{"id":1518,"date":"2016-08-25T12:12:18","date_gmt":"2016-08-25T10:12:18","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=1518"},"modified":"2022-07-20T05:37:53","modified_gmt":"2022-07-20T03:37:53","slug":"fehlende-excel-kenntnisse-sorgen-genforscher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2016\/08\/25\/fehlende-excel-kenntnisse-sorgen-genforscher\/","title":{"rendered":"Fehlende Excel-Kenntnisse sorgen Genforscher"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" src=\"http:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/Office1.jpg\" width=\"55\" align=\"left\" height=\"60\">Es ist eine Geschichte, die mich eigentlich fassungslos zur\u00fcck l\u00e4sst. Laut einer aktuellen Untersuchung sind rund 20 % der Ver\u00f6ffentlichungen im Bereich der Gentechnik fehlerbehaftet, weil die Studienautoren nicht mit Microsoft Excel umgehen k\u00f6nnen. Man kann es auch anders betrachten: Hier wird an einem Beispiel die Spitze eines Eisbergs sichtbar, der seit Jahren unter der Wasseroberfl\u00e4che vieler Datenver\u00f6ffentlichungen schlummert. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\" https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/aa36ba6443d94c7a8434bae66207a238\" width=\"1\" height=\"1\">Dass wir t\u00e4glich die verk\u00fcrzten Ergebnisse irgend einer Studie um die Ohren geblasen kriegen, ist allseits bekannt. Auch ich zitiere hier in Blog-Beitr\u00e4gen ja immer mal Erkenntnisse aus Studien. Und dass Kinder Jahrzehnte mit Spinat traktiert wurden, weil dieser viel Eisen enth\u00e4lt \u2013 was aber auf einen <a href=\"http:\/\/www.gesundheit.de\/wissen\/haetten-sie-es-gewusst\/ernaehrung\/wie-viel-eisen-ist-wirklich-im-spinat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tippfehler bei der \u00dcbernahme einer Tabelle<\/a> (sowie <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/stimmts\/1997\/1997_41_stimmts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/hartnaeckige-irrtuemer-mythen-an-die-selbst-mediziner-glauben-a-525056.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>) in die betreffende Studie zur\u00fcckzuf\u00fchren war \u2013 ist auch vielen Leuten heute bekannt. Lie\u00dfe sich als \"Fu\u00dfnote der Geschichte\" interpretieren und abtun.<\/p>\n<h3>Tippfehler beim Eisengehalt in Spinat<\/h3>\n<p>Ich halte es mit aktuellen Studien so, dass man mal eine Erkenntnis als Hinweis zitiert und im Blog aufbereitet. Aber am Ende des Tages hilft nur gesunder Menschenverstand sowie der \"gute Mix von allem\". Wer auf neueste Erkenntnisse zwar achtet, diese aber nicht sklavisch zum Mantra erhebt, d\u00fcrfte ganz gut fahren \u2013 sowohl im Hinblick auf Ern\u00e4hrung als auch in Punkto Gesundheitsvorsorge. Aber jetzt geht es um Handfesteres.<\/p>\n<h3>Handwerkliche Kompetenz bei Forschern \u2013 teilweise mangelhaft<\/h3>\n<p>Was sich aber jetzt abzeichnet, wirft ein bedenkliches Licht auf die Kompetenz der aktuellen Forscherlandschaft. Gut, das Studiendesign und die statistische Aufbereitung der Daten birgt viel Fehlerquellen. Gelegentlich werden alte Studiendaten durch erweiterte oder andere statistische Auswertungen in der Interpretation der Ergebnisse neu bewertet oder g\u00e4nzlich widerlegt. Und auch plumpe F\u00e4lschungen von Studiendaten gibt es (siehe hier und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Betrug_und_F%C3%A4lschung_in_der_Wissenschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). <\/p>\n<h3>Systematische Fehler in 20 % der Gentechnik-Ver\u00f6ffentlichungen<\/h3>\n<p>Jetzt gibt es aber das Bild, dass systematisch falsche Daten in Ver\u00f6ffentlichungen zur Gentechnik Eingang finden. Blog-Leserin 1ei hat mich die Nacht per E-Mail auf das Thema hingewiesen (danke daf\u00fcr). In einem Artikel <a href=\"http:\/\/genomebiology.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s13059-016-1044-7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gene name errors are widespread in the scientific literature<\/a> weisen Forscher darauf hin, dass bei ca. 20 Prozent der Ver\u00f6ffentlichungen im Bereich der Gentechnik fehlerhafte Namen von Genen in anh\u00e4ngenden Excel-Tabellen verwendet werden. Das hat eine Auswertung der Ver\u00f6ffentlichungen in namhaften Publikationen in diesem Umfeld ergeben.<\/p>\n<h3>Excel hat schuld?