u00e4hrt fort: \u201eIm Gegensatz dazu wird Digitoxin bei einer gest\u00f6rten Nierenfunktion vermehrt \u00fcber den Darm ausgeschieden. Das Medikament Digitoxin ist somit auch f\u00fcr vorbelastete Patienten mit Nierenschw\u00e4che vertr\u00e4glich. Das haben Ergebnisse aus bisherigen Untersuchungen best\u00e4tigt.\" Auch Patienten mit Vorhofflimmern werden in die Untersuchungen einbezogen, weil derzeit noch wenig \u00fcber den Nutzen von Digitalis-Glykosiden bei Patienten bekannt ist, die gleichzeitig an Herzschw\u00e4che und Vorhofflimmern erkrankt sind.<\/p>\n<p>In der Substudie \u201eHochqualifiziertes Biobanking und Biomarker-Analysen in der DIGIT-HF-Studie\" wird eine Datenbank mit Patientenproben erstellt, um Biomarker zu identifizieren, mit denen die weitere Krankheitsentwicklung, beispielsweise eine Verschlechterung, fr\u00fchzeitig vorhergesagt werden kann. Geeignete Biomarker w\u00fcrden es m\u00f6glich machen, im Sinne einer personalisierten Medizin rechtzeitig therapeutisch gegenzusteuern. Ein weiteres Ziel der Studie ist es, mithilfe der Biomarker-Analysen bislang nicht bekannte Wirkmechanismen von Herzglykosiden zu identifizieren.<\/p>\n<p>Die DIGIT-HF Studie wird von der MHH in Zusammenarbeit mit anderen Kliniken in Deutschland und \u00d6sterreich durchgef\u00fchrt. Zur Beantwortung der Forschungsfrage sind insgesamt etwa 1700 Studienpatienten n\u00f6tig. 900 Patienten wurden bereits im Rahmen der Studie behandelt, weitere 800 Studienteilnehmer sollen bis 2024 eingeschlossen werden.<\/p>\n<p>Dabei wird jeder Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Behandlungsgruppen zugeordnet. Die Patienten der einen Gruppe bekommen das zu testende Medikament Digitoxin. Die anderen erhalten stattdessen ein identisch aussehendes Scheinmedikament (Placebo). Die Studie wird verblindet durchgef\u00fchrt, das hei\u00dft weder Arzt noch Patient wissen, welcher Teilnehmer zu welcher Gruppe geh\u00f6rt.<\/p>\n<h3>Studie l\u00e4uft auch in Corona-Zeiten<\/h3>\n<p>In diesem Jahr l\u00e4uft die Durchf\u00fchrung der Studie wegen der Covid-19 Pandemie unter erschwerten Bedingungen ab. W\u00e4hrend des Lockdowns im Fr\u00fchjahr konnten pers\u00f6nliche Visiten nur dann stattfinden, wenn es medizinisch notwendig war, nicht zu reinen Forschungszwecken. \u201eAber wir haben M\u00f6glichkeiten gefunden, die Studienvisiten auf andere Art durchzuf\u00fchren, zum Beispiel telefonisch. So konnten die bisherigen Teilnehmer problemlos im Rahmen der Studie weiter betreut werden. Sehr schwierig war in dieser Zeit jedoch der Einschluss neuer Patienten.\" sagt der Arzt und Forscher Bavendiek. Anders als die meisten klinischen Studien ist DIGIT-HF unabh\u00e4ngig von Industriegeldern finanziert. \u201eDa die Pharmaindustrie in der Regel neue Wirkstoffe erforscht, hat sie wenig Interesse an dem alten Medikament Digitoxin, das schon lange f\u00fcr die Behandlung der Herzschw\u00e4che zugelassen ist\", erkl\u00e4rt Bauersachs, und weiter: \u201eDer Nutzen der Digitalis-Pr\u00e4parate ist aber immer noch nicht zweifelsfrei wissenschaftlich nachgewiesen. Das sollte in einer klinischen Studie gekl\u00e4rt werden.\"<\/p>\n<p>Die beiden Studienleiter sehen dem Ergebnis zuversichtlich entgegen. \u201eWir hoffen, dass unsere Studie Digitoxin als Mehrwert-Medikament best\u00e4tigen wird. Wenn dieses Herzglykosid tats\u00e4chlich das Leben der Patienten verl\u00e4ngert und zu weniger Krankenhausaufenthalten f\u00fchrt, also auch die Lebensqualit\u00e4t der Betroffenen verbessert, haben wir ein wirksames und kosteng\u00fcnstiges Medikament, das die Behandlungsm\u00f6glichkeiten bei Herzschw\u00e4che deutlich erweitert\", fasst Bavendiek zusammen.