{"id":21867,"date":"2023-05-10T00:40:40","date_gmt":"2023-05-09T22:40:40","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=21867"},"modified":"2023-05-14T05:44:35","modified_gmt":"2023-05-14T03:44:35","slug":"astronomen-finden-ferne-gaswolken-mit-resten-der-ersten-sterne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2023\/05\/10\/astronomen-finden-ferne-gaswolken-mit-resten-der-ersten-sterne\/","title":{"rendered":"Astronomen finden ferne Gaswolken mit Resten der ersten Sterne"},"content":{"rendered":"<p>Forscher der Europ\u00e4ische S\u00fcdsternwarte (ESO) haben mit Hilfe des Very Large Telescope (VLT) der zum ersten Mal die chemischen Fingerabdr\u00fccke gefunden, die die Explosion der ersten Sterne im Universum hinterlassen hat. Entdeckt wurden drei weit entfernte Gaswolken, deren chemische Zusammensetzung dem entspricht, was Forscher von den ersten Sternexplosionen erwarten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es war eine <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/belgium-de\/news\/eso2306\/?lang\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Meldung der ESO<\/a> von Anfang Mai 2023, die aufhorschen l\u00e4sst. Die Entdeckung der ESO bringen die Forscher beim Verst\u00e4ndnis \u00fcber die Natur der ersten Sterne, die nach dem Urknall entstanden, einen Schritt n\u00e4her. \"<em>Zum ersten Mal konnten wir die chemischen Spuren der Explosionen der ersten Sterne in sehr weit entfernten Gaswolken identifizieren<\/em>\", sagt Andrea Saccardi, Doktorand am Observatoire de Paris \u2013 PSL, der diese Studie im Rahmen seiner Masterarbeit an der Universit\u00e4t Florenz durchgef\u00fchrt hat.<\/p>\n<h2>Erste Sterne anders als heutige Sonnen<\/h2>\n<p>Wissenschaftler gehen davon aus, dass die die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/blog\/let-there-be-light\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ersten Sterne<\/a>, die sich nach dem Urknall im Universum bildeten, in der chemischen Zusammensetzung ganz anders als heutige Sonnen waren. Denn wenige Minuten nach dem Urknall waren nach Ansicht der Wissenschaft nur die drei leichtesten Elemente Wasserstoff, Helium und sehr geringe Spuren von Lithium\u00a0im Universum vorhanden. Schwerere Elemente bildeten sich erst viel sp\u00e4ter in Sternen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/fWYpTSLH\/gILuLu2.png\" alt=\"Reste erster Sterne\" \/><br \/>\n<em>K\u00fcnstlerische Darstellung einer weit entfernten Gaswolke, die verschiedene chemische Elemente enth\u00e4lt, die hier mit schematischen Darstellungen verschiedener Atome illustriert sind. <strong>Bildnachweis: <\/strong>ESO\/L. Cal\u00e7ada, M. Kornmesser<\/em><\/p>\n<p>Als diese ersten Sterne vor 13,5 Milliarden Jahren entstanden, enthielten sie nur Wasserstoff und Helium, die einfachsten chemischen Elemente der Natur.\u00a0Diese Sterne, von denen man annimmt, dass sie zehn- oder hundertmal massereicher waren als unsere Sonne, endeten schnell in gewaltigen Explosionen, den sogenannten Supernovae. Dabei reicherten sie das umgebende Gas zum ersten Mal mit schwereren Elementen an.<\/p>\n<p>Sp\u00e4tere Generationen von Sternen wurden aus diesem angereicherten Gas geboren und stie\u00dfen zum Ende ihres Lebens ebenfalls schwerere Elemente aus. Doch die allerersten Sterne sind l\u00e4ngst verschwunden.<\/p>\n<h2>Wie lassen sich die Sterne untersuchen?<\/h2>\n<p>Wie k\u00f6nnen Forscher also mehr \u00fcber diese l\u00e4ngst verschwundenen ersten Sterne erfahren? \"<em>Die ersten Sterne k\u00f6nnen indirekt untersucht werden, indem man die chemischen Elemente nachweist, die sie nach ihrem Tod in ihrer Umgebung verteilt haben<\/em>\", sagt Stefania Salvadori, au\u00dferordentliche Professorin an der Universit\u00e4t Florenz und Mitautorin der heute im\u00a0<em>Astrophysical Journal<\/em>\u00a0ver\u00f6ffentlichten Studie.<\/p>\n<p>Anhand von Daten, die mit dem VLT der ESO in Chile aufgenommen wurden, fand das Team drei sehr weit entfernte Gaswolken (die entstanden, als das Universum gerade einmal 10-15 % seines heutigen Alters hatte), deren chemischer Fingerabdruck dem entspricht, was Wissenschaftler von den Explosionen der ersten Sterne erwarten.