{"id":18914,"date":"2022-03-15T00:01:00","date_gmt":"2022-03-14T23:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=18914"},"modified":"2022-03-14T17:03:41","modified_gmt":"2022-03-14T16:03:41","slug":"nova-um-stern-rs-ophiuchi-erstmals-im-gammastrahlenbereich-direkt-beobachtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2022\/03\/15\/nova-um-stern-rs-ophiuchi-erstmals-im-gammastrahlenbereich-direkt-beobachtet\/","title":{"rendered":"Nova um Stern RS Ophiuchi erstmals im Gammastrahlenbereich direkt beobachtet"},"content":{"rendered":"<p>Es war ein Novum in der Astronomie. Astronomen haben mit dem Gammastrahlen-Observatorium H.E.S.S. in Namibia erstmals direkt eine Sternexplosion (Nova) um das Doppelsternsystem RS Ophiuchi im Gammastrahlenbereich beobachtet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Laut Wikipedia ist <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/RS_Ophiuchi\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">RS Ophiuchi<\/a> (kurz RS Oph) ist eine rekurrierende (wiederkehrende) Nova im Sternbild Schlangentr\u00e4ger. In den normalen Phasen hat sie eine scheinbare Helligkeit von 12,5 mag. In den Jahren 1898, 1933, 1958, 1967, 1985, 2006 und August 2021 erfolgten Helligkeitausbr\u00fcche bis auf 4,5 mag. RS Ophiuchi geh\u00f6rt zu den symbiotischen Sternen, das hei\u00dft, es handelt sich um ein Doppelsternsystem aus einem Wei\u00dfen Zwerg und einem Roten Riesen. <\/p>\n<p>Wei\u00dfe Zwerge sind ausgebrannte, alte Sterne, die in sich zusammengefallen sind und sehr kompakte Objekte bilden. Sind sie Teil eines Doppelsternsystems, k\u00f6nnen sogenannte Novae entstehen &#8211; n\u00e4mlich dann, wenn ein Wei\u00dfer Zwerg mit einem gro\u00dfen Stern in einem System kreist und aufgrund seiner Gravitation Materie von seinem massereichen Begleiter aufsammelt. \u00dcberschreitet die aufgesammelte Masse eine kritische Grenze, kommt es zu einer thermonuklearen Explosion auf der Oberfl\u00e4che des Wei\u00dfen Zwergs. <\/p>\n<p>Genau das passiert bei RS Ophiuchi. Dessen Zwergstern saugt dabei Materie vom Roten Riesen ab. Nach etwa 20 Jahren hat sich genug Gas angesammelt, um unter der starken Gravitation des Wei\u00dfen Zwergs eine thermonukleare Explosion zu entz\u00fcnden.<\/p>\n<p>Manche Novae treten in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden immer wieder auf. wie eingangs beschrieben, ist RS Ophiuchi eine solche wiederkehrende Nova; alle 15 bis 20 Jahre gibt es eine Explosion auf der Sternoberfl\u00e4che. \"Die Sterne, die das System bilden, haben in etwa den gleichen Abstand wie Erde und Sonne\", <a href=\"https:\/\/www.astronews.com\/news\/artikel\/2022\/03\/2203-010.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erkl\u00e4rt<\/a> Alison Mitchell, Wissenschaftlerin an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg und Leiterin des H.E.S.S.-Nova-Programms. \"Als die Nova im August 2021 wieder explodierte, konnten wir mit den H.E.S.S.-Teleskopen zum ersten Mal eine galaktische Explosion in sehr hochenergetischer Gammastrahlung beobachten.\" <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"RS-Ophiuchi-Nova-Explosion\" alt=\"RS-Ophiuchi-Nova-Explosion\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/mkhjIMe.png\"><br \/>K\u00fcnstlerische Darstellung der RS-Ophiuchi-Nova-Explosion: Die schnellen Sto\u00dfwellenfronten bilden die Form eines Uhrenglases aus, in der die Gammastrahlung produziert wird. Sie wird dann von den H.E.S.S.