{"id":29497,"date":"2026-03-07T00:03:21","date_gmt":"2026-03-06T23:03:21","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=29497"},"modified":"2026-03-06T22:39:59","modified_gmt":"2026-03-06T21:39:59","slug":"lebten-die-ersten-vorfahren-der-menschheit-auf-dem-balkan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2026\/03\/07\/lebten-die-ersten-vorfahren-der-menschheit-auf-dem-balkan\/","title":{"rendered":"Lebten die ersten Vorfahren der Menschheit auf dem Balkan?"},"content":{"rendered":"<p>Spannende Geschichte, wenn der Fund h\u00e4lt, was er verspricht. Ein internationales Team unter Beteiligung der Senckenberg Gesellschaft f\u00fcr Naturforschung und Universit\u00e4t T\u00fcbingen hat einen 7,2 Millionen Jahre alten Oberschenkel von Graecopithecus in Bulgarien ausgegraben. Das ist \u00e4lter als die Funde von Fr\u00fchmenschenknochen in Afrika.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der aufrechte Gang, also das Gehen auf zwei Beinen, gilt seit Langem als grundlegende Schwelle in der menschlichen Evolution und als eines unserer pr\u00e4gendsten Merkmale. Bislang gingen Forscher davon aus, dass die ersten fossilen Menschen aus Afrika stammten und dass sich der aufrechte Gang dort vor etwa sechs Millionen Jahren entwickelt hatte.<\/p>\n<p>Ein neu entdeckter fossiler Oberschenkelknochen aus Bulgarien k\u00f6nnte die Geschichte des menschlichen Ursprungs neu schreiben, wie ein internationales Forschungsteam des Nationalmuseums f\u00fcr Naturgeschichte (Bulgarien), der Aristoteles-Universit\u00e4t Thessaloniki (Griechenland), vom\u00a0<span dir=\"ltr\" lang=\"en\">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment<\/span>\u00a0an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen und der Universit\u00e4t Toronto (Kanada) <a href=\"https:\/\/uni-tuebingen.de\/universitaet\/aktuelles-und-publikationen\/pressemitteilungen\/newsfullview-pressemitteilungen\/article\/stammt-der-aelteste-vorfahr-des-menschen-vom-balkan-ein-neues-fossil-schliesst-eine-luecke\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">berichtet<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium\" src=\"https:\/\/i.postimg.cc\/CdT8RR27\/image.png\" alt=\"Knochen eines Oberschenkels\" width=\"431\" height=\"393\" \/><\/p>\n<p>Der neue Oberschenkelknochen aus der Grabungsstelle Azmaka, nahe der Kleinstadt Chirpan in der Thrakischen Tiefebene, der Anfang M\u00e4rz 2026 in einem Artikel des Fachjournals <span dir=\"ltr\" lang=\"en\">Palaeodiversity and Palaeoenvironments<\/span>\u00a0beschrieben wurde, weist jedoch unverkennbare Merkmale eines Zweibeiners auf, eines menschlichen Vorfahren, der bereits auf seinen Hinterbeinen ging.<\/p>\n<h2><i>Graecopithecus\u00a0<\/i>\u2013 \u00e4ltester Vertreter der menschlichen Linie<\/h2>\n<p>\u201eMit einem Alter von 7,2 Millionen Jahren k\u00f6nnte dieser Vorfahr, den wir der Gattung\u00a0<i>Graecopithecus\u00a0<\/i>zuordnen, der \u00e4lteste bekannte Mensch sein\", sagt Professor David Begun von der Universit\u00e4t Toronto. Der erste Fund eines Exemplars von\u00a0<i>Graecopithecus<\/i>, ein Unterkiefer, wurde an einer Fundstelle in der N\u00e4he von Athen entdeckt. Bereits 2017 untersuchte das Forschungsteam diesen Fund und schlussfolgerte, dass die Form der Zahnwurzeln auf einen Vertreter der menschlichen Linie schlie\u00dfen lasse. Doch eine Zweibeinigkeit des Graecopithecus lie\u00df sich aus dem Unterkiefer nicht herleiten. Der neu entdeckte Oberschenkel aus Azmaka \u00e4ndert nun die Datenlage entscheidend.