{"id":14754,"date":"2020-12-14T00:32:00","date_gmt":"2020-12-13T23:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=14754"},"modified":"2024-07-26T16:42:34","modified_gmt":"2024-07-26T14:42:34","slug":"copd-risiko-im-alter-zeichnet-sich-bereits-im-kindesalter-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/12\/14\/copd-risiko-im-alter-zeichnet-sich-bereits-im-kindesalter-ab\/","title":{"rendered":"COPD-Risiko im Alter zeichnet sich bereits im Kindesalter ab"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Gesundheit\" src=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Gesundheit-2.jpg\" alt=\"Gesundheit\" width=\"60\" height=\"56\" align=\"left\" border=\"0\" \/>Rauchen ist der h\u00e4ufigste Ausl\u00f6ser einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Doch nicht alle Menschen erkranken nach einer langj\u00e4hrigen Raucherkarriere. Ein Teil der Patienten entwickelt eine COPD, ohne geraucht zu haben. Wissenschaftliche Studien zeigen nun, dass sich bei drei von vier COPD-Patienten bereits in der Kindheit abzeichnete, wer sp\u00e4ter vermutlich eine COPD entwickeln wird. Auch Asthma spielt dabei eine Rolle.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Was ist COPD?<\/h2>\n<p>Das K\u00fcrzel COPD steht f\u00fcr Chronisch obstruktive Lungenerkrankung, bei der die Lunge dauerhaft gesch\u00e4digt ist und die Atemwege (Bronchien) verengt sind. Dadurch bekommt man bei fortgeschrittener COPD nur schwer Luft. Schon Alltagst\u00e4tigkeiten \u2013 wie Treppensteigen, Spazierengehen oder Gartenarbeit \u2013 k\u00f6nnen einen dann au\u00dfer Atem bringen. Die <a href=\"https:\/\/gesund.bund.de\/chronisch-obstruktive-lungenerkrankung-copd?pk_campaign=ghp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Informationsseite des Bunds<\/a> listet folgendes auf:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine COPD entwickelt sich langsam \u00fcber Jahre hinweg.<\/li>\n<li>Typisch f\u00fcr COPD ist hartn\u00e4ckiger Husten. Betroffene halten ihn anfangs oft f\u00e4lschlicherweise f\u00fcr Bronchitis, Asthma oder Raucherhusten.<\/li>\n<li>Bei der COPD ist die Lunge dauerhaft gesch\u00e4digt und die Atemwege (Bronchien) sind verengt und anhaltend entz\u00fcndet.<\/li>\n<li>Vor allem Menschen, die rauchen oder fr\u00fcher geraucht haben, erkranken an COPD.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Lungeninformationsdienst informiert auf dieser Seite \u00fcber die Krankheit. Wer hat ein h\u00f6heres Risiko sp\u00e4ter an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) zu erkranken?<\/p>\n<h2>Wer erkrankt?<\/h2>\n<p>Es stellt sich die Frage: Gibt es bestimmte Dinge im Leben eines Menschen, die das Risiko erh\u00f6hen? Zwei Forschergruppen haben, um das zu kl\u00e4ren Entwicklungsverl\u00e4ufe, sogenannte \u201eTrajektorien\", untersucht. Sie untersuchten die Entwicklung der Lungenfunktion der Studienteilnehmer von Kindesbeinen an. Dazu wurde immer wieder gemessen, wie viel Luft die Teilnehmer unter gr\u00f6\u00dfter Anstrengung innerhalb einer Sekunde ausatmen konnten (Einsekundenkapazit\u00e4t, FEV1). Dazu pusteten sie so fest sie konnten in ein Peak-Flow-Meter.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Medizin\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/69SlbLU.jpg\" alt=\"Medizin\" \/><br \/>\n(Quelle: Pexels\/Pixabay CC0 Lizenz)<\/p>\n<p>Da sich eine COPD schleichend entwickelt, ist dies ein guter Test, um eine Gef\u00e4hrdung festzustellen. Bevor sich erste Symptome bemerkbar machen, l\u00e4sst bereits die Lungenfunktion nach. In der Tasmanian Longitudinal Health Study wurde dieser Wert \u00fcber Jahrzehnte immer wieder gemessen. Die Studie begann im Jahre 1968. Kinder, die im Jahre 1961 geboren wurden, wurden regelm\u00e4\u00dfig untersucht.