{"id":18859,"date":"2022-03-05T00:01:00","date_gmt":"2022-03-04T23:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=18859"},"modified":"2022-03-04T14:34:39","modified_gmt":"2022-03-04T13:34:39","slug":"schimpansen-behandeln-offene-wunden-mit-insekten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2022\/03\/05\/schimpansen-behandeln-offene-wunden-mit-insekten\/","title":{"rendered":"Schimpansen behandeln offene Wunden mit Insekten"},"content":{"rendered":"<p>Es war eine Meldung aus der Forschung, die mir bereits im Februar unter die Augen gekommen ist. Primatenforscher haben bei Schimpansen beobachtet, dass diese zerriebene bzw. zerkaute Insekten auf offene Wunden von Artgenossen auftragen. Das zeigt, dass die Tiere m\u00f6glicherweise ein \"prosoziales\", menschen\u00e4hnliches Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen besitzen. Es wirft aber auch die Frage auf, ob die Schimpansen sich mit Heilmitteln auskennen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im Loango Nationalpark in Gabun ist das Ozouga-Schimpansenprojekt (unter der Leitung des Primatologen Dr. Tobias Deschner und der Kognitionsbiologin Prof. Dr. Simone Pika von der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck) angesiedelt. Das Forschungsteam untersucht das Verhalten einer Gemeinschaft von rund 45 Schimpansen mit besonderem Augenmerk auf ihren sozialen Beziehungen, Interaktionen und Streitigkeiten mit anderen Gruppen, ihrem Jagdverhalten, ihrem Werkzeuggebrauch sowie ihren kognitiven und kommunikativen F\u00e4higkeiten. Dabei wurden Schimpansen in freier Wildbahn erstmalig dabei beobachtet, wie sie fliegende Insekten fangen und in ihre eigenen und die Wunden von anderen Gruppenmitgliedern auftragen. M\u00f6glicherweise beinhalten die Insekten entz\u00fcndungshemmende oder antiseptische Substanzen. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/arstechnica\/status\/1496976631369449478\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" title=\"Schimpansen\" alt=\"Schimpansen\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/Pe9QxZ1.png\"><\/a><\/p>\n<p>\u00dcber einen Zeitraum von 15 Monaten dokumentierten das Ozouga-Team dabei 76 Ereignisse mit offenen Wunden, von denen 22 Wunden mit Insekten \u201ebehandelt\" wurden.&nbsp; Alessandra Mascaro, Mitarbeiterin bei der Ozouga-Station, beschreibt das von ihr beobachtete Verhalten: \"Die Schimpansen fingen sich ein fliegendes Insekt aus der Luft oder von Bl\u00e4ttern, und zerdr\u00fcckten es mit ihren Lippen. Das flachgedr\u00fcckte Insekt platzierten sie mit den Fingern oder dem Mund auf der offenen Wunde und bewegten es dort mit den Fingerspitzen hin und her. Mit dem Mund oder den Fingern l\u00f6sten die Schimpansen das Insekt dann wieder aus der Wunde und wiederholten den Vorgang des zwischen die Lippen Pressens und auf die Wunde Applizierens mehrmals.\"<\/p>\n<p>Bislang war bekannt, dass viele Tiere, genau wie der Mensch, Pflanzenteile oder andere Substanzen nutzen, um sich gegen Krankheitserreger zu sch\u00fctzen. \"Unsere n\u00e4chsten lebenden Verwandten, die Schimpansen und Bonobos, verzehren zum Beispiel bestimmte Bl\u00e4tter, um sich gegen Darmparasiten zu wehren. Die Verwendung von Insekten \u2013 mit nachgewiesenen schmerzlindernden und entz\u00fcndungshemmenden Eigenschaften \u2013 war nur vom Menschen bekannt und ist noch nicht bei Schimpansen oder anderen Tieren beobachtet worden\", so die Verhaltensbiologin Prof. Dr. Simone Pika.&nbsp; <\/p>\n<p>Neben dem Gebrauch von Insekten f\u00fcr offene Wunden hatte das Forschungsteam aber vor allem erstaunt, dass die Schimpansen nicht nur ihre eigenen, sondern auch die Wunden von anderen Gruppenmitgliedern mithilfe der zerdr\u00fcckten Insekten behandelten. \u201eSolche prosozialen Verhaltensweisen, <abbr>d.h.<\/abbr> Verhaltensweisen zum Wohle anderer, sind bis jetzt nur sehr selten in nicht-menschlichen Tieren beobachtet worden\", erkl\u00e4rt Pika.&nbsp; <\/p>\n<p>F\u00fcr den Direktor der Ozouga-Station in Gabun, den Primatologen Dr. Tobias Deschner, ist das ein Grund, die Forschung k\u00fcnftig zu intensivieren: \"Es ist faszinierend, dass uns Schimpansen trotz jahrzehntelanger Forschung immer wieder mit neuen Verhaltensweisen und F\u00e4higkeiten \u00fcberraschen. Unsere Studie zeigt eindr\u00fccklich, dass es noch so vieles \u00fcber unsere n\u00e4chsten Verwandten zu entdecken gibt, und dass wir uns viel intensiver f\u00fcr ihren Schutz und den Schutz ihrer Lebensr\u00e4ume einsetzen m\u00fcssen.\"&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <\/p>\n<p>Die Beobachtungen hat ein Forscherteam aus Osnabr\u00fcck und Leipzig im gemeinsamen \u201eOzouga\"-Schimpansenprojekt im Loango Nationalpark in Gabun gemacht und nun in der Fachzeitschrift Current Biology ver\u00f6ffentlicht.&nbsp; <\/p>\n<p>Zur Publikation: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.cub.2021.12.045\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">doi.org\/10.1016\/j.cub.2021.12.045<\/a><br \/>Zur Projekthomepage: <a href=\"https:\/\/www.ozouga.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ozouga.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war eine Meldung aus der Forschung, die mir bereits im Februar unter die Augen gekommen ist. 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