<\/p>\n<p>An der bulgarischen Fundstelle Azmaka lebte\u00a0<i>Graecopithecus<\/i>\u00a0an einem Flusslauf in einer Savannenlandschaft, \u00e4hnlich denen im heutigen Ostafrika. Der Oberschenkelknochen stammt von einem etwa 24 Kilogramm schweren, wahrscheinlich weiblichen, Individuum. \u201eEine Reihe von \u00e4u\u00dferen und inneren morphologischen Merkmalen, wie der verl\u00e4ngerte und aufrecht gerichtete Oberschenkelhals, spezielle Ansatzstellen f\u00fcr die Ges\u00e4\u00dfmuskulatur oder die Dicke der \u00e4u\u00dferen Knochenschicht weisen \u00c4hnlichkeiten mit zweibeinigen fossilen Menschenvorl\u00e4ufern und Menschen auf\", sagt Professor Nikolai Spassov vom bulgarischen Nationalmuseum f\u00fcr Naturgeschichte. Hierin unterschieden diese sich von den Oberschenkeln baumbewohnender Affen. \u201eAllerdings bewegte sich\u00a0<i>Graecopithecus\u00a0<\/i>noch nicht in der gleichen Weise wie der moderne Mensch\", setzt der Forscher hinzu. Der Azmaka-Oberschenkel vereine Merkmale von afrikanischen Menschenaffen mit solchen von j\u00fcngeren Zweibeinern.<\/p>\n<p>\u201e<i>Graecopithecus<\/i>\u00a0stellt eine Stufe in der menschlichen Evolution zwischen unseren in B\u00e4umen und auf dem Boden lebenden Vorfahren, wie zum Beispiel dem fast zw\u00f6lf Millionen Jahre alten\u00a0<i>Danuvius guggenmosi<\/i>\u00a0aus der Hammerschmiede im Allg\u00e4u, und j\u00fcngeren Funden aus Ostafrika dar\", sagt Begun. \u201eMan k\u00f6nnte ihn durchaus als fehlendes Bindeglied bezeichnen.\"\u00a0<i>Graecopithecus<\/i>\u00a0stamme h\u00f6chstwahrscheinlich von den acht bis neun Millionen Jahre alten balkanisch-anatolischen Menschenaffen wie Ouranopithecus und Anadoluvius ab, die sich wiederum aus Vorfahren in West- und Mitteleuropa entwickelt haben.<\/p>\n<h2>Klimamotoren der Ausbreitung<\/h2>\n<p>\u201eWir wissen, dass gro\u00dfr\u00e4umige Klimaver\u00e4nderungen im \u00f6stlichen Mittelmeerraum und Westasien vor acht bis sechs Millionen Jahren zum periodischen Entstehen ausgedehnter Halbw\u00fcsten und W\u00fcsten f\u00fchrten. Diese Entwicklung initiierte mehrere Ausbreitungswellen eurasischer S\u00e4ugetiere nach Afrika und legte den Grundstein der heutigen S\u00e4ugetierfauna afrikanischer Savannen\", sagt Professorin Madelaine B\u00f6hme vom\u00a0<span dir=\"ltr\" lang=\"en\">Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment<\/span>\u00a0an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Die Studienautoren vermuten daher, dass auch Menschenaffen sich nach S\u00fcden ausbreiteten. Ob sich die Vorfahren der Schimpansen, Gorillas und Menschen bereits in Europa getrennt hatten und ob diese Ausbreitungswellen sogar ein Grund f\u00fcr die genetische Isolation ihrer Linien war, muss durch k\u00fcnftige Entdeckungen noch gekl\u00e4rt werden. M\u00f6glicherweise breitete sich auch\u00a0<i>Graecopithecus<\/i>\u00a0vom Balkan nach Afrika aus, wo es ab sechs Millionen Jahren vor heute zur Entstehung fr\u00fcher menschlicher Vorfahren wie der Gattung\u00a0<i>Orrorin<\/i>\u00a0kam und sp\u00e4ter dem\u00a0<i>Australopithecus afarensis<\/i>, dessen bekanntester Vertreter der Fund namens Lucy ist.<\/p>\n<p>Die Arbeiten in Azmaka und an anderen Fundst\u00e4tten auf dem Balkan werden fortgesetzt, um weitere Exemplare von\u00a0<i>Graecopithecus<\/i>\u00a0zu finden und mehr \u00fcber die \u00d6kologie und Evolution dieses \u00fcberraschend fr\u00fchen Zweibeiners und m\u00f6gliche menschliche Vorfahren zu erfahren.<\/p>\n<p>Publikation:\u00a0Nikolai Spassov, Dionisios Youlatos, Madelaine B\u00f6hme, Ralitsa Bogdanova, Latinka Hristova, David R. Begun: An early form of terrestrial hominine bipedalism in the Late Miocene of Bulgaria.\u00a0<i>Palaeobiodiversity and Palaeoenvironments<\/i>,<br \/>\n<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s12549-025-00691-0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s12549-025-00691-0<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spannende Geschichte, wenn der Fund h\u00e4lt, was er verspricht. Ein internationales Team unter Beteiligung der Senckenberg Gesellschaft f\u00fcr Naturforschung und Universit\u00e4t T\u00fcbingen hat einen 7,2 Millionen Jahre alten Oberschenkel von Graecopithecus in Bulgarien ausgegraben. 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