{"id":14715,"date":"2020-12-07T00:26:00","date_gmt":"2020-12-06T23:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=14715"},"modified":"2023-08-02T00:37:14","modified_gmt":"2023-08-01T22:37:14","slug":"sensation-die-felszeichnungen-vom-amazonas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/12\/07\/sensation-die-felszeichnungen-vom-amazonas\/","title":{"rendered":"Sensation: Die Felszeichnungen vom Amazonas"},"content":{"rendered":"<p>Es ist eine Sensation, Arch\u00e4ologen haben in den Amazonasw\u00e4ldern Kolumbiens an drei Stellen kilometerlange Friese, bemalt mit Felszeichnungen der Ureinwohner, entdeckt. Die Felszeichnungen m\u00fcssen zwischen 12.600 und 11.800 Jahren alt sein und zeigen teilweise die damalige Megafauna der Eiszeit.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Felszeichnungen wurden bei Landschaftsaufnahmen identifiziert, wie die Universit\u00e4t Exeter in <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230324202758\/https:\/\/www.exeter.ac.uk\/news\/research\/title_829032_en.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dieser Meldung<\/a> \u00f6ffentlich gemacht hat. Die Entdeckung wurde von Forschern des ERC-Projekts LASTJOURNEY gemacht, die herausfinden wollen, wann die Menschen in Amazonien siedelten und welche Auswirkungen ihre Landwirtschaft und Jagd auf die biologische Vielfalt der Region hatten. Sie wird in der neuen Channel 4-Serie Jungle Mystery gezeigt: Verlorene K\u00f6nigreiche des Amazonas. Die Ergebnisse werden auch in einem Artikel in der Zeitschrift Quaternary International vorgestellt.<\/p>\n<p>Es ist eine der gr\u00f6\u00dften Sammlungen von Felskunst, die in S\u00fcdamerika gefunden wurde. Die neu entdeckte amazonische Felskunst ist, laut Universit\u00e4t, ein weiterer Beweis daf\u00fcr, dass die fr\u00fchesten Bewohner des Regenwaldes neben heute ausgestorbenen Eiszeit-Riesentieren lebten. Die Tausenden von Bildern geh\u00f6ren zu den \u00e4ltesten Darstellungen von Menschen, die mit den riesigen Kreaturen, einschlie\u00dflich Mastodonten, interagieren. Gew\u00f6hnlich sind die einzigen Hinweise auf ihr Aussehen Skelett\u00fcberreste.<\/p>\n<h2>Menschen zeichnen Tiere der Eiszeit<\/h2>\n<p>Die Felszeichnungen, die wahrscheinlich vor etwa 12.600 und 11.800 Jahren entstanden sind, befinden sich bei drei Felsbehausungen, die auf H\u00fcgeln im kolumbianischen Amazonasgebiet liegen. Die Felszeichnungen zeigen neben geometrischen Formen auch menschliche Figuren und Handabdr\u00fccke sowie Jagdszenen und Menschen, die mit Pflanzen, B\u00e4umen und Savannentieren interagieren. <\/p>\n<p>Die leuchtend roten Bilder wurden \u00fcber einen Zeitraum von Hunderten oder m\u00f6glicherweise Tausenden von Jahren hergestellt. Einige von ihnen sind so hoch und unzug\u00e4nglich, dass spezielle, aus Waldressourcen gefertigte Leitern erforderlich gewesen w\u00e4ren, die f\u00fcr jeden, der den Felsunterstand besucht, unsichtbar gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Es gibt Zeichnungen von Hirschen, Tapiren, Alligatoren, Flederm\u00e4usen, Affen, Schildkr\u00f6ten, Schlangen und Stachelschweinen sowie von einer scheinbar eiszeitlichen Megafauna. Diese inzwischen ausgestorbenen Tiere werden in der Felskunst Zentralbrasiliens dargestellt. Experten halten diese Zeichnungen f\u00fcr sehr realistisch. <\/p>\n<p>Es gibt Darstellungen von Kreaturen, die einem Riesenfaultier \u00e4hneln, Mastodon, Kameliden, Pferden und dreizehigen Huftieren mit R\u00fcsseln. Diese einheimischen Tiere sind alle ausgestorben, wahrscheinlich aufgrund einer Kombination aus Klimawandel, dem Verlust ihres Lebensraums und der Jagd durch den Menschen.