{"id":1877,"date":"2016-11-12T01:45:00","date_gmt":"2016-11-12T00:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=1877"},"modified":"2020-12-24T19:22:53","modified_gmt":"2020-12-24T18:22:53","slug":"nierenschutz-fr-diabetiker-neue-medikamentse-anstze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2016\/11\/12\/nierenschutz-fr-diabetiker-neue-medikamentse-anstze\/","title":{"rendered":"Nierenschutz f&uuml;r Diabetiker: Neue medikament&ouml;se Ans&auml;tze"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Gesundheit\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline\" border=\"0\" alt=\"Gesundheit\" src=\"https:\/\/www.borncity.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Gesundheit-2.jpg\" width=\"60\" align=\"left\" height=\"56\">In Deutschland gibt es 6,7 Mio. Menschen mit Diabetes. Bei 90% der Betroffenen handelt es sich um einen lebensstilbedingten, erworbenen Diabetes (\u201eTyp-2-Diabetes\"). 30 % bis 40 % der Diabetiker weisen Nierensch\u00e4den auf. Es gibt jedes Jahr (laut Deutsche Diabetes-Hilfe) mehr als 2.000 Patienten, die durch Diabetes neu dialysepflichtig werden. Es stellt sich die Frage, wie die Nierengesundheit von Diabetikern besser gesch\u00fctzt werden kann?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p> Die Diabetische Nephropathie ist eine Nierensch\u00e4digung, die in Folge des Diabetes mellitus auftritt. Sie entsteht schleichend, macht zun\u00e4chst keine Beschwerden und bleibt daher oft \u00fcber eine lange Zeit unbemerkt. Laut Sch\u00e4tzungen der Deutschen Diabetes Hilfe sind 30%-40% aller Diabetiker von einer solchen Nierenfunktionseinschr\u00e4nkung betroffen \u2013 und aus europ\u00e4ischen Registerdaten (\u201eERA-EDTA Registry\" [2]) ist bekannt, dass allein bei einem Viertel aller Dialysepatienten der Diabetes mellitus alleinige Ursache f\u00fcr die terminale Nierenerkrankung ist.<\/p>\n<h3>Diabetes und Niere: Hochrisikopatienten sollten zum Nephrologen gehen<\/h3>\n<p>Ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft erh\u00f6ht, nehmen die Blutgef\u00e4\u00dfe Schaden. Es kommt zu Ablagerungen und Wandver\u00e4nderungen in den Gef\u00e4\u00dfen. Betrifft das die kleinen Blutgef\u00e4\u00dfe, spricht man von Mikroangiopathie. Die Nieren bestehen aus einer Vielzahl solcher kleinen Blutgef\u00e4\u00dfe, die das Blut filtern \u2013 nehmen sie Schaden, nimmt in Folge die Nierenfunktion ab. <\/p>\n<p>Eine regelm\u00e4\u00dfige Kontrolle der Nierenfunktion ist daher gerade bei Diabetikern wichtig und auch Bestandteil des \u201eDisease Management Programms Diabetes\". Dennoch werden gem\u00e4\u00df Information der Deutschen Diabetes-Hilfe immer noch 2.000 Diabetiker pro Jahr in Deutschland dialysepflichtig.<\/p>\n<p>\u201eDiese Zahl k\u00f6nnte durch die \u00dcberweisung von den Hochrisikopatienten f\u00fcr Nierenerkran-kungen unter den Diabetikern zum Nephrologen reduziert werden\", so die Einsch\u00e4tzung von Prof. Dr. Jan Galle, L\u00fcdenscheid; Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Nephrologie (DGfN). \u201eDas sind jene Patienten, die bereits eine Albuminurie von \u00fcber 20 mg und\/oder eine rasche Progredienz des Nierenfunktionsverlusts aufweisen.<br \/>Die verschiedenen Risikokonstellationen, die eine \u00dcberweisung zum Facharzt rechtfertigen, wurden kompakt im \u201ePraxisratgeber Nephrologie\" zusammengefasst.