{"id":21871,"date":"2023-05-12T00:11:42","date_gmt":"2023-05-11T22:11:42","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=21871"},"modified":"2023-05-12T09:17:56","modified_gmt":"2023-05-12T07:17:56","slug":"fehlendes-bindeglied-fuer-wasser-im-sonnensystem-gefunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2023\/05\/12\/fehlendes-bindeglied-fuer-wasser-im-sonnensystem-gefunden\/","title":{"rendered":"Fehlendes Bindeglied f\u00fcr Wasser im Sonnensystem gefunden"},"content":{"rendered":"<p>Wie kam das Wasser, welches wir auf der Erde oder auf anderen Planetenmonden etc. finden, eigentlich in unser Sonnensystem? Astronomen haben mit dem Atacama Large Millimeter\/submillimeter Array (ALMA) gasf\u00f6rmiges Wasser in der planetenbildenden Scheibe um den Stern V883 Orionis entdeckt. Dieses Wasser tr\u00e4gt eine chemische Signatur, die die Reise des Wassers von sternbildenden Gaswolken zu Planeten erkl\u00e4rt und die Idee unterst\u00fctzt, dass das Wasser auf der Erde sogar \u00e4lter ist als unsere Sonne.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\"<em>Wir k\u00f6nnen jetzt die Urspr\u00fcnge des Wassers in unserem Sonnensystem bis in die Zeit vor der Entstehung der Sonne zur\u00fcckverfolgen<\/em>\", wird John J. Tobin, Astronom am National Radio Astronomy Observatory, USA, und Hauptautor in <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/news\/eso2302\/?lang\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieser Meldung<\/a> aus der mit M\u00e4rz 2023 in Nature ver\u00f6ffentlichten Studie zitiert.<\/p>\n<h2>Wasser in Staubscheibe V883 Orionis<\/h2>\n<p>Die Entdeckung wurde durch die Untersuchung der Zusammensetzung von Wasser in der planetenbildenden Scheibe V883 Orionis gemacht, die etwa 1300 Lichtjahre von der Erde entfernt ist.<\/p>\n<p>Wenn eine Wolke aus Gas und Staub kollabiert, bildet sich in ihrem Zentrum ein Stern. Zus\u00e4tzlich entsteht aus dem Material der Wolke eine Scheibe um den Stern. Im Laufe von einigen Millionen Jahren verklumpt die Materie in der Scheibe und bildet Kometen, Asteroiden und schlie\u00dflich Planeten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" title=\"Planetenbildende Scheibe um den Stern V883 Orionis\" src=\"https:\/\/cdn.eso.org\/images\/news\/eso2302a.jpg\" alt=\"Planetenbildende Scheibe um den Stern V883 Orionis\" width=\"626\" height=\"375\" \/><br \/>\n<em>K\u00fcnstlerische Darstellung zeigt die planetenbildende Scheibe um den Stern V883 Orionis. Im \u00e4u\u00dfersten Teil der Scheibe ist das Wasser in Form von Eis gefroren und kann daher nicht leicht nachgewiesen werden. Ein Energieausbruch des Sterns heizt die innere Scheibe auf eine Temperatur auf, bei der das Wasser gasf\u00f6rmig ist, so dass Astronomen und Astronominnen es nachweisen k\u00f6nnen. <strong>Herkunftsnachweis: <\/strong>ESO\/L. Cal\u00e7ada<\/em><\/p>\n<p>Tobin und sein Team nutzten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/teles-instr\/alma\/\">ALMA<\/a>, an dem die Europ\u00e4ische S\u00fcdsternwarte (ESO) beteiligt ist, um chemische Signaturen des Wassers und dessen Weg von der Sternentstehungswolke zu den Planeten zu messen.<\/p>\n<p>Wasser besteht normalerweise aus einem Sauerstoffatom und zwei Wasserstoffatomen. Tobins Team untersuchte eine etwas schwerere Version von Wasser, bei der eines der Wasserstoffatome durch Deuterium &#8211; ein schweres\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Isotop\">Isotop<\/a> des Wasserstoffs \u2013 ersetzt ist.