{"id":17329,"date":"2021-07-28T00:07:05","date_gmt":"2021-07-27T22:07:05","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=17329"},"modified":"2021-11-04T23:39:27","modified_gmt":"2021-11-04T22:39:27","slug":"hilft-ein-herzmedikament-gegen-long-covid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/07\/28\/hilft-ein-herzmedikament-gegen-long-covid\/","title":{"rendered":"Hilft ein Herzmedikament gegen Long-Covid"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" title=\"Gesundheit\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" border=\"0\" alt=\"Gesundheit (Pexels, frei verwendbar)\" src=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Gesundheit-klein.jpg\" width=\"200\">Die Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung, allgemein als Long-Covid bezeichnet, sind f\u00fcr die Betroffenen oft gravierend. An COVID-19 Erkrankte leiden auch nach ihrer Entlassung aus Kliniken an den Folgen dieser Krankheit. Der Begriff \u201eLong COVID\" fasst eine Sammlung an Symptomen zusammen. \u00c4rzten an der Universit\u00e4tsklinik Erlangen ist k\u00fcrzlich ein Erfolg gegen Corona-Langzeitfolgen gelungen. Einem Long-Covid-Patient wurde ein Herzmedikament verabreicht, so dass dieser nach kurzer Zeit beschwerdefrei war.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es war eine <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210721104108\/https:\/\/www.uk-erlangen.de\/presse\/pressemitteilungen\/ansicht\/detail\/medikament-gegen-autoantikoerper-hilft-bei-long-covid\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meldung<\/a> Anfang Juli 2021, die Betroffenen Hoffnung machen kann. Dank einem Medikament, das urspr\u00fcnglich zur Bek\u00e4mpfung von Herzerkrankungen entwickelt wurde, ist es einem \u00c4rzteteam der Augenklinik (Direktor: Prof. Dr. Friedrich E. Kruse) des Universit\u00e4tsklinikums Erlangen im Rahmen eines individuellen Heilversuchs erstmals gelungen, dass ein 59-j\u00e4hriger Mann mit Long-COVID-Syndrom beschwerdefrei wurde. <\/p>\n<p>Die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte der Augenklinik des Uni-Klinikums Erlangen hatten im Rahmen der ReCOVer-Studie im Vorfeld bereits herausgefunden: Wer eine COVID-19-Infektion hinter sich hat, bei dem ist die Durchblutung der Augen auch viele Monate sp\u00e4ter noch deutlich eingeschr\u00e4nkt. Hintergrundgedanke zu dem vorgenommenen Heilversucht war es, dass die ver\u00e4nderte Durchblutung sicherlich nicht auf das Auge begrenzt ist, sondern beispielhaft f\u00fcr den gesamten K\u00f6rper gesehen werden kann.<\/p>\n<p>Im Blut von ehemaligen COVID-19-Patienten fand das \u00c4rzteteam gemeinsam mit einem langj\u00e4hrigen Kooperationspartner und ehemaligen Mitarbeiter des Max-Delbr\u00fcck-Centrums f\u00fcr Molekulare Medizin in Berlin, Dr. Gerd Wallukat, Monate nach der Infektion bestimmte Eiwei\u00dfstoffe, mit denen sie sich im Zusammenhang mit der Glaukom-Erkrankung (gr\u00fcner Star) bereits seit vielen Jahren besch\u00e4ftigen: Autoantik\u00f6rper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren. \u201eDarunter ist zu verstehen, dass sich die per se gute Immunabwehr gegen den eigenen K\u00f6rper richtet und Stoffe bildet, die sch\u00e4dlich sein k\u00f6nnen. Das bringt teils schwerwiegende Folgen mit sich\", erkl\u00e4rt Dr. Dr. Bettina Hohberger, Fach\u00e4rztin der Erlanger Augenklinik. Bildet der K\u00f6rper