{"id":17970,"date":"2021-11-05T00:07:00","date_gmt":"2021-11-04T23:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=17970"},"modified":"2021-11-04T13:22:52","modified_gmt":"2021-11-04T12:22:52","slug":"nachweis-von-fluor-in-bisher-entferntester-sternbildender-galaxie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/11\/05\/nachweis-von-fluor-in-bisher-entferntester-sternbildender-galaxie\/","title":{"rendered":"Nachweis von Fluor in bisher entferntester sternbildender Galaxie"},"content":{"rendered":"<p>Eine neue Entdeckung gibt Aufschluss dar\u00fcber, wie Fluor \u2013 ein Element, das in unseren Knochen und Z\u00e4hnen als Fluorid vorkommt \u2013 im Universum entsteht. Mit Hilfe des Atacama Large Millimeter\/Submillimeter Array (ALMA), an dem die Europ\u00e4ische S\u00fcdsternwarte (ESO) beteiligt ist, hat ein Team von Astronomen dieses Element in einer Galaxie entdeckt, die so weit entfernt ist, dass ihr Licht \u00fcber 12 Milliarden Jahre gebraucht hat, um uns zu erreichen. Dies ist das erste Mal, dass Fluor in einer so weit entfernten sternbildenden Galaxie entdeckt wurde. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In einer Presseinformation informiert die ESO \u00fcber die neue Entdeckung. \u201e<em>Wir alle kennen Fluor, denn die Zahnpasta, die wir t\u00e4glich benutzen, enth\u00e4lt es in Form von Fluorid<\/em>\", sagt Maximilien Franco von der Universit\u00e4t Hertfordshire im Vereinigten K\u00f6nigreich, der die neue Studie leitete, die gerade in Nature Astronomy ver\u00f6ffentlicht wurde. Wie die meisten Elemente, die uns umgeben, entsteht Fluor im Inneren von Sternen. Bis jetzt war allerdings nicht genau bekannt, wie dieses Element erzeugt wird. \u201e<em>Wir wussten nicht einmal, welche Art von Sternen den Gro\u00dfteil des Fluors im Universum produziert!<\/em>\"  <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"K&uuml;nstlerische Darstellung der Galaxie NGP-190387 \" alt=\"K&uuml;nstlerische Darstellung der Galaxie NGP-190387 \" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/uIReqLH.png\"><br \/>K\u00fcnstlerische Darstellung der Galaxie NGP-190387, Quelle: ESA&nbsp; <\/p>\n<p>Franco und seine Mitwirkenden entdeckten Fluor (in Form von Fluorwasserstoff) in den gro\u00dfen Gaswolken der weit entfernten Galaxie NGP-190387, die wir so sehen, wie sie war, als das Universum nur 1,4 Milliarden Jahre alt war, etwa 10 % seines heutigen Alters. Da Sterne die Elemente, die sie in ihren Kernen bilden, am Ende ihres Lebens aussto\u00dfen, bedeutet diese Entdeckung, dass die Sterne, die Fluor erzeugt haben, fr\u00fch gelebt haben m\u00fcssen und schnell gestorben sind.  <\/p>\n<p>Das Team geht davon aus, dass <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolf-Rayet-Stern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolf-Rayet-Sterne<\/a>, sehr massereiche Sterne, die nur wenige Millionen Jahre alt sind \u2013 ein Wimpernschlag in der Geschichte des Universums \u2013, die wahrscheinlichsten Produktionsst\u00e4tten von Fluor sind. Sie werden ben\u00f6tigt, um die Mengen an Fluorwasserstoff zu erkl\u00e4ren, die das Team entdeckt hat, sagen sie. Wolf-Rayet-Sterne wurden schon fr\u00fcher als m\u00f6gliche Quellen f\u00fcr kosmisches Fluor vorgeschlagen, aber Astronomen wussten bis jetzt nicht, wie wichtig sie f\u00fcr die Produktion dieses Elements im fr\u00fchen Universum waren.  <\/p>\n<p>\u201e<em>Wir haben gezeigt, dass Wolf-Rayet-Sterne, die zu den massereichsten bekannten Sternen geh\u00f6ren und am Ende ihres Lebens heftig explodieren k\u00f6nnen, uns in gewisser Weise helfen, unsere Z\u00e4hne gesund zu erhalten<\/em>\", scherzt Franco.  <\/p>\n<p>Neben diesen Sternen sind in der Vergangenheit auch andere Szenarien f\u00fcr die Entstehung und den Aussto\u00df von Fluor vorgeschlagen worden. Ein Beispiel sind die Pulsationen riesiger, \u00e4lterer Sterne mit einer Masse, die nur wenige Male so gro\u00df ist wie die unserer Sonne, so genannte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/AGB-Stern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">asymptotische Riesensterne<\/a>. Das Team ist jedoch der Ansicht, dass diese Szenarien die Menge an Fluor in NGP-190387 nicht vollst\u00e4ndig erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, da einige von ihnen Milliarden von Jahren ben\u00f6tigen.  <\/p>\n<p>\u201e<em>Bei dieser Galaxie dauerte es nur einige Dutzend oder Hunderte Millionen Jahre, um Fluorwerte zu erreichen, die mit denen von Sternen in der Milchstra\u00dfe vergleichbar sind und 13,5 Milliarden Jahre alt sind. Das war ein v\u00f6llig unerwartetes Ergebnis<\/em>\", sagt Chiaki Kobayashi, Professor an der Universit\u00e4t von Hertfordshire. \u201e<em>Unsere Messung liefert einen v\u00f6llig neuen Hinweis auf die Herkunft von Fluor, das seit zwei Jahrzehnten untersucht wird.<\/em>\"  <\/p>\n<p>Der Fund in NGP-190387 ist eine der ersten Entdeckungen von Fluor au\u00dferhalb der Milchstra\u00dfe und ihrer Nachbargalaxien. Astronominnen und Astronomen haben dieses Element bereits in weit entfernten Quasaren entdeckt, hellen Objekten, die von supermassereichen schwarzen L\u00f6chern im Zentrum einiger Galaxien angetrieben werden. Aber noch nie zuvor wurde dieses Element in einer sternbildenden Galaxie so fr\u00fch in der Geschichte des Universums beobachtet.  <\/p>\n<p>Der Nachweis von Fluor war eine Zufallsentdeckung des Teams, die dank des Einsatzes von Observatorien im Weltraum und am Erdboden m\u00f6glich wurde. NGP-190387, die urspr\u00fcnglich mit dem Herschel-Weltraumobservatorium der Europ\u00e4ischen Weltraumorganisation entdeckt und sp\u00e4ter mit dem chilenischen <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/teles-instr\/alma\/\">ALMA<\/a> beobachtet wurde, ist f\u00fcr ihre Entfernung au\u00dferordentlich hell. Die ALMA-Daten best\u00e4tigten, dass die au\u00dfergew\u00f6hnliche Helligkeit von NGP-190387 zum Teil durch eine andere bekannte massereiche Galaxie verursacht wird, die sich zwischen NGP-190387 und der Erde befindet und sehr nahe an der Sichtlinie liegt. Diese massereiche Galaxie verst\u00e4rkte das von Franco und seinen Mitarbeitern beobachtete Licht und erm\u00f6glichte es ihnen, die schwache Strahlung zu erkennen, die vor Milliarden von Jahren vom Fluor in NGP-190387 ausgesandt wurde.  <\/p>\n<p>K\u00fcnftige Untersuchungen von NGP-190387 mit dem Extremely Large Telescope (<a href=\"https:\/\/elt.eso.org\/\">ELT<\/a>), dem neuen Spitzenprojekt der ESO, das derzeit in Chile gebaut wird und noch in diesem Jahrzehnt in Betrieb gehen soll, k\u00f6nnten weitere Geheimnisse dieser Galaxie l\u00fcften. \u201e<em>ALMA ist empfindlich f\u00fcr Strahlung, die von kaltem interstellarem Gas und Staub ausgeht<\/em>\", sagt Chentao Yang, ein ESO-Fellow in Chile. \u201e<em>Mit dem ELT werden wir in der Lage sein, NGP-190387 durch das unmittelbar von den Sternen ausgehende Licht zu beobachten und so entscheidende Informationen \u00fcber den Sterngehalt dieser Galaxie zu gewinnen.<\/em>\"  <\/p>\n<p>Eine neue Entdeckung gibt Aufschluss dar\u00fcber, wie Fluor \u2013 ein Element, das in unseren Knochen und Z\u00e4hnen als Fluorid vorkommt \u2013 im Universum entsteht. Mit Hilfe des Atacama Large Millimeter\/Submillimeter Array (ALMA), an dem die Europ\u00e4ische S\u00fcdsternwarte (ESO) beteiligt ist, hat ein Team von Astronomen dieses Element in einer Galaxie entdeckt, die so weit entfernt ist, dass ihr Licht \u00fcber 12 Milliarden Jahre gebraucht hat, um uns zu erreichen. Dies ist das erste Mal, dass Fluor in einer so weit entfernten sternbildenden Galaxie entdeckt wurde.<\/p>\n<p>Diese Untersuchungen wurden in der Ver\u00f6ffentlichung \u201eThe ramp-up of interstellar medium enrichment at z &gt; 4\" vorgestellt, die in Nature Astronomy erscheint. <\/p>\n<p>Das Team besteht aus M. Franco (Centre for Astrophysics Research, University of Hertfordshire, UK [CAR]), K. E. K. Coppin (CAR), J. E. Geach (CAR), C. Kobayashi (CAR), S. C. Chapman (Department of Physics and Atmospheric Science, Dalhousie University, Canada and National Research Council, Herzberg Astronomy and Astrophysics, Canada), C. Yang (Europ\u00e4ische S\u00fcdsternwarte, Chile), E. Gonz\u00e1lez-Alfonso (Universidad de Alcal\u00e1, Departamento de F\u00edsica y Matematicas, Spanien), J. S. Spilker ( Department of Astronomy, University of Texas at Austin, USA), A. Cooray (Department of Physics and Astronomy, University of California, Irvine, USA), M. J. Micha\u0142owski (Astronomical Observatory Institute, Faculty of Physics, Polen).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Entdeckung gibt Aufschluss dar\u00fcber, wie Fluor \u2013 ein Element, das in unseren Knochen und Z\u00e4hnen als Fluorid vorkommt \u2013 im Universum entsteht. 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