{"id":28255,"date":"2025-06-30T00:03:55","date_gmt":"2025-06-29T22:03:55","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.com\/senioren\/?p=28255"},"modified":"2025-06-29T19:01:58","modified_gmt":"2025-06-29T17:01:58","slug":"chemiker-stellen-erstmals-hexastickstoff-her","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2025\/06\/30\/chemiker-stellen-erstmals-hexastickstoff-her\/","title":{"rendered":"Chemiker stellen erstmals Hexastickstoff her"},"content":{"rendered":"<p>Es war eine Meldung, die mir Mitte Juni 2025 unterkam und Nobelpreis-verd\u00e4chtigt sein k\u00f6nnte. Einem Chemieteam der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen (JLU) ist es gelungen, Hexastickstoff (N\u2086) im Labor zu erzeugen &#8211; ein Molek\u00fcl, welches aus sechs Stickstoff-Atomen besteht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Hexastickstoff (N<sub>6<\/sub>) ist ein Molek\u00fcl, welches aus reinem (Stickstoff (N<sub>2<\/sub>) besteht, aber sechs Stickstoffatome vereint. Das Molek\u00fcl wurde bisher nur theoretisch vorhergesagt. In der Natur kommt N<sub>6 <\/sub> nicht vor, da Hexastickstoff sofort zu normalem (Di-)Stickstoff (N<sub>2<\/sub>) zerf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Zur Herstellung von Hexastickstoff (N<sub>6<\/sub>) lie\u00df das Forschungsteam um den Chemiker Prof. Dr. Peter R. Schreiner Chlorgas (Cl\u2082) oder Brom (Br\u2082) mit Silberazid (AgN\u2083) reagieren. Die entstehenden Reaktionsprodukte wurden bei sehr tiefen Temperaturen (\u2013263 \u00b0C) in einer Argon-Eismatrix eingefangen, um sie zu stabilisieren und N<sub>6<\/sub> zu nachzuweisen. Au\u00dferdem gelang es, N<sub>6<\/sub> in Reinform als d\u00fcnnen Film bei \u2013196 \u00b0C (Temperatur von fl\u00fcssigem Stickstoff) herzustellen. Die Forschenden gehen davon aus, dass Hexastickstoff in diesem Zustand \u00fcber 100 Jahre stabil bleibt.<\/p>\n<p>Bei dieser bislang nur theoretisch vorhergesagten Form von reinem Stickstoff handelt es sich um die energiereichste Substanz, die jemals gebildet wurde. Das Molek\u00fcl besteht aus sechs Stickstoffatomen in einer Kette und speichert enorme Mengen an Energie, die durch den r\u00fcckstandslosen Zerfall zu N2 (\u201enormaler\" Stickstoff, der 78 Prozent unserer Luft ausmacht) wieder zur\u00fcckgewonnen werden kann.<\/p>\n<p>Das Team, zu dem au\u00dfer Schreiner noch Dr. Artur Mardyukov und Weiyu Qian vom Institut f\u00fcr Organische Chemie der JLU geh\u00f6ren, konnte Hexastickstoff mit verschiedenen Methoden nachweisen. Zur Messung der Lichtabsorption nutzten die Chemiker eine Kombination von Infrarot- und UV\/Vis-Spektroskopie. \u00dcber den Einbau schwerer Stickstoffatome (15N-Isotope) und unter Verwendung aufw\u00e4ndiger Computermodelle konnten sie nachweisen, dass es sich tats\u00e4chlich um das neue Molek\u00fcl N\u2086 handelt.<\/p>\n<p>Bei Raumtemperatur hat die Substanz eine Lebensdauer von rund 35 Millisekunden. \u201eDas reicht aus, um es einzufangen und es zu untersuchen \u2013 ein riesiger Fortschritt in der Stickstoffchemie\", betont Prof. Schreiner. Bei der Zerlegung von N\u2086 in normalen Luftstickstoff (N\u2082) wird mehr als zwei Mal so viel Energie pro Gramm freigesetzt wie bei TNT \u2013 und das ganz ohne umweltsch\u00e4dliche Nebenprodukte.<\/p>\n<p>Das macht eine k\u00fcnftige Anwendung als umweltfreundlicher Energiespeicher denkbar. Eine andere Verwendung w\u00e4re der Einsatz als Raketentreibstoff, da beim Zerfall sehr viel Energie entsteht, sich aber keine korrosiven Gase bilden.<\/p>\n<p>\u201eIn der Tat w\u00e4re Hexastickstoff damit der effizienteste Energiespeicher\", <a href=\"https:\/\/www.uni-giessen.de\/de\/ueber-uns\/pressestelle\/pm\/pm86-25chemikerderjlustellenerstmalshexastickstoffher\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erkl\u00e4rt<\/a> Schreiner, f\u00fcr den die Entdeckung ein echter Durchbruch ist: \u201eEs ist das erste Mal, dass ein isolierbares, neutrales Stickstoffmolek\u00fcl mit mehr als zwei Atomen im Labor hergestellt wurde. Das \u00f6ffnet die T\u00fcr f\u00fcr die gezielte Entwicklung neuer und sauberer Hochenergiematerialien.\"<\/p>\n<p>Der Chemiker wei\u00df, dass mit der Entdeckung auch Herausforderungen verbunden sind: \u201eDie Handhabung sehr energiereicher Verbindungen ist immer mit Risiken verbunden, wenn deren Zersetzung unkontrolliert passiert und alle Energie auf einmal freigesetzt wird\", erl\u00e4utert er. Neben der Erforschung weiterer Polystickstoffe werde es daher k\u00fcnftig auch um die sichere Herstellung und Handhabung von Hexastickstoff gehen, um die kontrollierte Umwandlung in Stickstoff (N2) und darum, die Ergebnisse aus dem Labor in gr\u00f6\u00dfere Ma\u00dfst\u00e4be zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Das JLU-Team hat seine Ergebnisse in der Zeitschrift \u201eNature\" ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Publikation<br \/>\nWeiyu Qian, Artur Mardyukov &amp; Peter R. Schreiner: Preparation of a neutral nitrogen allotrope hexanitrogen C2h-N6, Nature 642, 356-360 (2025)<br \/>\nhttps:\/\/www.nature.com\/articles\/s41586-025-09032-9<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war eine Meldung, die mir Mitte Juni 2025 unterkam und Nobelpreis-verd\u00e4chtigt sein k\u00f6nnte. 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