{"id":23553,"date":"2023-10-13T00:07:16","date_gmt":"2023-10-12T22:07:16","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=23553"},"modified":"2023-10-12T23:13:36","modified_gmt":"2023-10-12T21:13:36","slug":"einhornhoehle-und-die-erkenntnisse-ueber-die-neanderthaler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2023\/10\/13\/einhornhoehle-und-die-erkenntnisse-ueber-die-neanderthaler\/","title":{"rendered":"Einhornh\u00f6hle und die Erkenntnisse \u00fcber die Neandertaler"},"content":{"rendered":"<p>Neue Erkenntnisse \u00fcber Ausgabungen in der \"Einhornh\u00f6hle\" in Scharzfeld \/ Harz. Die Neandertaler waren wohl dem modernen Menschen \u00e4hnlicher als bisher bekannt. Sie trugen das Fell des H\u00f6hlenl\u00f6wen und schufen Kunst mit Knochenschnitzereien.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/b871a63edbbc42598b7e1fb32a911ff4\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Es ist eine witzige Begebenheit: Aktuell bin ich f\u00fcr einige Tage zum Wandern im Harz. Unter anderem habe ich mal probiert, was Brocken-Benno so in seinem Leben \u00fcber 8.000 Mal gemacht hat (siehe\u00a0<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2020\/06\/13\/brocken-benno-der-rekordwanderer-vom-harz\/\" rel=\"bookmark\">Brocken-Benno, der Rekordwanderer vom Harz<\/a>). Erfahrung, nach 18 km Wanderung zum Brocken und zur\u00fcck war ich doch ziemlich platt.<\/p>\n<p>Weil es gestern regnete, fiel bei mir kurzfristig der Entschluss, die \"Einhornh\u00f6hle\" in Scharzfeld \/ Harz zu besuchen. Und dort erfuhr ich, dass Neandertaler in dieser H\u00f6hle lebten, und dass man bei Ausgrabungen einen geschnitzten Knochen fand, der als \u00e4ltestes Kunstwerk der Welt gilt.<\/p>\n<p>Abends, als ich die RND-Seite besuchte, um die Tagesnachrichten zu lesen, sprang mir pl\u00f6tzlich nachfolgendes Bild ins Auge &#8211; die Szene hatte ich gut 2 Stunden vorher vor meinem eigenen Auge gesehen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/wissen\/ist-der-neandertaler-dem-modernen-menschen-aehnlicher-als-gedacht-JWEYYPQUYVLYLMDBZQVIJEZ4VE.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/abuh95l.png\" alt=\"Einhornh\u00f6hle und die Neanderthaler\" \/><\/a><br \/>\n<em>Eingang zur Einhornh\u00f6hle<\/em><\/p>\n<p>Das Foto zeigt die sogenannte \"Blaue Grotte\", wo das Karstgestein eingest\u00fcrzt ist. Die Stelle ist ein nat\u00fcrlicher Eingang zur \"Einhornh\u00f6hle\", und vor 50.000 Jahren nutzten Neandertaler diesen Teil der H\u00f6hle als Wohnplatz.<\/p>\n<h2>Neue Erkenntnisse \u00fcber Neandertaler<\/h2>\n<p>Das obige Foto geh\u00f6rt zu <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/wissen\/ist-der-neandertaler-dem-modernen-menschen-aehnlicher-als-gedacht-JWEYYPQUYVLYLMDBZQVIJEZ4VE.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a>, in dem neueste Forschungsergebnisse angesprochen werden. Laut dieser <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41598-023-42764-0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ver\u00f6ffentlichung<\/a> der Forschungsgruppe um Gabriele Russo von der Universit\u00e4t T\u00fcbingen und Thomas Terberger von der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen jagten die Neandertaler auch H\u00f6hlenl\u00f6wen.<\/p>\n<p>Denn in einer Lehmschicht im Boden der Einhornh\u00f6hle fanden die Forscher unter anderem zwei Zehenknochen von H\u00f6hlenl\u00f6wen. Das war zu dieser Zeit das gr\u00f6\u00dfte Raubtier in diesem Bereich, wurde aber von den Neandertalern gejagt (der moderne Mensch existierte zu dieser Zeit noch nicht in Europa).<\/p>\n<p>An einem der Zehenknochen fanden sich Schnittmarken, die darauf hindeuten, dass das Tier fachm\u00e4nnisch enth\u00e4utet wurde. Das Besondere: Die Enth\u00e4utung erfolgte so, dass die Krallen sichtbar am Fell blieben. Die Gruppe geht davon aus, dass das Fell des H\u00f6hlenl\u00f6wen inklusive Krallen m\u00f6glicherweise nicht nur gegen K\u00e4lte, sondern auch aus kulturellen Gr\u00fcnden und um es nach au\u00dfen hin zur Schau zu stellen, getragen wurde. Ein weiterer Artikel zum Thema findet sich <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/funde-in-deutschland-neandertaler-jagten-hohlenlowen-10613278.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<h2>Knochenschnitzereien als Kunst<\/h2>\n<p>Beim Besuch der Einhornh\u00f6hle erfuhr ich auch vom Fund eines Knochens mit Schnittspuren, die als \u00e4ltestes Kunstwerk der Welt betrachtet werde. Nach einer kurzen Recherche stie\u00df ich auf <a href=\"https:\/\/denkmalpflege.niedersachsen.de\/aktuelles\/nachrichten\/der-neandertaler-als-kunstler-vorfahre-verzierte-knochen-vor-uber-50-000-jahren-202141.