\u00a0Da sich einfaches und schweres Wasser unter unterschiedlichen Bedingungen bilden, kann ihr Verh\u00e4ltnis dazu genutzt werden, um festzustellen, wann und wo das Wasser entstanden ist. So hat sich beispielsweise gezeigt, dass dieses Verh\u00e4ltnis in einigen Kometen des Sonnensystems dem des Wassers auf der Erde \u00e4hnelt, was darauf hindeutet, dass Kometen Wasser auf die Erde gebracht haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<h2>Reise des Wassers im All<\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die Reise des Wassers von Wolken zu jungen Sternen und sp\u00e4ter von Kometen zu Planeten wurde bereits beobachtet, aber bisher fehlte die Verbindung zwischen den jungen Sternen und den Kometen. \"<em>V883 Orionis ist in diesem Fall das fehlende Glied<\/em>\", sagt Tobin. \"<em>Die Zusammensetzung des Wassers in der Scheibe ist der von Kometen in unserem eigenen Sonnensystem sehr \u00e4hnlich. Dies best\u00e4tigt die Idee, dass das Wasser in Planetensystemen vor Milliarden von Jahren vor der Sonne im interstellaren Raum entstanden ist und sowohl von Kometen als auch von der Erde relativ unver\u00e4ndert \u00fcbernommen wurde.<\/em>\"<\/p>\n<p>Doch die Beobachtung des Wassers erwies sich als schwierig. \"<em>Das meiste Wasser in planetenbildenden Scheiben ist als Eis gefroren, so dass es uns normalerweise verborgen bleibt<\/em>\", sagt Mitautorin Margot Leemker, Doktorandin am Observatorium Leiden in den Niederlanden. Gasf\u00f6rmiges Wasser kann dank der Strahlung, die von den Molek\u00fclen bei ihren Drehungen und Schwingungen ausgesandt wird, nachgewiesen werden, aber mit gefrorenem Wasser ist es komplizierter, da die Bewegung der Molek\u00fcle st\u00e4rker behindert wird. Gasf\u00f6rmiges Wasser findet sich in der N\u00e4he des Sterns, in der Mitte der Scheiben, wo es w\u00e4rmer ist. Diese nahen gelegenen Regionen werden jedoch von der Staubscheibe selbst verdeckt und sind au\u00dferdem zu klein, um mit unseren Teleskopen erfasst zu werden.<\/p>\n<h2>Hei\u00dfe Gaswolke erm\u00f6glicht Untersuchung<\/h2>\n<p>Gl\u00fccklicherweise wurde in einer <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/news\/eso1626\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">k\u00fcrzlich durchgef\u00fchrten Studie<\/a> nachgewiesen, dass die Scheibe von V883 Orionis ungew\u00f6hnlich hei\u00df ist. Ein dramatischer Energieausbruch des Sterns heizt die Scheibe \"<em>auf eine Temperatur auf, bei der das Wasser nicht mehr in Form von Eis, sondern als Gas vorliegt, so dass wir es nachweisen k\u00f6nnen<\/em>\", sagt Tobin.<\/p>\n<p>Dazu nutze das Team ALMA, eine Anordnung von Radioteleskopen im Norden Chiles. Dank der Empfindlichkeit und der F\u00e4higkeit, kleine Details zu erkennen, konnten sie sowohl das Wasser aufsp\u00fcren und seine Zusammensetzung bestimmen als auch seine Verteilung innerhalb der Scheibe kartieren. Die Beobachtungen ergaben, dass diese Scheibe mindestens 1200 Mal so viel Wasser enth\u00e4lt wie alle Ozeane der Erde.<\/p>\n<p>In Zukunft wollen sie das kommende\u00a0<a href=\"https:\/\/elt.eso.org\/\">Extremely Large Telescope<\/a>\u00a0der ESO und dessen Instrument der ersten Generation,\u00a0<a href=\"https:\/\/elt.eso.org\/instrument\/METIS\/\">METIS<\/a>, nutzen. Dieses Instrument f\u00fcr den mittleren Infrarotbereich wird den gasf\u00f6rmigen Teil des Wassers in solchen Scheiben aufl\u00f6sen k\u00f6nnen, um so den Weg des Wassers von den Sternentstehungswolken bis hin zum Sonnensystem besser zu verstehen. \u201e<em>Dies wird uns einen viel umfassenderen Blick auf das Eis und das Gas in Planeten bildenden Scheiben erm\u00f6glichen<\/em>\", so Leemker abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p>Diese Forschungsarbeit wurde in dem Artikel \"Deuterium-enriched water ties planet-forming disks to comets and protostars\" vorgestellt, der in Nature erscheint (doi: 10.1038\/s41586-022-05676-z). Weitere Informationen und Fotos finden sich in <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/news\/eso2302\/?lang\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieser ESO-Mitteilung<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kam das Wasser, welches wir auf der Erde oder auf anderen Planetenmonden etc. finden, eigentlich in unser Sonnensystem? 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