{"id":29053,"date":"2025-11-23T00:04:28","date_gmt":"2025-11-22T23:04:28","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=29053"},"modified":"2025-11-23T07:55:36","modified_gmt":"2025-11-23T06:55:36","slug":"theia-und-die-erde-waren-nachbarn-dann-kollidierten-sie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2025\/11\/23\/theia-und-die-erde-waren-nachbarn-dann-kollidierten-sie\/","title":{"rendered":"Theia und die Erde waren vor ihrer Kollision Nachbarn"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/DybKpjxH\/image.png\" alt=\"Kollision der Erde mit Theia\" width=\"166\" height=\"125\" \/>Vor 4,5 Milliarden Jahren kam es zu einer gigantischen Kollision eines Himmelsk\u00f6rper mit der Erde.\u00a0Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Himmelsk\u00f6rper mit dem Namen Theia, der vor 4,5 Milliarden Jahren mit der noch jungen Erde kollidierte, seinen Ursprung im inneren Sonnensystem hatte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Als sich im fr\u00fchen Sonnensystem die Planeten bildeten, entstand ein &#8211; heute nicht mehr vorhandener &#8211; Himmelsk\u00f6rper, den Wissenschaftler mit dem Namen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Theia_(hypothetical_planet)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Theia<\/a> bedachten. Dieser hypothetische Planet ist, gem\u00e4\u00df der Giant-Impact-Hypothese, vor etwa 4,5 Milliarden Jahren im fr\u00fchen Sonnensystem mit der Proto-Erde kollidiert. Die dabei ausgesto\u00dfenen Tr\u00fcmmer vereinigten sich zum Teil wieder und der Erdmond entstand. Es wurde vermutet, dass Theia etwa die Gr\u00f6\u00dfe des Mars hatte und sich wahrscheinlich an den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lagrange-Punkte#:~:text=Die%20Lagrange%2DPunkte%20L4,ihm%2C%20L5%20hinter%20ihm.\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lagrange-Punkten<\/a> L4 oder L5 der Erdumlaufbahn gebildet hat. Noch heute lassen sich Spuren von Theia, beispielsweise in der Zusammensetzung des Gesteins der heutigen Erde und des Mondes, finden.<\/p>\n<h2>Neue Studienergebnisse<\/h2>\n<p>In einer aktuellen Studie, die am 20. November 2025 in der Fachzeitschrift Science ver\u00f6ffentlicht wurde, <a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/25743917\/theia-and-earth-were-neighbors\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">leiten Forscher<\/a> unter der Leitung des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Sonnensystemforschung (MPS) und der University of Chicago aus diesen Informationen die m\u00f6gliche \"Zutatenliste\" von Theia \u2013 und damit seinen Ursprungsort \u2013 ab.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/DybKpjxH\/image.png\" alt=\"Kollision der Erde mit Theia\" width=\"640\" height=\"480\" \/><br \/>\nK\u00fcnstlerische Darstellung: Kollision der Erde mit Theia, \u00a9 MPS \/ Mark A. Garlick<\/p>\n<h3>Isotopen-Zusammensetzung liefert Hinweise<\/h3>\n<p>Besonders aufschlussreich sind die Verh\u00e4ltnisse, in denen bestimmte Metallisotope in einem K\u00f6rper vorkommen, schreiben die Forscher. Isotope sind Varianten desselben Elements, die sich nur in der Anzahl der Neutronen in ihrem Atomkern \u2013 und damit in ihrem Gewicht \u2013 unterscheiden.<\/p>\n<p>Selbst in der Molek\u00fclwolke, aus der sich unsere Sonne und die protoplanetare Scheibe zuerst gebildet haben, waren die Isotope dieser Elemente offenbar nicht gleichm\u00e4\u00dfig verteilt. Vielmehr muss es schon damals, je nach Entfernung vom Zentrum, Unterschiede in den Isotopenverh\u00e4ltnissen gegeben haben.