{"id":28867,"date":"2025-10-07T00:05:29","date_gmt":"2025-10-06T22:05:29","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=28867"},"modified":"2025-10-06T10:33:51","modified_gmt":"2025-10-06T08:33:51","slug":"einsamer-exo-planet-waechst-mit-rekordgeschwindigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2025\/10\/07\/einsamer-exo-planet-waechst-mit-rekordgeschwindigkeit\/","title":{"rendered":"Einsamer Exo-Planet w\u00e4chst mit Rekordgeschwindigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein Planet, der sich weit drau\u00dfen, au\u00dferhalb unseres Sonnensystems, frei im Weltraum bewegt. Der Planet, der um keine Sonne kreist, saugt Staub und Gas in seiner N\u00e4he auf und w\u00e4chst mit einer Rekordgeschwindigkeit von sechs Milliarden Tonnen Massezunahme pro Sekunde an.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Der Exo-Planet Cha 1107-7626<\/h2>\n<p>Der Exo-Planet <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Cha_1107%E2%88%927626\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cha 1107-7626<\/a> ist ein frei schwebendes Objekt mit planetarer Masse in der Sternentstehungsregion Chamaeleon I und befindet sich etwa 620 Lichtjahre vom Sonnensystem entfernt. Das Objekt oder der Exo-Planet, wie ich ihn mal bezeichne,\u00a0wurde 2008 von Kevin Luhman et al. mit dem Spitzer-Weltraumteleskop und dem Magellan-II-Teleskop entdeckt.<\/p>\n<p>Die Spitzer-Photometrie zeigte Daten, die darauf hindeuten, dass das Objekt von einer zirkumplanetaren Scheibe umgeben ist. Laut Wikipedia zeigt das optische Spektrum, dass das Objekt mit planetarer Masse aktiv Wasserstoffgas aus der umgebenden Scheibe einsammelt.\u00a0Es ist das Objekt mit der geringsten Masse, in dessen \"Staub-\"Scheibe Kohlenwasserstoffe nachgewiesen wurden (Stand Mai 2025).<\/p>\n<h2>Neue Erkenntnisse der ESO zu Cha 1107-7626<\/h2>\n<p>Anfang Oktober 2025 wurden von der europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO) zu diesem Objekt neue Forschungsergebnisse\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/news\/eso2516\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mitgeteilt<\/a>. Die\u00a0Astronominnen und Astronomen an der S\u00fcdsternwarte haben einen gewaltigen Wachstumsschub bei diesem sogenannten Einzelg\u00e4nger-Planeten entdeckt.<\/p>\n<h3>Sechs Milliarden Tonnen pro Sekunde Massezuwachs<\/h3>\n<p>Wie bereits oben erw\u00e4hnt: Im Gegensatz zu den Planeten in unserem Sonnensystem umkreisen solche Objekte keine Sterne, sondern treiben frei im All. Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO) zeigen, dass dieser frei schwebende Planet Gas und Staub aus seiner Umgebung mit einer Rate von sechs Milliarden Tonnen pro Sekunde verschlingt. Dies ist die bislang st\u00e4rkste Wachstumsrate, die je bei einem Einzelg\u00e4nger-Planeten \u2013 oder \u00fcberhaupt bei einem Planeten \u2013 gemessen wurde, und liefert wertvolle Einblicke in ihre Entstehung und Entwicklung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Exo-Planet Cha 1107-7626\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/fWBX7dg8\/image.png\" alt=\"Exo-Planet Cha 1107-7626\" width=\"640\" height=\"360\" \/><br \/>\nExo-Planet Cha 1107-7626, Quelle: ESO\/L. Cal\u00e7ada\/M. Kornmesser<\/p>\n<p>\"Viele Menschen stellen sich Planeten als ruhige und stabile Welten vor. Doch mit dieser Entdeckung sehen wir, dass frei im All schwebende Himmelsk\u00f6rper planetarer Masse durchaus aufregende Orte sein k\u00f6nnen\", sagt V\u00edctor Almendros-Abad, Astronom am Astronomischen Observatorium von Palermo des italienischen Nationalen Instituts f\u00fcr Astrophysik (INAF) und Erstautor der neuen Studie. Ein Video mit einer Animation, wie der Planet Gas und Staub anzieht, findet sich <a href=\"https:\/\/youtu.be\/Z7vouYCIDlA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<h3>Wechselnde Akkretionsrate<\/h3>\n<p>Das neu untersuchte Objekt, dessen Masse f\u00fcnf- bis zehnmal so gro\u00df ist wie die des Jupiters, befindet sich