{"id":16985,"date":"2021-06-24T00:14:00","date_gmt":"2021-06-23T22:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=16985"},"modified":"2025-08-21T11:20:37","modified_gmt":"2025-08-21T09:20:37","slug":"mein-r4-und-der-erste-urlaub-in-holland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/06\/24\/mein-r4-und-der-erste-urlaub-in-holland\/","title":{"rendered":"Mein R4 und der erste Urlaub in Holland"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"margin: 0px 10px 0px 0px;\" title=\"Renault R4, Quelle: Wikipedia\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/0gbBsTE.png\" alt=\"Renault R4, Quelle: Wikipedia\" width=\"149\" height=\"112\" align=\"left\" \/>In <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/05\/27\/meine-schrauberjahre-teil-3-ein-auto-wird-gebraucht\/\">Meine \"Schrauberjahre\"-Teil 3: Ein Auto wird gebraucht \u2026<\/a> hatte ich ja aus meinem Leben und \u00fcber eine Phase mit den ersten Autos geplaudert. Mit 18 Jahren hatte ich also einen gebrauchten Renault R4, hellblau, auf dessen Ladefl\u00e4che man Ziegenb\u00f6cke, Schafe und viel mehr transportieren konnte. Und man konnte damit in den ersten Urlaub fahren, was in ein unglaubliches Abenteuer ausartete. Von Polizei mit Maschinenpistolen im Anschlag umstellt bis hin zum Auto streikt auf einer sich nach oben klappenden Zugbr\u00fccke \u00fcber eine Gracht war alles dabei. Zeit f\u00fcr eine Geschichte, die sich meine Enkel noch in zwanzig Jahren am Lagerfeuer erz\u00e4hlen. So wie Oppa nach Holland fuhr und fast nicht wiedergekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/02285b14790b4277bbb07b2aa372157f\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Wann merkst Du, dass Du wohl alt wirst? Na ja, wenn Du aufs Leben zur\u00fcck blickst und dir die unglaublichsten Geschichten wieder einfallen. So war auch die Zeit mit 18 Jahren eine Besondere. Ich hatte meine Lehre als Elektroinstallateur abgeschlossen (<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/05\/17\/der-jung-soll-was-anstndiges-lernen\/\">Der Jung soll was anst\u00e4ndiges lernen<\/a>) und beschlossen, wieder zur Schule zur\u00fcck zu gehen. Ziel war es, \u00fcber den zweiten Bildungsweg die Mittlere Reife (10. Klasse) und dann die Fachoberschule (12. Klasse) nachzuholen, um an einer Fachhochschule ein Ingenieurstudium absolvieren zu k\u00f6nnen. Und ich hatte nach meiner Moped-Zeit mein erstes eigenes Auto, den besagten hellblauen Renault R4 (hatte ich im Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=16732\">Meine \u201eSchrauberjahre\"-Teil 3: Ein Auto wird gebraucht<\/a>\u00a0ja vorgestellt).<\/p>\n<h2>Auf einem Bauernhof gibt es keinen Urlaub<\/h2>\n<p>Als jemand, der auf einem Bauernhof aufgewachsen war, kannten wir keinen Urlaub. Die Eltern mussten halt immer das Vieh versorgen &#8211; ich erinnere mich, dass ich w\u00e4hrend meines Studiums irgendwann mit den beiden Geschwistern ausgemacht hatte: \"dann und dann komme ich eine Woche nach Hause, dann versorgen wir das Vieh, melken kann ich, die Eltern sollen dann ein paar Tage Urlaub machen.\" Gut, ist dann noch ein Kurzurlaub von Mittwoch bis Sonntag geworden, wo die beiden mit dem Auto nach Holland gefahren sind. Die konnten zwei Jahre lang Geschichten erz\u00e4hlen, was sie alles im Urlaub erlebt haben. Von der \u00dcbernachtung in einer umgebauten Garage \u00fcber den Besuch des Keukenhofs bis hin zum Gang am Strand der Nordsee.