<\/p>\n<p>Dementsprechend entstanden die damals noch wachsenden Planetenk\u00f6rper aus Baumaterial mit unterschiedlicher Isotopenzusammensetzung, je nachdem, ob sich das Material in der N\u00e4he oder in der Ferne der Sonne zusammenballte. Informationen \u00fcber die Herkunft seiner urspr\u00fcnglichen Bausteine eines Planetenk\u00f6rpers sind somit in der Isotopenzusammensetzung\u00a0 gespeichert.<\/p>\n<h3>Isotopen-Zusammensetzung von Erde und Mond<\/h3>\n<p>In der aktuellen Studie hat das Forscherteam das Verh\u00e4ltnis verschiedener Eisenisotope in Gesteinen der Erde und des Mondes mit bisher unerreichter Pr\u00e4zision bestimmt. Dazu untersuchten sie 15 terrestrische Gesteine und sechs Mondproben, die Astronauten der Apollo-Missionen zur Erde zur\u00fcckgebracht hatten. Das Ergebnis ist kaum \u00fcberraschend: Wie fr\u00fchere Messungen der Isotopenverh\u00e4ltnisse von Chrom, Kalzium, Titan und Zirkonium bereits gezeigt hatten, sind Erde und Mond in dieser Hinsicht nicht zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit l\u00e4sst jedoch keine direkten R\u00fcckschl\u00fcsse auf Theia zu. Es gibt einfach zu viele m\u00f6gliche Kollisionsszenarien. Obwohl die meisten Modelle davon ausgehen, dass der Mond fast ausschlie\u00dflich aus Material von Theia entstanden ist, ist es auch m\u00f6glich, dass er haupts\u00e4chlich aus Material aus dem fr\u00fchen Erdmantel besteht oder dass sich die Gesteine von Erde und Theia untrennbar vermischt haben.<\/p>\n<h3>Reverse Engineering eines Planeten<\/h3>\n<p>Um mehr \u00fcber Theia zu erfahren, wandten die Forscher eine Art Reverse Engineering f\u00fcr Planeten an. Dazu verwenden sie keine komplexen Computermodelle, die verschiedene Aufprallszenarien mit Theia simulieren, sondern konzentrieren sich stattdessen auf die Isotopenmischungen in Erd- und Mondgestein. Anhand der \u00fcbereinstimmenden Isotopenverh\u00e4ltnisse in heutigen Erd- und Mondgesteinen spielte das Team durch, welche Zusammensetzungen und Gr\u00f6\u00dfen von Theia und welche Zusammensetzung der fr\u00fchen Erde zu diesem Endzustand gef\u00fchrt haben k\u00f6nnten. Bei ihren Untersuchungen betrachteten die Forscher nicht nur Eisenisotope, sondern auch solche von Chrom, Molybd\u00e4n und Zirkonium. Die verschiedenen Elemente geben Aufschluss \u00fcber unterschiedliche Phasen der Planetenentstehung.<\/p>\n<h3>Kam das Eisen mit Theia?<\/h3>\n<p>Aber es ist unbekannt, welches Material bereits auf der Erde vorhanden war und welches von Theia in das Erde-Mond-System gebracht wurde. Die Forscher haben dann eine Hypothese aufgestellt. Lange vor der verheerenden Kollision mit Theia hatte im Inneren der fr\u00fchen Erde eine Art Sortierprozess stattgefunden. Mit der Bildung des Eisenkerns sammelten sich dort einige Elemente wie Eisen und Molybd\u00e4n an; sie fehlten danach weitgehend im Gesteinsmantel. Das heute im Erdmantel vorkommende Eisen kann daher erst nach der Bildung des Kerns \u201eangekommen\" sein, beispielsweise durch Theia.<\/p>\n<p>Das allgegenw\u00e4rtige Metall, aus dem Menschen Werkzeuge, Schiffe und Br\u00fccken herstellten, k\u00f6nnte daher in erster Linie auf Theia zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Ein weiteres Element ist Zirkonium, das sehr widerstandsf\u00e4hig ist und kaum Ver\u00e4nderungen unterliegt. Es befindet sich seit Bestehen der Erde im Mantel und ist nicht in den Kern gesunken. Zirkonium dokumentiert somit nicht nur einen Zeitabschnitt, sondern die gesamte Entstehungsgeschichte unseres Planeten.