noch in der Entstehungsphase und wird von einer ihn umgebenden Scheibe aus Gas und Staub gespeist. Dieses Material f\u00e4llt fortlaufend auf den frei schwebenden Planeten \u2013 ein Prozess, der als Akkretion bezeichnet wird. Das Team um Almendros-Abad konnte nun jedoch nachweisen, dass die Akkretionsrate des jungen Planeten nicht gleichm\u00e4\u00dfig verl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Im August 2025 verschlang der Planet etwa achtmal schneller Materie als noch wenige Monate zuvor \u2013 und zwar mit einer Rate von sechs Milliarden Tonnen pro Sekunde! Das entspricht in etwa der Masse des Kometen 67P\/Tschurjumow-Gerassimenko oder des Doppelten des gesamten Starnberger Sees. \"Dies ist das st\u00e4rkste Akkretionsereignis, das jemals f\u00fcr ein Objekt planetarer Masse gemessen wurde\", sagt Almendros-Abad.<\/p>\n<p>Die Entdeckung, die in den Astrophysical Journal Letters ver\u00f6ffentlicht wurde, gelang mit dem Spektrografen X-shooter am Very Large Telescope (VLT) der ESO in der chilenischen Atacama-W\u00fcste. Zus\u00e4tzlich nutzte das Team Daten des James-Webb-Weltraumteleskops, betrieben von der NASA, der ESA und der kanadischen CSA, sowie Archivdaten des Spektrografen SINFONI am VLT.<\/p>\n<h3>Unbekannte Herkunft<\/h3>\n<p>\"Die Herkunft von Einzelg\u00e4nger-Planeten ist noch immer ungekl\u00e4rt: Handelt es sich um massearme Objekte, die sich wie Sterne bilden, oder um Riesenplaneten, die aus ihren Ursprungssystemen herausgeschleudert wurden?\", fragt Co-Autor Aleks Scholz, Astronom an der Universit\u00e4t St. Andrews in Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass zumindest einige dieser Objekte einem \u00e4hnlichen Entstehungsweg wie Sterne folgen k\u00f6nnten, da vergleichbare Akkretionsausbr\u00fcche bereits bei jungen Sternen beobachtet wurden. Co-Autorin Belinda Damian, ebenfalls Astronomin an der Universit\u00e4t St. Andrews, erg\u00e4nzt: \"Diese Entdeckung verwischt die Grenze zwischen Sternen und Planeten und erlaubt uns einen Blick in die fr\u00fchesten Entwicklungsphasen von Einzelg\u00e4nger-Planeten.\"<\/p>\n<p>Durch den Vergleich des Lichts vor und w\u00e4hrend des Ausbruchs sammelten die Forschenden Hinweise auf die Eigenschaften des Akkretionsprozesses. Auff\u00e4llig ist, dass offenbar magnetische Aktivit\u00e4t eine Rolle beim massiven Einfall der Materie spielte \u2013 ein Ph\u00e4nomen, das bislang nur bei Sternen beobachtet wurde. Dies legt nahe, dass selbst massearme Objekte \u00fcber starke Magnetfelder verf\u00fcgen k\u00f6nnen, die solche Akkretionsereignisse antreiben.<\/p>\n<p>Zudem stellten die Forschenden fest, dass sich w\u00e4hrend des Ausbruchs auch die chemische Zusammensetzung der Scheibe um den Planeten ver\u00e4nderte: W\u00e4hrend des Ereignisses konnte Wasserdampf nachgewiesen werden, zuvor jedoch nicht. Dieses Ph\u00e4nomen war bislang nur bei Sternen, nicht aber bei Planeten jeglicher Art bekannt.<\/p>\n<p>Frei schwebende Planeten sind schwer aufzusp\u00fcren, da sie sehr lichtschwach sind. Doch das im Bau befindliche Extremely Large Telescope (ELT) der ESO, das unter dem weltweit dunkelsten Himmel f\u00fcr astronomische Beobachtungen betrieben wird, k\u00f6nnte das \u00e4ndern. Seine leistungsstarken Instrumente und der riesige Hauptspiegel werden es erm\u00f6glichen, weitere dieser einsamen Planeten aufzusp\u00fcren und zu untersuchen \u2013 und so besser zu verstehen, inwiefern sie stern\u00e4hnlich sind.<\/p>\n<p>Die Co-Autorin und ESO-Astronomin Amelia Bayo formuliert es so: \"Die Vorstellung, dass ein Objekt planetarer Masse sich wie ein Stern verhalten kann, ist schlicht \u00fcberw\u00e4ltigend \u2013 und l\u00e4dt uns dazu ein, uns zu fragen, wie fremde Welten in ihren fr\u00fchesten Entwicklungsphasen aussehen k\u00f6nnten.\"<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein Planet, der sich weit drau\u00dfen, au\u00dferhalb unseres Sonnensystems, frei im Weltraum bewegt. 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