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, im Ruhestand, sind die beiden dann doch h\u00e4ufiger gereist &#8211; wie ich \u00fcberrascht feststellen musste, als ich anl\u00e4sslich der Goldenen Hochzeit in einem Dia-Vortrag die Reisen (Capri, Ischia, Rom, Mallorca, Santiago de Compostella, Balaton, Rom, Venedig, Lago Maggiore und was wei\u00df ich alles) zeigte. Lediglich zum Nordkap hat es mein Vater nicht mehr geschafft. War sein Wunsch in den Jahren vor der Rente, aber als ich eines Tages sagte \"buche die Reise zum Nordkap, ich zahle alles\" meinte er \"ich bin zu alt, das wird deiner Mutter und mir zu beschwerlich, ist aber auch kein Problem, wir haben viel von Europa gesehen\".<\/p>\n<h2>Wir k\u00f6nnten ja nach Holland fahren &#8230;<\/h2>\n<p>Das war so Situation, in der ich mich befand &#8211; Urlaub war ein Fremdwort in der Familie. Andererseits hatte ich gerade meine Lehre abgeschlossen, wollte zur Schule zur\u00fcck, und begann fl\u00fcgge zu werden. Den Eltern war also klar, dass ich auch mal in die Welt hinaus musste.<\/p>\n<p>Und nachdem bekannt wurde, dass ich wieder auf die Schule wollte, um die Fachhochschulreife nachzuholen, waren Erwin (mit dem gleichen Familiennamen wie ich, und zudem ein Schulkamerad aus der Grundschule) sowie Alois (genannt Babs, und ein Schuljahr j\u00fcnger) zu lockeren Freunden mutiert.<\/p>\n<p>Beide gingen in der nahen Stadt aufs Gymnasium und man traf sich weitgehend in den Kreisen der angehenden Abiturienten. Wenn ich so dr\u00fcber nachdenke, \u00e4nderte sich auch bei mir der Freundeskreis, weg von den fr\u00fcheren Kumpels aus Volksschule und Handwerk, hin zu den Leuten, die auf das Gymnasium gingen. War nichts gezieltes, das ergab sich so.<\/p>\n<p>Wir standen also so im Sommer mal wieder zusammen um zu quatschen. Die Jungs hatten Sommerferien und ich hatte vor der R\u00fcckkehr in die Schule auch Urlaub. Irgendwann meinte einer der beiden Kumpels: \"Wir haben ja frei, eigentlich k\u00f6nnten wir nach Holland fahren, Amsterdam besuchen und das Meer sehen. Du hast ja ein Auto.\" Ich war etwas \u00fcberrascht &#8211; da war schon der Gedanke \"was machst Du mit der Zeit, im Sommer, bevor es zur Schulbank zur\u00fcck geht?\" &#8211; daher meinte ich \"ich kl\u00e4re es\".<\/p>\n<p>Bei den Eltern nachgefragt: \"Spricht was dagegen, dass ich mit dem und dem f\u00fcr einige Tage nach Holland fahre?\" &#8211; und als kein Widerspruch kam, war die Sache gebongt. Die beiden hatten was von zelten gesagt, aber ein Zelt besa\u00df ich nicht. Auch kein Problem, die beiden hatten ein Zwei-Mann-Zelt, und ich den R4 mit breiten Sitzen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Renault R4, Quelle: Wikipedia\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/0gbBsTE.png\" alt=\"Renault R4, Quelle: Wikipedia\" \/><br \/>\nRenault R4, Quelle: Wikipedia, Von AlfvanBeem \u2013 Eigenes Werk, CC0<\/p>\n<p>Also habe ich an einem Wochentag eine Decke, eine Tasche mit frischer W\u00e4sche, Zahnb\u00fcrste, Handtuch und Seife gepackt, etwas Geld eingesteckt und den Stra\u00dfenatlas mit der Karte der Eifel, Belgien und den Niederlande studiert. Dann in den Nachbarort gesch\u00fcsselt, die Beiden mit ihrem Zelt und den Rucks\u00e4cken eingeladen und schon ging es los.<\/p>\n<h2>Fahrn, fahrn, fahrn auf der Autobahn &#8230;<\/h2>\n<p>Ich erinnere nicht mehr so genau, um welche Uhrzeit wir losfuhren. Aber es muss sp\u00e4terer Nachmittag gewesen sein. Es ging nach Bitburg, in Richtung L\u00fcttich, in Belgien. Die heutige Eifelautobahn (Bundesautobahn A60) gab es noch nicht, damals war es die ausgebaute Europastra\u00dfe E42, die dann auf die A2 in den Niederlanden \u00fcberleitete.