{"id":19191,"date":"2022-04-23T00:09:00","date_gmt":"2022-04-22T22:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=19191"},"modified":"2024-07-26T12:20:22","modified_gmt":"2024-07-26T10:20:22","slug":"mikronovae-eine-neue-art-von-sternexplosion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2022\/04\/23\/mikronovae-eine-neue-art-von-sternexplosion\/","title":{"rendered":"Mikronovae, eine neue Art von Sternexplosion"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" style=\"float: left; margin: 0px 10px 0px 0px; display: inline;\" title=\"Mikronovae \" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/lwnFYlE.png\" alt=\"Mikronovae \" width=\"234\" height=\"147\" align=\"left\" \/>Ein Team von Astronominnen und Astronomen hat mit Hilfe des Very Large Telescope (VLT) der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO) eine neue Art von Sternexplosion beobachtet \u2013 eine Mikronova. Diese Ausbr\u00fcche ereignen sich auf der Oberfl\u00e4che bestimmter Sterne und k\u00f6nnen in nur wenigen Stunden eine Menge an Sternmaterial von jeweils rund 3,5 Milliarden Mal die Cheops-Pyramide von Gizeh verbrennen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Bisher glaubte man, dass Sterne in einer Nova oder Super-Nova explodieren, bei dem gro\u00dfe Teile des Sterns in Energie umgesetzt und Teile der Sonnen in den Weltraum geschleudert werden. Aber es geht auch eine Nummer kleiner, denn es gibt Mikronovae.<\/p>\n<p>\"<em>Wir haben erstmalig ein Ph\u00e4nomen entdeckt und identifiziert, das wir als Mikronova bezeichnen<\/em>\", erkl\u00e4rt Simone Scaringi, Astronom an der Durham University in Gro\u00dfbritannien, der ein in <em>Nature<\/em> ver\u00f6ffentlichte Studie \u00fcber diese Explosionen geleitet hat. \"<em>Dieses Ereignis stellt unser Verst\u00e4ndnis davon in Frage, wie thermonukleare Explosionen in Sternen ablaufen. Bisher dachten wir, wir w\u00fcssten das, aber diese Entdeckung zeigt einen v\u00f6llig neuen Mechanismus auf<\/em>\", f\u00fcgt er hinzu.<\/p>\n<p>Mikronovae sind extrem starke Ereignisse, aber in astronomischen Ma\u00dfst\u00e4ben klein; sie sind viel weniger energiereich als die als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nova_(Stern)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Novae<\/a> bekannten Sternexplosionen, die Astronomen seit Jahrhunderten kennen. Beide Arten von Explosionen ereignen sich auf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wei%C3%9Fer_Zwerg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wei\u00dfen Zwergen<\/a>, toten Sternen mit einer Masse, die etwa der unserer Sonne entspricht, aber so klein wie die Erde ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Mikronovae \" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/lwnFYlE.png\" alt=\"Mikronovae \" \/><br \/>\nK\u00fcnstlerische Darstellung eines Dopplesternsystems mit weitem Zwerg als Mikronovae , Quelle: ESO\/M. Kornmesser, L. Cal\u00e7ad<\/p>\n<p>Ein Wei\u00dfer Zwerg in einem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Doppelstern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Doppelsternsystem<\/a> kann seinem Begleitstern Material, vor allem Wasserstoff, entrei\u00dfen, wenn sie nahe genug beieinander sind. Wenn dieses Gas auf die sehr hei\u00dfe Oberfl\u00e4che des Wei\u00dfen Zwergsterns f\u00e4llt, werden die Wasserstoffatome explosionsartig zu Helium fusioniert. Bei Novae finden diese thermonuklearen Explosionen auf der gesamten Sternoberfl\u00e4che statt. \"<em>Solche Detonationen lassen die gesamte Oberfl\u00e4che des Wei\u00dfen Zwerges brennen und mehrere Wochen lang hell leuchten<\/em>\", erkl\u00e4rt Mitautorin Nathalie Degenaar, Astronomin an der Universit\u00e4t von Amsterdam, Niederlande.<\/p>\n<p>(Quelle: <a href=\"https:\/\/youtu.be\/_zIMVjqj6VY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">YouTube<\/a>)<\/p>\n<p>Mikronovae sind \u00e4hnliche Explosionen, die kleiner und schneller sind und nur einige Stunden dauern. Sie treten bei einigen Wei\u00dfen Zwergen mit starken Magnetfeldern auf, die Material in Richtung der magnetischen Pole des Sterns schleudern. \"<em>Wir haben jetzt zum ersten Mal gesehen, dass die Wasserstofffusion auch lokal begrenzt stattfinden kann. An der Basis der Magnetpole einiger Wei\u00dfer Zwerge kann der Wasserstoffbrennstoff festgehalten werden, so dass die Fusion nur an diesen Magnetpolen stattfindet<\/em>\", sagt Paul Groot, Astronom an der Radboud Universit\u00e4t in den Niederlanden und Mitautor der Studie.