{"id":24061,"date":"2024-01-05T00:07:32","date_gmt":"2024-01-04T23:07:32","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=24061"},"modified":"2024-09-26T22:46:46","modified_gmt":"2024-09-26T20:46:46","slug":"als-die-kinder-noch-per-us-post-verschickt-wurden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2024\/01\/05\/als-die-kinder-noch-per-us-post-verschickt-wurden\/","title":{"rendered":"Als die Kinder noch per US-Post verschickt wurden &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen bin ich auf einen sehr skurrilen Sachverhalt gesto\u00dfen. In den USA, hie\u00df es, h\u00e4tten Eltern ihre Kleinkinder vor 100 Jahren mit der US-Post, zum Beispiel zu Gro\u00dfeltern, verschicken lassen. Als das ruchbar wurde, habe die Post einen Riegel durch entsprechende Vorschriften vorgeschoben. Ich habe dann mal etwas recherchiert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Foto: Kind in Posttasche<\/h2>\n<p>Die Geschichte taucht immer wieder in Medien und auch auf Social Media wie Facebook auf. Meist wird ein Foto gepostet, welches einen Brieftr\u00e4ger mit Posttasche zeigt, aus der ein Kleinkind schaut. Die Botschaft: \"Das ist ein Kind, welches per Post verschickt wurde\".<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/image.png\" alt=\"Kind in Posttasche\" \/><\/p>\n<p>Obiger Screenshot eines aktuellen Artikels zeigt dies &#8211; \u00fcber diesen Artikel, der sich hinter einer Bezahlschranke befindet, bin ich \u00fcber das Thema gestolpert. Ich bin der Geschichte dann nachgegangen, denn den Spiegel Online-Beitrag konnte ich nicht komplett lesen &#8211; und ich verlasse mich lieber auf eigene Recherchen.<\/p>\n<p>Ja, es stimmt, es gab F\u00e4lle, wo Kinder \"verschickt wurden\" &#8211; und nein, die obige Szene hat es so nicht gegeben.<\/p>\n<h2>Januar 1913: Was kannst Du per Post verschicken?<\/h2>\n<p>In den Anfangszeiten der US-Post, als der Paketdienst eingef\u00fchrt wurde, war noch nicht so ganz klar, was man eigentlich als Paket verschicken k\u00f6nnte. Als die Post\u00e4mter ab dem 1. Januar 1913 begannen, Pakete mit einem Gewicht von mehr als vier Pfund anzunehmen, gab es nur vage Vorschriften dar\u00fcber, was man mit der Post verschicken durfte und was nicht. Die Leute begannen sofort, die Grenzen auszutesten, indem sie Eier, Ziegelsteine, Schlangen und andere ungew\u00f6hnliche \"Pakete\" verschickten.<\/p>\n<p>Die Seite history.com zitiert <a href=\"https:\/\/www.history.com\/news\/mailing-children-post-office\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> die Geschichte des Ehepaars Beague, die im Januar 1913 ihren kleinen Sohn mit dem Paketdienst in Ohio verschickten. Die Beagues zahlten 15 Cent f\u00fcr eine Briefmarke und einen unbekannten Betrag, um den Sohn f\u00fcr 50 Dollar zu versichern. Sie \u00fcbergaben den Jungen dann dem Postboten, der den Jungen am Haus seiner Gro\u00dfmutter, etwa eine Meile entfernt, absetzte.<\/p>\n<p>Das gilt inzwischen als gesichert. \"In den ersten Jahren des Paketpostdienstes herrschte ein ziemliches Durcheinander\", wird Nancy Pope, leitende Kuratorin f\u00fcr Geschichte am National Postal Museum, in obigem Artikel zitiert.<\/p>\n<p>Auch in <a href=\"https:\/\/www.smithsonianmag.com\/smart-news\/brief-history-children-sent-through-mail-180959372\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> wird das aufgegriffen &#8211; und es gab wohl weitere F\u00e4lle von \"per Post verschickten\" Kindern (siehe auch nachfolgenden Text).<\/p>\n<h2>Nette Geschichte der Kinder-Postsendungen<\/h2>\n<p>Laut obigem Artikel berichteten am 14. Juni 1913 schlie\u00dflich mehrere Zeitungen, darunter die Washington Post, die New York Times und die Los Angeles Times, dass die Post der offiziell verf\u00fcgt habe, dass Kinder nicht mehr mit der Post verschickt werden durften.