{"id":29534,"date":"2026-03-18T00:02:03","date_gmt":"2026-03-17T23:02:03","guid":{"rendered":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/?p=29534"},"modified":"2026-03-17T14:59:10","modified_gmt":"2026-03-17T13:59:10","slug":"exoplanet-l-98-59-d-mit-kilometertiefem-magma-ozean","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/borncity.eu\/senioren\/2026\/03\/18\/exoplanet-l-98-59-d-mit-kilometertiefem-magma-ozean\/","title":{"rendered":"L 98-59 d: Der geschmolzene Exoplanet  mit kilometertiefem Magma-Ozean"},"content":{"rendered":"<p>Etwa 35 Lichtjahre von der Erde entfernt findet sich ein kleiner roter Stern <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/L_98-59\">L 98-59<\/a>, der von einem Exoplaneten von der 1,6 fachen Gr\u00f6\u00dfe der Erde umkreist wird. Der Stern besitzt ein Planetensystem, das mindestens einen erd\u00e4hnlichen Himmelsk\u00f6rper beherbergt. Nach Sch\u00e4tzungen hat der Stern mindestens f\u00fcnf Planeten, einer davon befindet sich in der habitablen Zone. Einer der Planeten, das Objekt mit der Bezeichnung L 98-59 d weist eine besonders geringe Dichte auf und enth\u00e4lt erhebliche Mengen an Schwefelwasserstoff in seiner Atmosph\u00e4re. Forscher gehen davon aus, dass der Planet von einem kilometertiefen Magma-Ozean bedeckt ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der am n\u00e4chsten zum Zentralstern <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/L_98-59\">L 98-59<\/a> liegende Planet, L 98-59b, hat etwa die halbe Masse der Venus. Der zweite Planet des Systems, L 98-59c, hat etwa die gleiche Masse wie die Erde, seine Gr\u00f6\u00dfe entspricht allerdings nur 80 % ihrer Gr\u00f6\u00dfe. Vergleicht man die Gr\u00f6\u00dfe des Exoplaneten L 98-59c mit der des Mars, so ist sein Durchmesser noch um ungef\u00e4hr drei Zehntel geringer. Die Umlaufzeit des Planeten L 98-59b betr\u00e4gt 2,3 Tage.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chstgr\u00f6\u00dfere Planet im System ist L 98-59d, dessen Masse 2,42 Erdmassen betr\u00e4gt, hat eine siebeneinhalb Tage dauernde Umlaufzeit. Der Durchmesser des bisher gr\u00f6\u00dften entdeckten und vermessenen Planeten (L 98-56e) des Systems betr\u00e4gt 20.026 Kilometer. Der am weitesten vom Stern gelegene best\u00e4tigte Planet, L 98-59e, ist lediglich etwa 0,0506 AE von diesem entfernt. Das ist etwa ein Neunzehntel der Entfernung der Erde zur Sonne.\u00a0Der f\u00fcnfte Planet bef\u00e4nde sich, als der am weitesten vom zentralen Stern entfernteste, in der habitablen Zone des Systems.<\/p>\n<h2>Planet L 98-59d mit\u00a0Magma-Ozean\u00a0als neue Kategorie<\/h2>\n<p>Bislang h\u00e4tten Astronomen den Planeten einer von zwei bekannten Kategorien zugeordnet: entweder einem felsigen \"Gaszwerg\" mit einer Wasserstoffatmosph\u00e4re oder einer wasserreichen Welt aus tiefen Ozeanen und Eis. Neue Erkenntnisse aus Beobachtungen zeigen jedoch, dass L 98-59 d keiner dieser Kategorien entspricht \u2013 stattdessen scheint er zu einer v\u00f6llig anderen Planetenklasse zu geh\u00f6ren, die schwere Schwefelmolek\u00fcle enth\u00e4lt, <a href=\"https:\/\/www.ox.ac.uk\/news\/2026-03-16-researchers-reveal-new-class-molten-planet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schreiben<\/a> die Forscher der Universit\u00e4t von Oxford.<\/p>\n<p>Der Planet scheint er zu einer ganz neuen Klasse von Himmelk\u00f6rpern zu geh\u00f6ren, die schwere Schwefelmolek\u00fcle enthalten. Mithilfe modernster Computersimulationen rekonstruierte ein Forscherteam der Universit\u00e4t Oxford, der Universit\u00e4t Groningen, der Universit\u00e4t Leeds und der ETH Z\u00fcrich die Geschichte des Planeten von kurz nach seiner Entstehung bis heute \u2013 ein Zeitraum von fast f\u00fcnf Milliarden Jahren. Durch die direkte Verkn\u00fcpfung von Teleskopbeobachtungen mit diesen detaillierten physikalischen Modellen des planetarischen Inneren und der Atmosph\u00e4ren konnten sie ermitteln, was tief im Inneren des Planeten vor sich gehen muss.