{"id":27844,"date":"2025-04-28T00:05:09","date_gmt":"2025-04-27T22:05:09","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=27844"},"modified":"2025-04-23T18:19:24","modified_gmt":"2025-04-23T16:19:24","slug":"laacher-see-vulkanausbruch-um-126-jahre-vordatiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2025\/04\/28\/laacher-see-vulkanausbruch-um-126-jahre-vordatiert\/","title":{"rendered":"Laacher See: Vulkanausbruch um 126 Jahre vordatiert"},"content":{"rendered":"<p>Zum Ostermontag habe ich noch ein \"hei\u00dfes Thema\" &#8211; es geht um den Laacher See in der Eifel, der durch einen Vulkanausbruch entstanden ist. Ist zwar schon ein paar Tage her, aber als \"Kind der Eifel\", der sozusagen in Nachbarschaft eines erloschenen Vulkans, Mosenberg bei Manderscheid, aufgewachsen ist, fasziniert mich das Thema. Forscher haben nun festgestellt, dass der Ausbruch 126 Jahre fr\u00fcher als bisher bekannt stattfand.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Der Laacher See<\/h2>\n<p>Der\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Laacher_See\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Laacher See<\/a>\u00a0liegt in der \u00f6stlichen Vulkaneifel, nahe der\u00a0<a title=\"Abtei Maria Laach\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abtei_Maria_Laach\">Abtei Maria Laach<\/a>\u00a0in der Ortsgemeinde\u00a0Glees. Es ist der gr\u00f6\u00dfte\u00a0See\u00a0in\u00a0Rheinland-Pfalz, der durch einen Vulkanausbruch in der\u00a0<a title=\"Caldera (Krater)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Caldera_(Krater)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Caldera<\/a>\u00a0des\u00a0<i>Laacher Vulkans<\/i>\u00a0nach dessen letzter\u00a0Eruption entstand.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/0\/0c\/Laacher_See_-_Luftaufnahme.jpg\/960px-Laacher_See_-_Luftaufnahme.jpg\" alt=\"Lacher See\" width=\"631\" height=\"357\" \/><br \/>\nLaacher See, Luftaufnahme, Quelle: Wikimedia <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.en\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BY SA 4.0<\/a><\/p>\n<h2>Neue Datierung des Ausbruchs<\/h2>\n<p>Bisher ging man davon aus, dass dieser Ausbruch 10.930 v. Chr. passierte. Ein internationales Forschungsteam mit Berner Beteiligung zeigt laut <a href=\"https:\/\/mediarelations.unibe.ch\/medienmitteilungen\/2021\/medienmitteilungen_2021\/laacher_see_vulkanausbruch_um_126_jahre_vordatiert\/index_ger.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieser Mitteilung<\/a>, dass der Ausbruch des Laacher See Vulkans und damit auch der letzte gro\u00dfe Temperatursturz am Ende der letzten Eiszeit (die J\u00fcngere Dryas) 126 Jahre fr\u00fcher stattfanden als bisher angenommen. Dieses Resultat soll nun helfen, die globalen Klimafolgen des Ausbruchs genauer zu rekonstruieren sowie die Ursachen f\u00fcr den K\u00e4lter\u00fcckfall der J\u00fcngeren Dryas zu entschl\u00fcsseln.<\/p>\n<p>Der Ausbruch des Laacher See Vulkans in der Eifel (D) z\u00e4hlt zu den gr\u00f6\u00dften Eruptionen, die sich w\u00e4hrend der vergangenen 100 000 Jahre in Mitteleuropa ereignet haben. Die Eruption bef\u00f6rderte rund 20 Kubikkilometer Asche und die Eruptionswolke reichte \u00fcber 20 Kilometer in die H\u00f6he, vergleichbar mit dem Ausbruch des Pinatubo im Jahr 1991. Technische Fortschritte und Funde von Baumresten, die im Zuge der Eruption begraben wurden, erm\u00f6glichen nun eine genaue Datierung des Ereignisses. Demnach ist der Ausbruch des Laacher See Vulkans vor 13 077 Jahren erfolgt und damit 126 Jahre fr\u00fcher als bisher angenommen.<\/p>\n<p>Dies wirft ein neues Licht auf die Klimageschichte des gesamten nordatlantischen und europ\u00e4ischen Raums und erfordert eine Anpassung der europ\u00e4ischen Klimaarchive. \u00abWir k\u00f6nnen damit einen Temperatursturz am Ende der letzten Kaltzeit genau datieren, sodass sich die Angaben jetzt mit denen von Bohrkernen aus dem Gr\u00f6nlandeis decken\u00bb, sagt Erstautor Frederick Reinig, Dendrochronologe an der Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz (JGU).<\/p>\n<p>An dem Projekt war ein internationales Forschungsteam aus der Arch\u00e4ologie, Klimatologie, \u00d6kologie, Radiokarbondatierung und Vulkanologie beteiligt, darunter Michael Sigl vom Oeschger Centre for Climate Change Research (OCCR) der Universit\u00e4t Bern. Die Forschungsergebnisse wurden in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Nature publiziert.