vermehrt Autoantik\u00f6rper, greifen diese m\u00f6glicherweise unterschiedliche K\u00f6rperstrukturen an. Das interdisziplin\u00e4re \u00e4rztliche und wissenschaftliche Team fand bei den Blutuntersuchungen heraus, dass Patienten nach einer Corona-Infektion mehrere dieser Eiwei\u00dfstoffe aufweisen. \u201eWir kennen einen dieser Autoantik\u00f6rper bereits von der Glaukom-Erkrankung und wissen von seiner schlechten Wirkung auf die Augendurchblutung\", erl\u00e4utert Dr. Hohberger. <\/p>\n<p>Durch die langj\u00e4hrige Kooperation mit Dr. Wallukat hatte die Ophthalmologin von einem Pr\u00e4parat erfahren, das diese sch\u00e4dlichen Autoantik\u00f6rper bindet. Damit w\u00e4re es m\u00f6glich, die Autoantik\u00f6rper unsch\u00e4dlich zu machen und m\u00f6glicherweise die Durchblutungsst\u00f6rungen zu verbessern. Das Medikament wurde vor einigen Jahren speziell f\u00fcr Patienten mit einer schweren Herzerkrankung von Dr. Wallukat, seiner Kollegin Dr. Annekathrin Haberland und ehemaligen Herzchirurgen des Deutschen Herzzentrums Berlin in eine Zulassungsstudie gebracht. \u201eUrspr\u00fcnglich wollte ich damit meinen Glaukom-Patienten helfen\", erinnert sich Dr. Hohberger. \u201eAls wir dann die Ergebnisse sahen, die aus Kooperationsprojekten zu Long COVID entstanden sind, waren es wie viele kleine Puzzlest\u00fccke, die f\u00fcr uns zusammenpassten. Es war durchaus denkbar, dass sich auch die Long-COVID-Symptomatik dadurch bessern k\u00f6nnte.\" <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Arzt\" alt=\"Arzt\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/J3cUMGL.jpg\" width=\"467\" height=\"622\"><br \/>(Quelle: Pexels\/Pixabay CC0 Lizenz) <\/p>\n<h2>Durchblutung deutlich verbessert<\/h2>\n<p>Als ein langj\u00e4hriger, an Glaukom erkrankter Patient des Erlanger Glaukomregisters von seinen Beschwerden nach \u00fcberstandener Corona-Infektion berichtete \u2013 Geschmacksverlust, starke Konzentrationsst\u00f6rungen und Abgeschlagenheit, die ihn in seinem beruflichen und privaten Leben massiv einschr\u00e4nkten \u2013 wollte das Team der Augenklinik ihm Hilfe anbieten. Im Rahmen eines individuellen Heilversuchs mit dem Berliner Medikament, BC 007, erhielt der 59-J\u00e4hrige Axel N. das Pr\u00e4parat per Infusion und blieb drei Tage station\u00e4r am Uni-Klinikum Erlangen.  <\/p>\n<p>\u201eBereits innerhalb weniger Stunden zeigte sich eine Besserung. Bei seiner Entlassung f\u00fchlte sich unser Patient schon deutlich erholter als vor der Verabreichung und seine Autoantik\u00f6rperwerte best\u00e4tigten diesen Eindruck\", schildert das \u00c4rzteteam den Verlauf. Auch die Konzentrationsschwierigkeiten verschwanden, die Leistungsf\u00e4higkeit des 59-J\u00e4hrigen stieg wieder an und der Geschmackssinn kehrte zur\u00fcck. \u201eInsgesamt hat sich die Durchblutung der Kapillaren, die wir am Auge messen k\u00f6nnen, deutlich verbessert.