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/iDm0aYK.png\" \/><\/p>\n<p>Jedenfalls ist mir noch in Erinnerung, dass wir guten Mutes gegen Holland fuhren. Ich bestaunte die Ausl\u00e4ufer der Ardennen in Belgien, las Sankt Vith, bekam mit, dass die Stra\u00dfe einige Kilometer \u00fcber die Rennstrecke von <a href=\"https:\/\/www.spa-francorchamps.be\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Spa-Francorchamps<\/a> f\u00fchrte, und wunderte mich, dass die H\u00e4user pl\u00f6tzlich so ganz anders als in der Eifel aussahen. Auch machte ich mir so einige Gedanken, wie schmutzig es in der Umgebung von L\u00fcttich war (wir fuhren durch industrienahe Bereiche) und schon kam die niederl\u00e4ndische Grenze.<\/p>\n<p>Vermutlich wurden wir von einem gelangweilten Z\u00f6llner sowohl an der belgischen als auch an der niederl\u00e4ndischen Grenze durchgewinkt &#8211; Schengen gab es noch nicht. Wie wir das mit den holl\u00e4ndischen Gulden geregelt haben, wei\u00df ich nicht mehr &#8211; vielleicht wurde an der Grenze in einer Wechselstube etwas umgetauscht.<\/p>\n<p>Und dann lie\u00df ich es auf der A2 in den Niederlande gegen Norden, Richtung Amsteram, \"rollen\" &#8211; Mastricht, Maasmechelen, Sittard, Roermont, Weert, Eindhofen waren Autobahnschilder, die mir noch in Erinnerung geblieben sind.<\/p>\n<blockquote><p>Damals ahnte ich noch nicht, dass ich gut zwei Jahre sp\u00e4ter, nahe dem holl\u00e4ndischen Weert, im \u00d6rtchen B\u00fcdel, meine Grundausbildung als junger Wehrpflichtiger absolvieren und durch die Sandd\u00fcnen der s\u00fcdlichen Niederlande marschieren und robben w\u00fcrde. Und auch der Eurostrand in Valkenswaard, den wir w\u00e4hrend dieser Zeit an den Wochenenden und nach Feierabend besuchten, war mir noch kein Begriff. Die 6 Wochen B\u00fcdel waren nicht so ganz schlecht, die Ausbilder waren in Ordnung, es gab doppelten Wehrsold und steuerfreie Zigaretten &#8211; die ich dann verkaufen konnte. Vier Jahre sp\u00e4ter bin ich sogar mal als Student mit meiner Frau von J\u00fclich f\u00fcr einen langen Sommertag an den Eurostrand nach Valkenswaard gefahren.<\/p><\/blockquote>\n<h2>Von Polizei mit MPs umstellt &#8230;<\/h2>\n<p>Aber zur\u00fcck zur Fahrt in den Urlaub. 's-Hertogenbosch, dann Utrecht flogen vorbei und ich bestaunte die flache Landschaft mit Kan\u00e4len, die durch Erlen oder Pappeln ges\u00e4umt waren. Sah so ganz anders als bei uns in der Eifel aus, wo ich von einer Anh\u00f6he auf unseren Feldern \u00fcber sanfte H\u00fcgel bis zum Moselgraben am fernen Horizont schauen konnte.<\/p>\n<p>Der Masterplan war, die erste Nacht in Amsterdam zu verbringen und ein Hotel zur \u00dcbernachtung zu suchen. Irgendwie waren wir aber zu sp\u00e4t losgefahren, oder ich hatte den Zeitplan nicht im Kopf &#8211; Navis mit Zeitangabe der Fahrtstrecke gab es 1973 noch nicht. Es war lange vor Utrecht schon Abend und dann dunkel geworden.<\/p>\n<p>Als es schon nach 21:00 Uhr war, und Amsterdam immer noch nicht in Sicht kam, meinte ich zu den beiden Jungs \"Wird schwierig, um 10 oder 11 Uhr nachts in eine fremde Gro\u00dfstadt zu fahren, dann noch ein billiges Hotel suchen &#8230; sollen wir nicht irgendwo am Stra\u00dfenrand halten, etwas pennen und morgen in die Stadt fahren. Dann k\u00f6nnen wir immer noch ein Hotel suchen.\" Gab sofort Zustimmung und ich fuhr nach einem Parkplatz Ausschau haltend weiter.