{"id":23179,"date":"2023-08-17T00:04:59","date_gmt":"2023-08-16T22:04:59","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=23179"},"modified":"2023-08-16T18:02:54","modified_gmt":"2023-08-16T16:02:54","slug":"wow-gletschermumie-oetzi-mit-migrationshintergrund-aus-anatolien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2023\/08\/17\/wow-gletschermumie-oetzi-mit-migrationshintergrund-aus-anatolien\/","title":{"rendered":"Wow: Gletschermumie \u00d6tzi mit Migrationshintergrund aus Anatolien"},"content":{"rendered":"<p>Es ist eine Sensation, die Forscher des Max-Planck-Instituts f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie und von Eurac Research gerade nach einer Genomanalyse enth\u00fcllt haben. Die Gletschermumie \u00d6tzi hatte wohl dunkle Haut, eine Glatze und anatolische Vorfahren &#8211; also quasi das, was wir\u00a0 heute einen Migrationshintergrund nennen.<\/p>\n<p><!--more-->Schon 2012 wurde \u00d6tzis Genom entschl\u00fcsselt, als erstes Genom einer Mumie und mit wichtigen Erkenntnissen zum Erbgut pr\u00e4historischer Europ\u00e4er. Die seitdem erzielten Fortschritte in der Sequenziertechnologie erm\u00f6glichten nun einem <a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/20713049\/0804-evan-dunkle-haut-glatze-anatolische-vorfahren-150495-x\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Forschungsteam des Max-Planck-Instituts f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie<\/a> und von Eurac Research eine sehr viel exaktere Rekonstruktion seines Genoms.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/nachrichten.idw-online.de\/2023\/08\/16\/oetzi-dunkle-haut-glatze-anatolische-vorfahren?groupcolor=4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ergebnisse dieser Analyse<\/a> verfeinern das Bild: Im Vergleich mit seinen europ\u00e4ischen Zeitgenossen ist beim \u00d6tzi der genetische Anteil aus Anatolien eingewanderter Fr\u00fchbauern ungew\u00f6hnlich hoch, was nahelegt, dass er aus einer relativ isolierten Alpenbev\u00f6lkerung mit wenig Kontakt zu anderen europ\u00e4ischen Gruppen stammte.<\/p>\n<p>Zum Aussehen des \u00d6tzi erbrachte die Studie ebenfalls neue Erkenntnisse: Zum Zeitpunkt seines Todes hatte er mit hoher Wahrscheinlichkeit eine fortgeschrittene Glatze. Seine Haut war dunkler, als bisher angenommen. In den Genen zeigt sich zudem eine Veranlagung zu Diabetes und \u00dcbergewicht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/www.mpg.de\/20714067\/original-1691410290.webp?t=eyJ3aWR0aCI6ODQ4LCJmaWxlX2V4dGVuc2lvbiI6IndlYnAiLCJxdWFsaXR5Ijo4Niwib2JqX2lkIjoyMDcxNDA2N30%3D--11b21a2fecd51219ca7ffb70dac8ee8587f0be4c\" alt=\"\u00d6tzi\" width=\"632\" height=\"374\" \/>Gletschermumie\u00a0\u00d6tzi; \u00a9 S\u00fcdtiroler Arch\u00e4ologiemuseum\/EURAC\/Marco Samadelli-Gregor Staschit<\/p>\n<p>Der Genmix heutiger europ\u00e4ischer Menschen ist haupts\u00e4chlich aus der Vermischung dreier Ahnengruppen entstanden: Die urspr\u00fcnglichen J\u00e4ger und Sammler Westeuropas gingen nach und nach in den fr\u00fchen Bauern auf, die vor etwa 8000 Jahren aus dem Nahen Osten einwanderten, und sch\u00e4tzungsweise beginnend vor etwa 4900 Jahren kamen dazu noch Steppenhirten aus Osteuropa.<\/p>\n<p>Bei ersten Analysen hatte man in \u00d6tzis Erbgut genetische Spuren dieser Steppenbev\u00f6lkerung gefunden, die die verfeinerten neuen Ergebnisse nun nicht mehr zeigen: Die damalige Probe war mit moderner DNA kontaminiert. Seit der ersten Studie wurden nicht nur die Technologien zur Sequenzierung enorm weiterentwickelt, man hat auch viele Genome pr\u00e4historischer Europ\u00e4er, h\u00e4ufig aus Skelettfunden, vollst\u00e4ndig entschl\u00fcsselt. Damit war es m\u00f6glich, \u00d6tzi mit Zeitgenossen zu vergleichen. Das Ergebnis: Unter den hunderten fr\u00fchen europ\u00e4ischen Menschen die zur selben Zeit wie \u00d6tzi lebten und deren Genome zur Verf\u00fcgung stehen, hat \u00d6tzi die meisten b\u00e4uerliche Ahnenanteile.<\/p>\n<h2>\u00d6tzis Herkunft und Aussehen<\/h2>\n<p>Das Forschungsteam schlie\u00dft daraus, dass er aus einer relativ isolierten Bev\u00f6lkerung mit wenig Kontakt zu anderen europ\u00e4ischen Gruppen stammte. \u201eWir waren sehr \u00fcberrascht, im neuen \u00d6tzi-Genom keine Spuren der osteurop\u00e4ischen Steppenhirten zur finden, auch der Anteil der J\u00e4ger und Sammler Gene beim \u00d6tzi ist sehr gering. Genetisch sieht er so aus, als seien seine Vorfahren direkt aus Anatolien gekommen\", erkl\u00e4rt Johannes Krause, Leiter der Abteilung Arch\u00e4ogenetik am Max-Planck-Institut f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie in Leipzig und Mitautor der Studie.<\/p>\n<p>Neue Ergebnisse erbrachte die Studie auch zu \u00d6tzis Aussehen. Sein Hauttyp, schon in der ersten Genom-Analyse als mediterran-europ\u00e4isch bestimmt, war noch dunkler als bisher angenommen. \u201eEs ist der dunkelste Hautton, den man in europ\u00e4ischen Funden aus derselben Zeit nachgewiesen hat\", erkl\u00e4rt der Anthropologe und Mitautor der Studie Albert Zink, Leiter des Instituts f\u00fcr Mumienforschung bei Eurac Research in Bozen: \u201eMan dachte bisher, die Haut der Mumie sei w\u00e4hrend der Lagerung im Eis nachgedunkelt, aber vermutlich ist, was wir jetzt sehen, tats\u00e4chlich weitgehend \u00d6tzis originale Hautfarbe. Dies zu wissen, ist nat\u00fcrlich auch wichtig f\u00fcr die Konservierung.\"<\/p>\n<p>Unser bisheriges Bild von \u00d6tzi stimmt auch in Bezug auf die Haare nicht: Als reifer Mann hatte er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr langes, dichtes Haupthaar, sondern h\u00f6chstens noch einen sch\u00fctteren Kranz. Seine Gene zeigen eine Veranlagung zur Glatzenbildung. \u201eDas ist ein relativ eindeutiges Ergebnis und k\u00f6nnte auch erkl\u00e4ren, warum bei der Mumie fast keine Haare gefunden wurden\", sagt Zink. Ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr \u00dcbergewicht und Diabetes Typ 2 lag ebenfalls in \u00d6tzis Erbanlagen, kam jedoch dank seines gesunden Lebensstils wahrscheinlich nicht zum Tragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine Sensation, die Forscher des Max-Planck-Instituts f\u00fcr evolution\u00e4re Anthropologie und von Eurac Research gerade nach einer Genomanalyse enth\u00fcllt haben. 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