-Teleskopen (im Vordergrund) aufgezeichnet. <b>Bild:<\/b> DESY \/ H.E.S.S., Science Communication Lab <\/p>\n<p>Dabei registrierte die Forschungsgruppe, dass die Teilchen auf mehrere hundertmal h\u00f6here Energien beschleunigt wurden als bei zuvor beobachteten Novae. Au\u00dferdem wurde die von der Explosion freigesetzte Energie h\u00f6chst effizient in die Beschleunigung von Protonen (Wasserstoffatomkerne) und schwererer Kerne umgewandelt. Dabei erreichte die Teilchenbeschleunigung die Maximalgeschwindigkeiten, wie sie in theoretischen Modellen berechnet werden. \"Die Beobachtung, dass in kosmischen Sto\u00dfwellen in der Realit\u00e4t das theoretische Limit der Teilchenbeschleunigung erreicht werden kann, hat enorme Auswirkungen f\u00fcr die Astrophysik\", sagt Ruslan Konno, Doktorand bei DESY in Zeuthen. \"Sie legt nahe, dass der Beschleunigungsprozess genauso effizient bei noch viel extremeren kosmischen Explosionen \u2013 den sogenannten Supernovae \u2013 sein k\u00f6nnte.\" <\/p>\n<p>Bei der Eruption von RS Ophiuchi konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Nova in Echtzeit mitverfolgen und so zum ersten Mal die kosmische Teilchenbeschleunigung wie einen Film beobachten und studieren. H.E.S.S. konnte h\u00f6chstenergetische Gammastrahlen noch bis zu einen Monat nach der Explosion messen. \"Diese Art der Beobachtung ist neu und erlaubt in Zukunft noch genauere Einblicke in die Funktionsweise kosmischer Explosionen\", sagt Dmitry Khangulyan, Theoretiker an der Rikkyo Universit\u00e4t im japanischen Tokyo. \"So k\u00f6nnte es zum Beispiel sein, dass Novae zur allgegenw\u00e4rtigen kosmischen Strahlung beitragen und damit die Dynamik ihrer unmittelbaren Umgebung wesentlich beeinflussen.\" Bei der sogenannten kosmischen Strahlung handelt es sich um einen Hagel energiereicher subatomarer Teilchen, der aus allen Richtungen des Weltalls gleichm\u00e4\u00dfig kommt, und dessen genaue Urspr\u00fcnge noch nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt ist. <\/p>\n<p>Das Observatorium H.E.S.S. (High Energy Stereoscopic System) in Namibia besteht aus f\u00fcnf sogenannten Tscherenkow-Teleskopen, die zur Untersuchung von Gammastrahlung aus dem Weltraum eingesetzt werden. Im gr\u00f6\u00dften Teleskop wurde eine neue, hochsensible Kamera installiert, eine sogenannte FlashCam, die dem neusten Stand der Technik entspricht. Solche FlashCams werden derzeit auch f\u00fcr das Gammastrahlen-Observatorium der n\u00e4chsten Generation weiterentwickelt, das <em>Cherenkov Telescope Array<\/em> (CTA). \"Die neue Kamera ist seit Ende 2019 in Betrieb. Diese Messung zeigt, welches Potenzial in den Kameras der neuesten Generation steckt\", betont Simon Steinma\u00dfl, Doktorand am Max-Planck-Institut f\u00fcr Kernphysik in Heidelberg, der mit der Analyse der Kameradaten betraut ist. <\/p>\n<p>Die Teleskope wurden schnellstm\u00f6glich auf die Nova ausgerichtet, nachdem das Ereignis von einem Amateurastronomen gemeldet wurde. Auch diese schnelle Reaktion trug zum Erfolg der Beobachtung bei und erm\u00f6glichte umfangreiche Nachbeobachtungen. \"In den n\u00e4chsten Jahren wird sich durch Forschung mit CTA-Teleskopen zeigen, ob diese Art von Novae besonders sind\", erkl\u00e4rt H.E.S.S.-Direktor Stefan Wagner, Professor an der Landessternwarte in Heidelberg. Zudem wissen Beobachtende nun genauer, wonach sie suchen m\u00fcssen. Somit ergeben sich eine Vielzahl an neuen M\u00f6glichkeiten, die Geschehnisse im Zusammenhang mit Novae besser zu verstehen und beschreiben, betont Wagner. \"Diese Messung stellt einen weiteren Erfolg in der Gammaastronomie dar und l\u00e4sst uns hoffen, noch viele weitere kosmische Explosionen mit H.E.S.S. und zuk\u00fcnftigen Gammastahlen-Teleskopen zu studieren.\" <\/p>\n<p>Die die H.E.S.S.-Beobachtungen berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der Zeitschrift <em>Science<\/em> erschienen ist. <a href=\"https:\/\/arxiv.org\/abs\/2202.08201\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aharonian, F. et al. (H.E.S.S. Collaboration)(2022): Time-resolved hadronic particle acceleration in the recurrent nova RS Ophiuchi, Science<\/a> (arXiv.org-Preprint)<br \/><a href=\"http:\/\/www.desy.de\/\">Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war ein Novum in der Astronomie. 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