<\/p>\n<p>Im Alter von 7, 13, 18, 45, 50 und 53 Jahren wurde der FEV1-Wert der Kinder festgestellt. Die Forscher der Universit\u00e4t Melbourne haben anhand dieser Daten untersucht, wann sich die Entwicklungskurven von Menschen, die sp\u00e4ter an COPD erkrankten, von denen trennte, die keine COPD entwickelten. Dabei unterschieden die Forscher sechs verschiedene Entwicklungsverl\u00e4ufe, von denen sie drei mit der Entwicklung einer COPD in Verbindung brachten.<\/p>\n<h3>Niedrige Einsekundenkapazit\u00e4t als Kind steigert COPD-Risiko enorm<\/h3>\n<p>Dieser Zusammenhang war besonders deutlich bei dem Entwicklungsverlauf, bei dem die Teilnehmer bereits mit sieben Jahren einen auffallend niedrigen FEV1-Wert hatten, der sich bei den weiteren Untersuchungen in den n\u00e4chsten Jahren noch weiter verschlechterte. Diesen Entwicklungsverlauf hatten nur 4 % der Teilnehmer, aber von ihnen litt am Ende der Studie jeder Zweite an einer COPD.<\/p>\n<p>Das Risiko f\u00fcr die Entwicklung einer COPD war bei Menschen, deren Lungenfunktion sich dieser Trajektorie entsprechend entwickelte, 35 Mal h\u00f6her, errechneten die Forscher. Die beiden weiteren Entwicklungsverl\u00e4ufe, welche die Forscher mit dem sp\u00e4teren Auftreten einer COPD verbinden, zeichnen sich ebenfalls durch eine geringere Lungenfunktion aus.<\/p>\n<p>Den zweiten Entwicklungsverlauf beschrieben die Forscher mit \u201edurchg\u00e4ngig niedrig\". Zu dieser Gruppe geh\u00f6rten 6 % der Studienteilnehmer, hier war das Risiko f\u00fcr eine sp\u00e4tere COPD fast zehn Mal h\u00f6her. Die dritte Gruppe hatte eine Lungenfunktion, die ebenfalls im Kindesalter unter dem Durchschnitt lag. Hierzu geh\u00f6rte gut ein Drittel der Studienteilnehmer. Das Risiko dieses Entwicklungsverlaufs f\u00fcr eine sp\u00e4tere COPD errechneten die Forscher mit fast viermal so hoch.<\/p>\n<h3>Drei Viertel aller COPD-Patienten in Tasmanien hatten als Kind geringere Lungenfunktion<\/h3>\n<p>Insgesamt geh\u00f6rten zu diesen drei Entwicklungsverl\u00e4ufen drei Viertel aller tasmanischen COPD-Patienten. Erstaunlich ist, dass bereits im Alter von sieben Jahren eine verminderte Lungenfunktion auftrat, die in einem Zusammenhang mit einer sp\u00e4teren COPD standen, lange bevor die die Studienteilnehmer mit dem Rauchen begannen. In den anderen drei Entwicklungsverl\u00e4ufen, bei denen nur wenige Teilnehmer eine COPD entwickelten, fanden sich dahingegen auch viele aktive Raucher und auch solche, die sehr fr\u00fch mit dem Rauchen begonnen hatten.<\/p>\n<h3>Atemwegsinfekte, Allergien, Asthma und Passivrauchen lassen COPD-Risiko stark steigen<\/h3>\n<p>Die Forscher schlie\u00dfen aus ihren Ergebnissen, dass es andere Faktoren bereits in der Kindheit geben haben muss, die die Lunge sch\u00e4digen und so das Risiko f\u00fcr eine sp\u00e4tere COPD ma\u00dfgeblich erh\u00f6hen. Daher schauten sie, welche weiteren Befunde es bei den Teilnehmern gab, die zu den Gruppen mit einem erh\u00f6hten COPD-Risiko geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Als Kinder litten diese Studienteilnehmer h\u00e4ufiger an Asthma, Bronchitis, Lungenentz\u00fcndungen, allergischem Schnupfen und Ekzemen. Auch eine erbliche Vorbelastung durch eine Asthmaerkrankung der Eltern k\u00f6nnte Einfluss haben, vermuten die Forscher. Auch wenn Eltern rauchten, k\u00f6nnte dies die Lungenfunktion der Kinder bereits fr\u00fch belastet und eine sp\u00e4tere COPD beg\u00fcnstigt haben. Die Forscher sahen bei der Auswertung der Daten auch, dass der Anteil von M\u00fcttern, die rauchten, in diesen Gruppen gr\u00f6\u00dfer war, als bei den Gruppen, bei denen eine COPD sp\u00e4ter selten auftrat.<\/p>\n<p>Die australischen Forscher vermuten daher, dass die H\u00e4ufigkeit von COPD langfristig gesenkt werden k\u00f6nnte, wenn die Eltern nicht rauchen und die Kinder Impfungen zum Schutz gegen Atemwegsinfektionen erhielten. Auch ein Asthma in der Kindheit sollte zeitnah behandelt werden, um Sch\u00e4den an den Atemwegen zu vermeiden. Weitere Studien hierzu k\u00f6nnten die Ratschl\u00e4ge der Wissenschaftler weiter untermauern.