{"id":18019,"date":"2021-11-12T00:23:00","date_gmt":"2021-11-11T23:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=18019"},"modified":"2021-11-11T19:29:39","modified_gmt":"2021-11-11T18:29:39","slug":"verstecktes-schwarzes-loch-in-einem-sternhaufen-auerhalb-unserer-galaxie-gefunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/11\/12\/verstecktes-schwarzes-loch-in-einem-sternhaufen-auerhalb-unserer-galaxie-gefunden\/","title":{"rendered":"Verstecktes schwarzes Loch in einem Sternhaufen au&szlig;erhalb unserer Galaxie gefunden"},"content":{"rendered":"<p>Mit Hilfe des Very Large Telescope (VLT) der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO) haben Astronominnen und Astronomen ein kleines schwarzes Loch au\u00dferhalb der Milchstra\u00dfe entdeckt. Dies gelang durch die Ermittlung seines Einflusses auf die Bewegung eines Sterns in seiner unmittelbaren N\u00e4he. Zum ersten Mal wurde diese Nachweismethode eingesetzt, um ein schwarzes Loch au\u00dferhalb unserer Galaxie zu entdecken. Die Methode k\u00f6nnte der Schl\u00fcssel zur Entdeckung verborgener schwarzer L\u00f6cher in der Milchstra\u00dfe und in nahe gelegenen Galaxien sein. Sie k\u00f6nnte bei der Aufkl\u00e4rung des Ursprungs und der Entwicklung dieser mysteri\u00f6sen Objekte helfen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das neu entdeckte schwarze Loch wurde in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/NGC_1850\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NGC 1850<\/a> gesichtet, einem Haufen von Tausenden von Sternen in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gro%C3%9Fe_Magellansche_Wolke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gro\u00dfen Magellanschen Wolke<\/a>, einer Nachbargalaxie der Milchstra\u00dfe, in einer Entfernung von etwa 160 000 Lichtjahren. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Schwarzes Loch in Sternhaufen\" alt=\"Schwarzes Loch in Sternhaufen\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/zMHv095.png\"><br \/>K\u00fcnstlerische Darstellung des Schwarzen Lochs in NGC 1850, das seinen Begleitstern verformt, Quelle: ESO <\/p>\n<p>\u201e<em>\u00c4hnlich wie Sherlock Holmes, der eine kriminelle Organisation anhand ihrer Taten aufsp\u00fcrt, betrachten wir jeden einzelnen Stern in diesem Haufen mit einer Lupe in der Hand und versuchen, Beweise f\u00fcr die Existenz von schwarzen L\u00f6chern zu finden, ohne sie jedoch direkt zu sehen<\/em>\", sagt Sara Saracino vom Astrophysics Research Institute der Liverpool John Moores University in Gro\u00dfbritannien. Sie leitete die Forschung, die jetzt zur Ver\u00f6ffentlichung in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society angenommen wurde. \u201e<em>Das hier gezeigte Ergebnis offenbart nur einen der gesuchten Delinquenten, aber wenn man einen gefunden hat, ist man auf dem besten Weg, viele andere in verschiedenen Haufen zu entdecken.<\/em>\" <\/p>\n<p>Dieser erste \u201eKriminelle\", den das Team aufsp\u00fcrte, erwies sich als etwa 11-mal so massereich wie unsere Sonne. Der entscheidende Hinweis, der die Astronominnen und Astronomen auf die Spur dieses schwarzen Lochs brachte, war sein gravitativer Einfluss auf den es umkreisenden Stern mit einer Masse von f\u00fcnf Sonnenmassen. <\/p>\n<p>Astronominnen und Astronomen haben solche kleinen, \u201estellaren\" schwarzen L\u00f6cher bereits in anderen Galaxien entdeckt, indem sie das R\u00f6ntgenlicht sammelten, das sie beim Verschlucken von Materie aussenden, oder die Gravitationswellen, die bei der Kollision von schwarzen L\u00f6chern untereinander oder mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neutronenstern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neutronensternen<\/a> entstehen. <\/p>\n<p>Die meisten schwarzen L\u00f6cher mit Sternmasse verraten ihre Anwesenheit jedoch nicht durch R\u00f6ntgenstrahlen oder Gravitationswellen. \u201e<em>Die gro\u00dfe Mehrheit kann nur aufgrund von Bewegungen enttarnt werden<\/em>\", sagt Stefan Dreizler, ein Mitglied des Teams an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen in Deutschland. \u201e<em>Wenn sie ein System mit einem Stern bilden, beeinflussen sie dessen Lauf auf subtile, aber nachweisbare Art, so dass wir sie mit hochentwickelten Instrumenten finden k\u00f6nnen.