{"id":19115,"date":"2022-04-12T00:11:00","date_gmt":"2022-04-11T22:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=19115"},"modified":"2024-12-07T19:07:01","modified_gmt":"2024-12-07T18:07:01","slug":"schneelawine-wohl-ursache-fr-tragdie-am-djatlow-pass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2022\/04\/12\/schneelawine-wohl-ursache-fr-tragdie-am-djatlow-pass\/","title":{"rendered":"Schneelawine wohl Ursache f&uuml;r Trag&ouml;die am Djatlow-Pass"},"content":{"rendered":"<p>Es war wohl eine Schneelawine, die f\u00fcr den Tod von neun Skiwanderern in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar 1959 verantwortlich war. Die Skiwanderer kamen auf bisher ungekl\u00e4rte und mysteri\u00f6se Weise am \u00f6stlichen Hang des Berges Cholat Sjachl (mansisch f\u00fcr <i>Berg des Todes<\/i>; 1097 m) im n\u00f6rdlichen Ural (Sowjetunion) um. Die sogenannte Trag\u00f6die am Djatlow-Pass hatte f\u00fcr viele Spekulationen gesorgt &#8211; aber die Lawinen-Theorie scheint bewiesen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich hatte im Februar 2019 \u00fcber die Trag\u00f6die hier im Blog im Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2019\/02\/07\/vor-60-jahren-die-tragdie-am-djatlow-pass\/\">Vor 60 Jahren: Die Trag\u00f6die am Djatlow-Pass<\/a> berichtet. Nicht nur, weil das Ganze 60 Jahre her war. Sondern auch, weil Russland neue Untersuchungen \u00fcber die Ursache f\u00fcr den Tod der neun Leute angek\u00fcndigt hatte. <\/p>\n<h2>Mysterium \"Trag\u00f6die am Djatlow-Pass\"<\/h2>\n<p>Ich habe es im Blog-Beitrag genauer geschildert &#8211; in Kurzfassung: Ende Januar 1959 brach eine aus acht M\u00e4nnern und zwei Frauen bestehende Skiwandergruppe zu einer Tour in den Ural (Sowjetunion) auf. Die Skitour wurde vom Sportverein des Polytechnischen Instituts (UPI) des Urals veranstaltet und sollte 16 Tage dauern. Geplant war, dass von den Teilnehmern mindestens 350 km auf Skiern auf der geplanten Route durch das Gebirge des n\u00f6rdlichen Urals zur\u00fcckgelegt werden sollte.<\/p>\n<p>Alle Teilnehmer galten als erfahrene Wanderer und kannten sich, mit Ausnahme von Semjon Solotarew, bereits seit mehreren Jahren. Weil ein Teilnehmer erkrankte, kehrte er in eine Waldarbeitersiedlung zur\u00fcck. Von den verbleibenden neun Teilnehmern kehrte keiner zum verabredeten Zeitpunkt zur\u00fcck, so dass am 20. Februar 1959 beschlossen wurde, eine Suchaktion einzuleiten. Am 26. Februar fanden die Suchtrupps das verlassene Lager am Cholat Sjachl. Das Zelt war intakt, aber leicht eingeschneit und wies Einschnitte auf.<\/p>\n<p>Suchtrupps fanden dann die Leichen einiger Schneewanderer hunderte Meter weiter von den Zelten in einem Waldst\u00fcck &#8211; andere wurden erst zwei Monate sp\u00e4ter, am 4. Mai 1959, vom Hund eines Ureinwohners unter vier Meter hohem Schnee in einer Schlucht weiter im Waldinneren gefunden. Die Untersuchung diverser Leichen wiesen Verletzungen auf, die nicht durch Menschenhand erzeugt worden sein konnten. <\/p>\n<h2>Spekulationen und eine Erkl\u00e4rung<\/h2>\n<p>Der tragische Tod der neun jungen Leute und die Auffindesituation f\u00fchrten in der Folgezeit zu allerlei Spekulationen \u00fcber die Ursachen. Denn die unter Verschluss gehaltenen Untersuchungsakten f\u00fchrten zu dem Verdacht, die Beh\u00f6rden k\u00f6nnten der \u00d6ffentlichkeit ma\u00dfgebliche Informationen vorenthalten oder etwas verschleiern. Es wurde Altmetall in der Region gefunden, was zur Spekulation f\u00fchrte, das Milit\u00e4r habe die Gegend heimlich genutzt und versuche nun, etwas zu verschleiern. <\/p>\n<p>Eine erste Theorie ging davon aus, dass die Skiwanderer von den indigenen Ureinwohnern, den Mansen, ermordet wurden. Das konnte aber auf Grund der Verletzungen widerlegt werden. Auch UFOs, Infraschall oder ein Streit innerhalb der Gruppe wurden als Theorien ins Spiel gebracht. Die Untersuchung wurde offiziell im Mai 1959 wegen der \u201eAbwesenheit einer schuldigen Partei\" eingestellt. Die Akten wurden in einem Archiv abgelegt. Kopien tauchten in den 1990er Jahren auf, allerdings fehlen diesen einige Seiten. Im Sommer 2018 startete die Komsomolskaja Prawda eine weitere Recherche zu diesem Fall.