<\/p>\n<p>Irgendwann war da neben der Stra\u00dfe ein Bereich mit festgefahrenem Sand und viel Platz &#8211; bot sich gerade zu an, da zu halten und zu rasten. Ich hatte noch mitbekommen, dass da in der N\u00e4he eine Autobahnbaustelle war und einige <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Meiller_(Unternehmen)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meiller-Kipper<\/a> (Muldenkipper) herum standen. Die Baustelle ruhte, da l\u00e4ngst Feierabend war. Wir haben kurz was getrunken, sind drau\u00dfen ausgetreten und haben uns dann im Auto hingelegt, um zu schlafen. Richtig komfortabel war es zwar nicht, aber ich bin sofort eingepennt.<\/p>\n<p>Es muss so gegen Mitternacht gewesen sein, als ich von einem lauten Klopfen am Fenster der Fahrseite, gegen die ich meinen Kopf gelegt hatte, wach wurde. Alle Scheiben waren beschlagen, also schob ich die Seitenscheibe des R4 nach vorne, so dass ich raus schauen konnte. Ich erkannte einen niederl\u00e4ndischen Polizisten, und um das Auto herum standen eine Reihe weiterer Polizisten, eine Maschinenpistole im Anschlag und auf unser Auto zielend. Schlaftrunken fragte ich auf deutsch, was los sei.<\/p>\n<p>Der Polizist wollte F\u00fchrerschein, Fahrzeugpapiere und Ausweis sehen, die ich ihm aush\u00e4ndigte. Er studierte diese kurz und fragte, was wir vorh\u00e4tten. Als ich ihm sagte, dass wir einige Tage Urlaub in Holland machen und erst einmal nach Amsterdam fahren wollte, kam sofort die Frage, warum wir das denn nicht t\u00e4ten. Ich erkl\u00e4rte ihm, dass ich einerseits m\u00fcde geworden sei und um 22:00 Uhr nicht mehr in eine mir g\u00e4nzlich fremde Stadt mit dem Auto fahren wollte, um mir dann noch ein Hotel zu suchen.<\/p>\n<p>Die Argumentation leuchtete dem Mann ein, und er gab mir die Papiere zur\u00fcck. Die Polizisten, die das Auto umringt hatten, entspannten sich und gingen zu einem Polizeibus zur\u00fcck. Der kontrollierende Polizist meinte dann auf Deutsch \"Gut, schlafen Sie weiter, aber fahren Sie morgen z\u00fcgig weiter\" und verschwand ebenfalls im Bus, der dann abfuhr. Einem meiner Begleiter d\u00e4mmerte es dann. Wir standen am Stra\u00dfenrand in einer Art erweiterter Baustelle &#8211; h\u00e4tte keinen gest\u00f6rt. Aber in der N\u00e4he war der Flughafen Schiphol\/Amsterdam, was wir nicht wussten. Und es es war die Zeit der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rote_Armee_Fraktion\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rote Armee Fraktion<\/a> (RAF) mit Terroranschl\u00e4gen. Das am Stra\u00dfenrand in N\u00e4he des Flughafens stehende deutsche Auto hatte wohl Terroralarm ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Also wurde ein Bus schwer bewaffneter Polizisten zur Kontrolle losgeschickt, und als dann noch drei junge Kerle im Auto ausgemacht wurden, wuchs die Nerv\u00f6sit\u00e4t bei den M\u00e4nnern wohl sp\u00fcrbar. Als bei der Kontrolle die Hintergr\u00fcnde klar wurden, entspannte sich die Situation und unser Parken wurde geduldet.<\/p>\n<h2>Amsterdam, steile Treppenstiegen und mehr<\/h2>\n<p>Am fr\u00fchen Morgen fing gegen 6:00 Uhr bereits die T\u00e4tigkeit auf der Baustelle an. Wir haben erinnerungsm\u00e4\u00dfig noch etwas ged\u00f6st, etwas gefr\u00fchst\u00fcckt und sind dann gegen Amsterdam gefahren. Ich erinnere mich noch, dass wir schnell ein billiges Hotel mit einem 3-Bett-Zimmer an einer Gracht fanden. Die steile Treppe zum Zimmer ist mir immer noch vor Augen. An Amsterdam habe ich nicht mehr viele Erinnerungen. Gegessen haben wir in einem \"<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wimpy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wimpi<\/a>\", ein