{"id":19564,"date":"2022-06-20T10:57:53","date_gmt":"2022-06-20T08:57:53","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=19564"},"modified":"2023-08-02T00:38:34","modified_gmt":"2023-08-01T22:38:34","slug":"identifiziert-wo-die-pest-ihren-ursprung-nahm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2022\/06\/20\/identifiziert-wo-die-pest-ihren-ursprung-nahm\/","title":{"rendered":"Identifiziert: Wo die Pest ihren Ursprung nahm"},"content":{"rendered":"<p>Die Pest gibt es seit der Bronzezeit und die Erkrankung befiel bis zum 19. Jahrhundert gro\u00dfe Landstriche Europas. Aber wo nach die Pest ihren Ausgang? Die Urspr\u00fcnge wurden im mongolisch asiatischen Bereich verortet. Wissenschaftler wiesen nun nach, wo der Ursprung des Pesterregers der im 14. Jahrhundert in Europa grassierenden Pest zu finden ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Die Pest<\/h2>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pest\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pest<\/a> ist eine schwere, hochansteckende Infektionskrankheit, die von dem Bakterium Yersinia pestis ausgel\u00f6st wird. Der Erreger wurde erst 1894 entdeckt. Das nat\u00fcrliche Erregerreservoir des Pest-Bakteriums stellen Nagetiere, vor allem Ratten, aber auch M\u00e4use, Wiesel, Hasen usw. und ihre Fl\u00f6he dar. Die \u00dcbertragung auf den Menschen erfolgt meist durch Bisse von Fl\u00f6hen, die auf infizierten Ratten oder Haustieren leben (Beulenpest) oder durch Tr\u00f6pfcheninfektion (insbesondere bei Lungenpest).<\/p>\n<p>Es gibt drei Hauptformen der Pest, die sich prim\u00e4r durch den \u00dcbertragungsweg unterscheiden: Die Beulenpest (Bubonenpest), die Lungenpest und die Pestsepsis. Die Inkubationszeit zwischen der Infektion und den ersten Symptomen h\u00e4ngt von der Erscheinungsform der Pest ab und betr\u00e4gt 1-2 Tage bei der Lungenpest und bis zu sechs Tagen bei der Beulenpest. Unbehandelt betr\u00e4gt die Letalit\u00e4t 50 bis 90 Prozent, mit Behandlung 15 Prozent.<\/p>\n<p>Die Pest tritt auch heute noch in kleinen Endemiegebieten in Afrika, Asien und Amerika auf. Die drei haupts\u00e4chlichen Endemiel\u00e4nder sind Madagaskar, die Demokratische Republik Kongo und Peru. Weltweit registriert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 1000 bis 3000 Pestf\u00e4lle pro Jahr, meistens in Form kleinerer, \u00f6rtlich begrenzter Epidemien. In Europa gab es den letzten dokumentierten Pestausbruch im Zweiten Weltkrieg. Man nimmt an, dass die Pest gegenw\u00e4rtig in Europa nicht mehr existiert (Quelle: <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20230707081258\/https:\/\/www.sozialministerium.at\/Themen\/Gesundheit\/Uebertragbare-Krankheiten\/Infektionskrankheiten-A-Z\/Pest.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sozialministerium \u00d6sterreich<\/a>).<\/p>\n<h2>Die Geschichte der Pest<\/h2>\n<p>F\u00fcr die meisten Menschen ist die Pest mit der im 14. Jahrhundert in Europa w\u00fctenden Epidemie verbunden, der gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung zum Opfer fielen (es werden 50 Millionen Tote gesch\u00e4tzt, London verlor 50 der Bev\u00f6lkerung). <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/was-es-nuetzt-den-ursprung-des-schwarzen-todes-zu-finden-18108921.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dieser FAZ-Beitrag<\/a> gibt an, dass diese Epidemie ihren Ursprung im Herbst 1347 hatte, als Genuesen, die ihre Festung auf der Halbinsel Krim aufgeben mussten, im Hafen von Messina anlegten. Die Passagiere waren mit der Pest infiziert, die sie von der Krim mitbrachten. <\/p>\n<p>In <a href=\"https:\/\/www.eurac.edu\/de\/magazine\/der-genetische-ahnenforscher\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> erf\u00e4hrt man, dass die Mongolen die Pest als Biowaffe einsetzten. Sie katapultierten bei der Belagerung der Stadt Caffa auf der Krim-Halbinsel Tote \u00fcber die Stadtmauern. Von der Hafenstadt Caffa aus hat sich die Pest dann in ganz Europa ausgebreitet. Bereits 1349 griff die Pest aus mehreren Richtungen auf den deutschen Raum \u00fcber.