{"id":24545,"date":"2024-04-14T00:06:36","date_gmt":"2024-04-13T22:06:36","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=24545"},"modified":"2024-04-12T11:14:55","modified_gmt":"2024-04-12T09:14:55","slug":"sternenpaar-in-nebel-mit-besonderem-geheimnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2024\/04\/14\/sternenpaar-in-nebel-mit-besonderem-geheimnis\/","title":{"rendered":"Sternenpaar in Nebel mit besonderem Geheimnis"},"content":{"rendered":"<p>Als Astronomen und Astronominnen ein Sternpaar ein Doppelsternsystem im Herzen einer eindrucksvollen Gas- und Staubwolke beobachteten, erlebten sie eine \u00dcberraschung. Sternpaare sind sich normalerweise sehr \u00e4hnlich, wie Zwillinge. Doch bei HD 148937 scheint ein Stern j\u00fcnger und im Gegensatz zum anderen magnetisch zu sein. Neue Daten der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO) deuten darauf hin, dass das System urspr\u00fcnglich aus drei Sternen bestand, bis zwei von ihnen zusammenstie\u00dfen und verschmolzen. Durch dieses einschneidende Ereignis entstand die umgebende Wolke und ver\u00e4nderte das Schicksal des Systems f\u00fcr immer.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist schon eine spannende Entdeckung, die die Wissenschaftler der ESO <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/news\/eso2407\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier beschreiben<\/a>. \"<em>Beim Recherchieren der Hintergr\u00fcnde fiel mir auf, wie besonders dieses System zu sein schien<\/em>\", sagt Abigail Frost. Sie ist Astronomin bei der ESO in Chile und Hauptautorin der in <em>Science<\/em>\u00a0ver\u00f6ffentlichten Studie. Das System, HD\u00a0148937, befindet sich etwa 3800 Lichtjahre von der Erde entfernt in Richtung des Sternbilds Norma. Es besteht aus zwei Sternen, die viel massereicher sind als die Sonne und von einem wundersch\u00f6nen Nebel, einer Wolke aus Gas und Staub, umgeben sind.<\/p>\n<blockquote><p><em>Ein Nebel, der zwei massereiche Sterne umgibt, ist eine Seltenheit, und wir hatten wirklich das Gef\u00fchl, dass in diesem System etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches passiert sein muss. Als wir uns die Daten ansahen, wurde die Verbl\u00fcffung nur noch gr\u00f6\u00dfer.<\/em><\/p>\n<p><em>Nach einer detaillierten Analyse konnten wir feststellen, dass der massereichere Stern viel j\u00fcnger zu sein scheint als sein Begleiter, was keinen Sinn ergibt, da sie zur gleichen Zeit entstanden sein m\u00fcssten!<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>sagt Frost. Der eine Stern scheint mindestens 1,5 Millionen Jahre j\u00fcnger zu sein als der andere. Der Altersunterschied deutet darauf hin, dass etwas den massereicheren Stern verj\u00fcngt haben muss.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/images\/eso2407b\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/archives\/images\/thumb700x\/eso2407b.jpg\" alt=\"Nebel mit Doppelstern\" width=\"615\" height=\"364\" \/><\/a><br \/>\nK\u00fcnstlerische Darstellung; Quelle: <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/images\/eso2407b\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ESO\/L. Cal\u00e7ada, VPHAS+ team<\/a>. Acknowledgement: CASU<\/p>\n<p>Ein weiteres Teil des Puzzles ist der Nebel, der die Sterne umgibt, bekannt als\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/NGC_6164\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NGC\u00a06164\/6165<\/a>. Er ist 7500 Jahre alt, also Hunderte Male j\u00fcnger als die beiden Sterne. Der Nebel weist auch sehr hohe Mengen an Stickstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff auf. Dies verwundert, da diese Elemente normalerweise tief im Inneren eines Sterns und nicht au\u00dferhalb erwartet werden; es scheint, als ob ein gewaltsames Ereignis sie freigesetzt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Um das Geheimnis zu l\u00fcften, sammelte das Team Daten aus neun Jahren mit den