Fast-Food-Restaurant auf Franchising Basis, die Babs wohl kannte (\"da k\u00f6nnen wir preiswert essen, das hab ich letzte Jahr beim Schulausflug in London kennen gelernt\", war die Aussage). Ja, und ich hatte \"die Welt\" gesehen, kannte ich das doch \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>Wir waren wohl auch im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rijksmuseum_Amsterdam\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rijksmuseum Amsterdam<\/a>, sicher bin ich aber nicht, da ich sp\u00e4ter als Student dort auf Exkursion war (vielleicht vermischen sich da die Erinnerungen). Und ich erinnere mich an einen Gang durch das Rotlichtviertel, wieso wir da rein geraten waren, keine Ahnung. Die beiden anderen waren ganz hei\u00df auf Coffe-Shop, um sich da Marihuana zu kaufen &#8211; was sie doch nicht taten. Ich hatte blo\u00df Muffe, dass die was nach Deutschland mitnehmen wollten und wir an der Grenze eingesackt w\u00fcrden. Viel mehr erinnere ich nicht, selbst das holl\u00e4ndische Fr\u00fchst\u00fcck ist mir nicht mehr gegenw\u00e4rtig, aber die steile Treppe, die wir mit Taschen und Rucks\u00e4cken hoch und runter balanciert sind, die ist noch vor Augen.<\/p>\n<h2>Zeltplatzidylle oder auch nicht<\/h2>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag ging es aus Amsterdam raus und nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zandvoort\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zandvoort<\/a> ans Meer. Dort gab es auch eine Rennstrecke, wie mir Babs er\u00f6ffnete. Aber f\u00fcr mich war der Ausblick aufs Meer, was ich noch nie gesehen hatte (ich denke auch die beiden anderen nicht), das erhebendste Ereignis. Muss den beiden Begleitern auch so gegangen sein. In Erinnerung ist mir noch der Ausspruch von einem meiner beiden Begleiter \"Boah, was ist das ein Ding, dieses Meer\".<\/p>\n<blockquote><p>Hatte was von dem Road-Movie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Knockin%E2%80%99_on_Heaven%E2%80%99s_Door_(Film)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Knockin' on Heaven's Door<\/a> aus dem Jahr 1997, mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers in den Hauptrollen, die kurz vor dem Krebstod noch das Meer sehen wollen. Makabrer Zufall, Babs ist leider nur wenige Jahre nach unserem Besuch am Meer freiwillig aus dem Leben geschieden. Ich habe es durch Zufall bei einem Heimatbesuch als Student von den Geschwistern geh\u00f6rt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach dem Besuch am Strand ging es auf einen Camping-Platz, wo die beiden Begleiter ihr 2 Mann-Zelt aufbauten und das f\u00fcr die Nacht fertig machten. Da ich kein Zelt hatte, habe ich auf der durchgehenden Vorderbank des R4 geschlafen. Handbremse und die Revolverschaltung waren ja am Armaturenbrett angebracht. Schlafen ging mit angewinkelten Beinen irgendwie, obwohl sich bequem anders schreibt. Liegesitze hatte das Auto keine und ob die R\u00fcckbank umklappbar war, wei\u00df ich nicht. Jedenfalls habe ich vorne geschlafen.<\/p>\n<p>An was ich mich auch noch erinnere: Wir hatten in einem Supermarkt Weck oder Brot, etwas Brotaufstrich, sowie etwas zu trinken (keine Ahnung, ob es Cola oder Mineralwasser war) gekauft. Ich hatte immer ein Taschenmesser dabei. Abends sa\u00dfen wir mit ge\u00f6ffneten T\u00fcren im Auto und haben was gegessen. Und am Morgen fand das gleiche Ritual statt. So richtig erhebend fand ich das Camping jetzt aber nicht.