<\/p>\n<p>Anhand dieser verschiedenen Informationstr\u00e4ger bestimmen die Forscher, aus welchem Material und welcher Materialmischung Theia bestanden haben muss und schlie\u00dflich aus welchem Teil der fr\u00fchen Gas- und Staubscheibe dieses Material stammt, bevor es Theia bildete.<\/p>\n<h3>Meteoriten als Referenz<\/h3>\n<p>Den Forschungsergebnissen zufolge unterscheiden sich die Isotopenverh\u00e4ltnisse des Materials von Theia erheblich von denen der Erde. Sie sind daher \u201enicht von dieser Welt\" und k\u00f6nnen auch heute noch in der Mischung des Materials der Erde als solche identifiziert werden. Mathematische Berechnungen zeigen jedoch mehrere Szenarien und Zusammensetzungen der Erde und Theia vor ihrer Kollision auf. Einige davon sind jedoch nicht plausibel, da sie mit den Erkenntnissen \u00fcber die fr\u00fche Planetenentstehung, die auch durch die Analyse von Meteoriten gewonnen wurden, unvereinbar sind.<\/p>\n<p>Meteoriten, die nach ihrem Aufprall auf die Erde analysiert werden k\u00f6nnen, sind so alt wie das Sonnensystem. Sie geben Aufschluss \u00fcber eine Zeit, in der Planeten und andere Himmelsk\u00f6rper entstanden sind. Sie dienen daher als Referenzmaterial f\u00fcr das Baumaterial, das w\u00e4hrend der Entstehung der fr\u00fchen Erde und Theia verf\u00fcgbar war. Sie werden anhand ihrer Isotopenverh\u00e4ltnisse in verschiedene Klassen unterteilt: Einige Meteoriten stammen aus dem inneren Bereich der planetarischen Entstehungsscheibe, andere aus dem \u00e4u\u00dferen Bereich.<\/p>\n<h2>Erde und Theia waren Nachbarn<\/h2>\n<p>Die Isotopenverh\u00e4ltnisse des Erdmantels \u00e4hneln am ehesten denen von Meteoriten aus dem inneren Sonnensystem. Die Isotope, die das Team in der Studie Theia zuordnet, weisen bisher unbekannte Verh\u00e4ltnisse auf und stimmen nicht mit den Bausteinen der Erde \u00fcberein. Durch den Vergleich mit Meteoritenklassen kommen die Forscher zu dem Schluss, dass Theia aus dem inneren Teil des fr\u00fchen Sonnensystems stammen muss, n\u00e4her an der Sonne als die heutige Umlaufbahn der Erde.<\/p>\n<p>Der Protoplanet wanderte dann nach au\u00dfen und kollidierte vor 4,5 Milliarden Jahre mit der noch jungen Erde. Das Material vermischte sich und ein Teil wurde in die Erdumlaufbahn geschleudert, wo es den Erdmond bildete.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 4,5 Milliarden Jahren kam es zu einer gigantischen Kollision eines Himmelsk\u00f6rper mit der Erde.\u00a0Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Himmelsk\u00f6rper mit dem Namen Theia, der vor 4,5 Milliarden Jahren mit der noch jungen Erde kollidierte, seinen Ursprung im &hellip; <a href=\"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2025\/11\/23\/theia-und-die-erde-waren-nachbarn-dann-kollidierten-sie\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[690],"tags":[207],"class_list":["post-29053","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenschaft","tag-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29053","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29053"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29053\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29057,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29053\/revisions\/29057"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29053"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29053"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29053"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}