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen, dass der Mantel von L 98-59 d wahrscheinlich aus geschmolzenem Silikat (\u00e4hnlich wie Lava auf der Erde) besteht, mit einem globalen Magmaozean, der sich Tausende von Kilometern unter der Oberfl\u00e4che erstreckt. Dieses riesige geschmolzene Reservoir erm\u00f6glicht es dem Planeten, \u00fcber geologische Zeitr\u00e4ume hinweg extrem gro\u00dfe Mengen an Schwefel tief in seinem Inneren zu speichern. Der Magmaozean hilft L 98-59 d zudem dabei, eine dichte, wasserstoffreiche Atmosph\u00e4re zu bewahren, die schwefelhaltige Gase wie Schwefelwasserstoff (H\u2082S) enth\u00e4lt. Normalerweise w\u00fcrde diese im Laufe der Zeit aufgrund der vom Mutterstern erzeugten R\u00f6ntgenstrahlung ins All entweichen.<\/p>\n<p>\u00dcber Milliarden von Jahren hinweg haben chemische Austauschprozesse zwischen seinem geschmolzenen Inneren und der Atmosph\u00e4re das geformt, was Teleskope heute auf L 98-59 d beobachten. Die Forscher vermuten, dass L 98-59 d das erste bekannte Mitglied einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe gasreicher, schwefelhaltiger Planeten sein k\u00f6nnte, die langlebige Magmaozeane beherbergen. Wenn dem so ist, k\u00f6nnte die Vielfalt der Welten in unserer Galaxie noch gr\u00f6\u00dfer sein als bisher angenommen.<\/p>\n<p>Beobachtungen des James Web Weltraumteleskops (JWST) aus dem Jahr 2024 deuteten auf das Vorhandensein von Schwefeldioxid und anderen Schwefelgasen in den oberen Schichten der Atmosph\u00e4re von L 98-59 d hin. Die neuen Modelle des Teams zeigen, dass diese Gase entstehen k\u00f6nnen, wenn ultraviolettes Licht des Muttersterns, des Roten Zwergs L 98-59, chemische Reaktionen ausl\u00f6st. Gleichzeitig fungiert der darunter liegende Magmaozean als riesiges Reservoir, das diese fl\u00fcchtigen Gase puffert, speichert und \u00fcber Milliarden von Jahren nach der Entstehung des Planeten wieder freisetzt. Diese Kombination aus tiefem Speicher f\u00fcr fl\u00fcchtige Stoffe im Inneren und ultraviolettgetriebener Atmosph\u00e4renchemie erkl\u00e4rt die bemerkenswerten Eigenschaften des Planeten.<\/p>\n<p>Den Simulationen zufolge entstand L 98-59 d wahrscheinlich mit einer sehr gro\u00dfen Menge an fl\u00fcchtigem Material und \u00e4hnelte einst eher einem gr\u00f6\u00dferen Sub-Neptun-Planeten. \u00dcber Milliarden von Jahren schrumpfte er allm\u00e4hlich, w\u00e4hrend er abk\u00fchlte und einen Teil seiner Atmosph\u00e4re verlor. Wichtig ist, dass Magmaozeane den universellen Ausgangszustand aller Gesteinsplaneten (einschlie\u00dflich der Erde und des Mars) darstellen. Daher k\u00f6nnen neue Erkenntnisse \u00fcber die Physik von Magmaozeanen Aufschluss \u00fcber die Urgeschichte unserer Erde ergeben. Ein deutschsprachiger Beitrag, der die Erkenntnisse aufgreift, findet sich bei <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Tausende-Kilometer-tiefer-Magmaozean-Eine-neue-Art-von-Exoplanet-gefunden-11213557.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">heise.de<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etwa 35 Lichtjahre von der Erde entfernt findet sich ein kleiner roter Stern L 98-59, der von einem Exoplaneten von der 1,6 fachen Gr\u00f6\u00dfe der Erde umkreist wird. Der Stern besitzt ein Planetensystem, das mindestens einen erd\u00e4hnlichen Himmelsk\u00f6rper beherbergt. 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