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diese Meldung<\/a> des Nieders\u00e4chsischen Landesamts f\u00fcr Denkmalspflege und diesen <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/kunst-und-architektur\/neandertaler-kunst-in-der-einhornhoehle-im-harz-gefunden-17432689.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FAZ-Artikel<\/a>.<\/p>\n<h3>Neandertaler als K\u00fcnstler<\/h3>\n<div class=\"group section noline span3of4\">\n<p>Seit der Entdeckung erster Fossilreste im 19. Jahrhundert hat der Neandertaler das Image eines primitiven Vormenschen. Dass er in der Lage war, effektiv Werkzeuge und Waffen herzustellen, ist lange nachgewiesen, aber konnte er auch Verzierungen, Schmuck oder gar Kunst anfertigen?<\/p>\n<p>Ein Forschungsteam unter Leitung des Nieders\u00e4chsischen Landesamts f\u00fcr Denkmalpflege (NLD) und der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen hat einen Neufund aus der Einhornh\u00f6hle im Harz analysiert und kommt zu dem Ergebnis: Der Neandertaler, unser genetisch n\u00e4chster Verwandter, hatte bereits erstaunliche kognitive F\u00e4higkeiten. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Nature Ecology and Evolution erschienen.<br \/>\n<span class=\"c1\"><br \/>\nDie Forscherinnen und Forscher haben in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Unicornu fossile e. V. seit 2019 neue Ausgrabungen an der Einhornh\u00f6hle im Harz durchgef\u00fchrt. Erstmals gelang es so, im verst\u00fcrzten Eingangsbereich der H\u00f6hle (siehe obiges Foto) gut erhaltene Kulturschichten aus der Zeit des Neandertalers zu erschlie\u00dfen. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"c1\">Unter den erhaltenen Jagdbeuteresten hat sich ein unscheinbarer Fu\u00dfknochen als Sensation herausgestellt: Nach der Entfernung des anhaftenden Erdreichs zeigte der Knochen ein winkelartiges Muster aus sechs Kerben. \u00bbWir erkannten rasch, dass es sich nicht um Schlachtspuren, sondern eindeutig um eine Verzierung handeln muss\u00ab, sagt Grabungsleiter Dr. Dirk Leder vom NLD. Die eingearbeiteten Kerben konnten dann in der Abteilung Holzbiologie und Holzprodukte der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen mit 3D-Mikroskopie analysiert werden.<br \/>\n<\/span><span class=\"c1\"><br \/>\nUm einen Vergleich anzustellen, f\u00fchrte das Team Experimente mit Fu\u00dfknochen heutiger Rinder durch. Sie zeigen, dass der Knochen wohl zun\u00e4chst gekocht werden musste, um das Muster anschlie\u00dfend mit Steinger\u00e4ten in etwa 1,5 Stunden in die aufgeweichte Knochenoberfl\u00e4che zu schnitzen. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"c1\">Der nun entdeckte kleine Fu\u00dfknochen wurde einem Riesenhirsch (<\/span><i class=\"c2\">Megaloceros giganteus<\/i><span class=\"c1\">) zugeordnet. \u00bbEs d\u00fcrfte kein Zufall sein, dass der Neandertaler den Knochen eines eindrucksvollen Tieres mit riesigen Geweihschaufeln f\u00fcr seine Schnitzerei ausgew\u00e4hlt hat\u00ab, sagt Prof. Dr. Antje Schwalb von der Technischen Universit\u00e4t Braunschweig, die an dem Projekt beteiligt ist.<br \/>\n<\/span><span class=\"c1\"><br \/>\nDas Leibniz Labor der Universit\u00e4t Kiel konnte f\u00fcr den verzierten Knochen mit der Radiokarbonmethode ein Alter von \u00fcber 51.000 Jahren ermitteln. Damit ist es erstmals gelungen, ein vom Neandertaler verziertes Objekt mit dieser Methode verl\u00e4sslich zu datieren. Bislang waren einige Schmuckobjekte aus der Zeit der letzten Neandertaler in Frankreich bekannt. Diese etwa 40.000 Jahre alten Funde werden jedoch von vielen Forschenden als Nachahmungen angesehen, denn zu dieser Zeit hatte sich bereits der moderne Mensch in Teilen Europas ausgebreitet. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"c1\">Aus etwa zeitgleichen H\u00f6hlenfundstellen des modernen Menschen auf der Schw\u00e4bischen Alb in Baden-W\u00fcrttemberg sind Schmuckobjekte und kleine Elfenbeinskulpturen \u00fcberliefert.<\/span><\/p>\n<p>Ein <a href=\"https:\/\/magazin.tu-braunschweig.de\/pi-post\/der-neandertaler-als-kuenstler-vorfahre-verzierte-knochen-vor-ueber-50-000-jahren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> der TU Braunschweig und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Riesenhirschknochen_der_Einhornh%C3%B6hle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieser Wikipedia-Artikel<\/a> enthalten weitere Details zu diesem Fund. Dort sind auch Fotos des Hirschknochens mit den Kerben zu sehen.