<\/p>\n<p>Aber die Pest hat eine sehr lange Geschichte, wie man&nbsp; in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Geschichte_der_Pest\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geschichte der Pest<\/a> nachlesen kann. Die \u00e4ltesten Nachweise von <i>Yersinia pestis<\/i> stammen aus bis zu 5000 Jahre alten Skeletten aus der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pontokaspis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">pontischen Steppe<\/a>. Die Pest betraf bereits steinzeitliche Gesellschaften, ihr Erreger lie\u00df sich in einem Zeitraum \"von vor 4800 bis etwa vor 3800 Jahren in Skeletten aus ganz Europa nachweisen\". Selbst die Bibel <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zehn_Plagen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erw\u00e4hnt<\/a> die Viehpest als Plage (wobei es keine wirklichen Belege daf\u00fcr gibt). Im 6. Jahrhundert kam es zu gro\u00dfen Pest-Epidemien im Mittelmeerraum (als als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Justinianische_Pest\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Justinianische Pest<\/a> bekannt). Der Strang dieses Erregers gilt heute als ausgestorben. Die heutigen Kenntnisse \u00fcber die \u00dcbertragung und Ausbreitung der Pest wurden durch die Pestepidemie in Indien <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pest#Forschungsgeschichte_ab_dem_19._Jahrhundert\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gewonnen<\/a>. Die Pest-Erreger entstammen wohl dem eurasisch-asiatischen Raum.<\/p>\n<h2>Wo liegt der Ursprung?<\/h2>\n<p>Die Forschung nahm an, dass die Pest irgendwo zwischen Osteuropa und dem Altai-Gebirge entstand, wo der Erreger in Gr\u00e4bern von Toten nachgewiesen werden konnte. Aber nun gibt es genauere Daten. Der Arch\u00e4ogenetiker Prof. Dr. Johannes Krause hat sich darauf spezialisiert, die Entwicklung von Krankheitserregern wie beispielsweise der Pest oder Tuberkulose aus sehr altem menschlichem Erbgut zu rekonstruieren. Krause forscht am Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie in Leipzig. Krause sagt dazu:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Mithilfe modernster DNA-Sequenzierung ist es gelungen, molekulare Fossilien der Krankheitserreger in Form von bakteriellen Genomen aus historischen menschlichen Skeletten zu erstellen\", sagte Krause. \u201eUnter anderem haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das gesamte Erbgut des mittelalterlichen Pest-Erregers rekonstruiert. Seine molekularen Spuren konnten bis zum Ursprung des Schwarzen Todes in Zentralasien zur\u00fcckverfolgt werden. Erbgutanalysen des steinzeitlichen Pest-Erregers erlauben es zus\u00e4tzlich, einzelne evolution\u00e4re Schritte bei der Anpassung der Bakterien an den S\u00e4ugetierwirt und den Floh als Zwischenwirt nachzuvollziehen und Hinweise auf pr\u00e4historische Epidemien zu gewinnen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In einer in Natur <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-022-04800-3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erschienenen Studie<\/a> verortete Dr. Krause den Ursprung der Pest im 14. Jahrhundert (1346-1353 n. Chr.) in Mitteleurasien. Laut Krause stammen die bisher am meisten diskutierten arch\u00e4ologischen Funde, die m\u00f6glicherweise mit dem Ausbruch der Pandemie in Verbindung gebracht werden, von Friedh\u00f6fen in der N\u00e4he des Issyk-Kul-Sees im heutigen Kirgisistan. Auf Grabinschriften, die auf die Jahre 1338-1339 datiert werden, ist \"Pest\" als Todesursache f\u00fcr die bestatteten Personen angegeben. <\/p>\n<p>Krause untersuchte die alte DNA-Daten von sieben Personen, die auf zwei dieser Friedh\u00f6fe, Kara-Djigach und Burana, exhumiert wurden. Die Synthese arch\u00e4ologischer, historischer und alter genomischer Daten durch die Forscher zeigt eine eindeutige Beteiligung des Pestbakteriums Yersinia pestis an diesem epidemischen Ereignis. Zwei rekonstruierte alte Y. pestis-Genome stellen einen einzigen Stamm dar und werden als j\u00fcngster gemeinsamer Vorfahre einer gro\u00dfen Diversifizierung identifiziert. Dieser Stamm wird allgemein mit dem Auftreten der Pandemie in Verbindung gebracht, die auf die erste H\u00e4lfte des vierzehnten Jahrhunderts datiert wird. <\/p>\n<p>Vergleiche mit der heutigen Diversit\u00e4t von Y. pestis-Reservoirs in der ausgedehnten Tian Shan-Region sprechen f\u00fcr eine lokale Entstehung des wiedergefundenen alten Stammes. Die Daten der Forscher belegen, dass die zweite Pestpandemie im fr\u00fchen vierzehnten Jahrhundert in Zentraleurasien entstanden ist. Einige weitere Informationen zu diesem Thema lassen sich in <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/wissen\/die-pest-im-mittelalter-in-europa-wo-hat-die-seuche-ihren-ursprung-BZLTZPZV6BHGDCZSXHBFVTAEI4.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem RND-Beitrag<\/a> sowie auf <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/archaeologie\/ursprung-des-schwarzen-todes-rekonstruiert-13376356\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Forschung und Wissen<\/a> nachlesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Pest gibt es seit der Bronzezeit und die Erkrankung befiel bis zum 19. Jahrhundert gro\u00dfe Landstriche Europas. Aber wo nach die Pest ihren Ausgang? Die Urspr\u00fcnge wurden im mongolisch asiatischen Bereich verortet. 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