<\/p>\n<h2>Herzwochen 2020<\/h2>\n<p>Die Herzwochen stehen unter dem Motto \u201eDas schwache Herz\" und richten sich an Patienten, Angeh\u00f6rige, \u00c4rzte und alle, die sich f\u00fcr das Thema Herzschw\u00e4che interessieren. An der Aufkl\u00e4rungskampagne beteiligen sich Kliniken, niedergelassene Kardiologen, Krankenkassen und Betriebe. Infos zu Online-Vortr\u00e4gen, Telefonaktionen und Ratgeber-Angeboten sind hier abrufbar oder per Tel. 069 955128-333 zu erfragen.<\/p>\n<p>Tipp: Der Ratgeber \u201eDas schwache Herz\" (180 S.) kann kostenfrei per Tel. unter 069 955128-400 (E-Mail: bestellung@herzstiftung.de) angefordert werden. Leicht verst\u00e4ndlich informieren Herzexperten \u00fcber Ursachen, Vorbeugung sowie \u00fcber aktuelle Diagnose- und Behandlungsm\u00f6glichkeiten der Herzschw\u00e4che. Weitere Infos zu den <a href=\"https:\/\/www.herzstiftung.de\/service-und-aktuelles\/herztermine-und-veranstaltungen\/herzwochen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Herzwochen<\/a> und zur <a href=\"https:\/\/www.herzstiftung.de\/infos-zu-herzerkrankungen\/herzinsuffizienz\/behandlung-und-therapie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Herzschw\u00e4che-Therapie<\/a>.<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<br \/><\/strong><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/05\/26\/schokolade-gut-gegen-herzkrank-schlaganfall-diabetes\/\">Schokolade gegen Herzkrankheiten, Schlaganfall, Diabetes<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/10\/13\/winter-und-nebel-das-wetter-beeinflusst-herzinsuffizienz\/\">Winter und Nebel: Das Wetter beeinflusst Herzinsuffizienz<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2019\/12\/06\/cholesterin-und-das-herzinfarkt-risiko\/\">Cholesterin und das Herzinfarkt-Risiko<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2019\/02\/22\/getrnke-beeinflussen-risiko-fr-koronare-herzkrankheiten\/\">Getr\u00e4nke beeinflussen Risiko f\u00fcr koronare Herzkrankheiten<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2019\/01\/29\/sauna-kann-risiko-fr-herz-kreislauferkrankungen-senken\/\">Sauna kann Risiko f\u00fcr Herz-Kreislauferkrankungen senken<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/09\/24\/schon-4-000-schritte-am-tag-schtzen-ihr-herz\/\">Schon 4.000 Schritte am Tag sch\u00fctzen Ihr Herz<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/05\/28\/herzschwche-eine-ursache-gefunden\/\">Herzschw\u00e4che: Eine Ursache gefunden<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/03\/21\/herzpatient-das-sollte-man-zur-grippe-wissen\/\">Das sollte man (als Herzpatient) zur Grippe wissen<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2017\/09\/11\/zu-viel-salz-erhht-das-risiko-fr-herzschwche\/\">Zu viel Salz erh\u00f6ht das Risiko f\u00fcr Herzschw\u00e4che<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2016\/11\/19\/risiko-fr-herz-kreislauf-erkrankungen-steigt-bei-zu-wenig-kochsalz\/\">Zu wenig Kochsalz, Herz-Kreislauf-Erkrankungsrisiko steigt<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2016\/11\/14\/krpergre-und-das-risiko-fr-herz-kreislauf-erkrankungen-diabetes-und-krebs\/\">K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe und das Risiko f\u00fcr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/12\/02\/sport-senkt-entzndungen\/\">Sport senkt Entz\u00fcndungen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann eine Therapie mit Digitalis-Pr\u00e4paraten bei einer fortgeschrittenen Herzschw\u00e4che (Herzinsuffizienz) die Kraft des Herzens st\u00e4rken? 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