{"id":20235,"date":"2022-09-20T13:53:28","date_gmt":"2022-09-20T11:53:28","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=20235"},"modified":"2023-02-13T07:25:26","modified_gmt":"2023-02-13T06:25:26","slug":"untergeschobene-energievertrge-fr-strom-und-gas-mehr-beschwerden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2022\/09\/20\/untergeschobene-energievertrge-fr-strom-und-gas-mehr-beschwerden\/","title":{"rendered":"Untergeschobene Energievertr&auml;ge f&uuml;r Strom und Gas, mehr Beschwerden"},"content":{"rendered":"<p>Die Energiekrise beim Gas, die Preissteigerungen beim Strom, das alles f\u00fchrt zu starker Verunsicherung der Menschen. Nun wird auch noch bekannt, dass dubiose Anbieter den Leuten Energievertr\u00e4ge f\u00fcr Strom und Gas unterschieben &#8211; die Zahl der Beschwerden hat jedenfalls stark zugenommen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Report Mainz von der ARD berichtet in <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220914082048\/https:\/\/www.swr.de\/report\/pressemitteilung-13-untergeschobene-energievertraege-strom-und-gasanbieter-nutzen-energiekrise-aus\/-\/id=233454\/did=25492852\/nid=233454\/xewya3\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieser Mitteilung<\/a> vom 13. September 2022 davon, dass Zahl der Beschwerden \u00fcber untergeschobene Vertr\u00e4ge in Deutschland seit Beginn der Energiekrise stark gestiegen sei. Deren Zahl hat sich bei der Verbraucherzentrale Bundesverband seit Jahresbeginn mit 2.700 Beschwerden fast verdreifacht. Au\u00dferdem kam es bereits zu 10.000 Beschwerden \u00fcber unerlaubte Werbeanrufe zu Energieversorgungsprodukten bei der Bundesnetzagentur.<\/p>\n<h2>Fingierte Anrufe dubioser Unternehmen<\/h2>\n<p>Dubiose Strom- und Gasanbieter nutzen offenbar die Angst vieler Menschen vor h\u00f6heren Preisen aus, um ihnen am Telefon Energieliefervertr\u00e4ge unterzuschieben. Personen geben zum Beispiel vor, Mitarbeiter des Energieunternehmens zu sein, bei dem der Betroffene Kunde ist. Ihr Ziel: an Z\u00e4hlerst\u00e4nde und Z\u00e4hlernummern zu kommen. Damit melden sie den Betroffenen ohne sein Einverst\u00e4ndnis beim alten Versorger ab und schieben ihm teurere Vertr\u00e4ge bei einem v\u00f6llig anderen Unternehmen unter. Eigentlich sollte das seit einem Jahr durch die Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes nicht mehr m\u00f6glich sein.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Ich selbst hatte im B\u00fcro einen Anruf, wo sich jemand meldete, ich habe ja zugestimmt, dass ich in 3 Monaten zum Wechsel des Vertrags angerufen werden wolle. Der Vertrag w\u00fcrde jetzt x Euro mehr pro Monat kosten, aber man k\u00f6nne ja verl\u00e4ngern. Da ich \u00fcber meine Strom- und Gasbezugsvertr\u00e4ge informiert bin, habe ich am Telefon weder Ja (ist gef\u00e4hrlich, k\u00f6nnte aufgezeichnet und als Zustimmung gewertet werden) noch Nein gesagt, sondern das Gespr\u00e4ch abgebrochen und mit einer Beschwerde bei der Bundesnetzagentur gedroht. <\/p>\n<p>In solchen Gespr\u00e4chen sollte man keinesfalls die Z\u00e4hlernummer weiter geben &#8211; und falls doch, den gegenw\u00e4rtigen Versorger informieren, dass Dritte die Z\u00e4hlernummer haben und man nicht wechseln wolle. K\u00fcndigungen von Drittseite seien Betrugsversuche &#8211; vielleicht hilft es. <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Werbeanrufe ohne ausdr\u00fcckliche Zustimmung des Angerufenen, sogenannte \"Cold Calls\", sind seit Jahren verboten. Weil sie trotzdem stattfinden und Betroffenen im Rahmen des Gespr\u00e4chs h\u00e4ufig unwissentlich Energieliefervertr\u00e4ge untergeschoben wurden, hat der Gesetzgeber vergangenes Jahr nachgebessert. Seitdem d\u00fcrfen Energieliefervertr\u00e4ge (laut Energiewirtschaftsgesetz) am Telefon nur noch in \"Textform\" abgeschlossen werden, hei\u00dft es bei Report Mainz. <\/p>\n<h2>Best\u00e4tigung per SMS<\/h2>\n<p>Recherchen von REPORT MAINZ zeigen nun, wie dubiose Vermittler von Energieliefervertr\u00e4gen sich diese Regelung zunutze machen. Reporterinnen des ARD-Politikmagazins sprachen mit zahlreichen Betroffenen aus ganz Deutschland, die trotz der neuen Gesetzeslage unwissentlich Energievertr\u00e4ge abschlossen. Den Schilderungen der Betroffenen zufolge erweckten die Anrufer zu Beginn des Telefonats h\u00e4ufig den Anschein, im Auftrag der \u00f6rtlichen Stadtwerke oder eines Vergleichsportals anzurufen. Im Laufe des Gespr\u00e4chs wurden die Angerufenen aufgefordert, eine w\u00e4hrend