<\/p>\n<p>Im Februar 2021 hatte ich im Blog-Beitrag <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/02\/05\/erklrung-fr-tragdie-am-djatlow-pass-im-jahr-1959\/\">Erkl\u00e4rung f\u00fcr Trag\u00f6die am Djatlow-Pass im Jahr 1959<\/a> eine recht einleuchtende Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Tod der neun Skiwanderer pr\u00e4sentiert. Im Rahmen einer neuen Studie hatten Forscher der EPFL und der ETH Z\u00fcrich (Johan Gaume und Alexander Puzrin)eine <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20231229114412\/https:\/\/ethz.ch\/de\/news-und-veranstaltungen\/eth-news\/news\/2021\/01\/ein-neuer-blick-auf-ein-altes-raetsel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung<\/a> f\u00fcr das Ungl\u00fcck am Djatlow-\u200bPass gefunden. Die Gruppe hatte ihr Zelt an einem Hang aufgestellt und den dort liegenden Schnee an der Bergschulter weggeschaufelt. So war das Zelt scheinbar durch die Schneewand in Richtung Berg gesch\u00fctzt. Aber spezielle Winde f\u00fchrten dazu, dass Schnee hangaufw\u00e4rts oberhalb des Zelts verfrachtet wurde und sich auft\u00fcrmte. Dann l\u00f6ste sich eine Lawine, die das Zelt mit den Menschen begrub und die Verletzungen verursachte. Die Schneewanderer schnitten das Zelt von innen auf und st\u00fcrzten in die Schneelandschaft, wo sie sich verirrten und ohne entsprechende Kleidung erfroren.<\/p>\n<p>Diese von den Wissenschaftlern anhand von Simulationen entwickelte Unfalltheorie wurde aber nicht von allen geteilt. Die Suchexpedition hatte keine Zeichen f\u00fcr den Abgang von Lawinen entdeckt und der Hang war mit einer Neigung von 30 % auch nicht lawinengef\u00e4hrdet. Wie die Neue Z\u00fcricher Zeitung (NZZ) <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/wissenschaft\/unglueck-am-djatlow-pass-neue-belege-fuer-lawinen-hypothese-ld.1675611\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">k\u00fcrzlich berichtete<\/a>, hat die Arbeit der Schweizer Wissenschaftler aber neue Erkenntnisse angesto\u00dfen. So bekamen die Wissenschaftler Kontakt zum russischen Lawinenforscher Wiktor Popownin, der das Ungl\u00fcck 2019 im Auftrag eines russischen Staatsanwalts erneut untersucht hatte. Der italienische Filmregisseur Matteo Born wollte zudem einen Dokumentarfilm \u00fcber das Ungl\u00fcck drehen. <\/p>\n<p>Bei einer neuen Expedition von Popownin und Born in dieses Gebiet konnten mit Hilfe einer Drohne ein dreidimensionales Gel\u00e4ndemodell erstellen. Dieses zeigte zahlreiche Stufen, wo die Hangneigung gr\u00f6sser als 30 Grad ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Zelt an einer solchen Stelle stand, war also hoch. Bisher hatte man aber noch keine Lawinen in dem Gebiet nachgewiesen. Dann gab es im Oktober 2021 einen Anruf von einem russischen Bergf\u00fchrer bei Alexander Puzrinm. Dieser hatte etwas in der Gegend fotografiert, was wie eine Senke auf Grund eines Lawinenabgangs aussah. <\/p>\n<p>Bei einer weiteren Expedition, die Puzrinm organisierte und durch den russischen Bergf\u00fchrer durchf\u00fchren lie\u00df, wurden die Spuren von zwei spontan abgegangen Schneebrettlawinen gesichtet, die aber nach weniger einer Stunde aber wieder verschwunden waren. Die Lawinen-Theorie wurde also durch weitere Belege erh\u00e4rtet &#8211; die Details lassen sich dem NZZ-Artikel entnehmen. Arstechnica hat in <a href=\"https:\/\/arstechnica.com\/science\/2022\/03\/confirmed-avalanche-is-likeliest-explanation-for-tragic-dyatlov-pass-incident\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem englischsprachigen Beitrag<\/a> das Thema Anfang April 2022 ebenfalls aufgegriffen und die Lawinentheorie ins Feld gef\u00fchrt. Es spricht also alles mit hoher Wahrscheinlichkeit daf\u00fcr, dass das Ungl\u00fcck nun aufge- und erkl\u00e4rt ist. Aber die aktuellen Ereignisse durch den russischen Einmarsch in die Ukraine und der \"Glaube der Russen an staatliche Verschw\u00f6rungen\" d\u00fcrften dazu f\u00fchren, dass das Thema wohl nicht als gel\u00f6st zu den Akten gelegt wird. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war wohl eine Schneelawine, die f\u00fcr den Tod von neun Skiwanderern in der Nacht vom 1. auf den 2. 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