<\/p>\n<p>Diese Ank\u00fcndigung habe die Zahl der Kinder, die mit der Post verschickt wurden, wohl einged\u00e4mmt, aber wohl nicht beendet. Die Washington Post gibt in <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20240708100717\/https:\/\/www.washingtonpost.com\/news\/retropolis\/wp\/2017\/05\/24\/mail-that-baby-a-brief-history-of-kids-sent-through-the-u-s-postal-service\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Artikel<\/a> weitere F\u00e4lle an. Obwohl die Geschichte \"es war nicht bekannt, dass man keine Kinder verschicken darf\" so nicht ganz korrekt war, wie Jenny Lynch vom US-Postmuseum zitiert wird.<\/p>\n<p>Die Post hat zwar mit der Order \"No humans\" den Transport von Menschen als Paketsendung explizit gestoppt. Aber bereits bei Aufhebung des Gewichtslimits war klar, dass nur Tiere als Sendungen verschickt werden durften.\u00a0\"Nach den damaligen Vorschriften durften nur Bienen und K\u00e4fer mit der Post verschickt werden\", sagt Lynch dem <a href=\"https:\/\/www.smithsonianmag.com\/smart-news\/brief-history-children-sent-through-mail-180959372\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Smithsonian<\/a>. \"Es gibt einen Bericht \u00fcber May Pierstorff, die mit dem H\u00fchnertarif verschickt wurde, aber eigentlich waren K\u00fcken erst ab 1918 erlaubt.\" May Pierstorff wurde im Alter von 4 Jahren zu einem 79 Meilen entfernten Verwandten per Bahn als Postpaket verschickt und wohl in einem \"Postsack transportiert\".<\/p>\n<p>Kommen wir noch zum obigem Foto (oder \u00e4hnlichen Aufnahmen) zur\u00fcck. Wurden die Kinder wirklich in die Tasche des Brieftr\u00e4gers gesteckt und dann ausgeliefert? USA Today hat <a href=\"https:\/\/eu.usatoday.com\/story\/news\/factcheck\/2022\/07\/13\/fact-check-sending-people-through-mail-barred-1914\/7453093001\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> den Faktencheck gemacht. Ja, es gab einzelne F\u00e4lle, wo Kinder in die Obhut der Post gegeben und dann als eine Art \"Paket\" zum Empf\u00e4nger transportiert wurden. Bei May Pierstorff war aber eine Verwandte bei der Post besch\u00e4ftigt, die das Kind und ihre Kusine wohl beim Posttransport per Bahn begleitete. Mit dem L\u00f6sen der \"Briefmarke\" war der legalen Pflicht Gen\u00fcge getan.<\/p>\n<p>Und nein, es wurde kein Kind in eine Posttasche des Brieftr\u00e4gers gesteckt, um dann ausgeliefert zu werden. Nach den obigen Berichten haben Zeitgenossen sich den Spa\u00df erlaubt, einen Brieftr\u00e4ger mit Tasche zu greifen, ein Kind in die Tasche zu stecken und ein Foto zu schie\u00dfen. Die Aufnahme war als Spa\u00df gedacht und wurde dann humorvoll ausgeschm\u00fcckt. Und diese Fotos kreisen noch heute mit der obigen Schichte durch die Medien. So, und nun muss niemand mehr dumm sterben.<\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2022\/12\/13\/der-kentucky-meat-shower-von-1876-was-war-da-los\/\" rel=\"bookmark\">Fleischregen: Der \"Kentucky Meat Shower\" von 1876, was war da los<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2023\/09\/11\/alaska-tauchroboter-findet-goldenes-ei-33-km-tief-im-meer\/\" rel=\"bookmark\">Alaska: Tauchroboter findet \"goldenes Ei\" 3,3 km tief im Meer<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2023\/11\/08\/der-lenoniden-meteorschauer-von-1833\/\" rel=\"bookmark\">Der Lenoniden-Meteorschauer von 1833<\/a><\/p>\n<h2 class=\"entry-title\"><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen bin ich auf einen sehr skurrilen Sachverhalt gesto\u00dfen. In den USA, hie\u00df es, h\u00e4tten Eltern ihre Kleinkinder vor 100 Jahren mit der US-Post, zum Beispiel zu Gro\u00dfeltern, verschicken lassen. 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