<\/p>\n<h2>Ausgrabungen im Boden<\/h2>\n<p>Ausgrabungen im tiefen Boden rund um die Unterk\u00fcnfte haben eines der fr\u00fchesten sicheren Daten f\u00fcr die Besetzung des kolumbianischen Amazonasgebietes und Hinweise auf die Ern\u00e4hrung der Menschen zu dieser Zeit sowie Reste von kleinen Werkzeugen und geschabtem Ocker zutage gef\u00f6rdert, aus denen die Pigmente f\u00fcr die Herstellung der Gem\u00e4lde gewonnen wurden.<\/p>\n<p>Die Gemeinschaften, die zur Zeit der Anfertigung der Zeichnungen in der Gegend lebten, waren J\u00e4ger und Sammler, die im nahe gelegenen Fluss fischten. Knochen und Pflanzenreste, die bei den Ausgrabungen gefunden wurden, zeigen, dass sie Palmen- und Baumfr\u00fcchte, Piranhas, Alligatoren, Schlangen, Fr\u00f6sche, Nagetiere wie Paca und Wasserschweine und G\u00fcrteltiere a\u00dfen.<\/p>\n<h2>Gl\u00fccksfall: Felsen sind gesch\u00fctzt<\/h2>\n<p>Die Felsunterk\u00fcnfte liegen weit entfernt von modernen Siedlungen und Wanderwegen, waren aber einigen lokalen Gemeinschaften bekannt, die den Forschern halfen, sie zu erforschen. Die Malereien finden sich auf speziell pr\u00e4parierten Felsw\u00e4nden der Serran\u00eda La Lindosa am Nordrand des kolumbianischen Amazonasgebietes. Die Gemeinschaften sch\u00e4lten den Fels mit Hilfe von Feuer ab, um glatte Oberfl\u00e4chen f\u00fcr ihre Kunst zu schaffen.<\/p>\n<p>Felsenunterk\u00fcnfte sind aber \u00fcblicherweise den Elementen ausgesetzt, was bedeutet, dass andere von Experten entdeckte Gem\u00e4lde im Amazonasgebiet seit ihrer Entstehung durch die Witterung besch\u00e4digt wurden und die Bilder verblasst sind. Die neu entdeckten Friese mit Feldzeichnungen befinden sich aber in Unterst\u00e4nden, die durch \u00fcberh\u00e4ngende Felsen vor Regen besser gesch\u00fctzt sind. Der Wind weht in eine andere Richtung.&nbsp; <\/p>\n<p>Die Feldzeichnungen sind ein weiterer Beweis f\u00fcr den Einfluss, den fr\u00fche menschliche Gemeinschaften auf die biologische Vielfalt des Amazonasgebietes und ihre Anpassung an den Klimawandel hatten. Zum Zeitpunkt der Anfertigung der Zeichnungen stiegen die Temperaturen an und begannen, das Gebiet von einer Mosaiklandschaft aus l\u00fcckenhaften Savannen, dornigem Gestr\u00fcpp, Galeriew\u00e4ldern und Tropenwald mit montanen Elementen in den heutigen tropischen Laubwald des Amazonas zu verwandeln.<\/p>\n<h2>Forschung erst nach Friedensvertrag<\/h2>\n<p>Die Forschung wurde nach dem Friedensvertrag zwischen den FARC und der kolumbianischen Regierung von 2016 erm\u00f6glicht. Diese Forschungsarbeiten wurden von Gaspar Morcote-R\u00edos von der Universidad Nacional de Colombia, Francisco Javier Aceituno von der Universidad de Antioquia, Jos\u00e9 Iriarte und Mark Robinson von der Universit\u00e4t Exeter und Jeison L. Chaparro-C\u00e1rdenas von der Universidad Nacional de Colombia durchgef\u00fchrt. Die Ausgrabungen erfolgten in den Jahren 2017 und 2018. Der gr\u00f6\u00dfte Gem\u00e4ldesatz wurde am Cerro Azul gefunden, wo insgesamt 12 Tafeln und Tausende von einzelnen Piktogrammen mit Darstellungen von Menschen, Tieren, Pflanzen, Handabdr\u00fccken und geometrischen Formen zu finden sind. Die Gem\u00e4lde am Cerro Montoya und Limoncillos waren st\u00e4rker verblasst.