<\/p>\n<h2>Verkohlte Holzreste von Birken &amp; Pappeln blieben erhalten<\/h2>\n<p>Der Ausbruch des Laacher See Vulkans war eine Naturkatastrophe, die weite Teile Europas betroffen hat. Der Ascheregen gelangte bis nach Norditalien im S\u00fcden und Sankt Petersburg im Osten. In der unmittelbaren Umgebung und im benachbarten Rheintal bildeten sich bis zu 16 Meter hohe Ablagerungen aus Asche und Bims, die alles Leben unter sich begruben. \u00abPyroklastische Str\u00f6me haben bei dem Ausbruch damals die Vegetation um den Laacher See Vulkan zugesch\u00fcttet. Die B\u00e4ume wurden innerhalb der Aschesedimente teilweise verkohlt und bis heute konserviert\u00bb, beschreibt Reinig den Vorgang, der sich im sp\u00e4ten Fr\u00fchling bis fr\u00fchen Sommer ereignet hatte und vermutlich mehrere Wochen andauerte \u2013 und der heute den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die genaue Datierung des Ereignisses erm\u00f6glicht. \u00abDiese h\u00f6lzernen Zeitzeugen sind allerdings sehr selten und sie sind schwierig zu bergen\u00bb, so Reinig, Erstautor der Studie.<\/p>\n<p>\u00abDie regionalen Auswirkungen des Vulkanausbruchs sind gut erforscht. Was uns bisher gefehlt hat, ist die Sicherheit, wann genau dies passiert ist\u00bb, erkl\u00e4rt Ulf B\u00fcntgen, Co-Autor der Nature-Publikation von der University of Cambridge. Dies konnte nun anhand der Proben von versch\u00fctteten Birken und Pappeln ermittelt werden.<\/p>\n<h2>Baumringe liefern das genaue Datum der Eruption<\/h2>\n<p>Die vulkanischen Sedimente haben nicht nur die Holzst\u00fccke \u00fcber 13 000 Jahre lang konserviert, sondern damit blieben auch die Jahrringe der B\u00e4ume erhalten. \u00abDie Jahrringe geben uns die M\u00f6glichkeit, das Alter der Proben genau zu bestimmen\u00bb, sagt Jan Esper von der Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz (JGU). In einer gemeinsamen Initiative der Eidgen\u00f6ssischen Forschungsanstalt f\u00fcr Wald, Schnee und Landschaft WSL in Birmensdorf, Schweiz, mit dem Arch\u00e4ologischen Forschungszentrum und Museum f\u00fcr menschliche Verhaltensevolution Monrepos in Neuwied wurden sowohl neu entdeckte Proben als auch \u00e4ltere Fundst\u00fccke analysiert. Dazu hat das Labor f\u00fcr Ionenstrahlphysik der ETH Z\u00fcrich 157 hochaufgel\u00f6ste Radiokarbonmessungen vorgenommen. Die Kalibrierung dieser Ergebnisse gegen eine Schweizer Radiokarbonreferenz ergab dann die pr\u00e4zise Datierung. \u00abDie stetigen Fortschritte bei der Radiokarbon-Messtechnik und bei der Kalibrierung sowie die sorgsame Handhabung der empfindlichen Proben waren der Schl\u00fcssel, damit wir diese Datierung mit einer Unsicherheit von weniger als zehn Jahren etablieren konnten\u00bb, so Lukas Wacker von der ETH.<\/p>\n<h2>Europ\u00e4ischen Klimaarchive werden nun angepasst<\/h2>\n<p>Die Eruption des Laacher See Vulkans erfolgte nach der Darstellung in Nature 13.006 Jahre vor 1950, mit einer Unsicherheit von 9 Jahren. Das ist 126 Jahre fr\u00fcher als die bisher allgemein akzeptierte Datierung anhand von Sedimenten im Meerfelder Maar.<\/p>\n<p>Diese Differenz hat weitreichende Folgen f\u00fcr die europ\u00e4ischen Klimaarchive und die europ\u00e4ische Klimageschichte. Der Ascheregen, der infolge des Vulkanausbruchs \u00fcber grosse Gebiete Mitteleuropas niederging, ist ein wichtiger Zeitmarker f\u00fcr Pal\u00e4oumweltarchive. Aufgrund der Neudatierung m\u00fcssen nun die europ\u00e4ischen Archive angepasst werden. Gleichzeitig wurde damit eine bislang bestehende Differenz zu den Daten der gr\u00f6nl\u00e4ndischen Eisbohrkerne geschlossen.<\/p>\n<p>Dies bedeutet, dass der massive K\u00e4lteeinbruch zu Beginn der J\u00fcngeren Dryaszeit auch in Mitteleuropa bereits 130 Jahre fr\u00fcher \u2013 also vor ca. 12.870 Jahren \u2013 erfolgt, wie es auch die Eisbohrkerne aus Gr\u00f6nland f\u00fcr den nordatlantischen Raum anzeigen. W\u00e4hrend der J\u00fcngeren Dryaszeit, der letzten Kaltphase vor der aktuell herrschenden Warmphase, sanken die Temperaturen um bis zu 5 Grad Celsius. \u00abDiese starke Abk\u00fchlung vollzog sich nicht, wie bislang gedacht, zeitlich versetzt \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum, sondern verlief \u00fcber den gesamten nordatlantischen Raum und Mitteleuropa synchron\u00bb, sagt Frederick Reinig. Die Ergebnisse des interdisziplin\u00e4ren Forscherteams legen damit nicht nur ein pr\u00e4zises Datum f\u00fcr den Ausbruch des Laacher See Vulkans in der Eifel fest. Das revidierte Alter der Aschesedimente und die damit verbundene Verschiebung der europ\u00e4ischen Klimaarchive wirft nun ein neues Licht auf die Klimageschichte des gesamten nordatlantischen und europ\u00e4ischen Raums.<\/p>\n<p><em>Quelle:\u00a0Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t Mainz<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00c4hnliche Artikel:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2021\/03\/17\/vulkan-in-der-eifel-ein-dorf-hebt-sich\/\">Vulkan in der Eifel \u2013 ein Dorf hebt sich<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Ostermontag habe ich noch ein \"hei\u00dfes Thema\" &#8211; es geht um den Laacher See in der Eifel, der durch einen Vulkanausbruch entstanden ist. 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