<\/p>\n<h2>Die\u00a0Einhornh\u00f6hle<\/h2>\n<\/div>\n<p>Die\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Einhornh%C3%B6hle_(Harz)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einhornh\u00f6hle<\/a> liegt bei\u00a0<a title=\"Scharzfeld\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Scharzfeld\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Scharzfeld<\/a> im Harz und ist eine eine\u00a0<a title=\"Karst\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karst\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karsth\u00f6hle<\/a>\u00a0im\u00a0<a title=\"Zechstein\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zechstein\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zechstein<\/a>&#8211;<a title=\"Dolomit (Gestein)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dolomit_(Gestein)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dolomit<\/a>. Die H\u00f6hle ist die gr\u00f6\u00dfte\u00a0<a title=\"Schauh\u00f6hle\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schauh%C3%B6hle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Besucherh\u00f6hle<\/a>\u00a0im Westteil des\u00a0<a title=\"Harz (Mittelgebirge)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Harz_(Mittelgebirge)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Harzes<\/a>. Die H\u00f6hle ist\u00a0als\u00a0Naturdenkmal\u00a0ausgewiesen und wurde 2006 als ein Bestandteil der Zechstein-Karstlandschaft am S\u00fcdharz in die Liste der 77 bedeutenden\u00a0<a title=\"Nationaler Geotop\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationaler_Geotop\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nationalen Geotope<\/a> aufgenommen.<\/p>\n<p>Die H\u00f6hle hat eine L\u00e4nge von fast 700 Metern, von denen etwa 300 Meter bei F\u00fchrungen gezeigt werden. Laut neueren Untersuchungen durch Georadarmessungen und Bohrungen ist die H\u00f6hle weitaus l\u00e4nger als die bisher bekannten Teile.<\/p>\n<p>Die Wikipedia h\u00e4lt noch eine ganze Reihe an Informationen \u00fcber die Einhornh\u00f6hle bereit. So ist die H\u00f6hle seit Jahrhunderten bekannt &#8211; 1541 wurde die H\u00f6hle zum ersten Mal urkundlich erw\u00e4hnt. Namensgebend f\u00fcr die H\u00f6hle waren die Funde von Knochen und Z\u00e4hnen, die dem sagenhaften\u00a0Fabelwesen\u00a0des\u00a0<a title=\"Einhorn\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Einhorn\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einhorns<\/a>\u00a0zugeordnet wurden.<\/p>\n<p>1583 berichtete ein Chronist, dass in der H\u00f6hle nach Einhornknochen gegraben wurde, die als Heilmittel galten und enorm hohe Preise erzielten. Wahrscheinlich handelte es sich bei dem Knochenmaterial um \u00dcberreste gro\u00dfer S\u00e4ugetiere.<\/p>\n<p><a title=\"Gottfried Wilhelm Leibniz\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gottfried_Wilhelm_Leibniz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gottfried Wilhelm Leibniz<\/a> besuchte die H\u00f6hle im Jahre 1686. Er schrieb in seinem Bericht auch \u00fcber den Handel mit Einhorn-Artefakten. Sp\u00e4ter besch\u00e4ftigte sich Leibniz mit dem von Otto von Guericke beschriebenen Fund von \"Einhornknochen\" und entwarf in seiner Schrift <i>Protagaea<\/i> eine Fantasie-Rekonstruktion des angeblichen Einhorns. Diese Darstellung wird heute als Werbesymbol der Schauh\u00f6hle genutzt.<\/p>\n<p>An den W\u00e4nden sah ich beim Besuch der H\u00f6hle schwarze Beschriftungen, von denen ich annahm, dass diese von Besuchern der letzten Jahre stammten. Aber es stellte sich heraus, das diese vor Jahrhunderten von Besuchern vorgenommen wurden. Es gab dort Jahreszahlen bis 1808, und einige ber\u00fchmte Zeitgenossen dieser Zeit (neben Leibnitz war auch Goethe da) haben die H\u00f6hle besucht. Alles in allem war es ein spannender Tage bzw. H\u00f6hlenbesuch &#8211; und bei der Recherche f\u00fcr den Beitrag hier habe ich noch einige Details mehr lesen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Erkenntnisse \u00fcber Ausgabungen in der \"Einhornh\u00f6hle\" in Scharzfeld \/ Harz. Die Neandertaler waren wohl dem modernen Menschen \u00e4hnlicher als bisher bekannt. 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