<\/p>\n<p>Dr. Robinson, einer der beteiligten Forscher sagte: \"Dies sind wirklich unglaubliche Bilder, die von den ersten Menschen, die im westlichen Amazonien lebten, geschaffen wurden. Sie zogen in die Region zu einer Zeit des extremen Klimawandels, der zu Ver\u00e4nderungen der Vegetation und der Beschaffenheit des Waldes f\u00fchrte. Der Amazonas verwandelte sich noch immer in den Tropenwald, den wir heute kennen.\" <\/p>\n<p>\"Die Bilder geben einen lebendigen und aufregenden Einblick in das Leben dieser Gemeinschaften. Es ist f\u00fcr uns heute unglaublich zu glauben, dass sie unter riesigen Pflanzenfressern lebten und diese jagten, von denen einige die Gr\u00f6\u00dfe eines Kleinwagens hatten.\" erg\u00e4nzte Professor Iriarte: \"Diese Felsmalereien sind ein spektakul\u00e4rer Beweis daf\u00fcr, wie der Mensch das Land ver\u00e4ndert hat und wie er gejagt, gez\u00fcchtet und gefischt hat. Es ist wahrscheinlich, dass die Kunst ein m\u00e4chtiger Teil der Kultur und eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Menschen war, soziale Kontakte zu kn\u00fcpfen. Die Bilder zeigen, wie die Menschen inmitten riesiger, heute ausgestorbener Tiere gelebt h\u00e4tten, die sie gejagt haben.\"<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230321165153\/https:\/\/www.parquesnacionales.gov.co\/portal\/es\/articulacion-y-fortalecimiento-del-ecoturismo-en-parques-con-serrania-la-lindosa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" title=\"Kolumbianische Felszeichnungen\" alt=\"Kolumbianische Felszeichnungen\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/PSxveGy.png\"><\/a><br \/>Kolumbianische Felszeichnungen, Quelle: <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230321165153\/https:\/\/www.parquesnacionales.gov.co\/portal\/es\/articulacion-y-fortalecimiento-del-ecoturismo-en-parques-con-serrania-la-lindosa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nationalpark Kolumbien<\/a> <\/p>\n<p>Impressionen der Gegend und Zeichnungen wie oben im Bild zu sehen, finden sich auf der <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230321165153\/https:\/\/www.parquesnacionales.gov.co\/portal\/es\/articulacion-y-fortalecimiento-del-ecoturismo-en-parques-con-serrania-la-lindosa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nationalpark-Seite Kolumbiens<\/a>. Sucht man mit Google nach 'La Serran\u00eda La Lindosa', finden sich unter 'Bilder' zahlreiche Treffer mit Fotos der diversen Felszeichnungen. Die Kollegen von Grenzwissenschaft Aktuell haben <a href=\"https:\/\/www.grenzwissenschaft-aktuell.de\/urzeitwesen-archaeologen-entdeckten-laengsten-felszeichnungsfries-im-amazonas20201203\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">einen Beitrag dazu ver\u00f6ffentlicht<\/a>, wo sich auch Fotos der Felszeichnungen abrufen lassen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine Sensation, Arch\u00e4ologen haben in den Amazonasw\u00e4ldern Kolumbiens an drei Stellen kilometerlange Friese, bemalt mit Felszeichnungen der Ureinwohner, entdeckt. 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