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn ich jetzt so rumspinne: Schatz, lasse uns ein Dachzelt kaufen, dann k\u00f6nnen wir immer und \u00fcberall campieren, lacht meine Frau. Mit mir nicht, Du schnarchst und dann dein R\u00fccken. Das kannst Du alleine machen. Also bleibt das Dachzelt ein ferner Traum.<\/p><\/blockquote>\n<h2>Auf zum K\u00e4semarkt nach Alkmaar, und der Unfall<\/h2>\n<p>Am letzten Tag war ein Besuch des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/K%C3%A4semarkt_in_Alkmaar\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">K\u00e4semarkts<\/a> in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alkmaar\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alkmaar<\/a> geplant. Also Campingplatz nach dem Fr\u00fchst\u00fcck verlassen, um die kurze Strecke nach Alkmaar zur\u00fcckzulegen. Lief auch alles echt gut, war alles beschildert und die zahlreichen Blitzer, die heute die dortigen Stra\u00dfen s\u00e4umen, gab es noch nicht. Schon kamen wir in Alkmaar an und ich fuhr durch verschiedene Stra\u00dfen, um irgendwo den zentralen Platz zu finden, wo der K\u00e4semarkt stattfand.<\/p>\n<p>Irgendwann musste ich auch eine Gracht \u00fcberqueren, wof\u00fcr ich mir eine Zugbr\u00fccke auserkoren hatte, denn die Stra\u00dfe f\u00fchrte da dr\u00fcber und wir mussten mit dem Auto auf die andere Seite der Gracht. Als ich so langsam auf die Zugbr\u00fccke fuhr, ging diese pl\u00f6tzlich hoch, weil ein Kahn auf dem Wasser passieren wollte. Ob ich eine Ampel \u00fcbersehen hatte, oder ob es keine gab, wei\u00df ich nicht. Ich war aber noch ganz am Anfang des beweglichen Br\u00fcckenteils, lie\u00df also das Auto einen Meter r\u00fcckw\u00e4rts rollen, machte den Motor aus und wartete, bis die Zugbr\u00fccke wieder runter ging.<\/p>\n<p>Wir waren das erste Auto, welches an der Br\u00fcckenzufahrt wartete und bald standen weitere Fahrzeuge wartend hinter uns. Das erste Auto hinter mir war ein VW-K\u00e4fer, das erinnere ich noch. Die Zugbr\u00fccke ging herunter und ich wollte meinen Renault R4 starten. Aber der Anlasser drehte, das Auto sprang aber nicht an. Mehrfach probiert, keine Chance. Da ich die Fahrbahn blockierte und niemand auf der Fahrspur \u00fcber die Br\u00fccke kam, lie\u00df ich das Auto langsam bei gel\u00f6ster Bremse die etwas rechts und links zum Br\u00fcckenaufgang absch\u00fcssige Pflaster-Stra\u00dfe zur\u00fcck laufen. Der Masterplan war, die Fahrbahn soweit frei zu machen, dass der Verkehr \u00fcber die Br\u00fccke flie\u00dfen konnte. So h\u00e4tte ich Zeit, mir das Problem in Ruhe am Stra\u00dfenrand anzusehen.<\/p>\n<p>Leider hatte ich meine Rechnung ohne den Fahrer hinter mir gemacht. Ob er nur sehr nahe herangefahren war, oder schon anfuhr, w\u00e4hrend ich das nicht mehr startende Auto r\u00fcckw\u00e4rts laufen lie\u00df, wei\u00df ich nicht mehr. Vielleicht hatte ich nicht genug in den R\u00fcckspiegel geschaut, jedenfalls machte es Bums, und ich war mit der R\u00fccksto\u00dfstange des R4 gegen die vordere Sto\u00dfstange des VW-K\u00e4fers geprallt. Na prima, jetzt hast Du auch noch einen Unfall gebaut, was wird Vatter sagen, der zwar zum Urlaub genickt, aber \"pass auf, bau keinen Unfall\" gemeint hatte.