{"id":29045,"date":"2025-12-02T00:02:26","date_gmt":"2025-12-01T23:02:26","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=29045"},"modified":"2025-11-25T11:10:49","modified_gmt":"2025-11-25T10:10:49","slug":"auslandstraeume-scheitern-an-sprachbarrieren-und-gesundheitsfragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2025\/12\/02\/auslandstraeume-scheitern-an-sprachbarrieren-und-gesundheitsfragen\/","title":{"rendered":"Auslandstr\u00e4ume scheitern an Sprachbarrieren und Gesundheitsfragen"},"content":{"rendered":"<p>So im Alter &#8211; m\u00f6glicherweise kurz vor der Rente &#8211; ins Ausland gehen und dort leben. Viele Deutsche h\u00e4ngen diesem Traum nach. Sendungen wie \"Goodby Deutschland\" bef\u00f6rdern das Ganze noch. Die Wirklichkeit sieht oft aber ern\u00fcchternd aus &#8211; oft scheitern die Pl\u00e4ne an der harten Wirklichkeit: Sprachbarrieren und Gesundheitsfragen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Mein Traum vom Leben und Arbeiten in der Sonne<\/h2>\n<p>Ich gestehe, ich bin ja auch so ein Vogel, der vom Leben in der Freiheit unter Palmen getr\u00e4umt hat. Es fing mal ganz harmlos an: Als junger Ingenieur arbeitete ich in der Gro\u00dfchemie. Wer das kennt, wei\u00df, dass da dampfende Kessel, ru\u00dfende Schornsteine und was wei\u00df ich dazu geh\u00f6ren. War als Sch\u00fcler und Student auch in Stahlwerken, Gie\u00dfereien und Kokereien, wo es noch schmutziger war. Aber ich hatte immerhin einen B\u00fcro-Job im Chemiewerk und war mit einem Team an Ingenieuren f\u00fcr Software-Entwicklung zust\u00e4ndig.<\/p>\n<h3>Die \"Sehns\u00fcchte\" eines Angestellten<\/h3>\n<p>Aber in der Mittagspause f\u00fchrte mich mein Weg oft aus dem Werk heraus, und im Sommer sa\u00df ich dann meist auf einer Bank am Main, lie\u00df mir die Sonne auf den Pelz scheinen und dachte \"Hach, was muss es jetzt so herrlich sein, wenn Du jetzt im Mittelmeer am Strand sitzen und ein Glas Wein trinken k\u00f6nntest. Italien, Du und dein Dolce far niente, ich w\u00fcrde ja kommen, wenn es nur ginge\".<\/p>\n<p>Nun ja, wie es mit den Tr\u00e4umen so ist, die bleiben Sch\u00e4ume. Karl, nimm deine Tropfen und geh arbeiten. Zw\u00f6lf Jahre war ich in der Gro\u00dfchemie t\u00e4tig, und habe im Grunde coole Projekte realisieren k\u00f6nnen. Eines hat mich sogar bis nach Japan getragen, ein anderes nach Thailand. Und ich hatte eine Mannschaft aus Entwicklern, die mich immer noch begeistert. Anfang des Jahres war ich zur Beerdigung eines Mitarbeiters, und erfuhr, dass eine Software, die ich so ab 1985 konzipiert hatte und mit meinem Team entwickeln lie\u00df, immer noch l\u00e4uft und bei \u00fcber Tausend Firmen in Deutschland eingesetzt wird. Aber: Ich habe\u00a0dann doch nach 12 Jahren den Exit gew\u00e4hlt.<\/p>\n<h3>Der Abend auf Mallorca<\/h3>\n<p>Im Sommer 1993 sa\u00df ich am Strand in Mallorca auf einer Liege. Meine zwei kleinen Kinder spielten im Sand, wir hatten gerade zu Abend gegessen, die Sonne begann langsam im Westen im Meer zu versinken. Ein Augenblick \"sch\u00f6n zum Sterben\" &#8211; und wir am Mittelmeer.<\/p>\n<p>Aber statt uns am Abendhimmel satt zu sehen, haben meine Frau und ich diskutiert: \"Soll ich springen, beim Arbeitgeber k\u00fcndigen, und fortan als freier Schriftsteller Computerb\u00fccher schreiben.\" Oma h\u00e4tte gesagt: \"Wenn's dem Esel zu wohl wird, geht er auf's Eis\". Vater h\u00e4tte gesagt: \"Junge, lass den Mist, bleibe bei deinem Arbeitgeber und mache keine Experimente\".