{"id":28206,"date":"2025-06-28T00:03:35","date_gmt":"2025-06-27T22:03:35","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=28206"},"modified":"2025-06-24T11:10:50","modified_gmt":"2025-06-24T09:10:50","slug":"rungholt-sage-oder-realer-ort-was-die-wissenschaft-sagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2025\/06\/28\/rungholt-sage-oder-realer-ort-was-die-wissenschaft-sagt\/","title":{"rendered":"Rungholt: Sage oder realer Ort, was die Wissenschaft sagt"},"content":{"rendered":"<p>Rungholt, in der Nordsee versunkene reiche Stadt &#8211; auf jeden Fall eine Sage aus Norddeutschland. Aber gab es diesen Ort an der Nordsee wirklich, oder gibt es inzwischen entsprechende Erkenntnisse. Und wenn es Rungholt gab, warum verschwand es, obwohl andere Inseln wie die Hallige erhalten blieben? Die Wissenschaft hat inzwischen Antworten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Die Sage von Rungholt<\/h2>\n<p>Am 15. Januar 1362 begann eine gro\u00dfe Sturmflut an der Nordseek\u00fcste, die bis zum 16. Januar 1362 anhielt. Weil am 16.1. der Gedenktag an <i>Marcelli Pontificis <\/i>(Papstes\u00a0<a title=\"\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marcellus_I.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marcellus\u00a0I.<\/a>) war und die Flut erst am 17.1. zur\u00fcck ging, wird das Ereignis als Marcellus-Flut oder \"Gro\u00dfe Mantr\u00e4nke\" (auf Grund der vielen Todesopfer) in den Geschichtsb\u00fcchern gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>In dieser Flut sollen die nordfriesischen\u00a0<a title=\"Uthlande\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Uthlande\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Uthlande<\/a> zerrissen sein. Rund 100.000 Hektar Land, darunter viel fruchtbares Kulturland, gingen verloren. Zwischen Elbe und Ripen sollen der \u00dcberlieferung nach zehntausende Menschen ums Leben gekommen sein.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/d6\/Nordfriesland_um_1240.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.imgur.com\/vh2RpgH.png\" alt=\"Karte Nordfrieslands von Johannes Meier (Ausschnitt)\" width=\"640\" height=\"452\" \/><\/a><br \/>\nKarte Nordfrieslands aus 1649 von Johannes Meier (Ausschnitt), gemeinfrei<\/p>\n<p>Im Jahr 1622 erw\u00e4hnte der Chronist Anton Heimreich die gro\u00dfe Sturmflut von 1362, bei der\u00a0<a title=\"Rungholt\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rungholt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rungholt<\/a>, der damals gr\u00f6\u00dfte Handelsort des Nordens, s\u00fcdliche von Pellworm, verloren ging. Der Ort und seine Bewohner seien als Strafe Gottes, f\u00fcr ihren Hochmut und frevelhaftes Verhalten, vom Meer geholt worden.<\/p>\n<p>Auf der 1649 herausgegebenen Nordfriesland-Karte von\u00a0<a title=\"Johannes Mejer (Kartograf)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johannes_Mejer_(Kartograf)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Johannes Mejer<\/a> sind die versunkenen K\u00fcstengebiete aufgef\u00fchrt. Rot umrandet sind die heutigen Grenzen markiert. Ich habe Rungholt mit einem roten Pfeil in der Karte markiert. Es scheint ein gr\u00f6\u00dferer Ort mit einer Kirche gewesen zu sein.<\/p>\n<h2>Entdeckungen und wissenschaftliche Erkenntnisse<\/h2>\n<p>Es gab keine Chroniken \u00fcber Rungholt, die oben erw\u00e4hnten Berichte entstanden 270 Jahre sp\u00e4ter, so dass zwischenzeitlich unklar war, ob dieser Ort je existiert hat und ob es eine wohlhabende Gemeinde war.<\/p>\n<p>Die Wikipedia <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rungholt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">beschreibt<\/a> Berichte \u00fcber Funde in den vergangenen Jahrhunderten. Um 1880 entdeckte ein Fischer gro\u00dfe Holzreste im Watt, an jener Stelle, an der sp\u00e4ter die Schleusen von Rungholt gefunden wurden.<\/p>\n<p>Zwischen 1921 und 1938 sp\u00fclten die Gezeiten im Watt n\u00f6rdlich der Hallig S\u00fcdfall wieder \u00dcberreste von Warften, andere Bauten, einen Deichfu\u00df, Brunnen und Zisternen frei, die eine gute Vorstellung von der Gr\u00f6\u00dfe der Siedlung vermittelten. Die Funde wurden zwar sehr schnell wieder vom Meer zerst\u00f6rt, wurden aber vorher systematisch erfasst und erforscht und konnten Angaben auf alten Karten best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Die Siedlung bestand, laut Wikipedia, aus \u00fcber 50 Warften. Der Rungholt-Forscher Andreas Busch wird dort mit einer auf der Anzahl und Verteilung von Brunnenresten basierenden Sch\u00e4tzung einer Bev\u00f6lkerung von mindestens 1500 bis 2000 Einwohner zitiert. Es war eine gro\u00dfe Zahl f\u00fcr eine Ortschaft des 14. Jahrhunderts in dieser Gegend. Kiel beispielsweise hatte zu jener Zeit genauso viele Bewohner, in Hamburg lag die Zahl bei etwa 5000, hei\u00dft es auf der Wikipedia.<\/p>\n<p>Die Seite scinexx.de hat ein <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/dossier\/rungholt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sogenanntes Dossier<\/a> verfasst, welches sich mit der Sage und den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Rungholt befasst. Ich fand es ganz am\u00fcsant zu lesen. Spannend auch die Frage, warum Rungholt unterging und andere Teile der Nordseek\u00fcste, wie die heutige Hallig S\u00fcdfall, vom Untergang verschont blieben.<\/p>\n<p>Das Dossier widmet sich in einem ausf\u00fchrlichen Teil den Problemen des K\u00fcstenschutzes &#8211; samt Aussagen zur Pest, der viele Menschen dahin raffte, so dass der K\u00fcstenschutz und die Deiche vernachl\u00e4ssigt wurden. Auch Torfabbau senkte das Land hinter den Deichen ab.<\/p>\n<p>Aber die Hallig S\u00fcdfall liegt auf einem tonhaltigen, stark verdichteten und daher sehr stabilen, Sockel aus der Eiszeit, konnte also der Sturmflut trotzen. Die Warften von Rungholt lagen dagegen in einem eiszeitlichen Mor\u00e4nental. Dieses von den Gletschern tief ausgewaschene Tal f\u00fcllte sich nach Ende der Eiszeit mit Ablagerungen aus Sanden und Tonen auf. Diese Gesteinsschichten waren aber nur locker geschichtet und wurden von der Flut weg gesp\u00fclt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rungholt, in der Nordsee versunkene reiche Stadt &#8211; auf jeden Fall eine Sage aus Norddeutschland. Aber gab es diesen Ort an der Nordsee wirklich, oder gibt es inzwischen entsprechende Erkenntnisse. 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