{"id":17851,"date":"2021-10-13T00:15:00","date_gmt":"2021-10-12T22:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=17851"},"modified":"2024-05-19T19:54:48","modified_gmt":"2024-05-19T17:54:48","slug":"bandwurminfektion-als-jungbrunnen-fr-ameisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/10\/13\/bandwurminfektion-als-jungbrunnen-fr-ameisen\/","title":{"rendered":"Bandwurminfektion als &quot;Jungbrunnen&quot; f&uuml;r Ameisen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Ameisen\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" alt=\"Ameisen\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/j3bZO5A.png\" width=\"106\" height=\"108\">Es ist eine echt krasse Geschichte, der Forscher der Uni Mainz auf die Spur gekommen sind. Arbeiterinnen der Ameisenart <em>Temnothorax nylanderi<\/em> leben l\u00e4nger, wenn sie mit einem Parasiten (Bandwurm) infiziert sind, als die nicht infizierten Nestgenossinnen. Oder auf den Punkt gebracht: Die Lebenserwartung von Ameisen mit einer Bandwurminfektion ist wesentlich h\u00f6her als von nicht parasitierten Nestgenossinnen und gleicht der von K\u00f6niginnen. Das ist ja ein Ding.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Normalerweise wirkt sich ein Befall mit Parasiten in der Tierwelt sch\u00e4dlich aus \u2013 aber es gibt Ausnahmen. Ameisen, die mit einem Bandwurm infiziert sind, leben wesentlich l\u00e4nger als ihre nicht infizierten Nestgenossinnen. Das hat eine mehrj\u00e4hrige wissenschaftliche Studie ergeben, die zeigte, dass Arbeiterinnen der Ameisenart <em>Temnothorax nylanderi<\/em> bei einer Bandwurminfektion au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe \u00dcberlebensraten haben.  <\/p>\n<p>\"Die Lebenserwartung der infizierten Ameisen ist deutlich verl\u00e4ngert. Die Arbeiterinnen haben nach unseren Beobachtungen eine \u00dcberlebensrate, die denen von K\u00f6niginnen gleicht\", erkl\u00e4rt die Studienleiterin Prof. Dr. Susanne Foitzik von der Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz (JGU). K\u00f6niginnen k\u00f6nnen bei dieser Art bis zu 20 Jahre alt werden, w\u00e4hrend Arbeiterinnen selten das zweite Lebensjahr vollenden. Ein Grund f\u00fcr die h\u00f6here Lebenserwartung liegt in einer durch den Parasiten ver\u00e4nderten Physiologie und einer besseren Versorgung der infizierten Tiere. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Ameisen\" alt=\"Ameisen\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/IOsBHCA.png\" width=\"377\" height=\"273\"> <\/p>\n<p>Quelle: Susanne Foitzik; Zwei Ameisen der Art <i>Temnothorax nylanderi<\/i>: Die hellere Ameise ist mit Larven des Bandwurms <i>Anomotaenia brevis<\/i> (rechts unten) infiziert, was eine Farb\u00e4nderung der Kutikula, vor allem aber eine wesentlich l\u00e4ngere Lebensspanne zur Folge hat. <\/p>\n<h3>Versorgung der Tiere im Nest spielt eine Rolle f\u00fcr l\u00e4ngere Lebensdauer<\/h3>\n<p>Das Geheimnis der Langlebigkeit stellt sich gerade bei Ameisen in besonders drastischer Weise dar: Viele Ameisenk\u00f6niginnen erreichen eine Lebensspanne von mehreren Jahrzehnten. Sie verbringen fast ihr gesamtes Leben im sicheren Nest, wo sie von den Arbeiterinnen, ihren T\u00f6chtern, umsorgt werden. Im Gegensatz dazu leben Ameisenarbeiterinnen nur einige Wochen bis Monate oder selten wenige Jahre. Die unfruchtbaren Arbeiterinnen \u00fcbernehmen alle Aufgaben im Nest, zun\u00e4chst in der Brutpflege und dann mit h\u00f6herem Alter bei der riskanteren Futtersuche au\u00dferhalb der Kolonie. Die hohe Lebenserwartung der K\u00f6niginnen ist mit einer geringen Sterblichkeit durch ihre gute Versorgung, ihrer sicheren Umgebung und der Aktivierung physiologischer Reparaturmechanismen zu erkl\u00e4ren. <\/p>\n<p>Diese Gr\u00fcnde k\u00f6nnten auch f\u00fcr die ausgesprochen hohen \u00dcberlebensraten von <em>Temnothorax-nylanderi<\/em>-Arbeiterinnen, die mit einem Bandwurm befallen sind, eine Rolle spielen. Die Ameise kommt in Mitteleuropa h\u00e4ufig vor und bildet hier kleine Kolonien auf dem Waldboden, in Eicheln oder dem Totholz von B\u00e4umen. Die