<\/p>\n<p>\"<em>Das f\u00fchrt dazu, dass Mikrofusionsbomben gez\u00fcndet werden, die etwa ein Millionstel der St\u00e4rke einer Novaexplosion haben, daher der Name Mikronova<\/em>\", so Groot weiter. Auch wenn der Begriff \u00bbmikro\u00ab vermuten l\u00e4sst, dass es sich um kleine Ereignisse handelt, sollte man sich nicht t\u00e4uschen: Ein einziger dieser Ausbr\u00fcche kann etwa 20 000 000 Billionen kg Material verbrennen, das entspricht etwa 3,5 Milliarden Cheops-Pyramiden von Gizeh.<\/p>\n<p>Diese neuen Mikronovae fordern das Verst\u00e4ndnis der Astronominnen und Astronomen \u00fcber Sternexplosionen heraus und kommen m\u00f6glicherweise h\u00e4ufiger vor als bisher angenommen. \u201e<em>Das zeigt, wie dynamisch das Universum ist. Diese Ereignisse k\u00f6nnen tats\u00e4chlich recht h\u00e4ufig vorkommen, aber weil sie so schnell sind, ist ihre Beobachtung schwierig<\/em>\", erkl\u00e4rt Scaringi.<\/p>\n<p>Das Team stie\u00df zum ersten Mal auf diese mysteri\u00f6sen Mikroexplosionen, als es die Daten des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transiting_Exoplanet_Survey_Satellite\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Transiting Exoplanet Survey Satellite<\/a> (TESS) der NASA analysierte. \"<em>Bei der Durchsicht der von NASA TESS gesammelten astronomischen Daten entdeckten wir etwas Ungew\u00f6hnliches: einen hellen optischen Lichtblitz, der einige Stunden anhielt. Bei der weiteren Suche fanden wir mehrere \u00e4hnliche Signale<\/em>\", sagt Degenaar.<\/p>\n<p>Das Team beobachtete mit TESS drei Mikronovae: zwei davon stammten von bekannten Wei\u00dfen Zwergen, aber der dritte erforderte weitere Beobachtungen mit dem X-Shooter-Instrument am VLT der ESO, um seinen Status als Wei\u00dfer Zwerg zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>\"<em>Mit Hilfe des Very Large Telescope der ESO konnten wir feststellen, dass alle diese optischen Blitze von Wei\u00dfen Zwergen erzeugt wurden<\/em>\", sagt Degenaar. \u201e<em>Diese Beobachtung war entscheidend f\u00fcr die Interpretation unserer Ergebnisse und f\u00fcr die Entdeckung der Mikronovae<\/em>\", f\u00fcgt Scaringi hinzu.<\/p>\n<p>Die Entdeckung der Mikronovae erweitert das Repertoire der bekannten Sternexplosionen. Das Team m\u00f6chte nun weitere dieser schwer zug\u00e4nglichen Ereignisse erfassen, was gro\u00df angelegte Durchmusterungen und schnelle Folgemessungen erfordert. \u201e<em><a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/blog\/capricious-cosmos\/\">Die schnelle Reaktion<\/a> von Teleskopen wie dem VLT oder dem <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/teles-instr\/lasilla\/ntt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">New Technology Telescope<\/a> der ESO und die Vielzahl der verf\u00fcgbaren Instrumente werden es uns erm\u00f6glichen, diese mysteri\u00f6sen Mikronovae im Detail zu entschl\u00fcsseln<\/em>\", so Scaringi abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p>Diese Forschungsergebnisse wurden in einem Artikel mit dem Titel \"<em>Localised thermonuclear bursts from accreting magnetic white dwarfs<\/em>\" (doi: 10.1038\/s41586-022-04495-6) vorgestellt, der in <em>Nature<\/em> erscheint. Ein Folgeartikel mit dem Titel \"<em>Triggering micronovae through magnetically confined accretion flows in accreting white dwarfs<\/em>\" wurde zur Ver\u00f6ffentlichung in <em>Monthly Notices of the Royal Astronomical Society<\/em> angenommen. Weitere Bilder finden sich <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/news\/eso2207\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Team von Astronominnen und Astronomen hat mit Hilfe des Very Large Telescope (VLT) der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO) eine neue Art von Sternexplosion beobachtet \u2013 eine Mikronova. 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