<\/p>\n<p>Ich stieg also aus und sah scheinbar die Bescherung: Sto\u00dfstange an Sto\u00dfstange, am VW hing eine Vorderlampe am Kotfl\u00fcgel heraus. Ein Mann, vermutlich tamilischer oder molukkischer Abstammung war laut fluchend und gestikulierend ausgestiegen, w\u00e4hrend der restliche Verkehr um uns herum auf die Br\u00fcck fuhr. \"Ups, gleich wirst Du geschlachtet, was das wieder kostet\" schoss es mir durch den Kopf. Gut, wenn zwei Autos im Schritttempo mit den Sto\u00dfstangen aneinander sto\u00dfen, passiert nicht wirklich was. Wusste ich, verdattert wie ich war, nicht. Der Mann schaute sich die Sache an, sah, dass die Sto\u00dfstangen und die Autos keinen wirklichen (Blech-)Schaden davon getragen hatten. Auch ich \u00fcberzeugte mich, dass wirklich nichts, au\u00dfer der aus dem vorderen linken Kotfl\u00fcgel des VW-K\u00e4fer heraush\u00e4ngenden Frontlampe kaputt war.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich noch \u00fcberlegte, wie ich das nun mit der \"kaputten Lampe\" regeln k\u00f6nnte, lie\u00df der Mann noch einen Schwall Fl\u00fcche vom Stapel, griff sich die heraush\u00e4ngende Lampe, steckte diese in die \u00d6ffnung in der Karosserie, hieb kr\u00e4ftig mit der flachen Hand dagegen, schwang sich hinter das Steuer und brauste \u00fcber die Br\u00fccke davon. Da schwante mir, dass dies seine t\u00e4gliche \u00dcbung gewesen sein musste, denn so routiniert wie das ablief, konnte es nicht anders gewesen sein. Die Halterung der Lampe war wohl weg gerostet und der VW w\u00e4re in Deutschland nicht mehr \u00fcber den T\u00dcV gekommen.<\/p>\n<p>Nachdem Problem #1 mit dem Unfall sich in Luft aufgel\u00f6st hatte, konnte ich mich Problem #2, dem nicht mehr anspringenden Motor, widmen. Im Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=16732\">Meine \u201eSchrauberjahre\"-Teil 3: Ein Auto wird gebraucht <\/a>hatte ich ja ausgef\u00fchrt, dass ich in meinen Schrauberjahren steckte und aus meiner Moped-Zeit mit Motoren umgehen konnte (eigentlich war ich ein \"halber Autoschlosser\", hatte ich doch einen KFZ-Mechaniker-Lehrling im Freundeskreis durch die Pr\u00fcfungen gebracht und einiges gelernt). Also die Tasche mit dem Werkzeug aus dem Kofferraum gegriffen, Motorhaube ge\u00f6ffnet und in den Motorraum hineingebeugt. Wasser stand keines unter dem Auto, ein \u00fcberhitzter Motor durch ausgelaufenen K\u00fchler konnte es nicht sein. Gewohnheitsm\u00e4\u00dfig hatte ich mir angew\u00f6hnt, beim Firmenwagen im Lehrbetrieb, der Montags nie anspringen wollte, die Z\u00fcndkabel und den Z\u00fcndverteiler zu kontrollieren.<\/p>\n<p>Als ich das beim R4 machte, merkte ich, dass eine Z\u00fcndkerze locker in einer Zylinder\u00f6ffnung des Motors sa\u00df. Ich hatte die mal vor der gro\u00dfen Fahrt mit einer Leere auf Abstand der Z\u00fcndkerze kontrolliert und wohl nicht fest genug eingeschraubt. Die Z\u00fcndkerze hatte sich gelockert und der Motor war nur noch auf 3 Zylindern gelaufen. Also mit einem Z\u00fcndkerzenschl\u00fcssel (der wundersamer Weise in der Werkzeugtasche dabei war) die Z\u00fcndkerze neu eingeschraubt und festgedreht. Auf den Fahrersitz gewechselt, den Anlasser bet\u00e4tigt, und das Auto sprang auf Anhieb an. Werkzeug eingepackt und \u00fcber die Zugbr\u00fccke, die in der Zwischenzeit schon mal hochgegangen war, \u00fcber die Gracht auf die andere Seite gewechselt, in der N\u00e4he des K\u00e4semarkts einen Parkplatz gesucht und sich in das Get\u00fcmmel auf dem Markt gest\u00fcrzt.<\/p>\n<p>War schon eine Sensation die Holl\u00e4nder zu sehen, wenn zwei K\u00e4setr\u00e4ger eine Tragbahre mit K\u00e4selaiben auf den Markt zum Waagplein (Wiegeplatz) tragen, wo der dann aufgestapelt wird. Handys und Digitalkameras gab es noch keine, Analogkamera hatte ich keine mit, so dass es keine Fotos gibt. Ich erinnere mich aber noch, dass ich einen kleinen, runden K\u00e4se f\u00fcr erinnerungsm\u00e4\u00dfig 20 oder 40 Mark f\u00fcr die Eltern als Mitbringsel gekauft habe.