Tiere sind mit einer K\u00f6rperl\u00e4nge von zwei bis drei Millimetern relativ klein. Dem Bandwurm Anomotaenia brevis dienen sie als Zwischenwirt, wobei eine einzelne Ameise von bis zu 70 parasit\u00e4ren Larven befallen werden kann. Die Parasiten \u00fcberdauern in der H\u00e4molymphe, der K\u00f6rperfl\u00fcssigkeit von Insekten. Sie vollenden ihren komplexen Lebenszyklus, sobald sie von einem Specht aufgenommen werden, der sich von den Ameisen ern\u00e4hrt. <\/p>\n<p>Das Forschungsteam um Prof. Dr. Susanne Foitzik hat sich mit den langfristigen Folgen der Parasitierung befasst und dazu Ameisenkolonien aus den W\u00e4ldern um Mainz gesammelt und im Labor beobachtet. \"Wir haben die \u00dcberlebensrate von Arbeiterinnen und K\u00f6niginnen sowohl in infizierten als auch in nicht infizierten Ameisenkolonien \u00fcber drei Jahre verfolgt, bis mehr als 95 Prozent der nicht infizierten Arbeiterinnen gestorben waren\", erkl\u00e4rt Foitzik. Zu diesem Zeitpunkt lebten von den parasitierten Arbeiterinnen noch deutlich mehr als die H\u00e4lfte \u2013 die \u00dcberlebensrate weist damit praktisch keinen Unterschied zu den langlebigen K\u00f6niginnen auf. \"Es ist au\u00dferordentlich spannend, dass ein Parasit eine so positive Ver\u00e4nderung in seinem Wirt ausl\u00f6sen kann. Die Verl\u00e4ngerung der Lebenspanne ist sehr ungew\u00f6hnlich\", sagt die Evolutionsbiologin von der JGU. <\/p>\n<h3>Infizierte Arbeiterinnen unterscheiden sich im Aussehen, im Verhalten und physiologischen Merkmalen<\/h3>\n<p>Zun\u00e4chst fallen die infizierten Ameisen durch eine hellere Farbe auf, weil ihre Kutikula weniger pigmentiert ist als bei den braungef\u00e4rbten Nestgenossinnen. Sie sind au\u00dferdem weniger aktiv und lassen sich im Nest von anderen Arbeiterinnen versorgen. \"Die infizierten Tiere erhalten mehr Aufmerksamkeit, werden besser gef\u00fcttert, geputzt und umsorgt. Sie erhalten sogar etwas mehr F\u00fcrsorge als die K\u00f6nigin des Nests\", erl\u00e4utert Prof. Dr. Susanne Foitzik. Die Untersuchungen ergaben weiter, dass parasitierte Ameisen \u00e4hnliche Stoffwechselraten und Fettanteile aufweisen wie junge Tiere. Es scheint so, als w\u00fcrden die Ameisen infolge der Infektion dauerhaft in einem Jugendstadium verharren. Dazu beitragen d\u00fcrfte, dass die Bandwurmlarven Proteine mit Antioxidantien in die H\u00e4molymphe der Ameisen abgeben und die Aktivit\u00e4t von Ameisengenen, die das Altern beeinflussen, ver\u00e4ndern. <\/p>\n<p>Auch wenn das R\u00e4tsel ihres langen Lebens noch nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt wurde, so scheint das Verhalten der infizierten Ameisen selbst nicht den Ausschlag zu geben: Das Forschungsteam, an dem auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Biologie des Alterns und der Universit\u00e4t Tel Aviv beteiligt sind, hat keine Hinweise gefunden, dass die Tiere aktiv betteln w\u00fcrden, um besser versorgt zu werden. Allerdings f\u00f6rderten chemische Signalstoffe auf der Kutikula parasitierter Ameisen die Zuwendung ihrer Nestgenossen. \"Die infizierten Tiere leben im Schlaraffenland, aber die gute Versorgung alleine kann die hohe Lebenserwartung nicht erkl\u00e4ren\", so Foitzik. Welche Faktoren insbesondere auf molekularer und epigenetischer Ebene eine Rolle f\u00fcr das Methusalem-Alter der parasitierten Arbeiterinnen spielen, soll in weiteren Forschungsarbeiten untersucht werden.    <\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20221207215943\/https:\/\/www.uni-mainz.de\/presse\/aktuell\/13673_DEU_HTML.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1<\/a>, <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20221129121226\/https:\/\/www.uni-mainz.de\/presse\/73635.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine echt krasse Geschichte, der Forscher der Uni Mainz auf die Spur gekommen sind. Arbeiterinnen der Ameisenart Temnothorax nylanderi leben l\u00e4nger, wenn sie mit einem Parasiten (Bandwurm) infiziert sind, als die nicht infizierten Nestgenossinnen. 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