<\/p>\n<h3>Weitere Studie der Universit\u00e4t Bristol st\u00fctzt Forschungsergebnisse<\/h3>\n<p>Eine weitere Studie von Forschern der Universit\u00e4t Bristol fand ebenfalls einen Entwicklungsverlauf, der bereits bei Kindern auf ein sp\u00e4teres Risiko f\u00fcr eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung hinweist. Insgesamt wurden 2632 Menschen von ihrer Geburt bis zu einem Alter von 24 Jahren von den Wissenschaftlern begleitet.<\/p>\n<p>Die Forscher sahen, dass etwa 5 % der Kinder bereits seit ihren ersten Lebensjahren einen niedrigen FEV1-Wert hatten, der auch bis ins Erwachsenenalter hinein nicht besser wurde. Diese Kinder hatten mit drei Jahren 14 Mal h\u00e4ufiger Atembeschwerden, wie sie bei Asthma auftreten, als Kinder mit dauerhaft guten FEV1-Werten. Auch ein Allergietest fiel bei diesen Kindern viel h\u00e4ufiger positiv aus und sie waren h\u00e4ufiger zu Hause Tabakrauch der Eltern ausgesetzt. Die Forscher fanden auch eine erbliche Veranlagung, diese schien aber deutlich weniger Auswirkungen zu haben, als die anderen Faktoren.<\/p>\n<h3>Lungenfunktion kann sich aber auch erholen<\/h3>\n<p>Auch die Forscher aus Bristol kommen daher zu dem Schluss, dass die Vermeidung von Passivrauchen und eine fr\u00fchzeitige Behandlung von Allergien, die bei Kindern oft mit einem allergischen Asthma einhergehen k\u00f6nnen, daf\u00fcr sorgen k\u00f6nnte, das die Kinder sp\u00e4ter nicht an einer COPD erkranken. Dabei ist es besonders von Bedeutung, dass sich die Lungenfunktion gerade bei Kindern noch normalisieren kann. Bei drei Viertel der Kinder, bei denen die Forscher in den ersten Lebensmonaten einen niedrigen FEV1-Wert gemessen hatten, verbesserte sich die Lungenfunktion sp\u00e4ter auf einen normalen Wert. Damit k\u00f6nnten Ma\u00dfnahmen, die diesen Entwicklungsverlauf f\u00f6rdern, eine sp\u00e4tere COPD wom\u00f6glich verhindern.<\/p>\n<p>Die Studien zeigen, dass eine Sch\u00e4digung der Lunge im Kindesalter bereits Einfluss auf eine sp\u00e4tere COPD haben kann. Auch wenn meist erst dauerhafte Reizungen, wie durch Tabakrauch oder das Einatmen von St\u00e4uben bei der Arbeit, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung in Gang bringen, sind die Weichen f\u00fcr ein erh\u00f6htes Risiko anscheinend bereits viel fr\u00fcher gestellt. Kinder vor Passivrauch zu sch\u00fctzen, Allergien gut zu managen und Asthma fr\u00fchzeitig zu behandeln kann also einen lebenslangen Einfluss auf die sp\u00e4tere Gesundheit haben und ist ein weiteres Puzzleteil beim Verst\u00e4ndnis der Entstehung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung.<\/p>\n<p>Quelle: \u00a9 Alle Rechte: DeutschesGesundheitsPortal.de<\/p>\n<p>Belgrave DCM, Granell R, Turner SW, Curtin JA, Buchan IE, Le Sou\u00ebf PN, Simpson A, Henderson AJ, Custovic A. Lung function trajectories from pre-school age to adulthood and their associations with early life factors: a retrospective analysis of three population-based birth cohort studies. Lancet Respir Med. 2018 Apr 5. pii: S2213-2600(18)30099-7. doi: 10.1016\/S2213-2600(18)30099-7. [Epub ahead of print]<\/p>\n<p>Bui DS, Lodge CJ, Burgess JA, Lowe AJ, Perret J, Bui MQ, Bowatte G, Gurrin L, Johns DP, Thompson BR, Hamilton GS, Frith PA, James AL, Thomas PS, Jarvis D, Svanes C, Russell M, Morrison SC, Feather I, Allen KJ, Wood-Baker R, Hopper J, Giles GG, Abramson MJ, Walters EH, Matheson MC, Dharmage SC. Childhood predictors of lung function trajectories and future COPD risk: a prospective cohort study from the first to the sixth decade of life. Lancet Respir Med. 2018 Apr 5. pii: S2213-2600(18)30100-0. doi: 10.1016\/S2213-2600(18)30100-0. [Epub ahead of print]<\/p>\n<p>Beitrag des Deutschen \u00c4rzteblatts \u201eCOPD: Trajektorien der \u201eRaucherlunge\" beginnen lange vor der ersten Zigarette\" vom 09.04.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rauchen ist der h\u00e4ufigste Ausl\u00f6ser einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Doch nicht alle Menschen erkranken nach einer langj\u00e4hrigen Raucherkarriere. 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