\"  <\/p>\n<p>Das Team der Erlanger Augenklinik geht deshalb davon aus, dass die Long-COVID-Beschwerden des Patienten dank der verbesserten Durchblutung verschwunden sind. F\u00fcr den Ansatz, diese Autoantik\u00f6rper mit einem Medikament bei Patienten mit Glaukom unsch\u00e4dlich zu machen, wurde Dr. Hohberger 2020 f\u00fcr den Galenus-von-Pergamon-Preis in der Kategorie Grundlagenforschung nominiert. <\/p>\n<p>Ob der Wirkstoff BC 007 auch anderen Betroffenen hilft, soll bald in einer klinischen Studie \u00fcberpr\u00fcft werden. \u201eMomentan k\u00f6nnen wir leider nicht mehr Menschen mit dem Medikament behandeln, da es noch nicht alle Zulassungsstudien durchlaufen hat\", sagt Prof. Dr. Christian Mardin, leitender Oberarzt der Augenklinik. <\/p>\n<blockquote>\n<p>Betroffene, die Interesse an den laufenden Studien der Augenklinik haben, werden gebeten, sich per E-Mail an augen-egr[at]uk-erlangen.de zu wenden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<h2>ReCOVer-Studie<\/h2>\n<p>In Zusammenarbeit mit der Intensivstation der Medizin 1, auf der seit dem Fr\u00fchjahr 2020 auch Corona-Patienten behandelt werden, und der Medizin 3 untersuchte das Forschungsteam der Augenklinik die Durchblutung der kleinsten Gef\u00e4\u00dfe, der Kapillaren, bei COVID-19-Patienten. Den Blutfluss machten sie mithilfe einer innovativen, schmerzfreien und nicht-invasiven Methode sichtbar: der OCT-Angiografie (optische Koh\u00e4renzangiografie). Nur im Auge und am Nagelfalz \u2013 dem \u00dcbergang zwischen Nagelbett und Finger \u2013 ist es m\u00f6glich, den Blutfluss sichtbar zu machen, ohne beispielsweise Kontrastmittel zu injizieren.  <\/p>\n<p>Im Rahmen der klinischen Studie k\u00f6nnen die Augen\u00e4rztinnen und -\u00e4rzte des Uni-Klinikums Erlangen diese Untersuchungsmethode seit 2020 gezielt Patientinnen und Patienten nach ihrer COVID-19-Infektion anbieten. Erste Auswertungen zeigen: Noch Monate nach der Erkrankung ist die Durchblutung innerhalb der Netzhaut deutlich eingeschr\u00e4nkt, auch wenn Betroffene keine Sehbeschwerden haben. Die klinische Studie mit Patienten nach einer COVID-19-Infektion wird weiterhin fortgef\u00fchrt.  <\/p>\n<p>Gemeinsam mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Erlanger Max-Planck-Zentrums f\u00fcr Physik und Medizin und dem Team um Dr. Wallukat werden nun gezielt Mechanismen untersucht, die zu der eingeschr\u00e4nkten Durchblutung f\u00fchren k\u00f6nnen und den Wirkmechanismus des erfolgreichen Heilversuches erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><strong>Studie: <\/strong><em>Neutralization of autoantibodies targeting G-protein coupled receptors improves capillary impairment and fatigue symptoms after COVID-19 infection<\/em> <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.frontiersin.org\/articles\/10.3389\/fmed.2021.676554\/abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abstract der Studie<\/a> <br \/><a href=\"https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3879488\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ver\u00f6ffentlichung auf dem preprint Server<\/a> <\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/05\/14\/wer-bekommt-long-covid\/\">Wer bekommt Long COVID?<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/06\/04\/diabetes-nach-einer-covid-19-erkrankung\/\">Diabetes nach einer COVID-19-Erkrankung?<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/06\/02\/covid-19-milder-verlauf-aber-schwere-folgen\/\">COVID-19: Milder Verlauf, aber schwere Folgen<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/02\/08\/covid-19-die-5-hufigsten-neurologischen-folgen\/\">COVID-19: Die 5 h\u00e4ufigsten neurologischen Folgen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung, allgemein als Long-Covid bezeichnet, sind f\u00fcr die Betroffenen oft gravierend. 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