<\/p>\n<p>Abh\u00e4ngig von der Masse dieser fr\u00fchen Sterne und der Energie ihrer Explosionen setzten diese ersten Supernovae verschiedene chemische Elemente wie Kohlenstoff, Sauerstoff und Magnesium frei, die in den \u00e4u\u00dferen Schichten der Sterne vorkommen. Einige dieser Explosionen waren jedoch nicht energiereich genug, um schwerere Elemente wie Eisen freizusetzen, das nur in den Kernen von Sternen vorkommt.<\/p>\n<p>Auf der Suche nach dem verr\u00e4terischen Zeichen dieser allerersten Sterne, die als Supernovae mit niedriger Energie explodierten, suchte das Team daher nach weit entfernten Gaswolken, die arm an Eisen, aber reich an anderen Elementen sind. Und genau das fanden sie: drei weit entfernte Wolken im fr\u00fchen Universum mit sehr wenig Eisen, aber viel Kohlenstoff und anderen Elementen \u2013 der Fingerabdruck der Explosionen der allerersten Sterne.<\/p>\n<p>Diese eigent\u00fcmliche chemische Zusammensetzung wurde auch bei vielen alten Sternen in unserer eigenen Galaxie beobachtet, die wir als Sterne der zweiten Generation betrachten, die direkt aus der \"Asche\" der ersten Sterne entstanden sind. Diese neue Studie hat solche Asche im fr\u00fchen Universum gefunden und damit ein fehlendes Teil in diesem Puzzle hinzugef\u00fcgt. \"<em>Unsere Entdeckung er\u00f6ffnet neue Wege, um die Natur der ersten Sterne indirekt zu untersuchen, und erg\u00e4nzt damit die Studien \u00fcber die Sterne in unserer Galaxie<\/em>\", erkl\u00e4rt Salvadori.<\/p>\n<h2>Quasare helfen bei der Suche<\/h2>\n<p>Um diese fernen Gaswolken aufzusp\u00fcren und zu untersuchen, nutzte das Team sogenannte Quasare \u2013 sehr helle Lichtquellen, die von supermassereichen schwarzen L\u00f6chern in den Zentren weit entfernter Galaxien gespeist werden. Auf seiner Reise durch das Universum durchquert das Licht eines Quasars Gaswolken, in denen verschiedene chemische Elemente einen Abdruck auf dem Licht hinterlassen.<\/p>\n<p>Um diese chemischen Abdr\u00fccke zu finden, analysierte das Team die Daten mehrerer Quasare, die mit dem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/teles-instr\/paranal-observatory\/vlt\/vlt-instr\/x-shooter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">X-Shooter<\/a>-Instrument am VLT der ESO beobachtet wurden. X-Shooter\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/teles-instr\/technology\/spectroscopy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">spaltet das Licht<\/a>\u00a0in ein extrem breites Spektrum von Wellenl\u00e4ngen bzw. Farben auf, was es zu einem einzigartigen Instrument macht, mit dem sich viele verschiedene chemische Elemente in diesen weit entfernten Wolken identifizieren lassen.<\/p>\n<p>Diese Studie er\u00f6ffnet neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Teleskope und Instrumente der n\u00e4chsten Generation, wie das kommende Extremely Large Telescope (<a href=\"http:\/\/elt.eso.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ELT<\/a>) der ESO und seinen hochaufl\u00f6senden ArmazoNes High Dispersion Echelle Spectrograph (<a href=\"https:\/\/elt.eso.org\/instrument\/ANDES\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ANDES<\/a>). \u201e<em>Mit ANDES am ELT k\u00f6nnen wir viele dieser seltenen Gaswolken genauer untersuchen und schlie\u00dflich die geheimnisvolle Natur der ersten Sterne entschl\u00fcsseln<\/em>\", fasst Valentina D'Odorico, Forscherin am Nationalen Institut f\u00fcr Astrophysik in Italien und Mitautorin der Studie, zusammen.<\/p>\n<p>Diese Forschungsarbeit wurde in einem Artikel vorgestellt, der im\u00a0<em>Astrophysical Journal<\/em> erscheint (doi: 10.3847\/1538-4357\/acc39f). Ein auf YouTube <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/belgium-de\/videos\/eso2306a\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">abrufbares Video<\/a> erl\u00e4utert die Entdeckung. Weitere Bilder und Details sind der <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/belgium-de\/news\/eso2306\/?lang\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemitteilung<\/a> zu entnehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forscher der Europ\u00e4ische S\u00fcdsternwarte (ESO) haben mit Hilfe des Very Large Telescope (VLT) der zum ersten Mal die chemischen Fingerabdr\u00fccke gefunden, die die Explosion der ersten Sterne im Universum hinterlassen hat. 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