<\/em>\" <\/p>\n<p>Diese dynamische Methode, die Saracino und ihr Team anwenden, k\u00f6nnte es Astronominnen und Astronomen erm\u00f6glichen, viele weitere schwarze L\u00f6cher zu finden und dazu beitragen, ihre Geheimnisse zu entschl\u00fcsseln. \u201e<em>Jede einzelne Entdeckung, die wir machen, wird f\u00fcr unser zuk\u00fcnftiges Verst\u00e4ndnis von Sternhaufen und den schwarzen L\u00f6chern in ihnen wichtig sein<\/em>\", sagt Koautor der Studie Mark Gieles von der Universit\u00e4t Barcelona, Spanien. <\/p>\n<p>Die Entdeckung in NGC 1850 ist das erste Mal, dass ein schwarzes Loch in einem jungen Sternhaufen gefunden wurde (der Haufen ist nur etwa 100 Millionen Jahre alt, ein Wimpernschlag in astronomischen Ma\u00dfst\u00e4ben). Die Anwendung ihrer dynamischen Methode in \u00e4hnlichen Sternhaufen k\u00f6nnte noch mehr junge schwarze L\u00f6cher aufdecken und ein neues Licht auf deren Entwicklung werfen. Durch den Vergleich mit gr\u00f6\u00dferen, entwickelteren schwarzen L\u00f6chern in \u00e4lteren Sternhaufen k\u00f6nnten die Forschenden verstehen, wie diese Objekte wachsen, indem sie Sterne verschlingen oder mit anderen schwarzen L\u00f6chern verschmelzen. Dar\u00fcber hinaus verbessert die Kartierung der Demografie schwarzer L\u00f6cher in Sternhaufen unser Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Ursprung von Gravitationswellenquellen. <\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Suche nutzte das Team Daten, die \u00fcber zwei Jahre hinweg mit dem Multi Unit Spectroscopic Explorer (<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/teles-instr\/paranal-observatory\/vlt\/vlt-instr\/muse\/\">MUSE<\/a>) am <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/teles-instr\/paranal-observatory\/vlt\/\">VLT<\/a> der ESO in der chilenischen Atacama-W\u00fcste gesammelt wurden. \u201e<em>MUSE erm\u00f6glichte uns die Beobachtung sehr dicht besiedelter Gebiete, wie die innersten Regionen von Sternhaufen, und analysierte das Licht jedes einzelnen Sterns in der N\u00e4he. Das Ergebnis sind Informationen \u00fcber Tausende von Sternen auf einen Schlag, mindestens zehnmal mehr als mit jedem anderen Instrument<\/em>\", sagt Mitautor Sebastian Kamann, ein langj\u00e4hriger MUSE-Experte am Astrophysics Research Institute in Liverpool. Auf diese Weise konnte das Team den seltsamen Stern ausmachen, dessen eigenartige Bewegung die Anwesenheit des schwarzen Lochs anzeigte. Anhand von Daten des Optical Gravitational Lensing Experiment der Universit\u00e4t Warschau und des Hubble-Weltraumteleskops der NASA\/ESA konnten sie die Masse des schwarzen Lochs messen und ihre Ergebnisse best\u00e4tigen. <\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/elt.eso.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Extremely Large Telescope<\/a> der ESO in Chile, das noch in diesem Jahrzehnt in Betrieb genommen werden soll, wird es den Astronominnen und Astronomen erm\u00f6glichen, noch mehr versteckte schwarze L\u00f6cher zu finden. \u201e<em>Das ELT wird dieses Feld definitiv revolutionieren<\/em>\", sagt Saracino. \u201e<em>Es wird uns erm\u00f6glichen, im gleichen Blickfeld wesentlich schw\u00e4chere Sterne zu beobachten und nach schwarzen L\u00f6chern in Kugelsternhaufen zu suchen, die sich in viel gr\u00f6\u00dferer Entfernung befinden.<\/em>\" <\/p>\n<p>Diese Forschungsarbeit wurde in <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/archives\/releases\/sciencepapers\/eso2116\/eso2116a.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">einem Artikel<\/a> vorgestellt, der in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society erscheinen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Hilfe des Very Large Telescope (VLT) der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO) haben Astronominnen und Astronomen ein kleines schwarzes Loch au\u00dferhalb der Milchstra\u00dfe entdeckt. 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