<\/p>\n<p>Meine Frau hat gesagt: \"Mache es, ich will mit 50 keinen frustrierten Mann am K\u00fcchentisch sitzen haben, der seiner verpassten Chance nachtrauert\". Also bin ich gesprungen und habe mich vor fast genau 32 Jahren, am 1. Oktober 1993 selbst\u00e4ndig gemacht.<\/p>\n<h2>Wie der Traum zerplatzt &#8230;<\/h2>\n<p>Hey, ich habe mein Hobby, ein bisschen \u00fcber Computer zu schreiben, zum Beruf gemacht und musste seit dem Tag nie wieder arbeiten. Die Leute fragten meine Frau zwar: \"Was macht ihr Mann, der ist ja jetzt immer zuhause\" &#8211; man wollte h\u00f6ren \"der ist arbeitslos\". Aber auf die Antwort \"der ist jetzt Schriftsteller\", kam sofort \"Oh, Gott, kann man davon leben?\" &#8211; nun ja, die letzten 32 Jahre hat es funktioniert und nun bin ich auch noch Rentner.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zum Thema: Als Schriftsteller h\u00e4tte ich von jedem Ort der Welt schreiben k\u00f6nnen &#8211; lange bevor es digitale Arbeitsnomaden und Influencer gab. Etwas Strom, ein Computer und gelegentlich ein Internetzugang h\u00e4tten gereicht, um meine Manuskripte zu schreiben und abzuliefern. Ein Autorenkollege hat es getan, aus S\u00fcdost-Asien geschrieben und lebte st\u00e4ndig in der Angst, keine Auftr\u00e4ge mehr zu bekommen. Machte auch mal einige Zeit auf \"Rennfahrer\". Heute ist er wieder in Deutschland und kutschiert, wenn ich richtig informiert bin, Ausfl\u00fcgler mal zum N\u00fcrnburg-Ring.<\/p>\n<p>Aber was ist jetzt vom Traum \"Auf Mallorca oder Ibiza leben und arbeiten? Morgens a bisserl schreiben, Mittags Siesta halten und am Nachmittag mit Surfbrett an den Strand pilgern?\" Tja, der Traum zerplatzte sofort, als ich selbst\u00e4ndig war und der n\u00e4chste Fr\u00fchling anr\u00fcckte. Pl\u00f6tzlich h\u00e4tte ich ja gekonnt, den \"spinnerten Traum vom Leben und Arbeiten im S\u00fcden, am Mittelmeer\" umzusetzen.<\/p>\n<p>Aber der Reiz war weg! Wenn ich mir das so durchdacht habe, fielen mir sofort Tausend Gr\u00fcnde ein, warum das nicht geht und auswandern eine Schei** Idee ist. Die H\u00e4user in Italien, Griechenland, Spanien und der T\u00fcrkei lie\u00dfen von der Bausubstanz und der Qualit\u00e4t doch arg zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Hallo, ich bin Elektriker und auch noch Ingenieur, ich kann das beurteilen. Und \u00fcberhaupt, im Sommer ist es am Mittelmeer so hei\u00df, da kannst Du nicht arbeiten. Mir ist ein Urlaub auf Ibiza erinnerlich, wo vor Hitze nichts ging.<\/p>\n<p>Dann kam noch das Problem mit der Sprache hinzu. Englisch geht, franz\u00f6sisch bin ich nie flie\u00dfend sprechend geworden &#8211; ich habe es ja nie praktisch gebraucht &#8211; und auf italienisch oder spanisch parlieren sind irgendwie \"ferne D\u00f6rfer\". Wie verklickerst Du der Gemeinde, dass Du dein Business registrieren musst? Ein Autorenkollege, mit einer Italienerin verheiratet, hatte in einem Buch die Winkelz\u00fcge der B\u00fcrokratie in Italien skizziert, die sein \"Gesch\u00e4ft\" nahezu unm\u00f6glich machten.<\/p>\n<p>Ich machte einige Jahre mit Microsoft USA Gesch\u00e4fte und musste viele Steuerdokumente f\u00fcr die US-Steuerbeh\u00f6rde ausf\u00fcllen, konnte, Doppelbesteuerungsabkommen sei Dank, die Steuerfragen mit der deutschen Finanzverwaltung regeln. Wollte ich mir im Ausland nicht auch noch ans Bein binden.<\/p>\n<p>Dann gab es die kurzen Urlaubsausfl\u00fcge nach Zypern, Kreta, in die T\u00fcrkei etc. &#8211; \u00fcberall bereits im Vorsommer braune, verbrannte Vegetation. Du kamst nach Hause und stelltest Anfang Mai \"Huch, ist das alles herrlich gr\u00fcn hier geworden\" fest. Ich lebe und arbeite ja im Taunus &#8211; und stelle immer wieder fest \"geniale Location, wo Du leben und arbeiten darfst\". B\u00fcro zu, Walking-Schuhe angezogen und mit der Frau bei gutem Wetter im Taunus, im nahen Rheingau, in der Pfalz, im Spessart oder im Odenwald wandern &#8211; ist ja max. eine bis zwei Stunden Autofahrt weg.