<\/p>\n<p>Und danach ging es am Nachmittag wieder zur\u00fcck in die Eifel, unsere Heimat. Ich habe keine Erinnerung mehr daran, muss wohl ereignislos verlaufen sein. Jedenfalls hatten wir kein \"Gras\" dabei, denn an der Grenze wurden wir nicht kontrolliert. Irgendwann habe ich die beiden Begleiter im Dorf von deren Elternh\u00e4usern abgeliefert und fuhr auf unseren Bauernhof zur\u00fcck. Die Eltern waren froh, dass ich wohlbehalten zur\u00fcck war.<\/p>\n<h2>Aus der Welt zur\u00fcck &#8230;<\/h2>\n<p>Und damit war mein erster echter Urlaub zu Ende &#8211; ich war in der Welt gewesen, und hatte Abenteuer erlebt. Die wurden mir aber erst viel sp\u00e4ter wirklich gewahr, ich glaube, ich war damals ziemlich unbek\u00fcmmert und wollte die Welt erobern. Erwin und Alois haben mich dann Wochen sp\u00e4ter noch nach Wittlich ins Gymnasium geschleppt, wo die niederl\u00e4ndische Gruppe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ekseption\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ekseption<\/a> an einem Samstag Abend auftrat (siehe auch <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2018\/04\/01\/musik-zum-sonntag-ekseption\/\">Musik zum Sonntag: Ekseption \u2026 Toccata<\/a>).<\/p>\n<p>Ab da verlieren sich die Kontakte mit Erwin und Babs, da ich mehr an den Sch\u00fclern der Berufsaufbauschule und sp\u00e4ter der Fachoberschule orientierte, danach zur Bundeswehr und sp\u00e4ter zum Studium ging. F\u00fcr mich war 1973 der erste, und f\u00fcr Jahre der letzte Urlaub.<\/p>\n<p>Im Mai 1976 ging die (um 1 Jahr versp\u00e4tete) Hochzeitsreise, ich hatte gerade meine Bundeswehrzeit fertig und wollte bald studieren, zwar f\u00fcr 2 Tage nach Belgien (Br\u00fcgge, mit einem Schnakenloch als Hotel, und Nordseestrand, auf's Atomio in Br\u00fcssel wollte meine Frau wegen den schnellen Fahrstuhls nicht), was aber nicht wirklich Urlaub war.<\/p>\n<p>Danach hatte ich als Student wenig Geld, erst 1978 oder 1979 m\u00fcssen wir dann mit einem Bus f\u00fcr f\u00fcnf Tage nach Paris, in die Stadt der Liebe, gefahren sein. War auch ein sch\u00f6ner Urlaub mit einigen Erinnerungen. Aber so richtig in Urlaub fahren und beruflich reisen, ging erst mit dem Eintritt in den Beruf als Ingenieur los. Der erste eigene Urlaub ist mir aber als besonderes Ereignis in Erinnerung geblieben.<\/p>\n<p>Vermutlich wird jeder von Ihnen da seine ganz eigenen Erinnerungen haben. Kommentare sind immer willkommen. Im R\u00fcckblick ist es eine unglaubliche Geschichte, \"Wie Opa nach Holland fuhr, und fast nicht wiedergekommen w\u00e4re\", die ich meinen Enkeln noch am Lagerfeuer erz\u00e4hlen kann.<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/05\/17\/der-jung-soll-was-anstndiges-lernen\/\">Der Jung soll was anst\u00e4ndiges lernen<\/a> <strong><br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=16713\">Meine \u201eSchrauberjahre\"-Teil 1: Der F\u00fchrerschein \u2026<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=16723\">Meine \u201eSchrauberjahre\"-Teil 2: Das neue Moped \u2026<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=16732\">Meine \u201eSchrauberjahre\"-Teil 3: Ein Auto wird gebraucht <\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/06\/24\/mein-r4-und-der-erste-urlaub-in-holland\/\" rel=\"bookmark\">Mein R4 und der erste Urlaub in Holland<\/a><br \/>\n<a 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