{"id":29444,"date":"2026-03-02T00:01:35","date_gmt":"2026-03-01T23:01:35","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=29444"},"modified":"2026-02-24T12:36:30","modified_gmt":"2026-02-24T11:36:30","slug":"thueringen-298-millionen-jahre-alte-hautstruktur-und-kloake-eines-reptils-entdeckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2026\/03\/02\/thueringen-298-millionen-jahre-alte-hautstruktur-und-kloake-eines-reptils-entdeckt\/","title":{"rendered":"Th\u00fcringen: 298 Millionen Jahre alte Hautstruktur und Kloake eines Reptils entdeckt"},"content":{"rendered":"<p>Spannende Geschichte: Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Lorenzo Marchetti vom Museum f\u00fcr Naturkunde Berlin hat im Th\u00fcringer Wald die bislang \u00e4ltesten bekannten Abdr\u00fccke von Reptilienhaut beschrieben. Die Forscher sind auf die konservierten Abdr\u00fccke eines Reptils gesto\u00dfen, welches vor 298 Millionen Jahren lebt. Die Abdr\u00fccke der Hautstruktur und der Kloake sind die \u00e4ltesten Nachweise, die man bisher kennt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vor 298 Millionen Jahren, im Perm, lebte in Th\u00fcringen ein Reptil, welches sich dort im Schlamm bewegte. Die konservierten Abdr\u00fccke wurden k\u00fcrzlich im\u00a0Steinbruch Cabarz bei Tabarz, Th\u00fcringen, gefunden, wie ich <a href=\"https:\/\/www.museumfuernaturkunde.berlin\/de\/museum\/medien\/presse\/aelteste-hautabdruecke-von-reptilien-im-thueringer-wald-entdeckt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">dieser Mitteilung<\/a> vom 11. Februar 2026 entnehmen konnte. Die etwa 298 bis 299 Millionen Jahre alten Fossilien stammen aus dem fr\u00fchen Perm und dokumentieren erstmals detaillierte Beschuppungsmuster der Stammgruppe heutiger Reptilien. Es sind die \u00e4ltesten\u00a0Hautabdr\u00fccke von Reptilien, die im Th\u00fcringer Wald entdeckt wurden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Abdr\u00fccke von Reptilienhaut\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/T2DZMfB0\/image.png\" alt=\"Abdr\u00fccke von Reptilienhaut \" width=\"640\" height=\"603\" \/><\/p>\n<p>Die au\u00dfergew\u00f6hnlich gut erhaltenen Hautabdr\u00fccke wurden in Verbindung mit fossilen Liege- und Fu\u00dfspuren fr\u00fcher Ursaurier in der Goldlauter-Formation entdeckt. Fundorte sind unter anderem der Steinbruch Cabarz bei Tabarz sowie Floh-Seligenthal.<\/p>\n<p>Moderne radiometrische Datierungen vulkanischer Aschelagen erm\u00f6glichen eine pr\u00e4zise zeitliche Einordnung der Funde und machen sie zu den bislang \u00e4ltesten direkten Belegen f\u00fcr Reptilienhaut.<\/p>\n<p>Hautstrukturen wie Schuppen, Federn oder Hornschnabelreste sind von einer Vielzahl von Dinosaurier-Fossilien belegt, manchmal in Form organischer Substanz und manchmal nur als Abdruck der Hautoberfl\u00e4che. \"Solche Weichgewebsstrukturen sind im Fossilbericht extrem selten \u2013 und je weiter wir in der Erdgeschichte zur\u00fcckgehen, desto au\u00dfergew\u00f6hnlicher werden sie\", erkl\u00e4rt Dr. Lorenzo Marchetti. \"Die Spuren aus dem Th\u00fcringer Wald er\u00f6ffnen neue Perspektiven auf die fr\u00fche Entwicklung der Reptilien und ihrer Hautstrukturen.\"<\/p>\n<p>Die neu beschriebenen Liegespuren wurden als neue Spurengattung und -art <em>Cabarzichnus pulchrus<\/em>\u00a0benannt. Die zugeh\u00f6rigen Fu\u00dfabdr\u00fccke weisen Proportionen auf, die jenen der Bolosaurier \u00e4hneln \u2013 einer fr\u00fchen Reptiliengruppe aus der Stammlinie heutiger Echsen. Die Schuppenformen reichen von rautenf\u00f6rmig \u00fcber sechseckig bis seitlich zugespitzt und zeigen bemerkenswerte Parallelen zu sp\u00e4teren Hautstrukturen verschiedener Landwirbeltiergruppen.<\/p>\n<p>Besonders au\u00dfergew\u00f6hnlich ist der m\u00f6gliche Nachweis einer Kloaken\u00f6ffnung im Hautabdruck nahe des Schwanzansatzes. Die meisten Landwirbeltiere haben eine Kloake \u2013 eine gemeinsame \u00d6ffnung zur Ausscheidung von Kot und Urin, die gleichzeitig der Ausgang der Geschlechtsorgane ist. Nur bei den lebendgeb\u00e4renden S\u00e4ugetieren liegen getrennte \u00d6ffnungen vor.<\/p>\n<p>Im Fossilbeleg ist die Kloake als Teil des Weichgewebes fast nie erhalten und klar erkennbar, hei\u00dft es. Der Hautabdruck aus Cabarz zeigt jedoch in der N\u00e4he des Schwanzansatzes die Spur einer Kloaken\u00f6ffnung. Der Abdruck des schmalen Schlitzes deutet darauf hin, dass sich die Kloake des <em>Cabarzichnus<\/em>-Spurenerzeugers in ihrer Form und Ausrichtung von jener der Dinosaurier und Krokodile unterscheidet und stattdessen der Kloake von Schildkr\u00f6ten, Eidechsen und Schlangen gleicht.<\/p>\n<p>Mit ihrer Beschreibung von Liegespuren aus dem Th\u00fcringer Wald im Rahmen des k\u00fcrzlich abgeschlossenen BMFTR-Forschungsprojektes BROMACKER lenken Dr. Lorenzo Marchetti und seine Kollegen die Aufmerksamkeit der Evolutionsforscher auf den Spurenfossil-Beleg und zeigen, dass die Ber\u00fccksichtigung fossiler Spuren wichtig sein kann, um ein vollst\u00e4ndigeres Bild der Evolution fr\u00fcher Landwirbeltiere zu erhalten.<\/p>\n<p>\"Spurenfossilien sind weit mehr als blo\u00dfe Fu\u00dfabdr\u00fccke\", so Dr. Marchetti. \u201eSie bewahren Details der Anatomie, die sonst vollst\u00e4ndig verloren w\u00e4ren, und tragen entscheidend dazu bei, die Evolution der fr\u00fchen Landwirbeltiere besser zu verstehen.\"<\/p>\n<p><strong>Publikation:<\/strong>\u00a0Marchetti et al., The earliest reptile body impressions with scaly skin, Current Biology (2026),\u00a0<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.cub.2026.01.036\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.cub.2026.01.036<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spannende Geschichte: Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Lorenzo Marchetti vom Museum f\u00fcr Naturkunde Berlin hat im Th\u00fcringer Wald die bislang \u00e4ltesten bekannten Abdr\u00fccke von Reptilienhaut beschrieben. 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