des Telefonats erhaltene SMS unmittelbar mit \"Ja\" und dem eigenen Namen zu beantworten. W\u00e4hrend viele von ihnen davon ausgingen, hierbei lediglich dem Zusenden eines Angebots zuzustimmen, schlossen sie auf diese Weise einen Vertrag bei einem neuen Energieanbieter ab. <\/p>\n<h3>Dreistes Vorgehen dokumentiert per zugespieltem Mitschnitt<\/h3>\n<p>In einem fast halbst\u00fcndigen Mitschnitt eines solchen Telefonats, der REPORT MAINZ zugespielt wurde, ist zu h\u00f6ren, wie gravierend ein Verbraucher von der Vermittlerin eines Energieliefervertrags get\u00e4uscht wird. So sagt die Frau in dem Telefonat: \"Sie bekommen die Unterlagen erstmal nach Hause geschickt, damit Sie das erstmal pr\u00fcfen. Das ist nur alles die Vorbereitung.\" Der Angerufene betont mehrfach, er wolle auf keinen Fall einen Vertrag am Telefon abschlie\u00dfen. Unwissentlich hat der Angerufene w\u00e4hrend dieses Telefonats per SMS zwei Energieliefervertr\u00e4ge f\u00fcr Gas und Strom abgeschlossen. <\/p>\n<h3>Experten fordern Nachbesserung des Energiewirtschaftsgesetzes<\/h3>\n<p>Rechtsanwalt Marc N\u00f6rig kritisiert das Gesetz gegen\u00fcber dem ARD-Politikmagazin. Er verhandelt mehrere solcher F\u00e4lle vor Gericht. \"Ich finde es dreist, wie diese Energieunternehmen vorgehen. Es soll verhindert werden, dass der Kunde w\u00e4hrend des Telefonats da in irgendeiner Weise \u00fcberrumpelt wird, sondern sich Gedanken machen kann, ob er tats\u00e4chlich diesen Vertrag so schlie\u00dfen m\u00f6chte\", sagt N\u00f6rig. <\/p>\n<p>\u00c4hnlich sieht es auch Felix Methmann von der Verbraucherzentrale Bundesverband: \"Wichtig ist, dass jetzt da nachgesch\u00e4rft wird, wo die Probleme bestehen. Und die bestehen eben darin, dass viele Verbraucherinnen und Verbraucher einen Vertrag haben, den sie nicht haben wollen. Es darf nicht m\u00f6glich sein, Vertr\u00e4ge per SMS zu schlie\u00dfen.\" <\/p>\n<p>REPORT MAINZ sprach zudem mit Betroffenen von untergeschobenen Energieliefervertr\u00e4gen, die w\u00e4hrend des Anrufs keine Best\u00e4tigung per SMS oder Mail zur\u00fcckschickten und trotzdem neue Energieliefervertr\u00e4ge erhielten. In einem Fall stellte sich heraus, dass die Unterschrift der Betroffenen unter einem vermeintlichen Vertrag nachweislich gef\u00e4lscht wurde. Das Unternehmen fordert dennoch weiter Geld von der 86-J\u00e4hrigen. In einem anderen Fall erhielt die Verbraucherin kurze Zeit nach Abschluss des Vertrags eine deutliche Preiserh\u00f6hung. Ihr Widerspruch wurde ignoriert. <\/p>\n<h3>Bundesnetzagentur ist an gesetzliche Rahmenbedingungen gebunden<\/h3>\n<p>Die Bundesverbraucherzentrale bem\u00e4ngelt, dass seit Jahren eine Handvoll Unternehmen durch derart dubiose Gesch\u00e4ftspraktiken auffalle. Der Bundesnetzagentur seien diese auch bekannt. Doch es passiere viel zu wenig. Die Unternehmen m\u00fcssten viel schneller geahndet werden. \"Da m\u00fcssen schon ein paar 100 Beschwerden reichen \u00fcber die gleiche Firma und \u00fcber das gleiche Problem, dass dann schon reagiert wird\", so Methmann. <\/p>\n<p>Die Bundesnetzagentur entgegnet REPORT MAINZ gegen\u00fcber, sie sei an gesetzliche Rahmenbedingungen gebunden. Aus einer Stellungnahme von 2019 geht hervor, dass auch sie sch\u00e4rfer gegen die Unternehmen vorgehen m\u00f6chte. Damals hatte sie vorgeschlagen, sich bei der Festsetzung von Bu\u00dfgeldern \"an den wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnissen\" der Unternehmen orientieren zu d\u00fcrfen. Der aktuelle H\u00f6chstsatz von 300.000 Euro stelle \"gerade bei leistungsf\u00e4higen Unternehmen keine sp\u00fcrbare Sanktion dar.\" <\/p>\n<p>Allerdings sei \"im Gesetz etwas anderes verankert worden. Wir arbeiten mit den rechtlichen M\u00f6glichkeiten, die wir zur Verf\u00fcgung haben. Das tun wir. Und alles Weitere habe ich heute an dieser Stelle nicht zu kommentieren\", so der Pressesprecher der Bundesnetzagentur, Fiete Wulff. Das Bundesjustizministerium, welches f\u00fcr die Novellierung des Gesetzes zust\u00e4ndig war, hat bislang auf Fragen des ARD-Politikmagazins nicht geantwortet. Hier d\u00fcrfen wir uns bei der vorherigen, CDU-gef\u00fchrten Bundesregierung bedanken, die die Schriftform f\u00fcr Vertr\u00e4ge blockiert hat &#8211; weil den Firmen ja Ums\u00e4tze entgehen k\u00f6nnen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Energiekrise beim Gas, die Preissteigerungen beim Strom, das alles f\u00fchrt zu starker Verunsicherung der Menschen. 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