<\/h3>\n<p>Problem ist die Verwendung des Tabellenkalkulationsprogramms Microsoft Excel bei der Aufbereitung von Informationen. Dass es dabei schon mal zu Rundungsfehlern auf Nachkommastellen bei Berechnungen kommen kann, wei\u00df jeder, der mal Abrechnungen oder die Buchhaltung mit Excel versucht hat. Aber das ist nicht wirklich das Problem \u2013 vielmehr schl\u00e4gt die automatische Zellformatierung bei den 'Forschern' und deren Ver\u00f6ffentlichungen samt Weitergabe der Daten zu. <\/p>\n<p>Zum Hintergrund: Ich weise in meinen Office-B\u00fcchern (zum Beispiel <a href=\"http:\/\/borncity.com\/books\/2014\/07\/30\/neuerscheinung-office-2013-bild-fr-bild-bei-markttechnik\/\">Office 2013 \u2013 Bild f\u00fcr Bild<\/a> oder <a href=\"http:\/\/borncity.com\/books\/2016\/08\/25\/office-2016-bild-fr-bild-bei-markttechnik\/\">Office 2016 \u2013 Bild f\u00fcr Bild bei Markt+Technik<\/a>) selbst Einsteiger darauf hin, dass die Standard-Zellformate in Excel f\u00fcr allerlei \u00dcberraschungen und Darstellungsfehler verantwortlich sind. So werden schon mal Zahlen oder gemischte Angaben in Zellen als Datum oder Zahlen verunglimpft. Wer dann eine Zahl in einer solchen Zelle eingibt, bekommt ein Datum angezeigt, es werden Nachkommastellen abgeschnitten und mehr. Das kann man aber ganz gut mit gezielt zugewiesenen Zellformaten (z.B. Text, Zahl, Datum etc.) umgehen. Dann passieren solche \"Konvertierungen\" durch Excel nicht. <\/p>\n<p>Im Artikel <a href=\"http:\/\/genomebiology.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s13059-016-1044-7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gene name errors are widespread in the scientific literature<\/a> werden Beispiele f\u00fcr solche Fehler in Excel-Tabellen mit Gennamen genannt. So wandelt Excel die Namen von Genen wie <em>SEPT2<\/em> (Septin 2) oder <em>MARCH1<\/em> (Membrane-Associated Ring Finger (C3HC4) 1, E3 Ubiquitin Protein Ligase) bei der automatischen Zellformatierung in '2-Sep' und '1-Mar' um, wenn man die Zellinhalte nicht durch ein vorangestelltes Hochkomma ' oder per Textformat kennzeichnet.<\/p>\n<p>Die Forscher haben aus 18 Gentechnik-Journalen die zwischen 2005 und 2015 publizierten Artikel bzw. die dazu mitgelieferten Excel-Tabellen mit Daten heruntergeladen und ausgewertet. Insgesamt wurden 35.175 Excel-Dateien zu diesen Artikeln ausgewertet. Dabei wurden 987 Fehler bei 704 Publikationen in den Excel-Daten, verursacht durch fehlerhafte Formatierung, festgestellt. <\/p>\n<h3>Ich bin schockiert \u2026<\/h3>\n<p>Das Ganze wirft ein bezeichnendes Licht auf das Umfeld, in dem heute Forschungsver\u00f6ffentlichungen stattfinden. Achtet man bei der Dateneingabe auf die Formatierung, kann diese automatische Umwandlung in meinen Augen nicht mehr passieren (es sei denn, in den Gentechnik-Verlagen werden die Excel-Tabellen nochmals ver\u00e4ndert). Wer seine Daten vor und nach einer Ver\u00f6ffentlichung kontrolliert, dem sollten solche groben Schnitzer eigentlich auch auffallen. Und die Peer-Reviews, mit denen sich wissenschaftliche Magazine gerne schm\u00fccken, sind wohl f\u00fcr die Tonne. <\/p>\n<p>Werden die Studien von der Sekret\u00e4rin des Forschers\/Institutsleiters geschrieben und die Excel-Anh\u00e4nge ungelesen eingereicht \u2013 und dort nimmt die Sekret\u00e4rin das Ganze ab? Nichts gegen Sekret\u00e4rinnen, die machen einen guten Job. Es geh\u00f6rt aber nicht zu deren Aufgaben, Studiendaten vor einer Ver\u00f6ffentlichung auf solche Schnitzer zu kontrollieren (obwohl dieser Nutzerkreis vermutlich um die Excel-Problematik der automatischen Konvertierung wei\u00df).<\/p>\n<p>Man kann es auch geh\u00e4ssig formulieren: Die Generation Facebook unter den Gen-Forschern kann offenbar weder Excel noch das grundlegende Handwerkszeug bedienen. Und so bekommt der alte Spruch, der mir im Ingenieursstudium um die Ohren gehauen wurde \"wer misst, misst Mist\" eine g\u00e4nzlich neue Bedeutung. \"Wer misst und publiziert, produziert Mist\". Aber m\u00f6glicherweise tue ich jetzt den Forschern unrecht \u2013 wer wei\u00df. <\/p>\n<p>Ein schlechtes Licht wirft das auf jeden Fall auf die gesamte Zunft. Gut, es ist immer problematisch, Daten aus Anh\u00e4ngen zu \u00fcbernehmen, weil es \u00dcbertragungsfehler geben kann. Aber das Problem scheint in den letzten Jahren deutlich zugenommen zu haben. Letztendlich sind damit die Excel-Anh\u00e4nge zu publizierten Ver\u00f6ffentlichungen oft wertlos. <\/p>\n<p>Wen es interessiert, der englische Artikel <a href=\"http:\/\/genomebiology.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s13059-016-1044-7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gene name errors are widespread in the scientific literature<\/a>&nbsp; geht auf die Details ein. Das Ganze liest sich recht sperrig \u2013 eine etwas popul\u00e4rere Darstellung findet sich in den deutschsprachigen Artikeln <a href=\"http:\/\/winfuture.de\/news,93745.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wenn Excel \"mitdenkt\": 20% aller Genetik-Forschungen fehlerhaft<\/a> (der Titel von winfuture.de trifft es nicht ganz \u2013 es geht um die Ver\u00f6ffentlichungen) sowie <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Verfaelschte-Tabellen-Excel-bereitet-Genforschern-Probleme-3304538.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verf\u00e4lschte Tabellen: Excel bereitet Genforschern Probleme<\/a> (der heise.de-Artikel ist in meinen Augen ganz gut geschrieben). <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine Geschichte, die mich eigentlich fassungslos zur\u00fcck l\u00e4sst. 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