Instrumenten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/teles-instr\/paranal-observatory\/vlt\/vlt-instr\/pionier\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PIONIER<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/teles-instr\/paranal-observatory\/vlt\/vlt-instr\/gravity\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GRAVITY<\/a>, die beide am Very Large Telescope Interferometer (<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/teles-instr\/paranal-observatory\/vlt\/vlti\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">VLTI<\/a>) der ESO in der chilenischen\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Atacama-W%C3%BCste\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Atacamaw\u00fcste<\/a>\u00a0installiert sind. Sie verwendeten au\u00dferdem Archivdaten des\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/teles-instr\/lasilla\/mpg22\/feros\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FEROS<\/a>-Instruments am La Silla-Observatorium der ESO.<\/p>\n<p>\"<em>Wir gehen davon aus, dass dieses System urspr\u00fcnglich aus mindestens drei Sternen bestand, von denen zwei zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Umrundung sehr nahe beieinander lagen, w\u00e4hrend ein anderer Stern viel weiter entfernt war<\/em>\", erkl\u00e4rt Hugues Sana, Professor an der KU Leuven in Belgien und Hauptverantwortlicher f\u00fcr die Beobachtungen.<\/p>\n<blockquote><p><em>Die beiden inneren Sterne verschmolzen auf gewaltsame Weise, wodurch ein magnetischer Stern entstand. Dabei wurde einiges an Material herausgeschleudert, das den Nebel entstehen lie\u00df. Der weiter entfernte Stern bildete eine neue Umlaufbahn mit dem neu verschmolzenen, nun magnetischen Stern, wobei der Doppelstern entstand, den wir heute im Zentrum des Nebels sehen.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Fusionsszenario hatte ich bereits 2017 im Kopf, als ich Nebelbeobachtungen mit dem Herschel-Weltraumteleskop der Europ\u00e4ischen Weltraumorganisation untersuchte<\/em>\"<\/p><\/blockquote>\n<p>f\u00fcgt Mitautor Laurent Mahy hinzu, derzeit leitender Forscher am K\u00f6niglichen Observatorium von Belgien. \"Die Entdeckung einer Altersdiskrepanz zwischen den Sternen deutet darauf hin, dass dieses Szenario das plausibelste ist, und nur die neuen ESO-Daten konnten es best\u00e4tigen.\"<\/p>\n<p>Dieses Szenario erkl\u00e4rt auch, warum einer der Sterne in diesem System magnetisch ist und der andere nicht \u2013 eine weitere Besonderheit von HD\u00a0148937, die in den VLTI-Daten entdeckt wurde.<\/p>\n<p>Gleichzeitig hilft es, ein langj\u00e4hriges R\u00e4tsel der Astronomie zu l\u00f6sen: n\u00e4mlich wie massereiche Sterne ihre Magnetfelder erhalten. W\u00e4hrend Magnetfelder bei massearmen Sternen wie unserer Sonne \u00fcblich sind, k\u00f6nnen massereichere Sterne Magnetfelder nicht auf die gleiche Weise aufrechterhalten. Dennoch sind einige massereiche Sterne tats\u00e4chlich magnetisch.<\/p>\n<p>Astronominnen und Astronomen hatten schon seit einiger Zeit vermutet, dass massereiche Sterne bei der Verschmelzung zweier Sterne Magnetfelder entwickeln k\u00f6nnen. Jetzt haben die Forscher zum ersten Mal direkte Beweise f\u00fcr diesen Vorgang gefunden. Im Falle von HD 148937 muss die Verschmelzung erst in j\u00fcngster Vergangenheit stattgefunden haben. \"<em>Man nimmt an, dass der Magnetismus in massereichen Sternen im Vergleich zur Lebensdauer des Sterns nicht sehr lange anh\u00e4lt. Es scheint also, dass wir dieses seltene Ereignis sehr kurz nach seiner Entstehung beobachtet haben<\/em>\", f\u00fcgt Frost hinzu.<\/p>\n<p>Das Extremely Large Telescope (<a href=\"https:\/\/elt.eso.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ELT<\/a>) der ESO, das derzeit in der chilenischen Atacamaw\u00fcste gebaut wird, wird es den Forschern erm\u00f6glichen, die Vorg\u00e4nge in diesem System genauer zu untersuchen und vielleicht noch mehr \u00dcberraschungen zu entdecken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Astronomen und Astronominnen ein Sternpaar ein Doppelsternsystem im Herzen einer eindrucksvollen Gas- und Staubwolke beobachteten, erlebten sie eine \u00dcberraschung. Sternpaare sind sich normalerweise sehr \u00e4hnlich, wie Zwillinge. 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