{"id":23480,"date":"2023-09-29T00:29:22","date_gmt":"2023-09-28T22:29:22","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=23480"},"modified":"2023-09-27T10:44:51","modified_gmt":"2023-09-27T08:44:51","slug":"tuerkei-bei-ausgabungen-neue-sprache-auf-tontafel-entdeckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2023\/09\/29\/tuerkei-bei-ausgabungen-neue-sprache-auf-tontafel-entdeckt\/","title":{"rendered":"T\u00fcrkei: Bei Ausgabungen neue Sprache auf Tontafel entdeckt"},"content":{"rendered":"<p>In Bo\u011fazk\u00f6y-Hattu\u0161a in der n\u00f6rdlichen Zentralt\u00fcrkei wurde bei arch\u00e4ologischen Grabungen eine Tontafel entdeckt. Nach Auswertung war klar, dass diese Tontafel eine bisher unbekannte indogermanischen Sprache offen gelegt hat.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Universit\u00e4t W\u00fcrzburg hat<a href=\"https:\/\/www.uni-wuerzburg.de\/aktuelles\/pressemitteilungen\/single\/news\/neue-indogermanische-sprache\/?mibextid=Zxz2cZ&amp;cHash=9ca44d6f48b3f945a6b4123ac1c363a6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> diese Entdeckung<\/a> in dieser Meldung mitgeteilt, weil der\u00a0W\u00fcrzburger Altorientalist Professor Daniel Schwemer an der Erforschung des Fundes mitwirkte.<\/p>\n<h2>Grabungen in der T\u00fcrkei<\/h2>\n<p>Seit mehr als 100 Jahren laufen unter der Leitung des Deutschen Arch\u00e4ologischen Instituts Ausgrabungen in Bo\u011fazk\u00f6y-Hattu\u0161a. Der in der n\u00f6rdlichen Zentralt\u00fcrkei liegende Ort geh\u00f6rt seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe, und war Siedlungsgebiet der\u00a0Hethiter.<\/p>\n<blockquote><p>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hethiter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hethiter<\/a> waren ein kleinasiatisches Volk des Altertums, das im 2. Jahrtausend v. Chr. auch in Syrien und Kanaan politisch und milit\u00e4risch einflussreich war. Ihre Hauptstadt war die meiste Zeit \u1e2aattu\u0161a, unmittelbar beim heutigen Ort Bo\u011fazkale in der n\u00f6rdlichen Zentralt\u00fcrkei. Die eigentliche Ausgrabungsst\u00e4tte Bo\u011fazk\u00f6y-Hattu\u0161a liegt dort, wo einst die Hauptstadt des hethitischen Reiches bestand. Die Hethiter waren eine der Gro\u00dfm\u00e4chte Westasiens w\u00e4hrend der sp\u00e4ten Bronzezeit (1650 bis 1200 vor Christus).<\/p><\/blockquote>\n<p>An der Grabungsst\u00e4tte wurden bislang fast 30.000 Tontafeln mit Keilschrift gefunden. Diese Tafeln, die 2001 ins UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen wurden, liefern reichhaltige Informationen \u00fcber die Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft und die religi\u00f6sen Traditionen der Hethiter und ihrer Nachbarn.<\/p>\n<h2>Tontafel mit neuer Sprache<\/h2>\n<p>Die meisten Texte auf den Tontafeln sind in hethitischer Sprache verfasst. Das ist die \u00e4lteste bezeugte indogermanischen Sprache und der vorherrschenden Sprache in Bo\u011fazk\u00f6y-Hattu\u0161a. Nun brachten die Ausgrabungen des Jahres 2023 eine \u00dcberraschung zutage: In einem Ritualtext, der in hethitischer Sprache verfasst ist, ist eine Rezitation in einer bisher unbekannten Sprache versteckt. Das berichtet der derzeitige Leiter der Ausgrabungsst\u00e4tte, Professor Andreas Schachner von der Istanbuler Abteilung des Deutschen Arch\u00e4ologischen Instituts.<\/p>\n<h2>Hethiter waren an fremden Sprachen interessiert<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Professor Daniel Schwemer, Leiter des Lehrstuhls f\u00fcr Altorientalistik an der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t (JMU) W\u00fcrzburg, bearbeitet die keilschriftlichen Funde der Ausgrabung. Er berichtet, dass der hethitische Ritualtext das neue Idiom als Sprache des Landes Kala\u0161ma bezeichnet. Das ist eine Gegend am nordwestlichen Rand des hethitischen Kernlandes, wahrscheinlich in der Gegend des heutigen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bolu_(Provinz)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bolu<\/a> oder Gerede.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die Entdeckung einer weiteren Sprache in den Archiven von Bo\u011fazk\u00f6y-Hattu\u0161a sei nicht v\u00f6llig unerwartet, wie Daniel Schwemer erkl\u00e4rt: \"Die Hethiter waren in einzigartiger Weise daran interessiert, Rituale in fremden Sprachen aufzuzeichnen.\"<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Solche Ritualtexte, die von Schreibern des hethitischen K\u00f6nigs verfasst wurden, spiegeln verschiedene anatolische, syrische und mesopotamische Traditionen und sprachliche Milieus wider. Sie geben Einblicke in die wenig bekannten sprachlichen Landschaften des sp\u00e4tbronzezeitlichen Anatoliens, wo nicht nur Hethitisch gesprochen wurde.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">So enthalten Keilschrifttexte aus Bo\u011fazk\u00f6y-Hattu\u0161a auch Passagen in Luwisch und Palaisch, zwei weiteren anatolisch-indoeurop\u00e4ischen Sprachen, die eng mit dem Hethitischen verwandt sind, sowie in Hattisch, einer nicht-indoeurop\u00e4ischen Sprache. Jetzt kann die Sprache von Kala\u0161ma zu diesen Sprachen hinzugef\u00fcgt werden.<\/p>\n<h2>Genauere Einordnung der neuen Sprache ist in Arbeit<\/h2>\n<p class=\"bodytext\">Noch ist der Kala\u0161ma-Text weitgehend unverst\u00e4ndlich. Daniel Schwemers Kollegin Professorin Elisabeth Rieken von der Philipps-Universit\u00e4t Marburg, eine Spezialistin f\u00fcr altanatolische Sprachen, hat best\u00e4tigt, dass das Idiom zur Familie der anatolisch-indoeurop\u00e4ischen Sprachen geh\u00f6rt. Ihr zufolge scheint der Text trotz seiner geografischen N\u00e4he zum palaischen Sprachgebiet mehr Merkmale mit dem Luwischen zu teilen. Wie eng die Sprache von Kala\u0161ma mit den anderen luwischen Dialekten des sp\u00e4tbronzezeitlichen Anatoliens verwandt ist, wird nun Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Bo\u011fazk\u00f6y-Hattu\u0161a in der n\u00f6rdlichen Zentralt\u00fcrkei wurde bei arch\u00e4ologischen Grabungen eine Tontafel entdeckt. Nach Auswertung war klar, dass diese Tontafel eine bisher unbekannte indogermanischen Sprache offen gelegt hat.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[690],"tags":[207],"class_list":["post-23480","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenschaft","tag-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23480","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23480"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23480\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23484,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23480\/revisions\/23484"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}