{"id":27797,"date":"2025-04-10T00:21:44","date_gmt":"2025-04-09T22:21:44","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=27797"},"modified":"2025-04-07T11:33:17","modified_gmt":"2025-04-07T09:33:17","slug":"marmor-fresser-die-alien-in-der-wueste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2025\/04\/10\/marmor-fresser-die-alien-in-der-wueste\/","title":{"rendered":"Marmor-Fresser: Die \"Alien\" in der W\u00fcste"},"content":{"rendered":"<p>Wissenschaftler sind auf eine bisher unbekannte Lebensform in Form von Mikrorganismen gesto\u00dfen, die Marmor und Kalkstein als Lebensraum nutzen. Entdeckt wurden die Spuren (R\u00f6hren) in Marmor und Kalkstein in W\u00fcsten der Erde. Was diese R\u00f6hren in den Stein frisst, ist bisher unbekannt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist eine faszinierende Enddeckung, die die Forscher um C. W. Passchier von der Goethe Universit\u00e4t Frankfurt per <a href=\"https:\/\/presse.uni-mainz.de\/unbekannte-mikroorganismen-nutzten-marmor-und-kalkstein-als-lebensraum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressemitteilung<\/a> \u00f6ffentlich machten.\u00a0In den W\u00fcstengebieten von Namibia, Oman und Saudi-Arabien sind bei Forschungsarbeiten besondere Ph\u00e4nomene aufgefallen, die wahrscheinlich auf die T\u00e4tigkeit einer unbekannten mikrobiologischen Lebensform zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/gJMMh8yQ\/image.png\" alt=\"Spuren im Stein\" width=\"640\" height=\"295\" \/><br \/>\nL\u00f6cher im Stein; Quelle: Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt<\/p>\n<p>In Marmor und Kalkstein dieser W\u00fcstenregionen wurden ungew\u00f6hnlich kleine L\u00f6cher entdeckt \u2013 winzige R\u00f6hrchen, die das Gestein in paralleler Anordnung von oben nach unten durchziehen.<\/p>\n<p>\"Wir waren \u00fcberrascht, denn diese R\u00f6hrchen sind offenbar nicht das Ergebnis eines geologischen Prozesses\", sagt Prof. Dr. Cees Passchier von der Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz (JGU), der zuerst bei geologischen Feldarbeiten in Namibia auf das Ph\u00e4nomen gesto\u00dfen ist. Bei den folgenden Gesteinsuntersuchungen wurden Reste biologischen Materials gefunden, anscheinend haben Mikroorganismen das Gestein durchl\u00f6chert. \"Ob es sich dabei um eine Lebensform handelt, die ausgestorben ist oder die noch irgendwo lebt, wissen wir derzeit allerdings nicht\", erkl\u00e4rt Cees Passchier.<\/p>\n<h2>Erste Funde in Namibia gaben R\u00e4tsel auf<\/h2>\n<p>Cees Passchier ist Geologe und arbeitet unter anderem seit 25 Jahren in Namibia. Bei seinen Forschungsarbeiten steht die geologische Rekonstruktion von pr\u00e4kambrischen Gesteinen im Fokus. \"Wir schauen uns die Struktur der Gesteine an, um herauszufinden, wie sich vor 500 bis 600 Millionen Jahren die Kontinente zu dem Superkontinent Gondwana zusammengef\u00fcgt haben\", erkl\u00e4rt Passchier.<\/p>\n<p>Damals haben sich in den alten Ozeanen Kalkablagerungen gebildet, die durch Druck und Hitze zu Marmor wurden. \"In diesem Marmor sind uns seltsame Strukturen aufgefallen, die nicht auf geologische Ereignisse zur\u00fcckgehen.\" Anstelle von glatten Schnittfl\u00e4chen waren R\u00f6hrchen zu sehen, die etwa einen halben Millimeter breit und bis zu drei Zentimeter lang waren, sich parallel aneinanderreihten und so B\u00e4nder von bis zu zehn Meter L\u00e4nge formten. In den Spalten hatte sich teilweise Krustenkalk gebildet.