<\/p>\n<p>Und dann war da noch die Fragen aller Fragen: Du sitze in Spanien, wirst von H\u00e4morriden gequ\u00e4lt und sollst dem Doctor auf spanisch verklickern, wo es kneift. Wenn Du dann \"mach mir die Cojones weg\" fl\u00fcsterst, kann das ins Auge gehen. Kurzum: Als ich gekonnt h\u00e4tte, war der \"Traum vom Leben und Arbeiten im S\u00fcden\" pl\u00f6tzlich nicht mehr da &#8211; puff, geplatzt. Ich fand Tausend Gr\u00fcnde, warum es nicht ging. Meine Frau und ich haben uns \u00f6fters \u00fcberlegt, ein H\u00e4uschen als Urlaubsziel am Lago Maggiore oder an anderen Orten zuzulegen, um dort kurze Zeit weilen zu k\u00f6nnen, uns aber immer dagegen entschieden.<\/p>\n<p>Wir sahen an Ostern und in den Herbstferien am Lago Maggiore beim Wandern die aufgelassen Rusticos in den Bergt\u00e4lern. Oft parkten Audis, BMWs, Porsches mit Kennzeichen aus dem Rhein-Main-Gebiet in der N\u00e4he\u00a0 und in den Ruinen waren Leute am schuften, um die 14 Tage Ferien zu nutzen und das Rustico zu renovieren oder auf Vordermann zu bringen. Und dann gab es doch nur Strom oder flie\u00dfendes Wasser \u00fcber selbst im Wald \u00fcber Kilometer verlegte Kabel oder Wasserschl\u00e4uche. F\u00e4kalien musste aus einer Grube abgefahren werden. Nein Danke.<\/p>\n<h2>Und was sagt die Statistik?<\/h2>\n<p>K\u00fcrzlich fiel mir eine Umfrage von YouGov als Pressemitteilung unter dem Titel \" Umfrage \u2013 Auslandstr\u00e4ume der Deutschen scheitern an Sprachbarrieren und Gesundheitsfragen\" in die Finger. Da war dann die obige Geschichte sofort pr\u00e4sent. In der Pressemitteilung hie\u00df es, dass\u00a0eine aktuelle YouGov-Studie im Auftrag der digitalen Auslandskrankenversicherung PassportCard folgendes zeigt:<\/p>\n<ul>\n<li>57 Prozent der Deutschen k\u00f6nnen sich vorstellen, Deutschland f\u00fcr mindestens drei Monate oder l\u00e4nger zu verlassen.<\/li>\n<li>Gleichzeitig \u00e4u\u00dfert fast die H\u00e4lfte der Befragten Sorgen, wie sie sich im Ausland verst\u00e4ndigen.<\/li>\n<li>Fast 40 Prozent sorgen sich au\u00dferdem wegen eventuell fehlendem Zugang zu medizinischer Versorgung. Sprachbarrieren, B\u00fcrokratie und eine verl\u00e4ssliche Gesundheitsversorgung z\u00e4hlen zu den gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Ergebnisse belegen, so die Pressemitteilung: Mit dem Wunsch nach grenz\u00fcberschreitendem Leben und Arbeiten w\u00e4chst auch das Bewusstsein f\u00fcr medizinische Absicherung. Die Pressemitteilung hatte zwar das Ziel, f\u00fcr eine Auslandskrankenversicherung zu werben. Aber die obigen Gr\u00fcnde gegen einen l\u00e4ngeren Auslandsaufenthalt oder gar auswandern kommen mir doch arg bekannt vor. Wird zwar spontan einige Leser geben, die \"wir haben es gemacht\" antworten.<\/p>\n<p>Aber ich sage, so ein Schritt will wohl \u00fcberlegt sein. Ich habe zwar mit der Selbst\u00e4ndigkeit als Schriftsteller einen riesigen Sprung gewagt, aber nicht auch noch \"etwas Ausland\" als weitere Herausforderung aufgesattelt &#8211; wobei bei uns noch famili\u00e4re Verpflichtungen dazu kamen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So im Alter &#8211; m\u00f6glicherweise kurz vor der Rente &#8211; ins Ausland gehen und dort leben. Viele Deutsche h\u00e4ngen diesem Traum nach. Sendungen wie \"Goodby Deutschland\" bef\u00f6rdern das Ganze noch. 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