\" [3]<\/p>\n<h3>Neue medikament\u00f6se Ans\u00e4tze gegen Nierenfunktionsverlust <\/h3>\n<p>Das medikament\u00f6se Arsenal, um die diabetische Nephropathie aufzuhalten, war bislang \u00fcberschaubar. Die Blockade des RAAS-Systems war \u00fcber eine lange Zeit die einzige medikament\u00f6se Therapie, die den Krankheitsprogress effektiv verlangsamen konnte. Aufgrund ihrer nephroprotektiven Wirkung wurden sie auch Patienten verschrieben, deren Blutdruck nicht erh\u00f6ht war. Nun zeichnet sich eine weitere M\u00f6glichkeit der Risikoreduktion und Progressionsverlangsamung ab: <\/p>\n<p>Die EMPAREG-Studie hatte bereits im vergangenen Jahr gezeigt [4], dass die zus\u00e4tzliche Gabe von Empagliflozin zur Standardtherapie das kardiovaskul\u00e4re Risiko von Typ-2-Diabetikern g\u00fcnstig beeinflussen kann. Beobachtet wurde eine 32%ige relative Risikoreduktion f\u00fcr die Gesamtmortalit\u00e4t und eine 38%ige relative Risikoreduktion f\u00fcr die kardiovaskul\u00e4re Mortalit\u00e4t. Im Juni wurde auch die Auswertung der renalen Studiendaten publiziert [5]. \u00dcber 6.000 Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und einer GFR von \u2264 30 ml\/min\/1,73 m2 waren randomisiert und im Hinblick auf renale Langzeiteffekte \u00fcber 48 Monate untersucht worden.  <\/p>\n<p>Analysiert wurden die Progression der Nephropathie (Auftreten von Albuminurie, Verdopplung des Serumkreatinins, Notwendigkeit, eine RRT zu beginnen, oder renale Mortalit\u00e4t). Im Ergebnis zeigte sich eine signifikant geringere Progression der Nephropathie (p &lt; 0,001) in der Empagliflozin-Gruppe. Dort trat bei 525 von 4.124 Patienten (12.7%) eine Verschlechterung der Nierenwerte auf, in der Placebogruppe bei 388 von 2.061 (18.8%). \u00c4hnlich wie bei RAAS-Blockern stellte sich zwar nach Therapiebeginn zun\u00e4chst ein st\u00e4rkerer Abfall der GFR (hervorgerufen durch vasomodulatorische Mechanismen) ein, im Verlauf war dann die Abnahme der GFR aber deutlich langsamer als in der Placebogruppe. Im Hinblick auf die Inzidenz der Albuminurie wurde hingegen kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt. <\/p>\n<p>Zusammenfassend konnte die Substanz bei kardiovaskul\u00e4ren Risikopatienten mit diabetischer Nephropathie die CKD-Progression verlangsamen und zudem das Risiko klinisch relevanter renaler Ereignisse (z.B. AKI, Hyperkali\u00e4mie) signifikant verringern. Am 1. September hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) diesen Zusatznutzen von Empagliflozin best\u00e4tigt [6]. <\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist eine zweite Substanz vielversprechend hinsichtlich der kardiovaskul\u00e4ren Risikoreduzierung und ggf. auch renalen Protektion, zu der Ende Juli eine gro\u00dfe randomisierte Studie [7] publiziert wurde. Liraglutide ist ein Antidiabetikum aus der Gruppe der Inkretin-Mimetika, das zus\u00e4tzlich zur Standardtherapie verabreicht wird. <\/p>\n<p>In der doppelblinden Studie wurden 9.340 Diabetiker mit hohem kardiovaskul\u00e4ren Risiko randomisiert, die dann entweder Liraglutide oder Placebo erhielten (Medianes Follow-up: 3,8 Jahre). Der prim\u00e4re Endpunkt war eine Zeit-bis-zum-Ereignis-Erfassung, es wurde verglichen, nach welcher Zeitspanne ein Ereignis (kardiovaskul\u00e4rer Tod, nicht-fataler Myokardinfarkt oder Apoplex) eintrat. In der Verumgruppe traten signifikant weniger kardiovaskul\u00e4re Todesf\u00e4lle auf als in der Placebogruppe (608\/4.668 versus 694\/4.4672; p&lt;0,001). Auch die Gesamtmortalit\u00e4t war in der Liraglutide-Gruppe geringer (p=0,02).  <\/p>\n<p>Die Raten der nicht-fatalen Myokardinfarkte und Apoplexe sowie der Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz waren in der Verumgruppe geringer, aber erreichten kein Signifikanzniveau. Die Pankreatitisinzidenz war bei den mit Liraglutide behandelten Patienten ebenfalls geringer, wenn auch nicht signifikant. Die h\u00e4ufigste Nebenwirkung, die zum Therapieabbruch f\u00fchrte, waren gastrointestinale Beschwerden. Insgesamt konnte Liraglutide also das kardiovaskul\u00e4re Risiko senken. Was f\u00fcr die Nephrologie aber von besonderer Bedeutung ist: Pr\u00e4spezifiziert wurde auch das mikrovaskul\u00e4re Outcome erhoben, und zwar als zusammengesetzter Endpunkt aus Nephropathie und Renopathie. Wie sich zeigte, verbesserten sich die renalen Parameter unter Therapie (wie das Entstehen einer Makroalbuminurie). <\/p>\n<p>\u201eM\u00f6glicherweise hat sich damit das medikament\u00f6se Behandlungsspektrum, um die Progression der chronischen Nierenerkrankung zu verlangsamen und gleichzeitig das hohe kardiovaskul\u00e4re Risiko der Patienten zu senken, gleich um zwei neue Substanzen erweitert\", so Prof. Galle. <\/p>\n<h3>Auch nicht-medikament\u00f6se Strategien sind wirksam!<\/h3>\n<p>Wie der Nierenexperte aber auch erkl\u00e4rt, sind vor allem auch nicht-medikament\u00f6se Strategien wirksam, um die Dialysepflichtigkeit m\u00f6glichst lange hinauszuschieben. \u201e\u00dcber die m\u00fcssen diabetische Patienten detailliert informiert werden\", so Galle. Nierenschutz sei Gef\u00e4\u00dfschutz und zum Gef\u00e4\u00dfschutz geh\u00f6rten zum einen die Blutdrucknormalisierung sowie bei Diabetes mellitus eine Blutzuckersenkung auf Zielwerte, au\u00dferdem sollten Nierengifte wie Schmerzmittel nach M\u00f6glichkeit ganz vermieden werden. Dar\u00fcber hinaus sollte auf eine ausreichende Fl\u00fcssigkeitszufuhr, d. h. Trinkmenge, geachtet werden. \u201eUnd nat\u00fcrlich spielt die Nikotinabstinenz eine wichtige Rolle. Hier m\u00fcssen wir noch mehr Aufkl\u00e4rung betreiben, denn viele meiner Dialysepatienten sagen, dass sie von diesem Zusammenhang bisher nicht wussten!\"<\/p>\n<p>Literatur<br \/>[1] <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20170430103821\/https:\/\/www.diabetes-stoppen.de\/fakten\/zahlen-und-fakten-zu-diabetes\">http:\/\/www.diabetes-stoppen.de\/fakten\/zahlen-und-fakten-zu-diabetes<\/a><br \/>[2] https:\/\/www.era-edta-reg.org\/files\/annualreports\/pdf\/AR2013%20Summary%20paper.pd\u2026 (dort auf S. 6)<br \/>[3]<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20160325200019\/http:\/\/www.dgfn.eu\/fileadmin\/download\/Aktuelles\/news\/DGfN_Ratgeber_2015.pdf\">http:\/\/www.dgfn.eu\/fileadmin\/download\/Aktuelles\/news\/DGfN_Ratgeber_2015.pdf<\/a><br \/>[4] Zinman B, Wanner C, Lachin JM et al. Empagliflozin, Cardiovascular Outcomes, and Mortality in Type 2 Diabetes. N Engl J Med. 2015; 373(22): 2117-28<br \/>[5] Wanner C, Inzucchi SE, Lachin JM et al Empagliflozin and Progression of Kidney Disease in Type 2 Diabetes. N Engl J Med 2016 [Epub ahead of print]<br \/>[6] <a href=\"https:\/\/www.g-ba.de\/downloads\/39-261-2694\/2016-09-01_AM-RL-XII_Empagliflozin_D-214.pdf\">https:\/\/www.g-ba.de\/downloads\/39-261-2694\/2016-09-01_AM-RL-XII_Empagliflozin_D-2\u2026<\/a><br \/>[7] Marso SP, Daniels GH, Brown-Frandsen K et al. Liraglutide and Cardiovascular Outcomes in Type 2 Diabetes. N Engl J Med 2016; 375(4): 311-322<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland gibt es 6,7 Mio. Menschen mit Diabetes. Bei 90% der Betroffenen handelt es sich um einen lebensstilbedingten, erworbenen Diabetes (\u201eTyp-2-Diabetes\"). 30 % bis 40 % der Diabetiker weisen Nierensch\u00e4den auf. 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