<\/p>\n<p>Diese ersten Funde in der namibischen W\u00fcste liegen bereits 15 Jahre zur\u00fcck. In der Zwischenzeit ist Cees Passchier zusammen mit Kolleginnen vom Institut f\u00fcr Geowissenschaften der JGU und Dr. Trudy Wassenaar, Leiterin des Consultingunternehmens Molecular Microbiology and Genomics Consultants, dem Ph\u00e4nomen weiter nachgegangen. \"Es musste nach unserer Einsch\u00e4tzung ein Mikroorganismus sein, der diese R\u00f6hrchen gebildet hat.\"<\/p>\n<p>Denn die R\u00f6hrchen waren nicht leer, sondern mit einem feinen Pulver aus sauberem Kalziumkarbonat gef\u00fcllt. Mikroorganismen, so die Vermutungen, k\u00f6nnten die Tunnel gebohrt haben, um N\u00e4hrstoffe in Kalziumkarbonat, also dem Marmor-Baustein, zu nutzen. Das feine Pulver blieb zur\u00fcck. Au\u00dferdem fand Passchier bei Gel\u00e4ndearbeiten im Oman und anschlie\u00dfend auch in Saudi-Arabien ganz \u00e4hnliche Strukturen \u2013 im Oman allerdings in Kalkstein, in der saudi-arabischen W\u00fcste wiederum in Marmor.<\/p>\n<p>\"Es handelt sich in allen F\u00e4llen um alte Strukturen, vielleicht ein oder auch zwei Millionen Jahre alt\", vermutet der Wissenschaftler. \"Wir nehmen an, dass sie in einem etwas feuchteren Klima gebildet wurden und nicht in dem trockenen W\u00fcstenklima, wie es heute vorherrscht.\" Welcher Organismus diese Strukturen verursacht hat, bleibt allerdings ein R\u00e4tsel.<\/p>\n<h2>Gestein als Lebensgrundlage f\u00fcr Mikroorganismen<\/h2>\n<p>Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze oder Flechten kommen selbst in unwirtlichen oder entlegenen Winkeln der Erde vor. Sogenannte endolithische Mikroorganismen sind in W\u00fcstengebieten nicht selten: Sie k\u00f6nnen ihre Energie und N\u00e4hrstoffe f\u00fcr ihre Versorgung aus dem besiedelten Gestein beziehen.<\/p>\n<p>\"Das Spannende an unserer Entdeckung ist, dass wir nicht wissen, um welchen endolithischen Mikroorganismus es sich hier handelt. Ist es eine bekannte Lebensform oder ein komplett unbekannter Organismus?\" Cees Passchier zufolge muss es sich um einen Organismus handeln, der Nahrungsstoffe aus Kalziumkarbonat ben\u00f6tigt, um sich am Leben zu erhalten, allerdings ohne Licht auskommt, weil die R\u00f6hrchen auch tief im Innern des Gesteins sitzen. Zwar wurde biologisches Material gefunden, allerdings keine DNA oder Proteine, die weitere Erkenntnisse bringen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Passchier hofft, dass sich k\u00fcnftig Spezialisten f\u00fcr Endolithen mit dem Ph\u00e4nomen befassen werden. \"Diese Lebensform, von der wir nicht wissen, ob sie noch existiert, k\u00f6nnte f\u00fcr den globalen Kohlenstoffkreislauf von Bedeutung sein. Daher ist es wichtig, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft darauf aufmerksam wird.\" Die Freisetzung von Kohlenstoff durch die biologische Aktivit\u00e4t von Mikroorganismen kann unter Umst\u00e4nden auch f\u00fcr die CO2-Bilanz der Erde eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen.<\/p>\n<p>Cees Passchier war von 1993 bis 2019 Professor f\u00fcr Tektonophysik und Strukturgeologie am Institut f\u00fcr Geowissenschaften der Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz und ist seit 2019 Seniorforschungsprofessor in Geoarch\u00e4ologie der JGU. Die aktuelle Forschungsarbeit \"Subfossil Fracture-Related Euendolithic Micro-burrows in Marble and Limestone\" wurde im Fachmagazin Geomicrobiology Journal ver\u00f6ffentlicht. Die Pressemitteilung enth\u00e4lt noch eine Reihe Fotos solcher Gesteinsstrukturen mit den Spuren der Lebewesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftler sind auf eine bisher unbekannte Lebensform in Form von Mikrorganismen gesto\u00dfen, die Marmor und Kalkstein als Lebensraum nutzen. Entdeckt wurden die Spuren (R\u00f6hren) in Marmor und Kalkstein in W\u00fcsten der Erde. 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